Der Finger Gottes (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht

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ab 6,41
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Erfahrungsbericht von MissyG

Das 8. Opfer - 5 Sterne für ein brisantes Thema und seine Umsetzung

Pro:

Brisantes Thema perfekt aufgemacht

Kontra:

derber Schreibstil

Empfehlung:

Ja

Und wieder keine eigene Kategorie für Missy *wein
Wieder der Hinweis: Hier geht es um \"Das 8. Opfer\" und nicht um den \"Finger Gottes\", auch wenn dieses Buch sicher auch bald in meine Pfötchen gerät.


Derzeit bin ich ja im Leserausch. Vor einiger Zeit habe ich mal wieder Papas Bücherregale durchstöbert und bin dabei auf folgendes Buch gestoßen:
Das 8. Opfer von Andreas Franz
Da Papa für ein gebundenes Buch ungern mehr als 10 € ausgibt, hat er es bei Weltbild für 9,95 € erstanden. Wie gewöhnlich geht das Buch wieder durch 3 Hände: die meines Bruders, meine und vielleicht irgendwann findet dann auch Daddy mal die Zeit es zu lesen. Und dafür 10 € ist okay.
Bevor ich zu meinem persönlichen Eindruck komme, hier wieder erst einmal ein paar Informationen zum Buch, zum Autor und zum Inhalt des Werkes.


DER AUTOR

Andreas Franz wurde am 12. Januar 1954 in Quedlinburg geboren. 1955 zogen seine Eltern, die beide Musik studiert hatten, nach Helmbrechts in Oberfranken. 1967 zog A. Franz mit seiner Mutter nach Frankfurt/M. Seine Eltern hatten sich getrennt und er besuchte dort ein Gymnasium und im Anschluß daran eine Sprachschule. Er machte mit siebzehn seinen Abschluss in Wirtschaftsenglisch und -französisch. Später spielte er dann als Schlagzeuger in einer Band. 1974 heiratet er seine Frau Inge, die bereits 2 Kinder mit in die Ehe brachte. Es folgten noch 3 eigene Kinder. Sein jüngster Sohn Manuel ist zu 100 % schwerbehindert.
Nach seiner Schlagzeugerkarriere nahm er verschiedene Jobs an. War u.a. LKW-Fahrer
Nach verschiedenen Jobs als LKW-Fahrer und in einer Werbeagentur machte er eine kaufmännische Ausbildung. Seit Anfang der 80er erstellte er graphologische Gutachten und eröffnete 1990 sein eigenes Übersetzungsbüro.
Nach einigen Gedichten und Kurzgeschichten schrieb er 1986 seinen ersten Roman. Es dauerte zehn Jahre, bis ein Buch von ihm veröffentlicht wurde. Im Mittelpunkt seiner Romane steht in der Regel Hauptkommissarin Julia Durant von der Frankfurter Mordkommission.
Seit 1994 lebt Andreas Franz mit seiner Frau und zwei seiner Kinder sowie einer Katze in Hattersheim bei Frankfurt.
„TECHNISCHE“ DATEN
Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel \"Deutschland / Frankfurt/Main\" bei Droemer-Knaur ,
512 Seiten
ISBN: 3-426-61789-7
Ort & Zeit: Deutschland / Frankfurt/Main
1990 - heute
Knaur TB, 1999, 512 Seiten, € 8,90

Andreas Franz über seine Krimis:
\"Der aufmerksame Leser wird merken, daß ich nicht verurteile, sondern versuche, jeden Menschen aus einem bestimmten, \"seinem\" Blickwinkel zu sehen. Ich stelle eine bisweilen brutale Realität dar, vor der wir die Augen nie verschließen sollten. [...] Was immer ich auch beschreibe, die Wirklichkeit sieht allemal härter und düsterer aus, als meine Phantasie es zuläßt.\"
Andere Werke des Autors:
Julia Durant Reihe:

(1996) Jung, blond, tot
(1999) Das achte Opfer
(2000) Letale Dosis
(2001) Der Jäger
(2002) Das Syndikat der Spinne
(2003) Kaltes Blut
(1997) Der Finger Gottes
(1998) Die Bankerin
(2004) Tod eines Lehrers


ZUM BUCH

Klappentext:
Ein Unbekannter schickt der Frankfurter Kripo obskure Bibelzitate. Man denkt zuerst an einen geschmacklosen Scherz. Als aber zur gleichen Zeit auch ein abscheulicher Mord begangen wird, vermutet Hauptkommissarin Durant einen Zusammenhang. Das Morden geht weiter und trägt immer dieselbe Handschrift: Die Opfer sind alle nackt, und auf ihrer Stirn steht in blutigen Ziffern die Zahl 666. Bei ihren Ermittlungen gerät die Polizei immer tiefer in einen Sumpf aus organisiertem Verbrechen, Korruption und Machtmissbrauch

