Letale Dosis (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  gering
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von Turbinefan

Mein dritter Franz

3
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  durchschnittlich
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

Spannend, detailierte Darstellungen der Geschehnisse

Kontra:

Schleichwerbung?

Empfehlung:

Ja

Hallo zusammen,

ich möchte euch heute den dritten Roman aus der Julia – Durant - Reihe, des Autoren Andreas Franz vorstellen. Es handelt sich um den Roman „Letale Dosis“, übersetzt „Tödliche Dosis“.
Der Titel lässt schon vermuten, dass Julia Durant es diesmal mit Giftmorden zu tun bekommt.
Aber der Reihe nach.


Angaben zum Buch:
Dieser Roman wurde im Jahr 2000 geschrieben.
Ich besitze die Taschenbuchausgabe von 2002, erschienen im Knaur-Verlag.
Preis: 8,95 Euro
Seitenanzahl: 517
ISBN: 987-3-426-61713-7


Der Autor:
Da dieses schon mein dritter Bericht über die Romane des Andreas Franz ist, entnehme ich die Autoren - Daten meinem ersten Bericht.

Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) geboren.
Mit 17 Jahren machte er seinen Abschluss in Wirtschaftsenglisch. Sein größtes Hobby war aber die Musik, so dass er sich nach dem Abschluss lieber einer Band anschloss und als Schlagzeuger sein Geld verdiente.
Schon in seiner Jugendzeit begann Andreas Franz Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben.
Heute lebt er mit seiner Frau und fünf Kindern in der Nähe von Frankfurt/Main.


Zum Inhalt:

Diesen Roman beginnt Andreas Franz mit einem Prolog, der sich über fünf Seiten erstreckt. Auf diesen ersten Seiten geht es um ein Mädchen, dass in ihrer, nach außen hin anständigen und gottestreuen Familie, die Hölle erlebt.
„Sie hörte es bereits an den Schritten, die langsam die knarrenden Stufen zu ihrem Zimmer heraufkamen. Sie wusste, es war wieder so weit…..“
„Warum bist du noch nicht ausgezogen? Ich denke, du wolltest schlafen.
Ich wollte mich gerade ausziehen, erwiderte sie leise und mit gesenktem Blick.
Dann tu es, meine Kleine……“

Weitere Einzelheiten erspare ich euch, denn jeder wird wissen oder ahnen, in welche Richtung es geht.
Nach dem Prolog, eröffnet Andreas Franz seine Story sofort mit einem Mord.
Während der häuslichen Bibelstunde der Familie Rosenzweig, erhält der Vater einen Anruf und begibt sich in sein Arbeitszimmer, um dort das Telefonat fortzusetzen.
Nach dem Telefonat spritzt sich Herr Rosenzweig, wie jeden Abend, sein Insulin.

„ Er wollte gerade sein Hemd zu knöpfen, als er sich mit einem Mal an den Brustkorb fasste; er wollte schreien, rang nach Luft, sein Herz schien seinen Körper verlassen zu wollen….“
„Er schmeckte das Blut, er sah das Blut, spürte, wie alles in ihm sich allmählich auflöste….“
„….ein letzter, verzweifelter Versuch, Luft zu bekommen, dann hörte sein Herz auf zu schlagen. Hans Rosenzweig war tot.“
Nun kann jeder eins und eins zusammenzählen und wird sehr schnell einen Zusammenhang zwischen dem Tod von Rosenzweig und des Jahre zurückliegenden Kindesmissbrauchs herstellen.
Bis zu seinem Tod, bei dem alles auf Herzinfarkt hindeutet, war Rosenzweig führendes Mitglied der Glaubensgemeinschaft “ Kirche des Elohim“, und in den Augen der Brüder und Schwestern ein treuer, fürsorglicher und in jeder Hinsicht vertrauenswürdiger Familienvater und Glaubensbruder.
Diese schöne Fassade fängt an zu bröckeln, nachdem die Hausärztin, Laura Fink, einen unnatürlichen Tod diagnostiziert und die Kripo verständigt.

