Friedhof der Namenlosen Testbericht

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Erfahrungsbericht von Comte_de_Flandre

Wenn Ruh und Frieden ihr gesucht

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ihr arggequälten Herzen
Fern von der Welt, die Euch nun sucht
Hier gibt es keine Schmerzen

Fehlt auch moderner Gräbertand
Nennt Euch kein Kreuz mit Namen
Ihr ruhet hier in Gottes Hand
In seinem Frieden Amen

Und kommt es einst zum Wiedersehen
Genießt die Ruh indessen
Der einstens ruft das "Auferstehen"
Wird Eurer nicht vergessen.



Dieses Gedicht ist den Verstorbenen gewidmet, die auf dem Wiener 'Friedhof der Namenlosen' Ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Da es sich bei diesem Friedhof um einen besonders sehenswerten Wiens und dazu gleichzeitig um die einzige Begräbnisstätte handelt, die ausschließlich den Opfern eines Flusses vorbehalten ist, werde ich den Friedhof der Namenlosen im Folgenden ein wenig näher vorstellen:


Die Geschichte
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Am Stromkilometer 1.918 der Donau wurden durch einen Wasserwirbel regelmäßig die Körper von Ertrunkenen an Land getrieben, so daß man sich im Jahre 1854 entschloss, für die nicht identifizierbaren Toten einen Friedhof anzulegen.

Da der ursprüngliche Friedhof desöfteren überschwemmt wurde, wurde er im Jahre 1900 hinter einen neuen Schutzwall verlegt. Bis zum Jahre 1940 wurden hier insgesamt 104 Tote aufgenommen. Durch den Bau des Alberner Hafens erfuhr die Donau eine Änderung Ihres Wasserlaufs, so daß ab diesem Zeitpunkt keine Toten mehr an dieser Stelle geborgen worden sind.

Im Jahr 1935 wurde auf dem umgebenden Erdwall die Auferstehungskapelle sowie eine steinerne Mauer errichtet.


Der Friedhof heute
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Die stimmungsvolle Gedenkstätte liegt heutzutage am Ende des Hafengeländes umgeben von riesigen Lagergebäuden.

Die 104 Gräber, von denen 61 keinen Namen tragen, werden bis zum heutigen Tage sorgfältig betreut. Bis zu seinem Tod im Jahre 1996 sorgte der ehemalige Totengräber aus Albern, Josef Fuchs, für die Gräber. Er errichtete dort schlichte eiserne Kreuze mit weißen Jesus-Figuren. Nunmehr nimmt sein Sohn die Aufgabe der Pflege der Gräber wahr.

Die meisten hier begrabenen Toten sind Selbstmörder, aber hier befinden sich auch die Gräber von Opfern ihres Berufes wie Fischer und Schiffsleute.

Der Friedhof der Namenlosen ist heutzutage auch ein beliebtes Ausflugsziel. An der Donau befinden sich Grill- und Liegeplätze und ein gleichnamiges Ausflugslokal.


Wo?
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Der Friedhof der Namenlosen liegt - wie gesagt - auf dem Gebiet des heutigen Alberner Hafens. Albern ist der östlichste Teil des Wiener Bezirks Simmering, nahezu direkt an der Grenze zu Schwechat in Nieder- Österreich. Auf dem Wappen Simmerings wird Albern durch den Fisch repräsentiert.

Am Eingang der Hafenzufahrt steht ein Hinweisschild. Der Friedhof befindet sich dann am Ende der Straße auf der rechten Seite.


Wie komme ich hin?
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Am bequemsten ist der Friedhof von Wien aus mit dem Auto zu erreichen. Über Kaiser-Ebersdorf fährt man Richtung Schwechat und später Richtung Alberner Hafen oder man bedient sich der Autobahn A4, die man an der Anschlussstelle Simmeringer Haide verlässt und sich nach 2-maligen Linksabbiegen auf der 11. Haidequerstraße befindet, an deren Ende man rechts auf die Alberner Hafenzufahrtsstraße abbiegt. Nach einigen Kilometern kann man dann links ins Hafengelände abbiegen, welches aufgrund der dort befindlichen hohen Lagerhallen auch nicht zu übersehen ist. Als Anhaltspunkt kann z.B. auch die dort ansässige Spedition Schenker dienen.

Gleichwohl ist der Friedhof der Namenlosen auch mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar, wenngleich dieses wesentlich umständlicher ist. Man fährt entweder mit der U3 zur Station Enkplatz oder der Straßenbahn 71 bis zur Endstation in Kaiser-Ebersdorf. An diesen Stationen erreicht man die Buslinie 76A, die über den Alberner Hafen verkehrt. Aber Achtung, sie verkehrt nicht allzu häufig (30 bis 60 Minuten Takt) und nicht jeder Kurs bedient den Hafen. Dem ein oder anderen, der den Friedhof schon besucht hat, wird noch die Buslinie 6A in Erinnerung sein, diese Linie wurde allerdings zwischenzeitlich für die Linie 76A aufgelassen.

Da sich der Friedhof noch im Stadtgebiet Wiens befindet, reichen die normalen Fahrkarten für eine Zone bzw. die gängigen Tageskarten.


Das Erlebnis
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Der Friedhof der Namenlosen besitzt eine einzigartige und beeindruckende Stimmung. Sie ist still und traurig, auch verstärkt durch das Wissen um bzw. die Gedanken an die einzelnen Schicksale der dort Begrabenen.

Durch die umständliche Erreichbarkeit ist der Friedhof keine Sehenswürdigkeit, die man im Vorübergehen einfach so abklappert. Man nimmt sich zwangsläufig die Zeit dort zu verweilen, und genau das lohnt sich. Geht durch die Reihen, lest die Inschriften, die Gedichte an den Gräbern und lasst die Atmosphäre auf Euch wirken. Vergesst Euren Fotoapparat nicht.

Am schönsten habe ich es an einem sonnigen Nachmittag im Herbst empfunden. Die Besuche haben mich jedesmal tief beeindruckt.


Zum Schluss
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Begonnen habe ich diesen Beitrag mit dem Gedicht, das sich an einem Kreuz befindet, auf das man bei Betreten des Friedhofes direkt zusteuert.

Schließen werde ich mit dem Gedicht des Grafen Wickenburg, welches an der inneren Mauer direkt neben dem Eingang zu finden ist:


Tief im Schatten alter Rüstern,
Starren Kreuze hier am düstern
Uferrand.
Aber keine Epitaphe,
Sage uns, wer unten schlafe,
Kühl im Sand.

Still ist´s in den weiten Auen,
Selbst die Donau ihre blauen,
Wogen hemmt.
Denn sie schlafen hier gemeinsam,
Die, die Fluten still und einsam,
Angeschwemmt.

Alle, die sich hier gesellen,
Trieb Verzweiflung in der Wellen
Kalten Schoß.
Drum die Kreuze die da ragen,
Wie das Kreuz das sie getragen,
"Namenlos".


(c) Comte de Flandre - August 2000 / Mai 2001

28 Bewertungen, 3 Kommentare

  • April

    26.07.2003, 00:41 Uhr von April
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön geschrieben!

  • Travelwriter

    18.03.2003, 02:19 Uhr von Travelwriter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessanter Tip! Kenne ja schon einige spezielle letzte Ruhestätten aber dort war ich noch nicht. lg Andreas

  • zettikonfetti

    21.02.2002, 00:37 Uhr von zettikonfetti
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hört sich teilweise sehr spannend an... der nachdenkende zettikonfetti