Feuertanz-Festival Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von jabberwocky666
Feuertanzfestival - eine brandheisse Show!
Pro:
tolle Bands, tolle Burg, tolles Wetter, tolle Stimmung
Kontra:
viele Menschen, die davon wissen....
Empfehlung:
Ja
1.) Vorwort
2.) Anreise
3.) Festivalgelände Burg Abenberg
4.) Das Konzert
- Saltatio Mortis
- Bloodflowerz
- Schandmaul
- Subway to Sally
- In Extremo
5.) Fazit
1.) Vorwort:
Irgendwann im März schaute ich mir gewohnheitsmäßig die Tourdaten meiner Lieblingsbands an. Dabei fiel mir auf, daß zwei meiner Favoriten (Saltatio Mortis und In Extremo) auf dem Feuertanzfestival auf der Burg Abenberg spielen würden. Eine kurze Recherche im Internet ergab, daß diese Burg in der Nähe von Nürnberg liegt und dort schon mehrfach namhafte Gruppen aufgetreten sind. Da das Konzert passender Weise an meinem Geburtstag (21.06.) stattfinden sollte, wußte ich gleich, was ich mir zu diesem Anlaß von meiner Freundin wünsche. Die Karten haben wir uns schnell und unkompliziert über das Internet besorgt, der Preis von 35.- Euro schien uns für ein solches Event durchaus angemessen.
2.) Anreise:
Auch wenn es in den heutigen Zeiten schwer vorstellbar scheint: Jabber glaubt an das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten. Ergo habe ich nicht nur die Infos und Karten via Internet bezogen, sondern wollte mir auch die Anfahrt von Stuttgart durch den Michelin-Routenplaner erklären lassen, ohne nochmals eine Karte zu Rate zu ziehen. Ein folgenschwerer Irrtum....
Das Festival sollte um 15:00 Uhr beginnen, Einlaß war ab 13:00 Uhr. Wir wollten gegen 13:30 Uhr vor Ort sein, um noch einigermaßen gute Plätze zu erwischen. Michelin hatte eine Fahrzeit von 2 Stunden errechnet (was bei meinem Fahrstil ca. 1 1/2 Stunden entspricht...) und da wir noch Mittagessen wollten, sind wir um 11:00 Uhr losgefahren.
Nach einer staufreien Fahrt und einer Mittagspause im idyllischen Crailsheim kamen wir kurz vor 14:00 Uhr am Michelin-Ziel (kurz hinter Ansbach...) an - leider war jedoch nirgends eine Burg oder ein Abenberg zu finden. Nun habe ich dann doch den ADAC-Atlas konsultiert und dabei feststellen müssen, daß Abenberg noch ca. 40 Kilometer in der entgegengesetzten Richtung von mir entfernt war. Michelin hatte mich nicht nur 3 Ausfahrten zu früh von der Autobahn geholt, sondern dann auch noch in die falsche Richtung geschickt.
Es folgte eine hektische Fahrt quer durch die Pampa, meine Freundin hatte schon die schlimmsten Befürchtungen ( \"Wir verpassen den Auftakt!\" \"Wir bekommen bestimmt keine guten Plätze mehr!\" \"Fahr\' nicht so schnell!\"...) und ich fluchte laut auf Michelin, doch gegen 14:30 Uhr kam dann tatsächlich unser Reiseziel in Sicht.
3.) Festivalgelände Burg Abenberg:
Schon wenn man auf Abenberg zufährt, wird das Auge magisch von der auf einem flachen Hügel mitten im Ort gelegenen imposanten Wehranlage angezogen. Die Burg nebst Mini-Ort gibt es schon seit über 1.000 Jahren. Unser Ziel vor Augen suchten wir nun nach dem im Internet erwähnten \"Großraumparkplatz\", der leider nicht ausgeschildert war. Trotzdem konnte man ihn leicht finden - wir sind einfach in die Richtung gefahren, aus der Massen von schwarzgekleideten Gestalten kamen. Der \"Großraumparkplatz\" entpuppte sich dann als ein Wiesenabhang der Burg mit teilweise starker Steigung und entsprechender Unfallgefahr, doch dafür mußte man auch nur 1.- Euro Standgebühr entrichten.
Vom Parkplatz gab es dann einen schweißtreibenden Anstieg Richtung Burg quer über Wiesen und durch kleine Gäßchen. Ca. 100 Meter vor der Burg kamen die Menschenmassen plötzlich zum Stillstand und dann ging es nur im Schneckentempo weiter. Das lag daran, daß man die Burg von unserer Seite aus nur über eine schmale Treppe erreichen konnte, auf der lediglich 3 Leute nebeneinander paßten.
