Focus Testbericht
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Erfahrungsbericht von newsboard
FOKUS: ewig auf Platz zwei: die ehrgeizige Konkurrenz
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Mit enormem Werbeaufwand, - den Fokus kennt man doch aus dem fernsehen, - das ist der mit dem löwenmähnigen, grau gelockten Chefredakteur Helmut Markwort, - dem, der es so liebt sich im Fernsehspot in Pose zu setzen und gute Ratschläge an seine Mitarbeiter zu verteilen.
Der Mann ist der Fokus, er ist es, der alles Fokussiert, überall kann man es spüren, er will es so: Wille, Kraft, Ehrgeiz scheinen den gesamten Fokus zu dominieren.
Die Aktion Fokus ist weitestgehend eine One Man Show, und da liegen auch die Schwächen, - den Spiegel liest man immer wieder, weil er als ganzes überzeugt, der kommt als ruhig und verlässlich rüber.
Der Fokus wirkt manchmal wie krampfhaft gewollt und nicht immer gekonnt. Man merkt dem Fokus an, dass er sich als Konkurrenz zum Spiegel sieht, als Abklatsch, wenn man böse sein will, als Herausforderer, wenn man es neutraler sieht.
Bei so viel Mühe, die man sich beim Fokus gibt, im übrigen auch hier mit wirklich ausgezeichneten, z. T. recht schreibstarken Journalisten im Team, kann nicht nur, da muss zwangsläufig etwas vernünftiges herauskommen, - und das tut es dann auch hin und wieder.
Sehen wir uns die Nr. 4 vom 21. Januar 2002 an:
Außen aufgemacht mit der Titelstory Generation SMS, der Kult um die geheime Post, einem Hinweis auf das immer aktuelle Thema welche aktuellen guten Handys es gibt, einer Umfrage zum Wahlkampf, aufgemacht Rot-Grün verliert, Schröders Fehlstart in die Abwehrschlacht, - oben noch in der Vorschau: ein Interview mit dem berüchtigten Hamburger Polit-Richter Ronald Barnabas Schill.
Schon dieser erste Auszug lässt erkennen, was der Fokus will, wo er steht, und wie sachlich oder unsachlich er sein kann oder will.
Der Fokus ist kaum zu verdächtigen liberaler zu sein, oder links zu stehen, - klar und deutlich erkennbar vertritt der Fokus mittel-rechtere Positionen, er steht eher der konservativen Seite nahe, und versucht, leider manchmal zu leicht zu erkennen und zu durchschauen, gegen Rot-grün und für die konservativere Seite Partei zu ergreifen oder dienlich zu sein, - würde in dieser Ausgabe etwas anderes sehen, so hätte mich das ernstlich verstaunt.
Ich betone ausdrücklich, ich ergreife hier als Person nicht Partei für mehr oder weniger rechts oder links, für die einen oder die anderen, - mir geht es einfach darum, dass ein guter Journalist nicht links- oder rechtslastig sein sollte, jedenfalls nicht dann, wenn er vorgibt sachlich und neutral zu berichten.
Blättern wir ein wenig weiter, so steht da „Schröder ohne Strategie“, und Schill ist erneut abgebildet mit „Recht und Ordnung?“ irgendwie erinnert mich das, leider, an den nicht immer allzu beliebten, da einseitigen so genannten rechten Bild-Zeitungs-Journalismus: Qualitativ wirklich hoch stehende, ausgezeichnete redaktionelle und journalistische Arbeit, inhaltlich leider einseitiger politischer – wie sagten an früher – Kampfjournalismus, - da wir mal eben locker flockig leicht Stimmung gemacht, gegen die eine und dafür aber natürlich um so mehr für die andere Seite oder Partei.
Das wertet ab, das mindert die saubere Glaubwürdigkeit vermeintlicher oder vorgeblich sachlich richtiger Berichterstattung.
Daran kann dann auch mancher wirklich gute, informativer Bericht nicht viel ändern.
Erst einmal gibt es weitere Berichte mit den Themen: Müntefering setzt die Grünen auf Stimmen-Diät, und ergänzend dazu wird gleich einmal wohlwollend Kanzler-Kandidat Stoibers Schatten-Kabinett vorgestellt, er folgt ein Artikel gegen den SPD-Bürgermeister von Saarbrücken als verfilzter Betrüger, eigentlich schon, für eine einzige Ausgabe, ein recht massives, hoch politisches Informations-Angebot, dosierter Wahl-Kampf vom Feinsten, - kämen solche Berichte aus der Wahlkampf-Zentrale der CDU oder der CSU, dann wäre ich begeistert, ob der trefflichen, klar umrissenen psychologisch gut aufgebauten Angriffs-Taktik, - da diese berichte jedoch in einem bezahlten, sich als politisch profiliert neutralen, sachlich informierenden Platt stehen, dass beim Streit um die journalistische Krone als bestes, als führendes politisches Magazin mitkämpfen will, da habe ich doch etwas leichtere bis mittlere Bedenken.
