Der Finger Gottes (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht
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Erfahrungsbericht von Paukenfrosch
Ein gottverlassenes Städtchen
Pro:
relativ guter Schreibstil, der die Spannung wenigstens nicht auf Null abflauen läßt
Kontra:
Inhalt des Buches und seine Aussage
Empfehlung:
Nein
"Der Finger Gottes"
von
Andreas Franz
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Der Autor
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Bücher von Andreas Franz kommen einem beim Stöbern in Buchläden ja ständig unter die Augen. Allerdings ist dieses Buch mein Erstkontakt mit diesem Autor, der am 12. Januar 1954 in Quedlinburg (Harz) geboren ist.
Er machte sein Hobby zum Beruf > die Musik. Doch dann jobbte er als LKW-Fahrer und in einer Werbeagentur, entschloß sich dann für eine kaufmännische Lehre. Er erstellte graphologische Gutachten und eröffnete ein Übersetzungsbüro.
In jungen Jahren schon schrieb er Kurzgeschichten und Gedichte. "Der Finger Gottes" war dann jedoch sein erster Roman. Aber bis zur ersten Veröffentlichung war es langer Kampf…
Hier seine Bücher:
Jung, blond, tot
Der Finger Gottes
Die Bankerin
Das 8. Opfer
Letale Dosis
Der Jäger
Das Syndikat der Spinne
Kaltes Blut
Tod eines Lehrers
Das Verlies
Mord auf Raten
Teuflische Versprechen
Schrei der Nachtigall
Unsichtbare Spuren
Tödliches Lachen
Das Todeskreuz
Spiel der Teufel
Weitere Informationen zum Autor gibt es auf seiner Homepage:
www.andreas-franz.org
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Das Buch
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"Der Finger Gottes" erschien bereits im September 1997 vom Knaur Verlag unter der ISBN 978-3426606162 für 8,95 €. Es gibt auch eine gebundene Ausgabe, die 2003 beim Weltbild Verlag erschienen ist.
Ich jedoch habe das Weltbild-Taschenbuch geborgt bekommen, welches 2007 unter der ISBN 978-3-89897-655-8 erschienen ist. Es umfaßt 431 Seiten. Der Preis für diese Bücher liegt unter 5 €.
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Klappentext
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Ein verschlafener Ort, eine mächtige Familie, ein dunkles Geheimnis:
Als ein Tornado das Städtchen Waldstein heimsucht, kehren die Schatten der Vergangenheit zurück. Kurz darauf stirbt auch noch die alte Maria Olsen.
Der Polizist Brackmann beginnt zu ermitteln. Hinter der Dorfidylle tun sich menschliche Abgründe auf…
Anmerkung: Der Klappentext ist falsch, denn Maria Olsen stirbt vor dem Tornado.
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Inhalt & Meinung
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"Der Finger Gottes" ist ein Krimi, der in der kleinen bayrischen Stadt Waldstein spielt, in der gerade einmal gut 2000 Einwohner leben. Recht friedlich, wie es scheint. Doch es gibt hier neben der reichen und sehr einflußreichen Familie Vandenberg auch noch etliche Einwohner mit einem pikanten Geheimnis.
Waldstein wird (zu Kanzler Kohl´s Zeiten) gerade von einer Hitzewelle heimgesucht, als die alte Maria Olsen stirbt, die unter anderem dem seit sechs Jahren agierenden Polizisten Brackmann einen Brief hinterläßt, in dem sie einen der Vandenbergs als Mörder eines gewissen Alexander Höllerich bezichtigt. Brackmann ist schockiert und will dem angeblichen Verbrechen auf den Grund gehen.
Hier könnte eigentlich der Krimi mit spannenden Ermittlungen beginnen, doch Andreas Franz stellt dem Leser vorerst weitere Stadtbewohner vor. Man erfährt von illegalen Hundekämpfen, von einem prügelnden Ehemann, der jedoch mit etlichen Frauen der Stadt ins Bett hopst, von einem Teenagerpärchen, daß ein Kind erwartet, von einem Jungen, der eine Frau vergewaltigt und von einem Priester, der ein Geheimnis in sich trägt. Und während Franz diese Geschichten Kapitelweise zum Besten gibt, so bindet er zum Kapitelende hin jedes Mal eine Wetteränderung, die vorerst mit einem Wetterleuchten beginnt, mit ein, die einen ahnen läßt, daß etwas geschehen wird.