Nachdem wir diese Hürde überstanden hatten, folgte die überaus laxe Einlaßkontrolle (es wurden lediglich die Karten abgerissen) und schon befanden wir uns in der Burg, die aus allen Nähten zu platzen schien - kein Wunder, da das Festival restlos ausverkauft war.
Von der Burg selbst haben wir wenig gesehen, doch sie ist sicherlich einen Besuch wert. Im Burghof soll es gerüchtehalber einen Mittelaltermarkt gegeben haben, ein Vordringen dorthin war jedoch leider nicht möglich. Wir haben uns daher auf die für ein Festival wichtigen Bereiche konzentriert und sind gleich auf den Vorplatz der Burg gegangen. Hierbei handelte es sich um ein Wiesengrundstück mit der Fläche eines Fußballfeldes, das schon von zahlreichen Gestalten bevölkert war. An einem Ende gab es eine große Bühne, am anderen Ende die lebensnotwendigen Stände für Döner, Pizza (sehr lecker, 2,50 Euro/Stück), Würstchen, Steak (auch lecker, 3,50 Euro/Stück) und Getränke (Apfelschorle 2,50 Euro, Bier 3,00 Euro + 1 Euro Pfand). Außerdem gab es noch ein paar Toiletten, vor denen die Schlange länger war als bei den Getränken...
Links neben der Bühne gab es noch ein paar Steinstufen, die Platz für ca. 100 Leute boten und natürlich bei unserem Eintreffen voll besetzt waren. Wir hatten jedoch das unglaubliche Glück, daß just bei unserem Eintreffen zwei Plätze frei wurden, die wir natürlich gleich belegt und für das restliche Festival nicht mehr hergegeben haben.
Wer das Festivalgelände verlassen hat, fand auf der rechten Seite einen weiteren Vorhof, auf dem sich die Fan-Shops der Bands niedergelassen hatten. Dort gab es eine gute Auswahl an Shirts, CDs und sonstigen Accessoires, leider jedoch zu den auf Festivals üblichen Preisen...
4.) Das Konzert:
Pünktlich um 15:00 Uhr betrat der Moderator die Bühne, begrüßte die Anwesenden und erklärte das Festival für eröffnet. Was ich dabei etwas merkwürdig fand: Das Festival wurde als \"Mittelalter-Festival\" betitelt und es wurden Lieder angekündigt, die so schon vor 1.000 Jahren auf der Anlage erklungen wären - um ehrlich zu sein: Ich glaube nicht, daß Synthesizer, E-Gitarren und ähnliches zur Standardausrüstung der Minnesänger zählten... Zum Auftakt betraten Saltatio Mortis die Bühne:
- Saltatio Mortis
Saltatio Mortis habe ich bereits im vergangenen Jahr live auf der Wäscherburg erleben dürfen. Das damalige Konzert zu Ihrer CD \"Tabernakel\" war absolut genial und machte mich sofort zum Fan der Band. Meine in der Folge abgegebenen Lobpreisungen wurde sogar vom Frontmann der Truppe, \"Lasterbalk\" via Mail beantwortet - der lose Mailkontakt hält heute noch an. Die zweite Scheibe der Gruppe, \"Das zweite Gesicht\", fand ich dann nicht so gut, da hier der pure Mittelaltersound wieder mit modernen Instrumenten gemischt wurde und sich das Ergebnis irgendwie wie Subway to Sally angehört hat - Saltatio Mortis hatten ihren eigenen Stil verloren. Anfang diesen Jahres kam dann die CD \"Heptessenz\", die in meinen Augen eine der 3 besten Mittelalter-CDs aller Zeiten ist.
Leider wollten sich Saltatio Mortis wohl an die anderen Gruppen anpassen und haben daher Ihr Mittelalter-Rock Album \"Das zweite Gesicht\" gespielt - meines Erachtens ein großer Fehler. Das Publikum war jedoch zufrieden (die meisten kannten wohl \"Heptessenz\" nicht...) und bei Liedern wie \"Skudrinka\" oder \"Mea Culpa\" kam sogar ordentlich Stimmung auf. Aufgelockert wurde das Ganze durch \"Schweinskram\"-Dialoge zwischen dem Frontmann \"Lasterbalk\" und dem Adligen (\"500 Jahre Inzucht\") \"von Mümmelstein\", die eigentlich die Show bestimmten. Ob es jedoch wirklich notwendig gewesen wäre, daß man vor jedem Lied einen Schwank von \"Lasterbalk dem Lästerlichen\" erzählt, mag ich mal dahingestellt lassen.
