Follow The Reaper - Children of Bodom Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  schlecht

Erfahrungsbericht von The_Wishmaster

Hatebreeder - Hier wird der Hass noch selbst gebrütet!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo liebe Leserinnen und Leser!


Finnland ist ein weiteres Mal das Herkunftsland der Kapelle, um die sich mein heutiger Bericht dreht. So habe ich in den letzten Wochen so ziemlich alle relevanten Metalcombos aus dem Land der tausend Seen mit Berichten bedacht (Jaja, Chainy, Stratovarius fehlen...) - alle, bis auf eine. \"Children of Bodom\" eroberten seit ihrem Debüt \"Something Wild\" im Jahre 1998 die Herzen der Metalfans weltweit im Sturm, gehören schon lange zu den absoluten Shootingstars der Szene und sind neben Nightwish und Hammerfall wohl einer der Top-Newcomer der letzten Jahre.
Ihre rasante Mischung aus hochtechnischem Deathmetal, gepaart mit flinken Keyboardläufen und irrwitzigen Soli - teils mit Einflüssen aus der klassischen Musik - machte sie trotz der rauhen Vocals von Mastermind Alexi \"Wildchild\" Laiho zum Geheimtipp für Liebhaber aller möglichen Genres. Mit \"Hatebreeder\" warf man 1999 das Zweitwerk auf den Markt und konnte sich nach dem gelungenen Debüt endgültig in die Riege der etablierten Bands katapultieren. Warum \"Hatebreeder\" so ein verdammt starkes Album geworden ist und warum selbst ich trotz der wieder einmal recht knappen Spielzeit hier eine (nahezu) uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann, lest ihr am besten selbst...



1.) ~~~Warheart~~~

\"From now on we are enemies - you and I...\" - eine dunkle Stimme verkündet mir das, was ich eigentlich gar nicht so recht glauben kann. Denn wenn nach zwei Sekunden Bassgefrickel die Double Bass in einem Affenzahn losrumpelt, die Synths aufkreischen und die Leadgitarren sich gegenseitig ein Geschwindigkeitsduell liefern, dann kann diese Scheibe ja nur mein Freund werden. Ungeübte Banger werden hier nach spätestens drei Millisekunden übelste Nackenschmerzen haben, alle anderen liegen in aller Regel erst mal ekstatisch zuckend am Boden. In den Strophen klirren dann die Gitarren, während Alexi Laiho aggressiv und laut seine Lyrics ins Mikro schreit. Seine Vocals klingen dabei mehr nach kreischendem Blackmetal als nach tief gegrunztem Deathmetal und da sich seine Stimme auch der jeweiligen Melodie anpasst, wirkt der Song gar nicht so unmelodisch, wie das hier vielleicht klingen können.

\"I have chosen darkness to by my guide,
death is in my heart,
war is by my side.\"

Kultige Zeilen, die hier herausgeplärrt werden und die man gerade so noch verstehen kann. Die restlichen Texte bleiben bei den Finnen nämlich oft ein Rätsel und manche behaupten sogar, Alexi würde da im Studio bei den Aufnahmen nur wirres Zeugs plärren, weil es keine festen Lyrics gibt. Egal, musikalisch gibt\'s hier erst mal weiterhin die möhrenschrubbelnde Vollbedienung im Uptempo, der Chorus gönnt nur bedingt eine Verschnaufpause, da hier dann \"Warheart!!!\" umso lauter mitgegröhlt werden darf. Im Solo wird dann noch ein wenig das Tempo variiert und die ersten Einflüsse klassischer Musik werden hörbar. Kein Wunder, zählt W.A. Mozart doch zu den größten Vorbildern von \"Wildchild\" Laiho.

10/10


2.) ~~~Silent Night, Bodom Night~~~

Was hier auf den ersten Blick wie eine Coverversion von \"Stille Nacht, Heilige Nacht\" scheint, ist von der ersten Sekunde an alles andere als still. Und heilig ist hier erst recht nichts, weswegen wir uns an unheiligem (und vor allem unheimlich gutem!) Drumming zusammen mit den passenden Riffs erfreuen dürfen. Erst im ultraharten Midtmepo, dann entsprechend beschleunigt, wobei immer wieder melodische Leads dazwischen geworfen werden.

