Gesellschaftskritik Testbericht

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Erfahrungsbericht von elari69

Meine Rebellion gegen Manipulation

Pro:

Ist bestimmt nachdenkenswert.

Kontra:

Lang und manchmal nicht einfach.

Empfehlung:

Ja

Liebe Leser und Leserinnen,

in einer schwierigen Phase, hören wir oft Sätze die uns aufmuntern sollen. Es sind aber auch häufig Sätze mit "doppelten Boden". Leider mußte ich in Krisenzeiten oft letzteres feststellen. Auch habe ich viele Menschen kennen gelernt, die an solchen Sätzen schier verzweifelten und was für mich noch schlimmer ist, als Mutter benutze ich sie gedankenlos auch ziemlich häufig. Jedenfalls bis mir auffiel, daß sich mein Kind lautstark so dazu äußerte, daß ich auch die Rebellin in mir wieder hören konnte.

Worte, die wir vermutlich alle, Mütter, Väter, Kinder und Lebenspartner, schon mal gehört haben:

DU MUSST VERNÜNFTIG SEIN!
DU MUSST STARK SEIN!
DU MUSST DAS AUSHALTEN!
DU MUSST DAS SCHAFFEN!
DU MUSST DICH ZUSAMMENREISSEN!
DU MUSST AN UNS GLAUBEN!
DU SCHAFFST DAS SCHON!
DU MUSST DAS VERSTEHEN!


Was ich nach dreiunddreißig Jahren endlich mal dazu an alle die solche Sätze leichtfertig benutzen, als Denkanstoß sagen möchte:
„Ja glauben denn all jene, die mit solchen Forderungen an ihre Mitmenschen herantreten, wir seien unzerstörbare Heilige, Übermenschen, auf die man alles abwälzen kann, was sie selbst nicht tragen – ertragen können?
Was haben wir getan, dass dieser Irrtum entstehen konnte?
Noch wichtiger, wie können wir diesen Irrtum aus der Welt schaffen, bevor wir unter seiner Last entgültig zusammenbrechen?“


Solche Sätze hören wir oft von Kindesbeinen an. Oft sollen sie uns aufmuntern, damit wir tun, was der oder die anderen gerade von uns wollen. Wir werden aufgefordert es dem anderen leicht zu machen, indem wir uns seinen Wünschen und Vorstellungen anpassen. Was bedeutet, „Du musst vernünftig sein“? Wir sind doch in solchen Situationen meist der Meinung, dass wir mit unserem Tun und Denken richtig liegen. Aber wir tun etwas oder denken etwas, das dem anderen nicht gefällt, weil es vielleicht gegen seine Interessen und Bedürfnisse ist. Eventuell verunsichern wir den oder die anderen, weil wir „unberechenbar“ werden. Prompt kommt die Forderung, „SEI DOCH VERNÜNFTIG“. Hinterfragen wir jedoch, um wessen Vernunft es geht, so können wir vielleicht leichter die Entscheidung treffen, ob wir uns anpassen müssen oder eben nicht.


„DU MUSST STARK SEIN“ und „DU MUSST DICH ZUSAMMENREISSEN“ wird gerne von uns verlangt, wenn wir nicht mehr stark sein können und den Tränen und dem Schmerz keinen Einhalt mehr gebieten und unser Leid deutlich sichtbar wird. Damit ist unsere Umwelt gefordert, Anteilnahme zu zeigen und zu trösten und zu helfen. Letzteres ist ein großes Problem, denn oft weiß man ja nicht, wie man helfen soll. Es könnte unbequem, ja sogar anstrengend sein und Zeit und Kraft kosten. Da wird dem Mitgefühl eine Grenze gesetzt, weil man ja nicht überfordert werden will. Die Überlegung, eigentlich kann ich ja gar nicht wirklich helfen, tritt aus Selbstschutz an die Stelle des Mitgefühl. Der Hilfesuchende muss sich schon alleine helfen und bitte nicht klagen, denn das macht den anderen ein schlechtes Gewissen. Wenn wir die Botschaft dann verstanden haben, dass wir da alleine durchmüssen, bekommen wir meist noch ein „DU SCHAFFST DAS SCHON!“ zum Trost.