Außerdem beschlich mich mehrfach der Eindruck, daß die Instrumente teilweise Playback waren, da manchmal ganz andere Rhythmen zu hören waren, als offensichtlich gespielt wurden. Die Dudelsäcke waren jedoch live und laut...
Trotzdem gab es am Ende deutlich \"Zugabe\"-Rufe, doch leider durfte aus Zeitgründen nur eine Zugabe gespielt werden.
Insgesamt betrachtet war das Konzert von Saltatio Mortis recht ordentlich, doch die Jungs können wirklich mehr - wer es nicht glaubt, dem sei die \"Heptessenz\" wärmstens ans Herz gelegt: Mittelalter goes Techno! Wer die Gruppe bisher nicht kannte, wird das Konzert durchaus positiv sehen, ältere Fans der Karlsruher Truppe sind jedoch besseres gewöhnt.
Nach einer Umbaupause von ca. 30 Minuten betrat die nächste Band die Bühne:
- Bloodflowerz
Was hatte diese Band auf diesem Festival zu suchen? Eine Mischung aus Dark Wave und Metall ohne jeglichen Bezug zum Mittelalter. Die Lieder waren zwar durchaus hörbar, konnten jedoch nicht vom Hocker reissen. Entsprechend schnell lichtete sich auch der Platz vor der Bühne und lediglich ein paar Hartgesottene verblieben - allerdings wahrscheinlich weniger wegen der Musik als eher wegen der hübschen Sängerin. Die Band spielte bemüht über eine qualvolle Stunde lang und gab dann sogar noch eine Zugabe, nachdem ein Spaßvogel danach verlangt hatte. Mehr kann ich zu dieser Band leider nicht sagen - zu anderer Zeit an anderem Ort wären sie vielleicht gut gewesen, doch auf der Burg Abenberg waren sie einfach fehl am Platz.
Während der nun folgenden Umbauphase füllte sich der Platz vor der Bühne wieder wie von Geisterhand. Es wurde nicht nur voll, sondern richtig voll und so erwarteten wir gespannt die nächste Band, die einen großen Fankreis zu haben schien und uns dennoch unbekannt war:
- Schandmaul
Mittelalter-Rock ala Subway to Sally mit eingängigen Texten und Melodien. Schon die ganze Zeit waren uns im Publikum Frauen aufgefallen, die ein T-Shirt mit der Aufschrift \"Teufelsweib\" trugen (und die allesamt aussahen, wie graue Kirchenmäuse...) und mit diesem Lied wurde das Konzert auch eröffnet. Das Publikum kochte und konnte den Text mitsingen, während ich versuchte, den Sinn zu erhaschen. So bekam ich z.B. mit, daß es sich bei \"Teufelsweib\" offensichtlich um eine Prostituierte handelte und frage mich nun natürlich, ob all die grauen Kirchenmäuse getarnte Nutten waren...
Schandmaul spielten ca. 75 Minuten und heizten das Publikum voll auf. Fast alle Texte waren bekannt und wurden lauthals mitgegröhlt. Auch uns hat die Band sehr gut gefallen, die Mischung von Mittelalter mit Rock ist gut gelungen und die beiden weiblichen Bandmitglieder sind eine Augenweide. Die CD \"Narrenkappe\" der Gruppe habe ich mir bereits bei Amazon bestellt. Außerdem gibt es seit heute eine Live-DVD der Band, die ebenfalls zu empfehlen ist.
Nach zwei Zugaben mußten auch Schandmaul die Bühne räumen und mit Spannung wurde der erste Hauptakt des Abends erwartet:
- Subway to Sally
Subway to Sally gilt als Inbegriff der Mittelaltermusik - weshalb, ist mir schleierhaft. Corvus Corax macht Mittelalter-Musik, In Extremo hat früher Mittelalter-Musik gemacht (die CDs \"Hameln\", \"Die Verrückten sind in der Stadt\" und \"Gold\" legen davon Zeugnis ab), doch Subway to Sally macht gewiß keine Mittelalter-Musik. Die Band verwendet Instrumente wie Dudelsack, Schalmeien und Geige, doch das alleine macht meines Erachtens noch lange keine Mittelalter-Musik. Auch die auf alt getrimmten Texte können daran nichts ändern.
Meinen ersten Kontakt mit StS hatte ich vor ein paar Monaten im Stuttgarter LKA - dort spielten sie sehr laut, rockig und eigentlich überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Mit entsprechenden Vorbehalten erwartete ich nun dieses Konzert, doch ich wurde angenehm überrascht.