Doch erst auf Seite 170, nach dem man sich durch etliche mehr oder weniger brisante Familiengeheimnisse gelesen hat, sucht ein starker Tornado Waldstein heim und läßt neben zerstörten Häusern mehr als 150 Todesopfer und etwa ebenso viele Verletzte zurück. Diese stürmische Nacht nutzen eine Tochter und eine Schwiegertochter der Vandenbergs zur Flucht aus dem "goldenen Käfig". Sie suchen Zuflucht und Hilfe bei Brackmann, der bezogen auf das angebliche Verbrechen an Höllerich weitere Einzelheiten erfährt. Brackmann will jetzt auf Biegen und Brechen ermitteln, stößt aber überall auf Schweigen. Nur stückchenweise kommt er dem Geheimnis auf die Spur und gerät dadurch ebenfalls in die Fänge der Vandenbergs, die mit ihrem Geld einfach alles kaufen, auch das Schweigen der Menschen.
Franz deckt nun nach und nach die Geheimnisse Waldsteins auf. Doch wenn man denkt, der Krimi nimmt an Tempo rasant zu, der hat sich getäuscht. So langsam, wie man sich vor dem Tornado durch die Familiengeheimnisse wühlte, so langsam werden sie nun nach und nach aufgeklärt. Der Priester ist schwul, der Sohn des Bürgermeisters ein Vergewaltiger und Selbstmörder, auch der Arzt hat Dreck am Stecken - kaum ein Waldsteiner, der nicht irgendwo im Leben einen Fehler gemacht hat und sich nun von den Vandenbergs ausnutzen und erpressen läßt. Doch auch oder gerade bei den Vandenbergs gibt es eben solche Geheimnisse. So wird die Ehefrau eines Vandenberg-Sohnes regelmäßig verprügelt und die Tochter Vandenbergs, die einst ein Kind von genanntem Höllerich erwartete, wie eine Gefangene gehalten.
Hofft man nun, daß Brackmann diesem Treiben ein Ende macht, dann hat man sich auch hier getäuscht, denn auch er ist nur ein Mensch und läßt sich für sein Schweigen bezahlen.
Am Ende bleibt Waldstein, wie es war: nach außen hin streng katholisch und arg konservativ, doch schaut man unter den Deckmantel, dann ist es dort dreckiger als sonst wo. Alles nur geheuchelt, alle sind verlogen. Aufgeklärt wird somit nichts. Die Mörder Höllerichs bleiben unversehrt, Höllerichs Tod wird noch nicht einmal als Mord betitelt, der Bürgermeister bleibt Bürgermeister, einer der Vandenbergs wird Minister Bayerns etc usw. Da krempeln sich einem die Fußnägel hoch. Es ist wie im wahren Leben: Geld regiert die Welt!
Was nehme ich nun aus dem Buch mit? Nichts. Ich finde es einfach nur sinnlos. Da wird die Wahrheit mit Geld manipuliert und geltendes Recht außer Kraft gesetzt und nichts ändert sich, nichts wird sich je ändern. Gegen Geld und Macht kommt ein gutes, ehrliches Herz nicht an. So finde ich die Figur Brackmann mehr als enttäuschend, denn von ihm hätte ich mir mehr erwartet. Hoffte man, in ihm den Romanhelden zu finden, so muß man leider feststellen, daß es in diesem Buch keinen gibt. Kein Happy End, keine Hoffnung - man ist enttäuscht, resigniert und findet in diesem Buch eigentlich nur die wirkliche korrupte deutsche Welt wieder, an der man eh nichts ändern kann. Das ist traurig. Will ich das, was mir dieses Buch gibt, dann genügt es, sich die Nachrichten anzusehen, doch wenn ich ein Buch lese, dann brauche ich einen Helden, der mich optimistisch und positiv gestimmt zurückläßt.