Natürlich wird wieder das Ermittlerteam um Hauptkommissarin Julia Durant mit der Aufklärung des Mordes beauftragt.
Die Obduktion der Leiche ergibt ein überraschendes Ergebnis. Rosenzweig wurde durch eine hochkonzentrierte Mischung verschiedener Schlangengifte ermordet.
Für Julia Durant stellen sich viele Fragen. Warum wurde Hans Rosenzweig getötet? Wie gelangte das Schlangengift in seine Insulinflasche? Welche Rolle spielt diese Glaubensgemeinschaft? Was verschweigen die Familienmitglieder und die Freunde des Hauses?
Als die Kommissarin die Kollegen von Hans Rosenzweig befragt, stößt sie auf erste Ungereimtheiten in seinem Leben.
Julia Durant und ihre Kollegen ermitteln und befragen mit Hochdruck, bis ein weiterer Mord geschieht. Wieder trifft es ein führendes Mitglied dieser Glaubensgemeinschaft, den Bankier Schönau. Wie sich herausstellt, ist auch hier die Todesursache Gift, welches diesmal durch Kegelschnecken injiziert wird.
Von nun an rückt die „Kirche des Elohim“ immer mehr in das Blickfeld der Ermittler.
Obwohl in dieser Glaubensgemeinschaft Moral und Glaube groß geschrieben werden, zeichnet sich ab, dass einige führende Mitglieder es mit ehelicher Treue, bedingungslosem Gehorsam gegenüber Gott und der familiären Fürsorglichkeit nicht so genau nehmen und ihre Machtposition für perfide Dinge missbrauchen.

Ein dritter Mord betrifft Julia Durant persönlich. Ihr verheirateter Freund und Liebhaber Werner Petrol wird ebenfalls durch ein seltenes Gift getötet. Sie ist schockiert und kann diesen Mord nicht einordnen, denn Petrol gehörte nicht zu dieser Kirche.
Nach einigen Tagen der Selbstfindung, geht Julia Durant mit neuem Elan an die Arbeit, kann aber einen weiteren Giftmord nicht verhindern.
Während der Ermittlungen erfahren die Ermittler vom Suizid des Bruders der Hausärztin Laura Fink. Dieser Selbstmord, dem erst wenig Beachtung entgegengebracht wird, ist letztendlich ein wichtiges Puzzleteilchen und hilft bei der Aufklärung der Mordfälle.

So weit ein grober Überblick der Geschehnisse. Auf weitere Leseproben verzichte ich absichtlich, weil der Prologausschnitt und der Anfang der Story, meiner Meinung nach, aussagekräftig genug sind.


Meine Meinung:

Wie ich oben bereits erwähnt habe, kann der Leser bereits nach einigen Seiten erahnen, wer der Mörder ist, ohne den Namen zu kennen.
Dieses angebliche Wissen, macht der Autor aber spätestens nach dem zweiten Mord zunichte, denn Banker Schönau hat nichts mit dem damaligen Kindesmissbrauch zu tun.
Andreas Franz versteht es auch in diesem Roman Spuren zu legen, die stets in einer Einbahnstraße des Lesers enden.
Um der ganzen Verwirrung die Krone aufzusetzen, lässt er den Liebhaber der Kommissarin, scheinbar ohne erkennbaren Grund, über die Klinge springen.
Insgesamt kann ich dieses Buch mit guten Gewissen empfehlen.
Der Autor legt hier einen Roman vor, der vom Inhalt her, von Anfang an spannend ist.
Ich betone mit Absicht; vom Inhalt her. Die Schreibweise hat mir manchmal zu denken gegeben und ich hatte das Gefühl, Andreas Franz wollte mit aller Macht einen Roman von mindestens 500 Seiten vorlegen.
Warum bin ich dieser Meinung? Sämtliche Ermittlungsschritte werden bis ins kleinste Detail beschrieben, was ja nicht schlimm oder langweilig wäre, aber genau diese Ermittlungsschritte werden dann während der Dienstbesprechungen wiederholt und dem Leser somit nochmals in aller Ausführlichkeit präsentiert, und das wird langweilig. Diese ständigen Wiedergaben, bereits bekannter Details führten bei mir zum „Nichtlesen“ der Dienstbesprechungen.
Gleiches trifft auf die wiederkehrenden Beschreibungen über die Lebensgewohnheiten der Kommissarin zu. Jeden Morgen Kaffee, Banane, Zigarette, Dusche und am Abend Tomatensuppe aus der Büchse, zwei Scheiben Brot mit Salami, zwei saure Gurken, Zigaretten und 2-3 Dosen Dosenbier.
Hier muss sich der Autor endlich etwas einfallen lassen, denn dieses ständig lesen zu müssen, ist eintönig, einfallslos und sehr langweilig. Wenn es nur in diesem Roman so wäre, würde ich noch darüber hinweg sehen, aber diese Angaben ziehen sich wie ein roter Faden durch alle drei bisher von mir vorgestellten Romane.
Auch wenn es sich jetzt so liest, aber der Spannungsbogen wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Im Gegenteil, Franz versteht es wieder einmal einen Täter zu präsentieren, mit dem letztendlich niemand gerechnet hat.
Er gewährt dem Leser tiefe Einblicke in das Leben einer Glaubensgemeinschaft und zeigt schonungslos die gravierenden Gegensätze zwischen Familien- und Glaubensleben auf, und demonstriert eindrucksvoll was Machtmissbrauch anrichten kann.
Interessant ist, dass Franz sich mit einem Thema auseinandersetzt, welches zur Zeit des Erscheinens seines Romans, noch nicht so aktuell bzw. öffentlich war, wie in den heutigen Tagen.
Natürlich ist die Kirche im Roman fiktiv. Mich würde interessieren, ob der Autor die Kirche anders genannt hätte, wenn im Jahr 2000 die momentanen Enthüllungen über Machtmissbrauch und Misshandlungen hinter Kirchenmauern bekannt gewesen wären.
Andreas Franz bezieht sich in seinem Roman nur auf einzelne Menschen dieser Glaubensgemeinschaft, ohne die Kirche insgesamt zu verurteilen oder gar anzuklagen. Er gibt eher Hinweise, wie dieser Sumpf von Missbräuchen trocken gelegt werden kann, ohne den wirklich Gläubigen und nach den Geboten lebenden Menschen zu nahe zutreten.

