Der Ruf der Trommel (Taschenbuch) / Diana Gabaldon Testbericht

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Erfahrungsbericht von galeria

Was für eine Überraschung!

Pro:

der beste aller Teile bisher!

Kontra:

diesmal keins

Empfehlung:

Ja

So ging es mir die ganze Zeit durch den Kopf, als ich Teil 4 der Schottlandsaga las. Ich war wirklich erstaunt. Diana Gabaldon hat hier mit Abstand den besten Teil bisher geschrieben. Teil 1 war schon ok, Teil 2 war besser, aber nach der Flaute in Teil 3 dachte ich, ich werde das jetzt beenden. Ich wurde vom Gegenteil überzeugt, Teil 5 liegt schon bereit, um von mir gefressen zu werden *g*.

Noch einmal kurz eine Zusammenfassung, was in den bisherigen 3 Teilen geschah:
In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts gerät Claire (Krankenschwester, verheiratet mit Frank Randall, einem Geschichtsprofessor) in Schottland durch einen Zufall an einen dieser Steinkreise, ähnlich wie Stonehenge. Dort macht sie eine unglaubliche Zeitreise 200 Jahre zurück in die Vergangenheit. Im Schottland Ende des 18. Jahrhunderts verliebt sie sich in James Fraser, einem echten Hochlandschotten. Nach 3 Jahren kehrt sie schwanger zurück in ihre Zeit, damit sie sicher ihr Baby auf die Welt bekommen kann, denn inzwischen tobte in der Vergangenheit die Schlacht um Culloden. Frank Randall nimmt sie wieder auf, zieht Claires Tochter Brianna wie seine eigene auf. Claire wird Ärztin und man lebt in Boston.

20 Jahre später, Frank Randall ist tot, kehrt Claire zurück nach Schottland und erzählt ihrer Tochter und einem Historiker namens Roger Wakefield ihre Geschichte. Gemeinsam finden sie heraus, Jamie hat Culloden überlebt. Claire geht zurück zu ihm, findet ihn und muss wieder ein Abenteuer nach dem anderen bestehen.

Und hier knüpft Teil 4 an:

Nach einer spektakulären Flucht in die Neue Welt und einigen mehr oder weniger schlimmen Strapazen haben Jamie, Claire und Ian endlich das Gut der Witwe Jocasta erreicht, eine Tante von Jamie, die halbblind ist, aber durchaus von scharfem Verstand. Die Plantage mitsamt der Sklaven soll nun Jamie übernehmen, der dazu aber absolut keine Lust verspürt, seine Frau und seinen Neffen Ian schnappt und in die Berge Nordcarolinas zieht. Ein unbebautes unberührtes Land wird einst als Frasers Ridge bezeichnet werden. Bis dahin ist es aber noch immens viel Arbeit.

Jamie möchte alle Schotten im Laufe der Zeit zusammen holen, alte Kameraden, die mit ihm einst unter englischer Knute im Gefängnis saßen, deportiert zur Zwangsarbeit in den Kolonien. Indianer sind seine engsten Nachbarn, werden seine Freunde. Ian zieht es ganz besonders dorthin.

Auf der anderen Seite: die Gegenwart, die Zeit um 1970 herum. Roger und Brianna verbindet eine zarte beinahe schüchterne übervorsichtige Liebe. Und dann findet Roger einen uralten Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1776, darin steht, dass Jamie und Claire in ihrem Haus in Frasers Ridge verbrannt sind. Nachdem er diesen Schock verdaut hatte, beschloss er, es nicht Brianna zu erzählen, da er Angst hatte, sie wolle ebenfalls wie ihre Mutter durch die Steine in der Zeit zurückreisen, um sie zu warnen. Und es kam wie es kommen musste, sie fand in ihren eigenen Recherchen über ihre Eltern heraus, was passieren würde und machte sich ganz allein auf den Weg durch die Zeit, ohne Roger was zu sagen.

Bis Roger das mitbekommt, vergehen 6 Monate, er reist ihr natürlich hinterher, da er die Fähigkeit durch die Steine zu gehen, von einer Vorfahrin geerbt hatte (der kundige Leser wird wissen, es ist Geilis Duncan).

Brianna indessen sucht den Familiensitz der Frasers in Schottland auf, wird dort sofort herzlichst aufgenommen und man gab ihr die notwendige Hilfe, um ihre Eltern in der Neuen Welt zu finden. Roger folgt ihr auf dem Fuße und in Amerika begegnen sie sich wieder...

Ja und dann passieren die unmöglichsten Sachen, die ich jetzt nicht erzählen werde. Nur so viel: Brianna wird vergewaltigt und Roger von Indianern gefoltert...und auch als alles gut ging am Ende, die beiden können nicht mehr in ihre Zeit zurück, da Brianna bereits ein Baby bekommen hat, mit dem sie unmöglich durch den grausamen Steinkreis gehen kann.

Das war jetzt wieder nur kurz umrissen, ich mag nicht gern die ganzen Bücher erzählen, das wäre gemein. Auf alle Fälle kann ich versprechen, dieser Teil hat es wahrlich in sich, man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Diana Gabaldon hat sich hier wirklich und wahrhaftig Mühe gegeben. Spannung und Witz ist ebenso dabei wie historisch einwandfreie Hintergründe. Während Teil 3 mich fast zum Einschlafen gebracht hat, ich mich regelrecht durchquälen musste - hier war das völlig anders. Man wurde von einer spannenden Szene in die nächste gejagt. Und auch wenn man jetzt viel mehr über Brianna und Roger erfährt, so kamen die beiden ursprünglichen Hauptpersonen Jamie und Claire nicht zu kurz.

Diana Gabaldon hat auch endlich die ewigen endlosen erotischen Szenen etwas weniger werden lassen, dafür brachte sie mehr aus dem alltäglichen Leben der damaligen Zeit aufs Papier. Es ist schon erstaunlich, wenn man sich vorstellt, wie Menschen aus der heutigen bequemen Sicherheit des 20. Jahrhunderts in einer so ganz anderen mehr als gefährlichen Welt zurecht finden. Als äußerst praktisch hat sich erwiesen, dass wir ja heutzutage gegen fast alles geimpft sind. Trotz alledem, mich würden keine 10 Pferde in diese Zeit bringen, ich wäre wahrscheinlich schon in den ersten 20 Minuten gestorben, schon alleine wegen dem Dreck überall. So manches Mal lief mir die Gänsehaut rüber, wenn D. Gabaldon sämtliche Gerüche beschrieb. Das ist es was sie am besten kann, sie kann Gerüche bis aufs äußerste Quäntchen beschreiben, man kann die Seiten förmlich riechen. Selbst die kleinsten Details vergisst sie nicht.

Nebenbei erfährt man wieder allerlei über Kräuter und Claires Arbeit als Ärztin. Vielleicht schafft sie es ja in Teil 5 endlich Penicillin auf altem Brot zu züchten. Alles voll auf Naturbasis. Aber wenn ich es recht bedenke, da sind mir in unserer heutigen hochtechnisierten Welt die Farb-und Konservierungsstoffe im Dosenfutter wesentlich lieber als damals die unhygienischen Zustände mit Infektionskrankheiten und Vitamin-C-Mangel. Und wenn ich nicht jeden Tag meine Dusche habe...igitt! Ich mag ja nicht mal zelten!

Wir werden sehen wie es weiter geht. Ich bin schon ganz kribblig auf den nächsten Wälzer, der hier neben mir nagelneu vor sich hinglänzt.

Bis dahin gehabt Euch wohl und

danke für`s Lesen,

Eure Galeria.

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