„DU MUSST DAS AUSHALTEN“ und „DU MUSST DAS SCHAFFEN“ zwingt uns, etwas alleine zu ertragen, was der andere nicht aushalten und ertragen möchte, sonst hätte er gesagt „WIR SCHAFFEN DAS, DAS AUSZUHALTEN“. Was würde passieren, wenn wir darum bitten, dass der Gesprächpartner uns in solchen Situationen hilft? Oder was würde passieren, wenn wir bitten, diese Forderungen mit „WIR“ zu formulieren?
Vermutlich würden wir ganz schnell erfahren, wer wie zu uns steht. Es kann eine sehr hilfreiche Erfahrung sein, aber auch eine sehr schmerzhafte.

„DU MUSST STARK FÜR UNS SEIN“ und „DU MUSST AN UNS GLAUBEN“ bürdet uns wieder die alleinige Last der Verantwortung auf, denn ein WIR ist nicht vorhanden. Wie wahrscheinlich ist dann ein „UNS“? Weil wir wissen, dass etwas fehlt, versuchen wir, meist mit verstärktem Einsatz stark für zwei zu sein und für zwei zu glauben und geben uns unbewusst die Schuld, dass es kein „WIR“ und „UNS“ gibt. Das zu erkennen, und die logische Schlussfolgerung daraus zu ziehen, würde je nach Temperament dann eventuell eine Trennung oder “vergebliche Liebesmüh’“ bedeuten.

„DU MUSST DAS VERSTEHEN“ wird oft dann verlangt, wenn klar ist, dass wir Handlungen eben nicht verstehen können, weil sie uns verletzen und/oder nicht zu erklären sind.


Wir werden von Kindesbeinen an mit solchen Sätzen manipuliert und haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass wir selbst so oder so ähnlich manipulieren. Auch wir benutzen solche Sätze aus den erwähnten Gründen und sind uns dessen oft nicht einmal bewusst.
Ja, wir tun uns das auch selbst an. Und haben Erfolg damit. Wir passen uns an, um es den anderen und vermeintlich auch uns leichter zu machen. Der Preis allerdings kann stetige Überforderung und Selbsttäuschung und Täuschung uns lieb gewordener Menschen sein.


Was können wir dagegen tun?
Genau zuhören und fragen und hinterfragen - unsere Mitmenschen und hauptsächlich uns selbst! Wie gesagt, häufig sollen sie Mut machen.


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32 Bewertungen, 14 Kommentare

  • morak90

    15.11.2007, 14:34 Uhr von morak90
    Bewertung: sehr hilfreich

    ganz klar sehr hilfreich, schau doch mal bei mir vorbei LG morak90

  • CharMandra

    17.04.2007, 14:06 Uhr von CharMandra
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Theresia

  • willibald-1

    04.04.2007, 12:04 Uhr von willibald-1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe nachgedacht: ich benutze solche Sätze nicht - höchstens, wenn ich gleichzeitig sage "Ich helfe dir dabei".

  • angela1968

    31.03.2007, 01:23 Uhr von angela1968
    Bewertung: sehr hilfreich

    meine oma hat immer gesagt: nur sterben muss man, sonst muss man gar nix

  • anonym

    27.03.2007, 20:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris :-)

  • anonym

    27.03.2007, 18:51 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • Sabate

    27.03.2007, 18:37 Uhr von Sabate
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Todd

  • swissflyer

    27.03.2007, 14:39 Uhr von swissflyer
    Bewertung: sehr hilfreich

    °°° Liebe Grüsse aus dem Krankenhaus °°°

  • TheLick

    27.03.2007, 14:36 Uhr von TheLick
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + LG TheLick

  • morla

    27.03.2007, 13:57 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    l.g. petra

  • Saska16

    27.03.2007, 13:33 Uhr von Saska16
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße, Saska

  • lena016

    27.03.2007, 13:22 Uhr von lena016
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG

  • crashtestdummie

    27.03.2007, 12:14 Uhr von crashtestdummie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Es kommt eben ganz darauf an, wie es gemeint ist. Als Trost ok., als "Abwimmeln" ist es sehr verletztend, da hast du völlig recht, auch wenn wir die Spielregeln ja eigentlich auch kennen. Is schon kompliziert, die Kommunikation der Menschen. Ganz

  • campimo

    27.03.2007, 12:03 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ☺☺☺SH & LG☺☺☺