Schon den Opener \"Die Schlacht\" konnten die meisten mitsingen, der Anblick und die Spielkunst von Frau Schmitt an der Geige beeindruckte vom ersten Augenblick an und die eindringliche Stimme des Sängers Eric Fish tat ihr übriges. Lieder wie \"Veitstanz\", \"Wenn Engel hassen\", \"Herrin des Feuers\", \"Krötenliebe\" und der unglaubliche Ohrwurm \"Kleid aus Rosen\" brachten die Stimmung auf den Höhepunkt und machten auch uns zu Fans dieser Gruppe mit ihrem ungewöhnlichen Musikstil.
Beeindruckend auch der Mut des Sängers Eric, der sich mehrfach plötzlich in die Menge hechtete und sogenanntes Stage-diving betrieb.
Nach ca. 90 Minuten und ein paar Zugaben (zuletzt das vom Publikum frenetisch geforderte \"Blut, Blut, Blut, Räuber saufen Blut\") mußten sich auch StS verabschieden, was wir zwar bedauerten, doch angesichts des letzten Programmpunktes mit Fassung trugen.
Mittlerweile war es Nacht auf Abenberg geworden und ein prächtiger Sternenhimmel begann, sich am Firmament zu entwickeln. Nach längerem Umbau erklang dann die verbale Einleitung der Gruppe, die wir sehnlichst erwarteten:
- In Extremo
In Extremo kenne ich schon ziemlich lange - ihr erstes Konzert auf der Wäscherburg (1997) wird mir unvergessen bleiben und auch in den Folgejahren habe ich keines ihrer Konzerte in erreichbarer Nähe verpaßt. In diesen 6 Jahren haben sich In Extremo ziemlich verändert; nach den ersten Erfolgen ihrer mittelalterlichen Musik haben sie begonnen, moderne Instrumente in ihre Lieder einzubauen. Der dadurch erzielte kommerzielle Erfolg veranlaßte die Band, von ihren traditionellen Wurzeln abzuweichen. Das letzte reine Akustik-Konzert mit mittelalterlichen Instrumenten fand meines Wissens im letzten Jahr auf der Wäscherburg statt. Der Sänger der Band, \"Das Einhorn\", erklärte seinerzeit, daß sie stark aus der Übung wären - entsprechend schlecht war das Konzert. Wie ich nun erfahren mußte, werden In Extremo keine rein mittelalterlichen Konzerte mehr geben - eigentlich schade. Auch sonst habe In Extremo die Volksnähe leider etwas verloren - das ist wohl der Preis des Ruhms.
Doch auch wenn In Extremo nicht mehr ist, was In Extremo einst war, so ist das nicht unbedingt negativ. Auch die Rockshow von In Extremo vermag durchaus zu überzeugen. Gleich zu Beginn kam \"Der Spielmannsfluch\" gefolgt von \"Herr Mannelig\" - das Publikum raste, sang lauthals mit und niemand konnte ruhig stehen bleiben.
Die Show voller Feuereffekte war ein voller Erfolg, auch wenn größtenteils Lieder aus der aktuellen CD \"Sünder ohne Zügel\" kamen, die ich persönlich nicht sooo gut finde. Doch nachdem auch ältere Mitgröhl-Hits wie \"Palästinalied\", \"Villeman og Magnhild\", \"Hiemali Tempore\" und \"Ai vis lo lop\" gespielt wurden, trug ich es mit Fassung.
Während der mitreißenden Show wurde noch über der Burg ein kleines Feuerwerk abgebrannt, was die tolle Atmosphäre noch verstärkte. Zur Abkühlung wurde die tobende Masse von der Seite mit einem Schlauch bespritzt – ob dies wirklich im Sinne der Anwesenden war, will ich mal dahingestellt lassen.
Fazit:
Noch ein Jahr bis zum nächsten Feuertanz-Festival!??! Wie soll ich das überstehen!?? Es war einfach ein absolut gelungener Tag (wenn man von Michelin\'s Routenplaner absieht) mit genialem Wetter und super Musikprogramm. Die Anreise und jeder Cent der Eintrittskarte haben sich gelohnt. Wir kommen gerne wieder! Allerdings sollte man sich wohl frühzeitig um die Karten kümmern.
Wer die Show verpaßt hat: Im September soll eine DVD vom Festival erscheinen!