Mittlerweile frage ich mich, ob Julia Durant noch so sympathisch herüberkommt, wie in den ersten beiden Romanen? Ich beantworte diese Frage mit einem Jein. Momentan wandelt sie auf einem Grat zwischen Sympathie und Ablehnung. Ob es vom Autor so gewollt ist, kann ich nicht beurteilen, aber seine ständigen Wiederholungen in Bezug auf Zigarettenkonsum, eintönigen Lebensgewohnheiten und spontanen, von Charakterschwäche gekennzeichneten Männerbekanntschaften, lassen sie unglaubwürdig und unsympathisch erscheinen. Auf der anderen Seite macht sie ihr Durchsetzungsvermögen im Beruf, ihre Gradlinigkeit und der Umgang mit den Menschen wieder sympathisch.
Zu ihren Kollegen gibt es nicht viel Neues zu berichten.
Hellmer wohnt jetzt zusammen mit seiner zweiten Frau im Nobelviertel von Frankfurt / Main.
Diese Frau ist seine Jugendliebe und hat sehr viel Geld geerbt.
Der Chef der Mordkommission, Berger, kommt immer noch nicht über den Tod seiner Frau hinweg und ist auf dem besten Weg alkoholabhängig zu werden.
Kullmer spielt weiterhin den Schürzenjäger. Alle zusammen bilden aber ein tolles Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann…noch!!
Zu ihrem Vater, dem Pfarrer im Ruhestand, hat Julia weiterhin ein inniges Verhältnis und wie sollte es anders sein, er gibt ihr wieder einen entscheidenden Hinweis der zur Ergreifung des Täters führt.

Interessant sind auch die detaillierte Darstellung der Giftmorde und das Wissen des Autors über Gifte und deren Wirkung. Dies zeugt von sehr intensiven Recherchen und verdient Hochachtung.
Zum Abschluss noch eine Anmerkung. Ich wünsche mir, dass Andreas Franz eine Lesung in unserer Nähe abhält und ich diese besuchen kann.
Es gibt eine Frage, auf deren Antwort ich sehr gespannt bin:
Gibt es Hauptsponsoren für Kriminalautoren??
Nach diesen drei Romanen würde ich diese Frage mit einem klaren und überzeugenden ja beantworten, denn wie kann es sonst möglich sein, dass Zigaretten, Lebensmittel, Autos, Marken-Unterwäsche und Zeitschriften mehrmals (viel zu oft) mit Namen aufgeführt werden.
Ob er mir diese Frage beantworten wird?


Ich bedanke mich für die Lesungen, Bewertungen und Kommentare.

47 Bewertungen, 11 Kommentare

  • Humpen77

    01.10.2010, 20:01 Uhr von Humpen77
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht! Lieben Gruß

  • Likelihood

    08.07.2010, 02:42 Uhr von Likelihood
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse! freue mich immer über gegenlesungen!

  • paula2

    03.07.2010, 16:53 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • ronald65

    03.07.2010, 09:51 Uhr von ronald65
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg

  • Striker1981

    29.06.2010, 14:50 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER ;)

  • Mondlicht1957

    28.06.2010, 13:02 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • senora

    28.06.2010, 00:21 Uhr von senora
    Bewertung: sehr hilfreich

    4:1. Was für ein Spiel. Das war SUPER

  • morla

    27.06.2010, 23:15 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • 20mamacita88

    27.06.2010, 18:44 Uhr von 20mamacita88
    Bewertung: sehr hilfreich

    von mir gibts ein sh :) sieht man sich denn mal wieder? würde mich freuen :)

  • Kaddy

    27.06.2010, 12:26 Uhr von Kaddy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Freue mich über Gegenlesungen! Liebe Grüße, Kaddy

  • catmum68

    27.06.2010, 12:18 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG