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Erfahrungsbericht von willibald-1
Mütter
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Die Beziehung zur Mutter ist immer eine ganz besondere. Meine Mutter ist die Person, die mich wirklich von Anfang an kannte. Sie ist die einzige, die mich schon gespürt hat, als mich sonst noch niemand wahrnahm. Sie ist diejenige, die mich als Teil von sich selbst erlebt hat.
Mir geht es ja mit meinen Kindern nicht anders...
Aber gerade die Beziehung zur Mutter ist oft besonders belastet - vor allem für Töchter.
Irgendwann muß sich der Mensch von der Mutter lösen, eigene Wege gehen, eine eigene Meinung haben, einen eigenen Lebensentwurf. Wenn eine Mutter dann nicht loslassen kann - auch unter Schmerzen und sehend, daß der Weg ein Irrweg wird, dann entstehen Konflikte, die oft jahrelang nicht aufgearbeitet werden.
Ich selber hatte ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Oft genug hätte ich mir gewünscht, sie noch länger als Freundin an meiner Seite gehabt zu haben. Aber sie ist schon seit 18 Jahren tot.
Beobachtet habe ich die problematische Beziehung zur Mutter oft im Freundeskreis.
Eine Freundin, ich nenne sie hier mal Lisa, kenne ich schon seit meiner Jugend. Ich war oft ein bißchen \"neidisch\" auf ihre Mutter: Lisa drufte viel, bekam immer mal wieder außer der Reihe Geld zugesteckt, sogar für mich fiel da manchmal noch was ab. So eine großzügige Mutter hätte ich mir damals auch manchmal gewünscht.
Erst später habe ich wirklich verstanden, daß meine Eltern sich diese Großzügigkeit auch nicht leisten konnten. Und noch viel später habe ich verstanden, daß Lisas Mutter mit ihrer Großzügigkeit versucht hat, die Liebe ihrer Tochter zu kaufen.
Als Lisa während des Studiums zu Hause auszog, war ihr Vater gerade gestorben. Und jahrelang plagte Lisa ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Mutter zu der Zeit im Stich gelassen hat. Dabei hat sie sie immer wieder besucht, und wenn die Mutter Hilfe brauchte, stand Lisa parat.
Später, wenn Lisa in Urlaub fahren wollte, konnte man schon fast sicher sein, daß ihre Mutter gerade dann krank wurde. Nie passierte das, wenn Lisas Bruder in Urlaub fuhr.
Lisa hat oft versucht, mit ihrer Mutter diese Probleme aufzuarbeiten. Leider vergebens. Eines schönen Sommertags, als Lisa am anderen Ende Deutschlands in Urlaub war, starb die Mutter. Die Problematik der Beziehung zu ihrer Mutter hat Lisa in jahrelangen Therapien nun so langsam aufgearbeitet.
Ein anderes Beispiel ist Vera: auch sie hatte keine ungetrübte Beziehung zu ihrer Mutter.
Der Vater war Alkoholiker. Ein Bruder von Vera hat als junger Mann Selbstmord begangen. Der andere Bruder hat geheiratet und ist mit seiner eigenen Familie einige hundert Kilometer weit weg gezogen. Die Mutter suchte Halt bei ihrer Tochter. Diesen Halt konnte Vera jedoch nicht richtig geben. Sie hatte mit sich selbst oft genug zu tun, vor allem in der Zeit, als sie eine lesbische Beziehung hatte.
Erst in den letzten zwei Jahren ihres Lebens hat die Mutter auch von sich aus Versöhnung gesucht - und damit auch für den inneren Frieden ihrer Tochter gesorgt.
Gestern erzählte Beate, daß ihre Mutter gestorben sei. Auch Beate hatte jahrelang keine gute Beziehung zur Mutter. Der Sohn war katholischer Priester geworden - für die wenig gläubige Mutter sicherlich nicht so leicht nachzuvollziehen. Beate selbst lebte ihr eigenes Leben - beruflich recht erfolgreich, privat vielleicht anders, als ihre Mutter sich das so vorstellte. Daß Beate nicht am Heimatort geblieben war, konnte die Mutter gar nicht verstehen.
Im Alter wurde sie krank. Demenz machte sich bemerkbar. Viele erste Anzeichen wurden jedoch von der Tochter nicht recht erkannt - und ausbleibende Anrufe am Geburtstag wurden dann schon mal übelgenommen. Kleinigkeiten, die auf die Dauer aber nagen.
Schließlich hatte die Mutter einen Unfall und mußte ins Krankenhaus. Die Ärzte rieten zu einem Umzug ins Altenheim, was Beates Mutter natürlich nicht wollte. Allerdings blieb ihr wohl nichts anderes übrig, denn sie würde sich nicht selbst versorgen können. Zwei Tage vor dem geplanten Einzug ins Altenheim starb sie im Krankenhaus.