Musiktipps:
Mittelalter pur: Saltatio Mortis - Heptessenz / Corvus Corax - Viator / Corvus Corax - Mille anni pasi sunt / In Extremo - Hameln
Mittelalter-Rock: In Extremo - Verehrt und Angespien / Tanzwut - Ihr wolltet Spaß / Subway to Sally - Herzblut
Carpe Noctem (für das Feuertanz-Festival)
Euer Jabber
2.) Anreise
3.) Festivalgelände Burg Abenberg
4.) Das Konzert
- Saltatio Mortis
- Bloodflowerz
- Schandmaul
- Subway to Sally
- In Extremo
5.) Fazit
1.) Vorwort:
Irgendwann im März schaute ich mir gewohnheitsmäßig die Tourdaten meiner Lieblingsbands an. Dabei fiel mir auf, daß zwei meiner Favoriten (Saltatio Mortis und In Extremo) auf dem Feuertanzfestival auf der Burg Abenberg spielen würden. Eine kurze Recherche im Internet ergab, daß diese Burg in der Nähe von Nürnberg liegt und dort schon mehrfach namhafte Gruppen aufgetreten sind. Da das Konzert passender Weise an meinem Geburtstag (21.06.) stattfinden sollte, wußte ich gleich, was ich mir zu diesem Anlaß von meiner Freundin wünsche. Die Karten haben wir uns schnell und unkompliziert über das Internet besorgt, der Preis von 35.- Euro schien uns für ein solches Event durchaus angemessen.
2.) Anreise:
Auch wenn es in den heutigen Zeiten schwer vorstellbar scheint: Jabber glaubt an das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten. Ergo habe ich nicht nur die Infos und Karten via Internet bezogen, sondern wollte mir auch die Anfahrt von Stuttgart durch den Michelin-Routenplaner erklären lassen, ohne nochmals eine Karte zu Rate zu ziehen. Ein folgenschwerer Irrtum....
Das Festival sollte um 15:00 Uhr beginnen, Einlaß war ab 13:00 Uhr. Wir wollten gegen 13:30 Uhr vor Ort sein, um noch einigermaßen gute Plätze zu erwischen. Michelin hatte eine Fahrzeit von 2 Stunden errechnet (was bei meinem Fahrstil ca. 1 1/2 Stunden entspricht...) und da wir noch Mittagessen wollten, sind wir um 11:00 Uhr losgefahren.
Nach einer staufreien Fahrt und einer Mittagspause im idyllischen Crailsheim kamen wir kurz vor 14:00 Uhr am Michelin-Ziel (kurz hinter Ansbach...) an - leider war jedoch nirgends eine Burg oder ein Abenberg zu finden. Nun habe ich dann doch den ADAC-Atlas konsultiert und dabei feststellen müssen, daß Abenberg noch ca. 40 Kilometer in der entgegengesetzten Richtung von mir entfernt war. Michelin hatte mich nicht nur 3 Ausfahrten zu früh von der Autobahn geholt, sondern dann auch noch in die falsche Richtung geschickt.
Es folgte eine hektische Fahrt quer durch die Pampa, meine Freundin hatte schon die schlimmsten Befürchtungen ( \"Wir verpassen den Auftakt!\" \"Wir bekommen bestimmt keine guten Plätze mehr!\" \"Fahr\' nicht so schnell!\"...) und ich fluchte laut auf Michelin, doch gegen 14:30 Uhr kam dann tatsächlich unser Reiseziel in Sicht.
3.) Festivalgelände Burg Abenberg:
Schon wenn man auf Abenberg zufährt, wird das Auge magisch von der auf einem flachen Hügel mitten im Ort gelegenen imposanten Wehranlage angezogen. Die Burg nebst Mini-Ort gibt es schon seit über 1.000 Jahren. Unser Ziel vor Augen suchten wir nun nach dem im Internet erwähnten \"Großraumparkplatz\", der leider nicht ausgeschildert war. Trotzdem konnte man ihn leicht finden - wir sind einfach in die Richtung gefahren, aus der Massen von schwarzgekleideten Gestalten kamen. Der \"Großraumparkplatz\" entpuppte sich dann als ein Wiesenabhang der Burg mit teilweise starker Steigung und entsprechender Unfallgefahr, doch dafür mußte man auch nur 1.- Euro Standgebühr entrichten.
Vom Parkplatz gab es dann einen schweißtreibenden Anstieg Richtung Burg quer über Wiesen und durch kleine Gäßchen. Ca. 100 Meter vor der Burg kamen die Menschenmassen plötzlich zum Stillstand und dann ging es nur im Schneckentempo weiter. Das lag daran, daß man die Burg von unserer Seite aus nur über eine schmale Treppe erreichen konnte, auf der lediglich 3 Leute nebeneinander paßten.
