Follow The Reaper - Children of Bodom Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von Emm-Jay
Finnischer melodischer Death-Metal... Ah ja...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
+++ CHILDREN OF BODOM +++
Der Name der Band erscheint auf den ersten Blick sehr "unmetallig", erklärt sich aber rasch. Es handelt sich bei diesen Children (Kindern) um vier jugendliche Opfer eines Mordverbrechens, bei dem drei der vier Teenager umgebracht wurden und einer auf Grund dieser Tat noch bis heute in psychischer Behandlung ist. Dieses Verbrechen ereignete sich 1960 bei eben diesem kleinen See namens Bodom in der Nähe von Helsinki.
Die Entstehungsgeschichte der Band ist auch recht schnell dargelegt. Zunächst gründeten die Mitglieder Alexi Laiho und Jaska Raatikainen im Jahr 1993 eine Combo unter dem Namen "Inearthed", die schnell durch zwei weitere Mitglieder komplettiert wurde. Als Spinefarm Records auf die aufmerksam wurde, lösten sie sich sowohl von ihrer damaligen belgischen Plattenfirma als auch von ihrem Namen und waren fortan bekannt als "Children of Bodom". Die Follow the Reaper ist seitdem das dritte (Studio-)Album unter diesem Namen und wurde zunächst im Oktober 2000 in Finnland über Spinefarm, später im Januar 2001 über Nuclear Blast auch im restlichen Europa vertrieben. Einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad hatten Children of Bodom bereits mit der Hatebreeder (1999) erreicht, so dass dieser Neuerscheinung nur ein recht kleiner Teil in punkto Bedeutsamkeit in der Diskographie zugesprochen werden kann. Zum Zeitpunkt der Aufnahme bestand die Band aus dem Frontmann Alexi "Wildchild" Laiho (Gitarre und "Gesang" (wer die Musik kennt, weiss, warum ich Anführungsstriche gesetzt habe)), Alexander Kuoppala (E-Gitarre), Henkka T. Blacksmith (Bass-Gitarre), Janne Warman (Keyboard) und Jaska Raatikainen (an den Drums).
+++ DIE MUSIK VON CHILDREN OF BODOM +++
Die grundsätzliche Stilrichtungsschublade, in die Children of Bodom einzuordnen sind, kann man recht eindeutig mit Melodic Death-Metal beschriften. Und genau diese Richtung scheint es zu sein, die ein Urteil so schwer macht. Während klassischer Death-Metal über brachiale Drumpatterns und ein beeindruckendes Gekreische ausgezeichnet wird, kommen in der melodischen Kategorie die Gitarre und vor allem das Keyboard mehr zur Geltung und spielen - wie es eben höchst untypisch ist - melodische Parts. Daher haben alteingesessene Death-Metaller oft ein Problem damit, dieses Genre anzuerkennen, geschweige denn, gut zu finden, während Freunde des Power- und Speedmetals das Gekreische schon als störend empfinden. Children of Bodom bewegen sich also sozusagen auf des Messers Schneide, was diesen Aspekt angeht. Ich glaube, hier spielt der persönliche Geschmack eines jeden Zuhörers eine große Rolle.
Typisch für die Band sind eben die gerade angesprochenen Merkmale. Während Alexi kreischt und Jaska knüppelt, was das Zeug hält, hört man vom Keyboard eher melodische Klänge...
Vergleichbare Bands gibt es natürlich auch, so sind wohl In Flames zu nennen, die den Stil des melodischen Death-Metals sehr ähnlich interpretieren... Von der Instumentierung her könnte man noch Sacred Steel (Heiligsbleschle :) ) heranziehen, die Vokalisierung erinnert vielleicht noch an Death...
+++ DIE TEXTE BEI CHILDREN OF BODOM +++
Ja... Das ist ein Kapitel für sich. Eins vorneweg: Die Texte sind eigentlich größtenteils komplett egal, da man sie eh nicht verstehen kann. Nicht nur, dass sie meist recht unverständlich gekreischt werden, es kommt noch ein finnischer Akzent hinzu, der es ohne Booklet sehr schwer macht, etwas nachzuvollziehen (na gut, so schlimm wie Summoning ists nicht, aber trotzdem...). Und wo wir grade von Booklet sprechen. Das ist ein großer Kritikpunkt bei Children of Bodom, denn selbst wenn man sich freiwillig auferlegen würde, die Texte mitlesen zu wollen, es ist unmöglich. Einfach, weil über die Hälfte nicht abgedruckt werden, aus "persönlichen Gründen" (so habe Alexi mal in einem Interview gesagt). Von daher ist es auch sehr kompliziert, den Gehalt der Lyrics zu bestimmen. Motive wie Tod, Schrecken und Hass ziehen sich erkennbar wie ein roter Faden durch die Lieder, was mit ihrem Image sicher sehr konform geht, aber ansonsten darf man nicht sehr hohe Ansprüche stellen an die lyrischen Offenbarungen...