Beate war froh, daß sie ihre Mutter im Krankenhaus oft besucht hat. In dieser Zeit hat ihre Mutter auch - trotz Demenz - oft das Gespräch gesucht und die alten Mißverständnisse und Unzufriedenheiten besprochen. Sie wollte die Versöhnung: \"Jetzt ist doch alles gut\", das ist der Satz, der Beate immer noch im Ohr klang.
Bernd hat jahrelang Probleme mit seiner Mutter gehabt. Die Freunde konnten das gar nicht verstehen. Sie erlebten seine Mutter als eine besorgte, aber doch freundliche Frau. Aber gerade dieses Besorgtsein störte Bernd so. Sie meinte sich in alles einmischen zu müssen. Heute betrachtet er es als Fehler, direkt nach der Ausbildung, die er auswärts absolviert hat, wieder ins Elternhaus gezogen zu sein. Zwölf Jahre lang hat er dort in einer eigenen Wohnung gelebt, zwölf Jahre, in denen seine Mutter immer wieder auch darauf geachtet hat, ob er denn morgens wohl früh genug das Haus verließ. Dann ist er schließlich ausgezogen.
Heute lebt er mit seiner Freundin zusammen. Und seitdem besucht er auch seine Eltern wieder gerne - denn die beiden Frauen sind ein Herz und eine Seele und verstehen sich prima. Seine Freundin hat allerdings nicht eine Mutterrolle bei Bernd übernommen!
All diese Gedanken und Beispiele (und noch einige mehr) fielen uns gestern beim Gespräch mit Vera und Beate ein. Mit Sicherheit hat jeder von Euch auch so seine Geschichten mit der eigenen Mutter - oder mit Müttern im Freundeskreis.
Was mir wichtig ist: jeder, der die Chance hat, sollte versuchen, mit seiner Mutter zu einer ausgesöhnten Beziehung zu kommen. Nicht immer heißt das, daß die Mutter sich ändern muß. Manche Mütter sind dazu einfach nicht in der Lage. Aber für jeden ganz persönlich scheint mir wichtig zu sein, der Mutter mit Respekt - wenn nötig auch mit Distanz - zu begegnen. Alte und vor allem versteckte Haßgefühle im Gespräch überwinden, halte ich für wichtig. Irgendwann ist es sonst zu spät, die Beziehung zur Mutter zu bereinigen, zu der Frau, die einen von Anfang an kannte.
(Ich weiß, daß das nicht immer geht. Ich will auch niemandem weh tun, für den die Situation anders ist, sondern lediglich Anregungen mitteilen. - Ich kenne auch genug Beispiele - nicht nur das von Lisa, wo es einfach nicht ging. Aber gerade das Beispiel von Lisa zeigt mir, daß diese alten Geschichten verarbeitet sein wollen.)
Mir geht es ja mit meinen Kindern nicht anders...
Aber gerade die Beziehung zur Mutter ist oft besonders belastet - vor allem für Töchter.
Irgendwann muß sich der Mensch von der Mutter lösen, eigene Wege gehen, eine eigene Meinung haben, einen eigenen Lebensentwurf. Wenn eine Mutter dann nicht loslassen kann - auch unter Schmerzen und sehend, daß der Weg ein Irrweg wird, dann entstehen Konflikte, die oft jahrelang nicht aufgearbeitet werden.
Ich selber hatte ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Oft genug hätte ich mir gewünscht, sie noch länger als Freundin an meiner Seite gehabt zu haben. Aber sie ist schon seit 18 Jahren tot.
Beobachtet habe ich die problematische Beziehung zur Mutter oft im Freundeskreis.
Eine Freundin, ich nenne sie hier mal Lisa, kenne ich schon seit meiner Jugend. Ich war oft ein bißchen \"neidisch\" auf ihre Mutter: Lisa drufte viel, bekam immer mal wieder außer der Reihe Geld zugesteckt, sogar für mich fiel da manchmal noch was ab. So eine großzügige Mutter hätte ich mir damals auch manchmal gewünscht.
Erst später habe ich wirklich verstanden, daß meine Eltern sich diese Großzügigkeit auch nicht leisten konnten. Und noch viel später habe ich verstanden, daß Lisas Mutter mit ihrer Großzügigkeit versucht hat, die Liebe ihrer Tochter zu kaufen.
Als Lisa während des Studiums zu Hause auszog, war ihr Vater gerade gestorben. Und jahrelang plagte Lisa ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Mutter zu der Zeit im Stich gelassen hat. Dabei hat sie sie immer wieder besucht, und wenn die Mutter Hilfe brauchte, stand Lisa parat.
Später, wenn Lisa in Urlaub fahren wollte, konnte man schon fast sicher sein, daß ihre Mutter gerade dann krank wurde. Nie passierte das, wenn Lisas Bruder in Urlaub fuhr.
Lisa hat oft versucht, mit ihrer Mutter diese Probleme aufzuarbeiten. Leider vergebens. Eines schönen Sommertags, als Lisa am anderen Ende Deutschlands in Urlaub war, starb die Mutter. Die Problematik der Beziehung zu ihrer Mutter hat Lisa in jahrelangen Therapien nun so langsam aufgearbeitet.