Nachdem wir diese Hürde überstanden hatten, folgte die überaus laxe Einlaßkontrolle (es wurden lediglich die Karten abgerissen) und schon befanden wir uns in der Burg, die aus allen Nähten zu platzen schien - kein Wunder, da das Festival restlos ausverkauft war.
Von der Burg selbst haben wir wenig gesehen, doch sie ist sicherlich einen Besuch wert. Im Burghof soll es gerüchtehalber einen Mittelaltermarkt gegeben haben, ein Vordringen dorthin war jedoch leider nicht möglich. Wir haben uns daher auf die für ein Festival wichtigen Bereiche konzentriert und sind gleich auf den Vorplatz der Burg gegangen. Hierbei handelte es sich um ein Wiesengrundstück mit der Fläche eines Fußballfeldes, das schon von zahlreichen Gestalten bevölkert war. An einem Ende gab es eine große Bühne, am anderen Ende die lebensnotwendigen Stände für Döner, Pizza (sehr lecker, 2,50 Euro/Stück), Würstchen, Steak (auch lecker, 3,50 Euro/Stück) und Getränke (Apfelschorle 2,50 Euro, Bier 3,00 Euro + 1 Euro Pfand). Außerdem gab es noch ein paar Toiletten, vor denen die Schlange länger war als bei den Getränken...
Links neben der Bühne gab es noch ein paar Steinstufen, die Platz für ca. 100 Leute boten und natürlich bei unserem Eintreffen voll besetzt waren. Wir hatten jedoch das unglaubliche Glück, daß just bei unserem Eintreffen zwei Plätze frei wurden, die wir natürlich gleich belegt und für das restliche Festival nicht mehr hergegeben haben.
Wer das Festivalgelände verlassen hat, fand auf der rechten Seite einen weiteren Vorhof, auf dem sich die Fan-Shops der Bands niedergelassen hatten. Dort gab es eine gute Auswahl an Shirts, CDs und sonstigen Accessoires, leider jedoch zu den auf Festivals üblichen Preisen...
4.) Das Konzert:
Pünktlich um 15:00 Uhr betrat der Moderator die Bühne, begrüßte die Anwesenden und erklärte das Festival für eröffnet. Was ich dabei etwas merkwürdig fand: Das Festival wurde als \"Mittelalter-Festival\" betitelt und es wurden Lieder angekündigt, die so schon vor 1.000 Jahren auf der Anlage erklungen wären - um ehrlich zu sein: Ich glaube nicht, daß Synthesizer, E-Gitarren und ähnliches zur Standardausrüstung der Minnesänger zählten... Zum Auftakt betraten Saltatio Mortis die Bühne:
- Saltatio Mortis
Saltatio Mortis habe ich bereits im vergangenen Jahr live auf der Wäscherburg erleben dürfen. Das damalige Konzert zu Ihrer CD \"Tabernakel\" war absolut genial und machte mich sofort zum Fan der Band. Meine in der Folge abgegebenen Lobpreisungen wurde sogar vom Frontmann der Truppe, \"Lasterbalk\" via Mail beantwortet - der lose Mailkontakt hält heute noch an. Die zweite Scheibe der Gruppe, \"Das zweite Gesicht\", fand ich dann nicht so gut, da hier der pure Mittelaltersound wieder mit modernen Instrumenten gemischt wurde und sich das Ergebnis irgendwie wie Subway to Sally angehört hat - Saltatio Mortis hatten ihren eigenen Stil verloren. Anfang diesen Jahres kam dann die CD \"Heptessenz\", die in meinen Augen eine der 3 besten Mittelalter-CDs aller Zeiten ist.
Leider wollten sich Saltatio Mortis wohl an die anderen Gruppen anpassen und haben daher Ihr Mittelalter-Rock Album \"Das zweite Gesicht\" gespielt - meines Erachtens ein großer Fehler. Das Publikum war jedoch zufrieden (die meisten kannten wohl \"Heptessenz\" nicht...) und bei Liedern wie \"Skudrinka\" oder \"Mea Culpa\" kam sogar ordentlich Stimmung auf. Aufgelockert wurde das Ganze durch \"Schweinskram\"-Dialoge zwischen dem Frontmann \"Lasterbalk\" und dem Adligen (\"500 Jahre Inzucht\") \"von Mümmelstein\", die eigentlich die Show bestimmten. Ob es jedoch wirklich notwendig gewesen wäre, daß man vor jedem Lied einen Schwank von \"Lasterbalk dem Lästerlichen\" erzählt, mag ich mal dahingestellt lassen.