Und was nun der Tornado in diesem Buch bewirken sollte, ist für mich auch nicht recht nachvollziehbar. Einzig und allein die Flucht der beiden Frauen fand in dieser Zeit statt und wenigstens sie konnten sich aus den Fängen Vandenbergs befreien. Doch das allein als Knüller reicht mir nicht. Und das der Tornado nun die Wahrheit wenigstens oberflächlich ans Licht gebracht hätte, ist auch an den Haaren herbeigezogen. Nach dem Brief Olsen´s hätte Brackmann auch ohne Tornado ermittelt.
Als sehr störend empfinde ich auch, die ständigen Bezüge zu Gott. Zum liebenden Gott, zum strafenden Gott. Mit Gott wird hier alles erklärt und begründet. Und Gott hat natürlich auch den Tornado geschickt, um das dreckige Waldstein für seine Sünden zu bestrafen. Schöner Witz! Da fehlt es mir als Atheisten dann wohl doch irgendwo, zumindest an Verständnis. Zumal Gott es zum Ende des Buches hin nicht schafft, in Waldstein die eigentlich dringend nötigen Änderungen vorzunehmen. Heuchlerisch und feige verstecken sich die Einwohner nach wie vor hinter Gott bzw. hinter den Vandenbergs, die mit ihrem Geld Gott zu spielen scheinen.
Franz versteht es zwar, seinen angeblichen Krimi mit einem flüssigen Schreibstil etwas aufzupeppen und somit wenigsten nicht totale Langeweile zu verströmen, doch so richtig spannend sind seine aneinandergereihten Geschichtchen nun auch wieder nicht. Sie haben Potential, so ist es nicht, aber Franz schöpft es nicht aus.
Ich finde dieses Buch eigentlich nur sinnlos. Es ist zwar nicht so, daß man es genervt zur Seite legt, denn der relativen Spannung wegen hofft man ja stets, daß irgendetwas geschieht, aber es passiert nicht das, was man erwartet und erhofft. Man hat in diesem Buch keinen Helden, kein Vorbild, nichts, was man an Information mitnehmen kann. Das Buch ist Nichts. Und somit auch nicht wert, gelesen zu werden.
Daher gibt es von mir auch nur zwei magere Sterne und keine Empfehlung.
( Mein Bericht erschien bereits auf Ciao am 29. April 2008 )
33 Bewertungen, 13 Kommentare
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18.05.2008, 15:03 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich liebe Grüsse
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17.05.2008, 11:43 Uhr von Prisca
Bewertung: sehr hilfreichHm - also ich lese AF sehr gern, obwohl - oder gerade weil - seine Krimis keine Krimis im eigentlichen Sinn sind. LG
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13.05.2008, 21:09 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichDer Bericht gefällt mir wirklich gut. SH
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13.05.2008, 20:58 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichLG Anett und eine schöne Woche
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13.05.2008, 20:09 Uhr von syl_md
Bewertung: sehr hilfreichsh, ich würde mich über eine Gegenlesung sehr freuen/LG Syl
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13.05.2008, 19:05 Uhr von Zzaldo
Bewertung: sehr hilfreichein klasse Bericht von dir. LG Stephan
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13.05.2008, 17:23 Uhr von emanuels
Bewertung: sehr hilfreichlg Emanuel
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13.05.2008, 13:43 Uhr von Volker111
Bewertung: sehr hilfreichStimme mit deiner Bewertung sehr überein. ;-)
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13.05.2008, 12:58 Uhr von Lachesis
Bewertung: sehr hilfreichEin paar ausführlichere Informationen als "Das Buch ist Nichts" wären schon schön, wenn man ein Buch so vernichtet.
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13.05.2008, 12:48 Uhr von alemanita
Bewertung: sehr hilfreichLG, Maria
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13.05.2008, 12:33 Uhr von bibihey
Bewertung: sehr hilfreich-Liebe Grüße Bianca-
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13.05.2008, 12:24 Uhr von Music-King
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruß, Roland
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13.05.2008, 11:47 Uhr von chan5
Bewertung: besonders wertvollein sehr detaillierter Bericht!
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