\"But the Reaper wants more...\"

Der Chorus wird eingeleitet und erklingt ungewohnt melodisch und eingängig, was auch daran liegen dürfte, dass Alexi \"grunzend singt\". Der Keyboardsound wurde dabei auch so geschickt gelegt, dass tatsächlich eine leicht fröstelnde Nachtstimmung aufkommt, was der allgemeinen Atmosphäre des Songs sehr zuträglich ist. Das wird vor allem in einem Break vor einem gitarrenbetonten Mosh-Part und dem Solo deutlich. Starker Song mit etlichen Tempowechseln.

10/10


3.) ~~~Hatebreeder~~~

Nun folgt also der Titelsong. Und nachdem man zuvor den Keyboards gern mal die Hälfte des Raums gelassen hat, kommen sie hier anfangs nicht zu mehr als kurzen Orchester-Breaks. Den Rest des Songs nehmen aggressive Gitarrenriffs und das starke Drumming in Beschlag, wobei vor allem die eingebauten Blasts in den Strophen für Euphorie unter den Headbangern sorgen dürften. Den Chorus absolviert Alexi dann erneut mit melodischen Gegrunze, woraufhin sich ein Lead-Duell im abgefahrenen Soloteil über den Hörer ergießt, sobald er einen kurzen Zwischenteil überstanden hat. Hier melden sich übrigens auch die Keys mal wieder dezent zu Wort.

8/10


4.) ~~~Bed of Razors~~~

Erneut wird ein Song von den klimpernden Keys eröffnet, deren Klang diesmal sehr eigen ist. Ihr kennt Castlevania für das SNES? Nein? Mist... Dann stellt euch einfach mal eine feuchte Tropfsteinhöhle vor, die nur dusig beleuchtet ist. In einer Ecke: Wasserpfützen. Von der Decke fallen Wassertropfen in diese Pfützen und ergeben ein glucksendes Geräusch. Stellt euch nun vor, dass genau dieses Geräusch ins Keyboard gepackt worden ist und ihr wisst, wie die Einleitung klingt...
Danach geben vor allem die Leadgitarren im Midtempo den Ton an, bevor in den Strophen der Akkord-Dampfhammer ausgepackt und mächtig gerifft wird. Jukka an den Drums darf sich hier dann auch endlich mal ein wenig ausruhen und gemütlich im Midtempo klopfen, abgedrehte Blastparts oder eine Konstant-Double Bass findet man hier nämlich nicht. Wohl aber Orchester-Breaks und sinfonische Einsprengsel vom Keyboard. Und schlußendlich sogar ein Solo!

8/10


5.) ~~~Towards Dead End~~~

Ein furioses Drum-Intro, dann sägende Gitarren und eine Double Bass, die knattert als gäbe es kein Morgen mehr. Jukka ist als ausgeruht, das merkt man! Die Gitarren leaden im Doppelpack, frickeln miteinander um die Wette und lassen die Keys erst mal ganz schön alt aussehen. Die Strophen sind von den Riffs her ziemlich eingängig gehalten, gehen gut ab und werden durch kleine Breaks aufgelockert. Mal im Midtempo, meist im Uptempo geht hier mächtig die Luzy ab und Alexi erzählt uns mal wieder die Story von der wilden Wutz. Dumm nur, dass man mal wieder von den Lyrics nichts mitbekommt, aber hier zählt eben rein die Musik und dazu passen auch die Vocals - egal was nun gesungen wird - einfach hervorragend.

\"You can hurt me, but you cannot posess me!\"

Wohl die Kernaussage des Songs, an die sich ein geniales Keyboardstück anreiht, zu dem sich nach und nach auch Drums, Gitarren und Alexi\'s Vocals gesellen. Und als ob das noch nicht genug wäre, haben wir zum Ende hin wieder einen geitarrenbetonten Mosh-Teil mit klimperndem Keyboard-Interlude und finalem Klassik-Zitaten von Gitarren und Keys. Derbes Stück mit hohem Kultfaktor!

10/10


6.) ~~~Black Widow~~~

Kurz, aber auch nur ganz kurz, ertönen hier mega-melodische Keys-Melodien. Danach ist es wieder Zeit für eine gepflegte Gitarrenattacke, was sich die Finnen natürlich nicht zweimal sagen lassen. In den Strophen wechselt sich dann Alexi mit einem aggressiv shoutendem Chor ab, bevor die Gitarrenleads die Führung übernehmen. \"Fuck!\" - Hey, das hab ich sogar verstanden! *lach*
In der Mitte des Songs dann wieder ein Solo, das seeeehr an klassische Stücke erinnert, von der Melodieführung her und so. Ich kenn mich zwar im klassischen Bereich zugegeben nicht so aus, aber wenn hier vielleicht jemand was wiedererkennt, würde mich das schon mal interessieren. Gesanglich hält man sich hier insgesamt ein wenig zurück, es wird mehr Wert auf frickelnde Klampfen gelegt. Mir soll\'s recht sein.