Ein anderes Beispiel ist Vera: auch sie hatte keine ungetrübte Beziehung zu ihrer Mutter.
Der Vater war Alkoholiker. Ein Bruder von Vera hat als junger Mann Selbstmord begangen. Der andere Bruder hat geheiratet und ist mit seiner eigenen Familie einige hundert Kilometer weit weg gezogen. Die Mutter suchte Halt bei ihrer Tochter. Diesen Halt konnte Vera jedoch nicht richtig geben. Sie hatte mit sich selbst oft genug zu tun, vor allem in der Zeit, als sie eine lesbische Beziehung hatte.
Erst in den letzten zwei Jahren ihres Lebens hat die Mutter auch von sich aus Versöhnung gesucht - und damit auch für den inneren Frieden ihrer Tochter gesorgt.
Gestern erzählte Beate, daß ihre Mutter gestorben sei. Auch Beate hatte jahrelang keine gute Beziehung zur Mutter. Der Sohn war katholischer Priester geworden - für die wenig gläubige Mutter sicherlich nicht so leicht nachzuvollziehen. Beate selbst lebte ihr eigenes Leben - beruflich recht erfolgreich, privat vielleicht anders, als ihre Mutter sich das so vorstellte. Daß Beate nicht am Heimatort geblieben war, konnte die Mutter gar nicht verstehen.
Im Alter wurde sie krank. Demenz machte sich bemerkbar. Viele erste Anzeichen wurden jedoch von der Tochter nicht recht erkannt - und ausbleibende Anrufe am Geburtstag wurden dann schon mal übelgenommen. Kleinigkeiten, die auf die Dauer aber nagen.
Schließlich hatte die Mutter einen Unfall und mußte ins Krankenhaus. Die Ärzte rieten zu einem Umzug ins Altenheim, was Beates Mutter natürlich nicht wollte. Allerdings blieb ihr wohl nichts anderes übrig, denn sie würde sich nicht selbst versorgen können. Zwei Tage vor dem geplanten Einzug ins Altenheim starb sie im Krankenhaus.
Beate war froh, daß sie ihre Mutter im Krankenhaus oft besucht hat. In dieser Zeit hat ihre Mutter auch - trotz Demenz - oft das Gespräch gesucht und die alten Mißverständnisse und Unzufriedenheiten besprochen. Sie wollte die Versöhnung: \"Jetzt ist doch alles gut\", das ist der Satz, der Beate immer noch im Ohr klang.
Bernd hat jahrelang Probleme mit seiner Mutter gehabt. Die Freunde konnten das gar nicht verstehen. Sie erlebten seine Mutter als eine besorgte, aber doch freundliche Frau. Aber gerade dieses Besorgtsein störte Bernd so. Sie meinte sich in alles einmischen zu müssen. Heute betrachtet er es als Fehler, direkt nach der Ausbildung, die er auswärts absolviert hat, wieder ins Elternhaus gezogen zu sein. Zwölf Jahre lang hat er dort in einer eigenen Wohnung gelebt, zwölf Jahre, in denen seine Mutter immer wieder auch darauf geachtet hat, ob er denn morgens wohl früh genug das Haus verließ. Dann ist er schließlich ausgezogen.
Heute lebt er mit seiner Freundin zusammen. Und seitdem besucht er auch seine Eltern wieder gerne - denn die beiden Frauen sind ein Herz und eine Seele und verstehen sich prima. Seine Freundin hat allerdings nicht eine Mutterrolle bei Bernd übernommen!
All diese Gedanken und Beispiele (und noch einige mehr) fielen uns gestern beim Gespräch mit Vera und Beate ein. Mit Sicherheit hat jeder von Euch auch so seine Geschichten mit der eigenen Mutter - oder mit Müttern im Freundeskreis.
Was mir wichtig ist: jeder, der die Chance hat, sollte versuchen, mit seiner Mutter zu einer ausgesöhnten Beziehung zu kommen. Nicht immer heißt das, daß die Mutter sich ändern muß. Manche Mütter sind dazu einfach nicht in der Lage. Aber für jeden ganz persönlich scheint mir wichtig zu sein, der Mutter mit Respekt - wenn nötig auch mit Distanz - zu begegnen. Alte und vor allem versteckte Haßgefühle im Gespräch überwinden, halte ich für wichtig. Irgendwann ist es sonst zu spät, die Beziehung zur Mutter zu bereinigen, zu der Frau, die einen von Anfang an kannte.
(Ich weiß, daß das nicht immer geht. Ich will auch niemandem weh tun, für den die Situation anders ist, sondern lediglich Anregungen mitteilen. - Ich kenne auch genug Beispiele - nicht nur das von Lisa, wo es einfach nicht ging. Aber gerade das Beispiel von Lisa zeigt mir, daß diese alten Geschichten verarbeitet sein wollen.)
19 Bewertungen, 2 Kommentare
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12.04.2007, 12:53 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreichSH und sonnige Grüße !!
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17.01.2007, 19:09 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
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