Die Chirurgin (gebundene Ausgabe) / Tess Gerritsen Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von vampire-lady
halt mal den Darm fest
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Tess Gerritsens „die Chirurgin“ (2002) war das Buch, welches ich mir wirklich von Galeria ausleihen wollte, weil ich von der Autorin schon viel positives gehört hatte (während mit zwei andere zum Lesen aufgedrängt worden waren).
Gerritsen bleibt mit dem gut 400seitigen Thriller in einem Umfeld, das sie kennt. Sie ist Ärztin. Die Taschenbuchversion von Blanvalet kostet € 8,95.
Wie in vielen Thrillern beliebt, spielt die Geschichte in einem kochendheißem Sommer. Das Zentrum der Handlung ist Boston, wohin die Chirurgin Catherine Cordell zwei Jahre zuvor gezogen ist, nachdem sie damals in Savannah unter Dorgen gesetzt und vergewaltigt wurde, wonach es ihr aber zumindest gelang, ihren Angreifer zu erschießen. Das verhinderte, daß der Täter ihr auch noch die Gebärmutter herausschnitt, um sie nach der „Operation“ verbluten zu lassen. Ein Schicksal das zuvor bereits mehrere Frauen ereilt war. In Boston beginnt nun eine Mordserie nach ähnlichem Muster, aber mit feinen Unterschieden. Die Opfer haben eine berühmte Gemeinsamkeit und irgendwie scheinen alle Fäden bei Catherine zusammen zu laufen. Catherine ist Bezugsperson aber auch potentielles Opfer für den Killer, der den sinnigen Namen „der Chirurg“ erhält.
Gerritsen schafft es in ihrem Buch eimerweise Blut zu vergiessen. Nicht nur der Killer, der von dem roten Stoff geradezu renfield-gleich verzückt ist, verteilt es weit und großzügig. Die Geschichte ist ebenso mit der beruflichen Tätigkeit Catherines gewürzt, und so spritzt es auch durch ihren OP. Genau dieser Aspekt war für mich eigentlich eher überflüssig und pure Effekthascherei, aber so mal zwischendurch eine lecker-feine Amputation ist doch ein schöner Ekelfaktor für den lechzenden Leser. Die Autorin beglückt uns dann auch mit diversen medizinischen Details, die zumindest mich nicht wirklich interessieren. Ich meine, wenn eine Hauptfigur Bibliothekar ist, beschreibt bestimmt niemand seitenlang, wie er Bücher wieder in ein Regal sortiert, oder?
Gut gefallen hat mir, daß der Killer hin und wieder zu Wort kam – immer in Kursivschrift, damit man es auch wirklich begreift. Bereits am Anfang: er hockt in einem Lokal und stellt sich vor, wie sein jüngstes Opfer gefunden wird – lacht sich geradezu ins Fäustchen, hat so richtig Spaß an seinem Job. Dabei will er doch nur Zeit totschlagen. Der Leser weiß so natürlich mehr über den Chirurgen als die Ermittler, bekommt so eine geballte Ladung seiner Denkweise – interessanterweise aber keine Antwort in Bezug auf seine Motivation, die erschließt sich dem Leser und der Polizei am Ende nicht wirklich vollständig. Faszinierend ist die Intelligenz des Killers. Er hat sich sogar mit den historischen Aspekten seiner Tat beschäftigt und sich einen optimalen Platz gesucht, von dem er seiner Opfer auswählen kann. Dies wird dem Leser langsam und vor der Polizei enthüllt. Der Killer ist somit zwar kein Hannibal Lector, dazu ist er nicht extrovertiert genug, aber es umgibt ihn eine ähnliche Aura.