Außerdem beschlich mich mehrfach der Eindruck, daß die Instrumente teilweise Playback waren, da manchmal ganz andere Rhythmen zu hören waren, als offensichtlich gespielt wurden. Die Dudelsäcke waren jedoch live und laut...
Trotzdem gab es am Ende deutlich \"Zugabe\"-Rufe, doch leider durfte aus Zeitgründen nur eine Zugabe gespielt werden.
Insgesamt betrachtet war das Konzert von Saltatio Mortis recht ordentlich, doch die Jungs können wirklich mehr - wer es nicht glaubt, dem sei die \"Heptessenz\" wärmstens ans Herz gelegt: Mittelalter goes Techno! Wer die Gruppe bisher nicht kannte, wird das Konzert durchaus positiv sehen, ältere Fans der Karlsruher Truppe sind jedoch besseres gewöhnt.
Nach einer Umbaupause von ca. 30 Minuten betrat die nächste Band die Bühne:
- Bloodflowerz
Was hatte diese Band auf diesem Festival zu suchen? Eine Mischung aus Dark Wave und Metall ohne jeglichen Bezug zum Mittelalter. Die Lieder waren zwar durchaus hörbar, konnten jedoch nicht vom Hocker reissen. Entsprechend schnell lichtete sich auch der Platz vor der Bühne und lediglich ein paar Hartgesottene verblieben - allerdings wahrscheinlich weniger wegen der Musik als eher wegen der hübschen Sängerin. Die Band spielte bemüht über eine qualvolle Stunde lang und gab dann sogar noch eine Zugabe, nachdem ein Spaßvogel danach verlangt hatte. Mehr kann ich zu dieser Band leider nicht sagen - zu anderer Zeit an anderem Ort wären sie vielleicht gut gewesen, doch auf der Burg Abenberg waren sie einfach fehl am Platz.
Während der nun folgenden Umbauphase füllte sich der Platz vor der Bühne wieder wie von Geisterhand. Es wurde nicht nur voll, sondern richtig voll und so erwarteten wir gespannt die nächste Band, die einen großen Fankreis zu haben schien und uns dennoch unbekannt war:
- Schandmaul
Mittelalter-Rock ala Subway to Sally mit eingängigen Texten und Melodien. Schon die ganze Zeit waren uns im Publikum Frauen aufgefallen, die ein T-Shirt mit der Aufschrift \"Teufelsweib\" trugen (und die allesamt aussahen, wie graue Kirchenmäuse...) und mit diesem Lied wurde das Konzert auch eröffnet. Das Publikum kochte und konnte den Text mitsingen, während ich versuchte, den Sinn zu erhaschen. So bekam ich z.B. mit, daß es sich bei \"Teufelsweib\" offensichtlich um eine Prostituierte handelte und frage mich nun natürlich, ob all die grauen Kirchenmäuse getarnte Nutten waren...
Schandmaul spielten ca. 75 Minuten und heizten das Publikum voll auf. Fast alle Texte waren bekannt und wurden lauthals mitgegröhlt. Auch uns hat die Band sehr gut gefallen, die Mischung von Mittelalter mit Rock ist gut gelungen und die beiden weiblichen Bandmitglieder sind eine Augenweide. Die CD \"Narrenkappe\" der Gruppe habe ich mir bereits bei Amazon bestellt. Außerdem gibt es seit heute eine Live-DVD der Band, die ebenfalls zu empfehlen ist.
Nach zwei Zugaben mußten auch Schandmaul die Bühne räumen und mit Spannung wurde der erste Hauptakt des Abends erwartet:
- Subway to Sally
Subway to Sally gilt als Inbegriff der Mittelaltermusik - weshalb, ist mir schleierhaft. Corvus Corax macht Mittelalter-Musik, In Extremo hat früher Mittelalter-Musik gemacht (die CDs \"Hameln\", \"Die Verrückten sind in der Stadt\" und \"Gold\" legen davon Zeugnis ab), doch Subway to Sally macht gewiß keine Mittelalter-Musik. Die Band verwendet Instrumente wie Dudelsack, Schalmeien und Geige, doch das alleine macht meines Erachtens noch lange keine Mittelalter-Musik. Auch die auf alt getrimmten Texte können daran nichts ändern.
Meinen ersten Kontakt mit StS hatte ich vor ein paar Monaten im Stuttgarter LKA - dort spielten sie sehr laut, rockig und eigentlich überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Mit entsprechenden Vorbehalten erwartete ich nun dieses Konzert, doch ich wurde angenehm überrascht.