+++ DIE "FOLLOW THE REAPER" +++
Im Folgenden werde ich kurz auf jeden einzelnen Track eingehen... Dabei wird naturgemäß etwas mehr Augenmerk liegen auf der musikalischen Seite als auf der lyrischen...
1. FOLLOW THE REAPER - 3:47
Das erste Lied der CD beginnt, wie auch schon bei der Hatebreeder, mit einem kurzen Sprachsample, das wahrscheinlich den Moment markiert, in dem der Reaper (Sensenmann bzw. der personifizierte Tod) einen "Kunden" abholt. Nach diesem Sample liefern sich Leadgitarre und Schlagzeug ein kleines Introgefecht, das Keyboard und der Bass steigen mit ein, bis Alexi einen furchteinflößenden Schrei loslässt als Artikulation des ersten Wortes (auf der CD). Das Lied ist - wie die meisten von Children of Bodom - geprägt von einer großen Geschwindigkeit, kleinen Strophen und vielen eingestreuten Brücken und Soli. Ich persönlich empfinde dies eher als störend, man bekommt das Gefühl als wollten Alexi und seine Mannen unbedingt ihr Können unter Beweis stellen und verzichten dafür auf Straightness.
2. BODOM AFTER MIDNIGHT - 3:43
Das zweite Lied fängt da an, wo das erste aufhört. Es geht schnell weiter, das kurze Drumintro fällt kaum auf, bevor die Gitarren wieder schrummeln und Alexi gröhlt. Wieder werden einige Soloparts eingestreut, wieder endet das Lied mit einer akustischen Kenntlichmachung des Endes (ich nenne das mal "Paukenschlagverfahren")...
3. CHILDREN OF DECADENCE - 5:34
Diesen Titel würde ich als Anspieltipp empfehlen. Er ist doch sehr typisch für die Musik und kann auch ansonsten überzeugen. Eine auffällige Änderung zu den vorangegangenen Stücken besteht nur in den vergleichsweise langen Strecken, in denen die Gitarren ein reitendes Riff geben, ohne dass ein Solo eingeworfen wird. Auch ist dies eins der wenigen Stücke, wo man den Text von Alexi stellenweise erahnen kann, ohne das Booklet (in dem dieser Text eh nicht steht) zur Hand nehmen zu wollen.
4. EVERYTIME I DIE - 4:03
Die "Ballade" unter den Stücken auf dieser CD. Gekennzeichnet ist dies durch wirklich merkbar langsamere Gitarrenführung sowie eine betont tiefe Stimme von Alexi. Ebenfalls verwunderlich ist die Tatsache, dass zu diesem Track der Text abgedruckt zu finden ist, allerdings weist er nicht wirklich viel Niveau auf, mit dem Titel des Liedes ist eigentlich alles gesagt. Kann man mal kurz reinhören, wenn man sich ein Bild davon machen will, dass Children of Bodom doch nicht so eintönig sind, wie es bisher anklang.
5. MASK OF SANITY - 3:58
Oh! Das Intro dieses Liedes wird vom Keyboard bestritten. Danach kehrt aber schnell wieder alles zum alten zurück, es wird wieder schnell, hart und melodisch zwischendurch. Keine wirklich auffälligen Elemente hier...
6. TASTE OF MY SCYTHE - 3:58
Die Einleitung dieses Liedes bildet wieder ein kurzes Sample, in dem es thematisch um die Scythe (Sense) des Reapers geht. Es folgt Children-of-Bodom-Hausmannskost, diesmal eine Spur langsamer aber nicht minder "zerstückelt" (Strophe, Brücke, Refrain, Solo, Brücke, Refrain, Solo ... ). Man kann allerdings einen Anstieg in Tempo und Dynamik gegen Ende erkennen, also ganz eintönig ist es nie...
7. HATE ME! - 4:44
Für mich das beste Stück der Platte (das impliziert, dass es sich hierbei um einen Anspieltipp handelt :) ). Nicht nur, dass das Schlagzeug etwas mehr in den Hintergrund gemixt wurde, auch die Stimme von Alexi ist klarer. Der Text ist im Booklet abgedruckt und das Lied verfügt scheinbar über eine wirklich sinnvolle Struktur, aber dennoch abwechslungsreich. Will heißen, diesmal hatte ich nicht das Gefühl, es handle sich um Stückwerktechnologie. Und nicht zuletzt ist das ganze ein echter Ohrwurm!
8.NORTHERN COMFORT - 3:48
Nach diesem wirklich beeindruckenden Stück wieder ein ziemlich durchschnittliches und typisches. Intro, Gekreische, Gitarrenriff, melodischer Keyboardpart... ...
9. KISSING THE SHADOWS - 4:32
Das offiziell letzte Lied bildet noch einmal einen recht gelungengen Abschluss. Zwar finden sich die typischen Elemente (ich glaube, ich brauche es nicht mehr wiederholen, oder?), aber dadurch, dass das Lied einen Tick langsamer gehalten ist, erscheint es in größerer Ordnung. Die Rhythmusgitarre besticht fast durchgängig durch ein Jon-Schaffer-reitet-die-Gitarre-Riff und der Einsatz von Spannungspausen gefällt mir persönlich sehr gut. Noch einmal ein guter Ausklang vor dem Bonustrack.
10. HELLION (Bonustrack) - 3:02
In meinen Augen ein sehr schwacher Bonustrack. Man hört ein "Cover" des gleichnamigen Stücks von Blackie Lawless, aber mit einer verheerenden Stimme, schrummeligen Gitarren und einem peinlich posigen Refrain. Interessant ist lediglich das am Anfang und zwischendurch eingespielte Sample vom Öffnen einer Getränkedose... spricht nicht unbedingt für dieses Lied...
+++ FAZIT +++
So, was ergibt sich nun summa summarum für dieses Werk der melodischen Finnenmetaller? Für mein sensibles Gehör klingen viele Tracks sehr ähnlich, von zwei, drei Highlights unterbrochen. Sicherlich gibt es Fürsprecher, die gerade in der Ähnlichkeit der Lieder einen Vorteil sehen, weil sie genau auf diesen Typus total abfahren. Das möchte bitte jeder potentielle Käufer vorher für sich ermitteln. Ich hingegen finde den Vorgänger der Follow the Reaper, also die Hatebreeder, zum einen etwas besser gelungen, da dort noch nicht ganz so viele Abweichungen innerhalb eines Liedes zu finden waren und zum anderen vollkommen ausreichend, um sich mit Children of Bodom-Songs zu versorgen. Ich bestreite nicht, dass zumindest eine CD der Finnen in jedem gutsortierten Metalfan-CD-Regal vorkommen sollte, aber dann nicht unbedingt diese. Aber Probehören sollte man trotzdem auf jeden Fall mal...
Zum Schluß noch das witzigste (und zugleich posigste) Detail an der CD. Dort, wo im Booklet gewöhnlich steht "Die Band dankt demunddemunddem" erdreisten sich die Alexi und Co zu folgendem Satz:
"CHILDREN OF BODOM would let these people live:"
Halte man hiervon, was man wolle...
In diesem Sinne, KEEP ROCKIN'
EmmJay
PS: Diese Meinung ist ursprünglich von mir unter dem Usernamen "EmmJay" bereits auf dooyoo.de veröffentlicht worden.
18 Bewertungen, 5 Kommentare
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02.03.2003, 02:07 Uhr von sub7even
Bewertung: sehr hilfreichausführlich, aber doch teilweise etwas inkompetent, wie ich finde .... die texte ohne skrupel einfach so unter den tisch fallen zu lassen ist meiner meinung nach völlig daneben. die jungs werden sich sicher was dabei denken, wenn sie sie schre
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24.09.2002, 12:26 Uhr von Colonel
Bewertung: sehr hilfreichIch würde nicht sagen, das das Death Metal ist, aber die Jungs sind trotzdem Endgenial!
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14.03.2002, 23:58 Uhr von bofried
Bewertung: sehr hilfreichsehr nützlich, weil sehr ausführlich. Gruß Bofried
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14.03.2002, 23:38 Uhr von Netti1982
Bewertung: sehr hilfreichWow, so viele Infos... Kompliment von Netti.
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14.03.2002, 23:34 Uhr von DrKnickely
Bewertung: sehr hilfreichwow, ausführlich :)
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