Ein Pluspunkt geht auch an die Charaktere der Geschichte, wenn sie auch ein wenig ausgenudelt sind. Auch wenn wir hier keine sehr tiefgehenden Charaktere haben, sind sie doch so umfassend gezeichnet, wie es die Geschichte benötigt – eine gelungene Gratwanderung. Catherine ist nach außen hin die typische starke erfolgreiche Frau, die aber insgeheim das alte Trauma verbirgt, sich in ihre Arbeit stürzt und ansonsten in ihrer Wohnung einschließt. Genau das reizt den Täter, sie scheint offensichtlich den Angriff überwunden zu haben. Er sieht in ihr die würdige Gegenspielerin. Somit ist Catherine als Charakter dieses Genres nichts neues, ihre Figur ist aber gut und facettenreich ausgearbeitet, weshalb die Schilderungen ihrer Leistungen im OP vielleicht doch ihre Berechtigung haben. Ihr zur Seite steht der Polizist Thomas Moore, der auch nach zwei Jahren immer noch an seiner verstorbenen Frau hängt. Es ist kaum umgänglich, daß die beiden angeschlagenen Figuren in ihrem Leid zueinander finden, was vorhersehbar ist – Thomas ist ein gutaussehender und für einen Bullen sehr netter und verständnisvoller Typ. Eine wichtige Rolle spielt Rizzoli, die mit ihm zusammen arbeitet. Rizzoli ist eine schwierige Frau, die das Problem hat, daß sie sich von niemand ernst genommen fühlt. Sie hat es in ihrer Familie schwer, aber auch als Frau bei der Polizei. Nach einigem Kompetenzgerangel erkennt sie, daß Moore sie sehr wohl ernst nimmt, was sofort zu albernen Eifersüchteleien führt, als sie merkt, daß Moore etwas mit Catherine hat. Rizzoli verleiht so der Erzählung einige interessante Wendungen, zum guten, wie zum schlechten. Leider erfährt man am Ende nicht, wie sich der Verlauf der Erzählung auf ihre Zukunft ausgewirkt hat, während Moore und Catherine natürlich zusammenfinden. Im Abspann sind sie sogar verheiratet, was ich etwas dick aufgetragen fand. Das kommt rüber, wie ein fehlgeleiteter Liebesroman.
Der Showdown ist eher Standard. Natürlich stehen sich Catherine und ihr „Kollege“ abschließend allein gegenüber, die Aktionen überschlagen sich und in letzter Minute kommt die Rettung. Das ist auch eigentlich völlig in Ordnung, weil es so auch vom Leser erwartet wird. Was allerdings zunehmend nervt, ist der mittlerweile üblich gewordene Umweg über eine Art Nebentäter oder einen Zweitverdächtigen. Das soll meistens ablenken, oder aber wiederum im besonderen Maße den Weg zum echten Täter ebnen – killt aber im Regelfall oft die Spannung und verleitet mich gern mal dazu, daß Buch in hohem Bogen von mir zu werfen. Auch Gerritsen macht diesen Umweg, der aber wenigstens logisch ist und die Geschichte untermauert.
Einmal mehr hat also eine Autorin mit bekannten Elementen herumgespielt. Aber trotzdem gibt es wenig zu meckern, denn sie hat es gut gemacht, in dem sie vor allen Dingen eine gute Dosierung gefunden hat.
Gerritsen bleibt mit dem gut 400seitigen Thriller in einem Umfeld, das sie kennt. Sie ist Ärztin. Die Taschenbuchversion von Blanvalet kostet € 8,95.
Wie in vielen Thrillern beliebt, spielt die Geschichte in einem kochendheißem Sommer. Das Zentrum der Handlung ist Boston, wohin die Chirurgin Catherine Cordell zwei Jahre zuvor gezogen ist, nachdem sie damals in Savannah unter Dorgen gesetzt und vergewaltigt wurde, wonach es ihr aber zumindest gelang, ihren Angreifer zu erschießen. Das verhinderte, daß der Täter ihr auch noch die Gebärmutter herausschnitt, um sie nach der „Operation“ verbluten zu lassen. Ein Schicksal das zuvor bereits mehrere Frauen ereilt war. In Boston beginnt nun eine Mordserie nach ähnlichem Muster, aber mit feinen Unterschieden. Die Opfer haben eine berühmte Gemeinsamkeit und irgendwie scheinen alle Fäden bei Catherine zusammen zu laufen. Catherine ist Bezugsperson aber auch potentielles Opfer für den Killer, der den sinnigen Namen „der Chirurg“ erhält.
Gerritsen schafft es in ihrem Buch eimerweise Blut zu vergiessen. Nicht nur der Killer, der von dem roten Stoff geradezu renfield-gleich verzückt ist, verteilt es weit und großzügig. Die Geschichte ist ebenso mit der beruflichen Tätigkeit Catherines gewürzt, und so spritzt es auch durch ihren OP. Genau dieser Aspekt war für mich eigentlich eher überflüssig und pure Effekthascherei, aber so mal zwischendurch eine lecker-feine Amputation ist doch ein schöner Ekelfaktor für den lechzenden Leser. Die Autorin beglückt uns dann auch mit diversen medizinischen Details, die zumindest mich nicht wirklich interessieren. Ich meine, wenn eine Hauptfigur Bibliothekar ist, beschreibt bestimmt niemand seitenlang, wie er Bücher wieder in ein Regal sortiert, oder?
Gut gefallen hat mir, daß der Killer hin und wieder zu Wort kam – immer in Kursivschrift, damit man es auch wirklich begreift. Bereits am Anfang: er hockt in einem Lokal und stellt sich vor, wie sein jüngstes Opfer gefunden wird – lacht sich geradezu ins Fäustchen, hat so richtig Spaß an seinem Job. Dabei will er doch nur Zeit totschlagen. Der Leser weiß so natürlich mehr über den Chirurgen als die Ermittler, bekommt so eine geballte Ladung seiner Denkweise – interessanterweise aber keine Antwort in Bezug auf seine Motivation, die erschließt sich dem Leser und der Polizei am Ende nicht wirklich vollständig. Faszinierend ist die Intelligenz des Killers. Er hat sich sogar mit den historischen Aspekten seiner Tat beschäftigt und sich einen optimalen Platz gesucht, von dem er seiner Opfer auswählen kann. Dies wird dem Leser langsam und vor der Polizei enthüllt. Der Killer ist somit zwar kein Hannibal Lector, dazu ist er nicht extrovertiert genug, aber es umgibt ihn eine ähnliche Aura.
Ein Pluspunkt geht auch an die Charaktere der Geschichte, wenn sie auch ein wenig ausgenudelt sind. Auch wenn wir hier keine sehr tiefgehenden Charaktere haben, sind sie doch so umfassend gezeichnet, wie es die Geschichte benötigt – eine gelungene Gratwanderung. Catherine ist nach außen hin die typische starke erfolgreiche Frau, die aber insgeheim das alte Trauma verbirgt, sich in ihre Arbeit stürzt und ansonsten in ihrer Wohnung einschließt. Genau das reizt den Täter, sie scheint offensichtlich den Angriff überwunden zu haben. Er sieht in ihr die würdige Gegenspielerin. Somit ist Catherine als Charakter dieses Genres nichts neues, ihre Figur ist aber gut und facettenreich ausgearbeitet, weshalb die Schilderungen ihrer Leistungen im OP vielleicht doch ihre Berechtigung haben. Ihr zur Seite steht der Polizist Thomas Moore, der auch nach zwei Jahren immer noch an seiner verstorbenen Frau hängt. Es ist kaum umgänglich, daß die beiden angeschlagenen Figuren in ihrem Leid zueinander finden, was vorhersehbar ist – Thomas ist ein gutaussehender und für einen Bullen sehr netter und verständnisvoller Typ. Eine wichtige Rolle spielt Rizzoli, die mit ihm zusammen arbeitet. Rizzoli ist eine schwierige Frau, die das Problem hat, daß sie sich von niemand ernst genommen fühlt. Sie hat es in ihrer Familie schwer, aber auch als Frau bei der Polizei. Nach einigem Kompetenzgerangel erkennt sie, daß Moore sie sehr wohl ernst nimmt, was sofort zu albernen Eifersüchteleien führt, als sie merkt, daß Moore etwas mit Catherine hat. Rizzoli verleiht so der Erzählung einige interessante Wendungen, zum guten, wie zum schlechten. Leider erfährt man am Ende nicht, wie sich der Verlauf der Erzählung auf ihre Zukunft ausgewirkt hat, während Moore und Catherine natürlich zusammenfinden. Im Abspann sind sie sogar verheiratet, was ich etwas dick aufgetragen fand. Das kommt rüber, wie ein fehlgeleiteter Liebesroman.
Der Showdown ist eher Standard. Natürlich stehen sich Catherine und ihr „Kollege“ abschließend allein gegenüber, die Aktionen überschlagen sich und in letzter Minute kommt die Rettung. Das ist auch eigentlich völlig in Ordnung, weil es so auch vom Leser erwartet wird. Was allerdings zunehmend nervt, ist der mittlerweile üblich gewordene Umweg über eine Art Nebentäter oder einen Zweitverdächtigen. Das soll meistens ablenken, oder aber wiederum im besonderen Maße den Weg zum echten Täter ebnen – killt aber im Regelfall oft die Spannung und verleitet mich gern mal dazu, daß Buch in hohem Bogen von mir zu werfen. Auch Gerritsen macht diesen Umweg, der aber wenigstens logisch ist und die Geschichte untermauert.
Einmal mehr hat also eine Autorin mit bekannten Elementen herumgespielt. Aber trotzdem gibt es wenig zu meckern, denn sie hat es gut gemacht, in dem sie vor allen Dingen eine gute Dosierung gefunden hat.
66 Bewertungen, 4 Kommentare
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23.03.2006, 03:03 Uhr von kakaue
Bewertung: sehr hilfreichsh lg chris
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30.12.2005, 14:38 Uhr von Fluetie
Bewertung: sehr hilfreich:-) lg Dirk
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14.12.2005, 13:11 Uhr von The_Ghostwriter
Bewertung: sehr hilfreichKönnt auch auf meine Liste der zu lesenden Bücher kommen. sh :-)
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30.10.2005, 19:38 Uhr von Cicila
Bewertung: sehr hilfreichSehr interessanter und informativer Testbericht! <br/>LG Cicila
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