Mord auf Raten (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht

ab 4,99 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2004
Auf yopi.de gelistet seit 09/2004
Summe aller Bewertungen
- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von nikosternchen
Zu früh alles verraten
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Juli 2003
Der High Society Arzt Jürgen Kaufung wird am Wochenende in seiner Offenbacher Praxis erstochen aufgefunden. Zunächst tappt die Polizei monatelang im Dunkeln, denn für den Mord scheint es keinerlei Erklärung zu geben. Jürgen Kaufung war ein äußerst beliebter Mensch, vor allen bei den Frauen. Auf den ersten Blick scheint er keine Feinde zu haben. Dem ermittelnden Kommissar Peter Brandt ist nur Kaufungs bester Freund, der Galerist Klaus Wedel ein Dorn im Auge. Irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen und die Tatsache das Wedel seine Frau sehr offensichtlich mit diversen Frauen betrügt und zudem ein eher schmieriger, aalglatter Typ ist bestätigt ihn immer mehr in dieser Annahme. Knapp zwei Monate später wird aber auch Klaus Wedel erschossen in seiner Galerie aufgefunden.....
Die Geschichte versetzt uns in den heißen Jahrhundertsommer 2003 in Offenbach. Andreas Franz hat hier grundsätzlich eine sehr realistische Atmosphäre erzeugt, die gerade lokale Leser noch selber bildlich vor Augen haben. Jürgen Kaufung ist ein Typ als sei er direkt aus einer der gerngesehenen Fernsehkliniken entsprungen. Smart, charmant, braungebrannt, Cabriofahrer und Tennisspieler. Sein größtes Hobby sind allerdings die Frauen die ihm zu Füßen liegen. Die Frauen WISSEN alle das sie nur eine Spielgefährtin von vielen sind, himmeln ihn aber dennoch ausnahmslos an und finden nach seiner Ermordung auch kein einziges schlechtes Wort für ihn. Jürgen Kaufung ist also ein richtig toller Hecht.
Ich denke man merkt schon das ich dieser Charakterdarstellung schon ein wenig mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe, denn Kaufung ist nur ein Beispiel für die aalglatt – gelackten Charaktere die in diesem Buch auftauchen. Besondern faszinierend sind die Typbeschreibungen der Damen. Peter Brandt der Ermittler befragt diese ja einzeln. Interessanterweise leben irgendwie alle in sehr geschmackvoll und kostspielig eingerichteten Wohnungen und machen die Tür grundsätzlich in körperumspielenden Tuniken oder aber durchsichtigen T-Shirts ( ohne BH) auf.
„Sandra Heuser trug einen Morgenmantel und Doreen Müller den Hausanzug, den sie bereits gestern anhatte, dessen Stoff so durchsichtig war, dass der Fantasie nicht viel Spielraum blieb. (...) im Fernsehen lief „Die Oliver Geissen Show“....
In dieser Richtung darf man sich eigentlich die ersten Zeilen bei jedem Besuch der Damen vorstellen. Was mir ehrlich gesagt recht schnell übel aufstieß. So erschien es mir doch das der ermittelnde Herr Brand, dessen Privatleben als doch relativ intakt dargestellt wird, seinen Blick durchaus eher unfachlich auf die Zeuginnen richtet. Oder liegt es einfach nur daran das der Autor ein Mann ist? Insgesamt gesehen fand ich die Charaktere eher oberflächlich. Alle schienen eher einer Mittelklasse RTL- Krimiserie entsprungen und bieten kaum Gelegenheit sich eventuell mit dem einen oder anderen zu identifizieren, oder auch nur Handlungsweise teilweise sogar nur nachzuvollziehen.
Bestes Beispiel ist Petra Johannson. Wie schon erwähnt jung, hübsch, sehr gut gebaut mit durchsichtigen T-Shirts. Sie ist an sehr Reich verheiratet mit einem sehr viel älteren Mann, mit dem sie eine Art Freundschaft pflegt und der es lächelnd toleriert dass sie ihre sexuellen Bedürfnisse woanders sucht. Als Abmachung gilt dass dies nicht im eigenen Haus stattfindet. Sie hat natürlich mit Sonnyboy Kaufung ein Verhältnis ohne Verpflichtungen. So weit so gut ( und für mich auch schon eigentlich zu viel des Guten!). Das sie aber recht flott nach Kaufungs Tod sich direkt mit dessen besten Freund Wedel einlässt und mit ihm Sex hat ( ohne Verhütung) ist für mich dann doch eine bisschen zu unglaubwürdig, zumal Frau Johannson angeblich zu ihren ganzen restlichen Vorzügen einen IQ von 160 hat.
Soviel zunächst mal zu den Personen.