9/10


7.) ~~~Wrath Within~~~

Eine relativ simple Tonfolge an der Stromgitarre eröffnet den Titel, bevor man rechtzeitig zur Strophe das Gaspedal entsprechend durchdrückt und losschrotet. Mal gibt es dann nur Gesang mit Drums, dann wieder von Gitarren begleitet. Insgesamt klingen hier auch die Keyboardeinsätze recht gewöhnungsbedürftig, was den Titel nicht gerade leicht zugänglich macht. Dank eines genialen Leads gegen Ende schaffen es die Finnen dann aber doch, mir auch diesen Titel positiv im Gedächtnis zurückzulassen.

8/10


8.) ~~~Children of Bodom~~~

Es folgt die \"Bandhymne\", die vorab schon auf dem \"Death... is just the beginning\"-Sampler zu hören war, da jedoch in einer rauheren und härteren Version. Die Produktion ist hier also ein wenig gebügelter und klarer, von seiner Brillianz verliert der Titel dagegen nichts. Unglaublich flott duellieren sich hier die Keys und die Gitarren schon in den Strophen, Alexi\'s Vocals kommen teils zweistimmig und trotzdem klingt alles furchtbar homogen. Ein Moshpart hier, der Chorus mit Orgeleinsatz da und hintendran ein arschgeiles Gitarrenlead. Abwechslung wird hier groß, fett und dreimal unterstrichen geschrieben. Und wer genau hinhört, kann sogar den Bass an diversen Stellen mit frickeln hören. Gegen Ende läuten dunkle Glockentöne einen Cembalo-Part der Keys ein, phänomenal. Denn dann ist noch nicht Schluß, nein, dann wird mal wieder in den Werken der alten Meister gekramt und gefrickelt. Ein finaler Chorus inklusive anschließender Ohrwurmmelodie und Keyboardsolo lässt uns endgültig wunschlos glücklich zurück.

10/10


9.) ~~~Downfall~~~

Auch hier wird nach einer gemächlichen Einleitung in den Strophen noch einmal die Kelle ausgepackt und gedroschen, ohne Rücksicht auf Verluste. So derbe das auch klingen mag, so genial hört es sich an und so melodisch folgt dann ein Keyboardteil mit Bass-Solo. Neben aggressivem Blastparts und einem Hammerchorus überzeugen hier vor allem die Keyboardeinsätze, die immer wieder überraschend Melodie in den Titel bringen und den Song auflockern. Und wenn dann final wieder klassisch angehauchte Noten gezockt werden, nur um kurz darauf in einen sphärischen Part zu verfallen, dann bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Jungs zu einem weiteren Kracher und einem würdigen Abschluß des Albums zu gratulieren.

9/10


~~~Fazit~~~

Klar, Nicht-Metaller werden hier gnadenlos überfordert und auch wer kein Instrument spielt - Gitarre ist immer von Vorteil, aber was anderes (außer Xylophon oder Triangel) tut\'s auch - kann auch die superben Fähigkeiten der Jungs in diesem Bereich kaum nachvollziehen. Dennoch darf er sich dann an astreiner Mucke erfreuen, die stets zwischen den verschiedenste Stilen munter hin- und herwechselt und deswegen eigentlich jedem etwas bietet. Klar, mit Laiho\'s kreischendem Gesangsstil muss man sich erst mal anfreunden, aber der Rest der Musik ist durchweg melodisch - wenn auch teils rasend schnell - gehalten. Die Produktion ist ultrafett und knallt ohne Ende, das Cover mit dem Sensenmann diesmal in grün gehalten und recht nett und die Spieldauer von nicht mal 45 Minuten wieder äußerst bescheiden. Da man aber auf dem zweiten Silberling im Vergleich zum Debüt kompositorisch noch ein paar Schippen draufgelegt hat, vergebe ich trotzdem mal knappe 5 Sterne.


In diesem Sinne...

Stay Dark!

The-Warmaster

40 Bewertungen, 1 Kommentar

  • LittleSparko

    11.01.2007, 14:21 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela