Frank, Anne (1929-1945) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bunny83

Grausame Realität...

Pro:

Schreibstil, Bildmaterial

Kontra:

es war Realität

Empfehlung:

Nein

Heute möchte ich mich einmal an ein sehr spezielles Buch wagen, das von einem schwierigen Thema handelt.

***Ein paar Vorinformationen***

Preis: 7,90 €
ISBN: 3-596-15277-1
Verlag: Fischer
Fassung/Veröffentlichung: Otto H. Frank
Übersetzung: Mirjam Pressler
Seitenzahl: 316

***Vorgeschichte***

Anne Frank, eine Jüdin, wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. Ihr Vater ging 1933 in die Niederlande (Amsterdam) und leitete dort eine Firme. Später kamen seine Frau und seine beiden Töchter Anne und Margot nach.

Zum 13. Geburtstag, damals noch in glücklicheren Umständen, bekam die junge Anne ein rotkariertes Tagebuch geschenkt.
So begann sie ab dem 12. Juni 1942 diesem Buch all ihre Gedanken und Gefühle anzuvertrauen. Da Anne aber nie eine richtige Freundin hatte, nannte sie ihr Buch liebevoll “Kitty” und vertraute dieser imaginären Freundin alles an.

Durch Hitlers Judengesetze hatten sie allerdings ein schweres Leben und eine schwierige Kindheit, da es Juden nicht erlaubt war in irgendeiner Form am öffentlichen Leben teilzunehmen.
Als Hitler dann schließlich in den Niederlanden einfiel musste sich die Familie Frank verstecken. Doch wo?
Die einzige Lösung war da das Hinterhaus im Geschäftshaus des Vaters. Alles wurde dort nun schnellstmöglich gebunkert (Kleidung und Nahrungsmittel). Im Hinterhaus war aber genug Platz, sodass die Familie Frank noch weitere Juden zu sich nahm. Unter ihnen war die Familie Pels, welche in Annes Tagebuch als Familie van Daan (bestehend aus Vater, Mutter und Sohn Peter) genannt wird und einen Bekannten namens Fritz Pfeffer, von Anne im Tagebuch Albert Dussel genannt. Anne nannte alle Personen um, da sie in einem Radiobericht hörte, dass nach dem Krieg alle schriftlichen Dokumente, darunter vor allem auch Tagebücher veröffentlicht werden sollten. Annes größter Wunsch war es also, als Schriftstellerin bekannt zu werde, dabei wollte sie aber nicht, dass die wahren Personen genannt werden.
Durch die Hilfe zweier Arbeiter des Vaters war es den 8 Versteckten möglich im Hinterhaus zu überleben, denn sie brachten ihnen Nahrung, Kleidung und auch Bücher. Damit aber niemand der nicht eingeweihten Personen etwas von dem geheimen Versteck erfuhrt, wurde vor die Tür zum Hinterhaus ein Regal geschoben.

***Inhalte des Tagebuchs***

Im Tagebuch schildert Anne unter welcher Angst das Leben im Hinterhaus ablief. Zu Beginn benahmen sich die acht Personen friedlich und waren fast wie eine Großfamilie. Doch nach und nach war die ständige Nähe der Auslöser für viele Zankereien. Diese gingen um banale Dinge wie Geschirr, Abwasch oder Kartoffeln schälen. Doch leider ließ sich dies nicht vermeiden, da nicht genügend Platz vorhanden war, so dass sich jeder mal zurückziehen hätte können.

Das Schlimmste für ein junges, agiles Mädchen wie Anne war es aber, tagsüber ruhig zu sein, so wenig wie möglich umherzulaufen und so leise wie möglich oder gar nicht zu reden. Auch auf die Toilette durften sie nicht bzw. durften sie die Spülung nicht betätigen, da es sie verraten hätte können. Man kann sich also vorstellen, was das für ein Gestank war, vor allem im Sommer. Abends dann durften sie zwar wieder lauter sein, mussten aber aufpassen, dass niemand das Licht im Hinterhaus entdeckt, so mussten also die Fenster verdunkelt werden. Daher waren die einzigen Tätigkeiten Annes, Margots und Peters, zu lesen oder zu lernen.

Die größten Ängste durchstanden die 8 aber, als dreimal in kurzen Abständen hintereinander in das Geschäftshaus eingebrochen wurde. Für sie bedeuteten diese Geräusche, dass sie etwas falsch gemacht haben und nun entdeckt wurden.
Man kann sich also gut vorstellen, dass dies absolut kein einfaches Leben war.

***Nach dem letzten Tagebucheintrag Annes vom 1. August 1944***

Im Jahre 1944 dann gab es große Hoffnung für die Versteckten, denn der Krieg schien sich dem Ende zu nähern.
Doch am 4. August 1944 hielt ein Polizeiauto vor dem Haus. Das Regal vor der Tür wurde weggeschoben und das Versteck wurde gestürmt. Sicher wurde das Versteck verraten.
Die Untergetauchten, sowie die Helfer wurden verhaftet.
Am 3. September 1944 erreichten die Juden das KZ Auschwitz in Polen. Einige wurden vergast, andere verschleppt und starben dann, Edith Frank (Mutter) starb an Hunger und Erschöpfung.
Das traurigste Ende fanden allerdings Anne und Margot. Sie wurden ins KZ Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide gebracht. Sie fielen dann einer Typhusepidemie, die im Winter 1944/1945 im KZ herrschte zum Opfer. Das schreckliche daran ist, dass dieses KZ am 12. April 1945 von englischen Truppen befreit wurde.
Der einzig Überlebende nach der Befreiung Auschwitz war Otto Frank. Er gelangte wieder an die Aufzeichnungen Annes und veröffentlichte diese nun unter “Das Tagebuch der Anne Frank”. Es wurde außerdem in viele Sprachen übersetzt.

***Charakter Anne Franks***

Noch zu Beginn der Einträge, die auch noch in Freiheit verfasst wurden begegnet uns ein aufgeschlossenes, fröhliches junges Mädchen, was zudem noch gern mit den Gefühlen der Jungs spielt. Weiter in ihren Einträgen fühlt sie sich unverstanden und das vor allem von ihrer Mutter, zu der sie überhaupt kein gutes Verhältnis hat. Sie reift also sehr schnell während der Zeit im Versteck und wandelt sich von einem oberflächlichen Mädchen zu einem nachdenklichen und körperliche Nähe suchenden Mädchen. Jedoch behält sie diese Gedanken oft für sich oder vertraut sie nur ihrem Tagebuch an.

***Meine Meinung***

Ganz besonders gefällt mir der gute und leichte Schreibstil Annes. Man merkt, dass sie Talent zum Schreiben hatte. Daher ist es auch traurig, dass sie nur unter diesen Umständen als Schriftstellerin bekannt wurde.
Jeder weiß heutzutage, was beim Holocaust damals los war, doch durch Annes Tagebuch kann man viel tiefer in die Gefühlswelt eines ständig unter Angst stehenden Menschen hineinschauen, wenn es aber sicher noch extremer war.
Vor allem bewundere ich das Mädchen, dass in all diesen schrecklichen Momenten nie den Mut verloren hat und immer noch an die Freiheit glaubte.
Auch wenn jeder Eintrag den Tagesablauf beschreibt, wird das Buch nicht langweilig oder langatmig, denn die schwierigen Umstände, unter denen Anne groß werden musste sind schon erschreckend.
Enthaltene Fotos im Buch bringen uns die kleine Anne sowie das Hinterhaus näher.


Bei einer Klassenfahrt nach Tschechien haben wir uns das KZ Theresienstadt angesehen, wohin auch Frau van Pels zur Zwischenstation gebracht wurde. Für mich war es dort eine beklemmende Situation die ganzen kleinen Räume zu sehen mit nur ein paar Holzbetten für mehr als 600 Personen, dazu nur eine Toilette. Uns wurde erzählt, das Juden nicht einmal einen Arzt kommen lassen durften, sie sich also mit Brotmessern und ähnlichen behalfen.
Auch die Plätze, an denen Menschen erschossen wurden waren beklemmend. Das krasseste für mich war aber auch der Swimmingpool, der von Juden für die KZ Aufseher gebaut werden musste.

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • AngelikaR

    22.01.2009, 00:48 Uhr von AngelikaR
    Bewertung: besonders wertvoll

    Wirklich grausam, so leben zu müssen. Aber vielleicht war es einfach Annes Schicksal, nur zu leben, um dieses Tagebuch zu schreiben. LG