Wenn sich die Story so wie oben kurz geschrieben aufgebaut hätte und man wesentliche Punkte die zur Aufklärung führen würden erst dann erwähnt, wenn es Sinn macht, dann hätte ich wohl behauptet das es ein durchaus spannender Zwischendurch- Krimi sei. Aber hier wird ein folgenschwerer Fehler gemacht. Vorne auf der Innenseite ( also nicht Klappentext) wird ein Aspekt verraten, der die ganze Spannung zunichte macht. Im Buch selber kommt dies erst im letzten Drittel zum Tragen. Schade, denn damit ist die komplette Spannung futsch und jeder etwas gewitzte Leser kann sich dadurch schon die komplette Geschichte zusammenspinnen. Ich könnte den Verlegern des Buches wirklich raten, dies aus dem Innentext rauszunehmen, denn es nimmt tatsächlich die ganze Spannung. ( Verständlicherweise verrate ich den besagten Punkt jetzt nicht)
Ein weiterer Punkt der störte ist das sich ewig schleppende Ende. Das man selber durch den inneren Klappentext ja ohnehin schon die ganze Zeit weiß was hier läuft, kommt einem Kommissar Brandt ein wenig lahm in seiner Auffassungsgabe vor. Zusätzlich zieht sich das Ende furchtbar lang. Lange weiß der Leser schon wer es war und es wird dann leider noch seitenweise drum herum lamentiert.
Nach soviel Negativem muss ich natürlich auch ein paar positive Worte zu dem Buch sagen. Vielleicht erscheint es nach meiner Analyse schlechter als es ist. Ich habe mich während des Lesens nicht wirklich gelangweilt oder genervt gefühlt. Es ist ein Buch das sich locker leicht nebenher mal so weglesen lässt und keine Sonderliche Konzentration erfordert. Im Prinzip ist es die perfekte Bett- oder Urlaubslektüre. Er hinterher, nachdem ich die Geschichte in meinem Hirn einige Tage habe sacken lassen sind, fielen mir diese Kritikpunkte enorm auf. Allerdings fällt mir eine Empfehlung äußerst schwer, es sei denn man ist tatsächlich Andreas Franz Fan, und von denen soll es ja doch einige geben, oder man hat grundsätzlich ein gesteigertes Interesse an deutschen Kriminalromanen.
FAKTEN
ANDREAS FRANZ / Mord auf Raten
Knaur- Verlag
Taschenbuch, erschienen 4/2005
ISBN: 342662004
410 Seiten
8,90 €
Der High Society Arzt Jürgen Kaufung wird am Wochenende in seiner Offenbacher Praxis erstochen aufgefunden. Zunächst tappt die Polizei monatelang im Dunkeln, denn für den Mord scheint es keinerlei Erklärung zu geben. Jürgen Kaufung war ein äußerst beliebter Mensch, vor allen bei den Frauen. Auf den ersten Blick scheint er keine Feinde zu haben. Dem ermittelnden Kommissar Peter Brandt ist nur Kaufungs bester Freund, der Galerist Klaus Wedel ein Dorn im Auge. Irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen und die Tatsache das Wedel seine Frau sehr offensichtlich mit diversen Frauen betrügt und zudem ein eher schmieriger, aalglatter Typ ist bestätigt ihn immer mehr in dieser Annahme. Knapp zwei Monate später wird aber auch Klaus Wedel erschossen in seiner Galerie aufgefunden.....
Die Geschichte versetzt uns in den heißen Jahrhundertsommer 2003 in Offenbach. Andreas Franz hat hier grundsätzlich eine sehr realistische Atmosphäre erzeugt, die gerade lokale Leser noch selber bildlich vor Augen haben. Jürgen Kaufung ist ein Typ als sei er direkt aus einer der gerngesehenen Fernsehkliniken entsprungen. Smart, charmant, braungebrannt, Cabriofahrer und Tennisspieler. Sein größtes Hobby sind allerdings die Frauen die ihm zu Füßen liegen. Die Frauen WISSEN alle das sie nur eine Spielgefährtin von vielen sind, himmeln ihn aber dennoch ausnahmslos an und finden nach seiner Ermordung auch kein einziges schlechtes Wort für ihn. Jürgen Kaufung ist also ein richtig toller Hecht.
Ich denke man merkt schon das ich dieser Charakterdarstellung schon ein wenig mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe, denn Kaufung ist nur ein Beispiel für die aalglatt – gelackten Charaktere die in diesem Buch auftauchen. Besondern faszinierend sind die Typbeschreibungen der Damen. Peter Brandt der Ermittler befragt diese ja einzeln. Interessanterweise leben irgendwie alle in sehr geschmackvoll und kostspielig eingerichteten Wohnungen und machen die Tür grundsätzlich in körperumspielenden Tuniken oder aber durchsichtigen T-Shirts ( ohne BH) auf.