INHALT

Das Buch beginnt mit einem jungen Mädchen, dass zu einer Party eingeladen wird. Sie geht mit einer „coolen“ Freundin hin, um am nächsten Tag mit einem Blackout wieder aufzuwachen. Nicht viel später findet sie sich als Prostituierte wieder, die sich nur noch unter Drogeneinfluss am Leben halten kann. Zu ihrer Familie darf sie keinen Kontakt haben, wird gehalten wie eine Gefangene. Eines Tages steht ein hübscher 19-jähriger Mann in der Tür: Ihr Bruder. Er hat die Suche all die Jahre nicht aufgegeben und versucht sie zu befreien. Doch dieser Versuch scheitert und er kommt dabei ums Leben. Wenige Monate später ist auch sie tot: Überdosis. Sie wurde gerade einmal 15 Jahre alt!
5 Jahre später erschüttern seltsame Morde Frankfurt. Hochrangige Mitglieder der Gesellschaft werden tot aufgefunden. Ermordet mit Zyankali und später verstümmelt und mit der Zahl 666 gezeichnet. Vor jedem Mord erhält Kommissarin Julia Durant, Tochter eines Geistlichen, Bibelzitate gesandt, die immer irgendwie mit der Tat in Zusammenhang stehen.. Später schickt er Julia auch Briefe, die seine Tat in irgendeiner Art und Weise rechtfertigen sollen. In seinem Morden deckt er einen immensen Ring aus Korruption und Missbrauch auf. Schnell ist dem Leser klar, dass es sich nur um den Vater des o.g. Mädchens handeln kann. Seine Frau ist in einem schlimmen Zustand. Nach dem Tod ihrer Kinder hat sie sich versucht umzubringen und lebt seit ihrer Entlassung aus der Nervenklinik mehr in sich, als mit ihm. Doch WER ist der Unbekannte. Julia Durant wird er aufklären.


WEITERLESEN AUF:

Ich möchte hier nicht noch einmal den Autor zitieren und was er über den Beweggrund geschrieben hat, dieses Buch zu veröffentlichen. Würde aber allen empfehlen, die das Buch lesen möchten Das Making of auf http://www.andreas-franz.org/index.html zu lesen.


PERSÖNLICHE MEINUNG:

Das gesamte Buch über hegt man für den eigentlichen Mörder Sympathie. Die Opfer rücken in den Hintergrund. Man sieht nur, was DAS für Menschen gewesen sind. Wie sie lebten, wie sie anderen Menschen (auch ihre Frauen) behandelt haben. Stück für Stück erhält man Einblick in einen Sumpf aus Korruption und niederen Instinkten. Das Thema Kindesmissbrauch ist brisanter den je. Franz greift dieses Thema endlich einmal aus der Sicht der Eltern auf und rechnet gnadenlos mit dem Gesetz und der Politik ab. Knallhart wird der Kindesmissbrauch geschildert, das Leid der Kinder, die Verzweiflung der Eltern und die unnatürliche Lust erwachsener Männer, sich an jungen Menschen zu vergreifen, ihnen Gewalt an zu tun.
Ich selbst habe eine Freundin, die als Kind von Vater und Bruder vergewaltigt wurde. Sie ist nicht in der Lage ein normales Leben zu führen, ist arbeitsunfähig, lebt in einer schizophrenen Persönlichkeit und ist angewiesen auf Antidepressiva und Schlafmittel. Jeder noch so kleine persönliche Rückschlag, endet in einem erneuten Besuch beim Therapeuten, der schon eher ihre Familie ist, als ihre Familie, zu der sie vor Jahren den Kontakt abgebrochen hat.
Das Buch hat mich tief bewegt. Einziges Manko war der teilweise derbe Schreibstil. Von einer normalen Schreibweise ohne Überleitung zu einem doch fast ordinären Stil. Das hat mich etwas gestört. Die Story fand ich einfach nur faszinierend. Wie schon gesagt, hatte ich die ganze Zeit vollstes Verständnis für den Täter. Wer kann schon Selbstjustiz verteufeln, wenn der Staat es nicht schafft, Verbrechen zu bestrafen. Auch in Deutschland richtet sich oft das Hauptaugenmerk auf den Täter, die Opfer stehen meist sehr allein in der Welt.

FAZIT:

Eindeutige 5 Sterne für dieses Buch. Ohne Abstriche macht die faszinierend aufgebaute Story den mitunter derben Schreibstil wett.

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