Vielleicht sollte ich es anders umschreiben: Hier wird weder das Niveau, noch die Qualifikation eines Spiegels erreicht.
Mit einem großen Aufwand ist es Herrn Markwort gelungen, sich und sein Blatt im Markt zu etablieren, und ein, wie mir scheint, relativ klarer Zweiter zu werden, - bekannt für seine Werbung, aber auch für seine von Zeit zu Zeit wirklich auch recht guten Berichte und Artikel.
So könnten wir in diesem Heft noch einen umfangreicheren Artikel über den für den US-Geheimdienst arbeitenden Schriftsteller Carl Zuckmeyer erwähnen, der die anderen in Nazi-Deutschland tätigen Größen in Kunst und Kultur den Amerikanern nach Stasi-IM-Manier per Dossiers ausleuchtete, unter Wellness-Atlas werden 49 Häuser vorgestellt, die interessante und exotische Kuren anbieten, recht informativ zu diesem Thema, ein Test vergleicht die Leistungspakete verschiedener maßgeblicher Krankenkassen, kulturell wird berichtet über Vanilla Sky und das Paar der Saison, Tom und Penny, unter Politik u.a. über Haiders Kampagne gegen die Tschechische Republik und Temelin, sowie über die wirtschaftliche Lage der neuen Regierung in Afghanistan, - wie bekannt kann man dort derzeit nicht einmal die Gehälter für die Mitarbeiter zahlen, - übrigens eigentlich nichts neues für viele Länder, so kennen wir das aus Russland doch schon seit Jahren.
Inhalt gibt es also auch hier reichlich, ohne Frage – vergleichen wir jedoch Spiegel und Fokus, dann zieht der Fokus eigentlich beständig den Kürzeren. Für die Praxis möchte ich jedoch, salomonisch empfehlen, dass man als aufbauende Grundlektüre den Spiegel nutzt, zur ergänzenden Information jedoch sehr wohl auf den Fokus zurückgreifen kann, - muss man sich jedoch entscheiden, so ist klar und unmissverständlich dem Spiegel der Vorzug zu geben.
Auch bei einer möglichen Rangfolge in der Bewertung der beiden Magazine sehe ich für den Fokus noch lange keine Chance den Spiegel zu schlagen, - eher sehe ich für ihn auf Dauer, wen er so aktiv dran bleibt, die nicht immer dankbare Rolle des in dieser Branche „Ewigen Zweiten“, genau so, wie der Spiegel seit Jahrzehnten eben nun mal der Ewige Erste ist.
War es nicht einmal Helmut Markwort, der sagte, dass dieses Land eine gute Streitkultur brauche, - recht hatte er da, wir stimmen ihm voll zu. Streiten heißt jedoch, für ihn leider, nicht, auch bei bestem Einsatz, immer, dass man es auch schafft erster zu werden.
Je eher und unverkrampfter der Fokus und sein Macher das verstehen, um so eher könnte er wirklich eines Tages einmal die Krone erringen. Wenn ich auch nicht immer wie er denke, so würde ich ihm, bei dem massiven, ehrgeizigen Einsatz für seine Sache doch, dass er es, bei ausreichender Einsicht, eines Tages doch einmal schafft. Jedenfalls denke ich mir, dass der Herr dieses Ringes erst dann wirklich glücklich sein wird.
Wir als interessierte Zuschauer können uns da nur immer wieder informieren, wie sich die Fokus-Streitkultur so weiterentwickelt.
19 Bewertungen, 4 Kommentare
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07.06.2003, 20:46 Uhr von rolf-der-fuchs
Bewertung: sehr hilfreichnicht schlecht
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22.03.2002, 15:29 Uhr von Radar
Bewertung: sehr hilfreichIch lese beide Magazine und finde den Focus in der letzten Zeit oft besser als den Spiegel. Die berechtigte Kritik an unserer Regierung kann man eigentlich nicht als eher rechten Journalismus bezeichnen, zumahl Edmund Stoiber auch nicht besonders gut wegka
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25.02.2002, 13:41 Uhr von peterh
Bewertung: sehr hilfreichIch finde viele Focus-Artikel irgendwie unvollständig und suche oft nach der "Fortsetzung". Oft werden mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet.
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25.02.2002, 11:00 Uhr von Maeuschen21
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir einen wunderschönen guten Morgäään ;o) Mandy
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