„Sandra Heuser trug einen Morgenmantel und Doreen Müller den Hausanzug, den sie bereits gestern anhatte, dessen Stoff so durchsichtig war, dass der Fantasie nicht viel Spielraum blieb. (...) im Fernsehen lief „Die Oliver Geissen Show“....
In dieser Richtung darf man sich eigentlich die ersten Zeilen bei jedem Besuch der Damen vorstellen. Was mir ehrlich gesagt recht schnell übel aufstieß. So erschien es mir doch das der ermittelnde Herr Brand, dessen Privatleben als doch relativ intakt dargestellt wird, seinen Blick durchaus eher unfachlich auf die Zeuginnen richtet. Oder liegt es einfach nur daran das der Autor ein Mann ist? Insgesamt gesehen fand ich die Charaktere eher oberflächlich. Alle schienen eher einer Mittelklasse RTL- Krimiserie entsprungen und bieten kaum Gelegenheit sich eventuell mit dem einen oder anderen zu identifizieren, oder auch nur Handlungsweise teilweise sogar nur nachzuvollziehen.
Bestes Beispiel ist Petra Johannson. Wie schon erwähnt jung, hübsch, sehr gut gebaut mit durchsichtigen T-Shirts. Sie ist an sehr Reich verheiratet mit einem sehr viel älteren Mann, mit dem sie eine Art Freundschaft pflegt und der es lächelnd toleriert dass sie ihre sexuellen Bedürfnisse woanders sucht. Als Abmachung gilt dass dies nicht im eigenen Haus stattfindet. Sie hat natürlich mit Sonnyboy Kaufung ein Verhältnis ohne Verpflichtungen. So weit so gut ( und für mich auch schon eigentlich zu viel des Guten!). Das sie aber recht flott nach Kaufungs Tod sich direkt mit dessen besten Freund Wedel einlässt und mit ihm Sex hat ( ohne Verhütung) ist für mich dann doch eine bisschen zu unglaubwürdig, zumal Frau Johannson angeblich zu ihren ganzen restlichen Vorzügen einen IQ von 160 hat.
Soviel zunächst mal zu den Personen.
Wenn sich die Story so wie oben kurz geschrieben aufgebaut hätte und man wesentliche Punkte die zur Aufklärung führen würden erst dann erwähnt, wenn es Sinn macht, dann hätte ich wohl behauptet das es ein durchaus spannender Zwischendurch- Krimi sei. Aber hier wird ein folgenschwerer Fehler gemacht. Vorne auf der Innenseite ( also nicht Klappentext) wird ein Aspekt verraten, der die ganze Spannung zunichte macht. Im Buch selber kommt dies erst im letzten Drittel zum Tragen. Schade, denn damit ist die komplette Spannung futsch und jeder etwas gewitzte Leser kann sich dadurch schon die komplette Geschichte zusammenspinnen. Ich könnte den Verlegern des Buches wirklich raten, dies aus dem Innentext rauszunehmen, denn es nimmt tatsächlich die ganze Spannung. ( Verständlicherweise verrate ich den besagten Punkt jetzt nicht)
Ein weiterer Punkt der störte ist das sich ewig schleppende Ende. Das man selber durch den inneren Klappentext ja ohnehin schon die ganze Zeit weiß was hier läuft, kommt einem Kommissar Brandt ein wenig lahm in seiner Auffassungsgabe vor. Zusätzlich zieht sich das Ende furchtbar lang. Lange weiß der Leser schon wer es war und es wird dann leider noch seitenweise drum herum lamentiert.
Nach soviel Negativem muss ich natürlich auch ein paar positive Worte zu dem Buch sagen. Vielleicht erscheint es nach meiner Analyse schlechter als es ist. Ich habe mich während des Lesens nicht wirklich gelangweilt oder genervt gefühlt. Es ist ein Buch das sich locker leicht nebenher mal so weglesen lässt und keine Sonderliche Konzentration erfordert. Im Prinzip ist es die perfekte Bett- oder Urlaubslektüre. Er hinterher, nachdem ich die Geschichte in meinem Hirn einige Tage habe sacken lassen sind, fielen mir diese Kritikpunkte enorm auf. Allerdings fällt mir eine Empfehlung äußerst schwer, es sei denn man ist tatsächlich Andreas Franz Fan, und von denen soll es ja doch einige geben, oder man hat grundsätzlich ein gesteigertes Interesse an deutschen Kriminalromanen.
FAKTEN
ANDREAS FRANZ / Mord auf Raten
Knaur- Verlag
Taschenbuch, erschienen 4/2005
ISBN: 342662004
410 Seiten
8,90 €
Bewerten / Kommentar schreiben