Schon den Opener \"Die Schlacht\" konnten die meisten mitsingen, der Anblick und die Spielkunst von Frau Schmitt an der Geige beeindruckte vom ersten Augenblick an und die eindringliche Stimme des Sängers Eric Fish tat ihr übriges. Lieder wie \"Veitstanz\", \"Wenn Engel hassen\", \"Herrin des Feuers\", \"Krötenliebe\" und der unglaubliche Ohrwurm \"Kleid aus Rosen\" brachten die Stimmung auf den Höhepunkt und machten auch uns zu Fans dieser Gruppe mit ihrem ungewöhnlichen Musikstil.
Beeindruckend auch der Mut des Sängers Eric, der sich mehrfach plötzlich in die Menge hechtete und sogenanntes Stage-diving betrieb.
Nach ca. 90 Minuten und ein paar Zugaben (zuletzt das vom Publikum frenetisch geforderte \"Blut, Blut, Blut, Räuber saufen Blut\") mußten sich auch StS verabschieden, was wir zwar bedauerten, doch angesichts des letzten Programmpunktes mit Fassung trugen.
Mittlerweile war es Nacht auf Abenberg geworden und ein prächtiger Sternenhimmel begann, sich am Firmament zu entwickeln. Nach längerem Umbau erklang dann die verbale Einleitung der Gruppe, die wir sehnlichst erwarteten:
- In Extremo
In Extremo kenne ich schon ziemlich lange - ihr erstes Konzert auf der Wäscherburg (1997) wird mir unvergessen bleiben und auch in den Folgejahren habe ich keines ihrer Konzerte in erreichbarer Nähe verpaßt. In diesen 6 Jahren haben sich In Extremo ziemlich verändert; nach den ersten Erfolgen ihrer mittelalterlichen Musik haben sie begonnen, moderne Instrumente in ihre Lieder einzubauen. Der dadurch erzielte kommerzielle Erfolg veranlaßte die Band, von ihren traditionellen Wurzeln abzuweichen. Das letzte reine Akustik-Konzert mit mittelalterlichen Instrumenten fand meines Wissens im letzten Jahr auf der Wäscherburg statt. Der Sänger der Band, \"Das Einhorn\", erklärte seinerzeit, daß sie stark aus der Übung wären - entsprechend schlecht war das Konzert. Wie ich nun erfahren mußte, werden In Extremo keine rein mittelalterlichen Konzerte mehr geben - eigentlich schade. Auch sonst habe In Extremo die Volksnähe leider etwas verloren - das ist wohl der Preis des Ruhms.
Doch auch wenn In Extremo nicht mehr ist, was In Extremo einst war, so ist das nicht unbedingt negativ. Auch die Rockshow von In Extremo vermag durchaus zu überzeugen. Gleich zu Beginn kam \"Der Spielmannsfluch\" gefolgt von \"Herr Mannelig\" - das Publikum raste, sang lauthals mit und niemand konnte ruhig stehen bleiben.
Die Show voller Feuereffekte war ein voller Erfolg, auch wenn größtenteils Lieder aus der aktuellen CD \"Sünder ohne Zügel\" kamen, die ich persönlich nicht sooo gut finde. Doch nachdem auch ältere Mitgröhl-Hits wie \"Palästinalied\", \"Villeman og Magnhild\", \"Hiemali Tempore\" und \"Ai vis lo lop\" gespielt wurden, trug ich es mit Fassung.
Während der mitreißenden Show wurde noch über der Burg ein kleines Feuerwerk abgebrannt, was die tolle Atmosphäre noch verstärkte. Zur Abkühlung wurde die tobende Masse von der Seite mit einem Schlauch bespritzt – ob dies wirklich im Sinne der Anwesenden war, will ich mal dahingestellt lassen.
Fazit:
Noch ein Jahr bis zum nächsten Feuertanz-Festival!??! Wie soll ich das überstehen!?? Es war einfach ein absolut gelungener Tag (wenn man von Michelin\'s Routenplaner absieht) mit genialem Wetter und super Musikprogramm. Die Anreise und jeder Cent der Eintrittskarte haben sich gelohnt. Wir kommen gerne wieder! Allerdings sollte man sich wohl frühzeitig um die Karten kümmern.
Wer die Show verpaßt hat: Im September soll eine DVD vom Festival erscheinen!
Musiktipps:
Mittelalter pur: Saltatio Mortis - Heptessenz / Corvus Corax - Viator / Corvus Corax - Mille anni pasi sunt / In Extremo - Hameln
Mittelalter-Rock: In Extremo - Verehrt und Angespien / Tanzwut - Ihr wolltet Spaß / Subway to Sally - Herzblut
Carpe Noctem (für das Feuertanz-Festival)
Euer Jabber
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