Gewürzmuseum Hot Testbericht

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Erfahrungsbericht von scherpe

Spice Girls im Hamburger Hafen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wer hätte das gedacht?
Mitten in der Hamburger Speicherstadt liegt ein Museum, von dem es nach eigener Aussage in Deutschland nur ein einziges gibt: das Gewürzmuseum. Oder auch „Spicy’s. (Warum das hier in der Kategorie "Hot" heißt - keine Ahnung!)

Gesehen hatte ich’s bei jeder Führung von Freunden durch die Speicherstadt, aber erst einer der typisch hamburgischen Regengüsse hat mich in das Museum hineingetrieben. Nachdem man einige Treppen in einem Hamburger Speicher emporgekrabbelt ist, steht man dann auch schon vor dem Eingang dieses in der Tat etwas ungewöhnlichen Museums.

Zunächst wirkt das ganze wie ein Familienbetrieb. Ist es wohl auch. Jedenfalls hat’s nach eigenen Angaben 350 qm Ausstellungsfläche, was für ein Museum nicht gerade viel ist. Aber 600 Exponate (und da werden die Pfefferkörner nicht einzeln gezählt...). Seit 1993 ist das Museum in der Speicherstadt und hatte im Jahr 2000 immerhin 70.000 Besucher. Als wir da waren, war’s brechend voll, aber das lag wohl eher am Unwetter als am Museum selbst. Für die 3 Euro Eintritt (kein Rabatt für Alte, Junge oder Junggebliebene) gibt’s als Eintrittskarte von der Dame an der Kasse (dem Spice Girl) eine Gewürzprobe dazu. Ein Hoch auf den Sponsor...

Führungen sind übrigens richtig teuer und nur nach Voranmeldung möglich (Erwachsene 25, Schüler und Studenten 15 Euro). Gerüchten zufolge soll sich das nicht wirklich lohnen...

Die Exponate
Im wesentliche – wer hätte das gedacht – Gewürze. Parbleu! Dafür hat’s die natürlich reichlich. So stehen in Säcken jeweils die Gewürze herum, man darf sie anfassen, drin herumwühlen, beschnüffeln und auch probieren. Anfassen und Rumwühlen fand‘ ich noch ganz lustig, zu riechen war nichts mehr, da schon zu viele angefaßt und gewühlt hatten. Und probieren – nachdem da 70.000 Leute ihre Finger drinhatten.... ich weiß nicht. Die Kinder die in der Ausstellung herumsprangen hat das nicht gestört, die Mütter nur, wenn sie’s gemerkt haben.... Aufgrund der gebotenen Möglichkeiten versteht sich das Museum jedenfalls als „Erlebnismuseum“. Klingt ein bißchen nach Streichelzoo. Die Gewürze „in natura“ zu sehen war jedenfalls ganz witzig. Was denn Lehrwert des ganzen (den Nährwert hatte ich ja wegen Hygienebedenken abgelehnt...) ausmacht, sind aber die Tafeln an den Wänden, die die Gewürzgewinnung, die Pflanzen etc. beschreiben. Dazu stehen dann auch noch ein paar Maschinen im Raum. Ich wußte jedenfalls nicht, daß Vanille so gewonnen wird und was das eigentlich für ein Kraut ist. Oder daß Curry eine Gewürzmischung ist, kein Gewürz. Und in Indien in jedem Haus anders gemischt wird, so daß es gar kein „echtes Curry“ gibt. Das ist was für „Wer wird Millionär?“.

Was ein bißchen stört, aber wohl nicht zu vermeiden ist, sind die Werbetafeln und Produkte verschiedener Hersteller, die sich einem zwanghaft beim Besichtigen der Exponate aufdrängen. Aber wenn’s der Finanzierung dient....

Zur Zeit (bis 14.4.2002) ist dort die Ausstellung „Aphrodisia 2002“ über die aphrodisischen Wirksamkeiten von Gewürzen zu sehen. Klingt ein bißchen nach verschämten Kichern, aber dafür hat’s dann doch nicht gereicht. Die Ausstellung beschränkt sich im wesentlichen darauf, ein bißchen Text und ein paar sehr züchtige Bilder zu präsentieren. Oder um es anders zu formulieren: Für den Hausgebrauch waren nur wenig Sachen dabei.
(Böse Zungen behaupten ja, das beste Aphrodisiakum für eine Frau wäre immernoch ein Diamant oder ein Pelzmantel, und Männer bräuchten so etwas sowieso nicht, da reicht‘s wenn frau sich auszieht....)

So richtig umgehauen hat mich das Museum nicht, aber als Regenpause war’s o.k. Ein paar nette Sachen habe ich gelernt, und sollte ich bei „Wer wird Millionär“ nach Curry gefragt werden, dann waren die drei Euro gut investiert. Sonst läßt sich darüber diskutieren...

Ein paar Schmankerl hat das Museum aber noch zu bieten. Zum einen die Gelegenheit, einen wirklich leckeren Zimt-Kaffee zu trinken. Zum anderen kann das Museum gemietet werden, für 100 Euro die Stunden. Wofür? Keine Ahnung. Betriebsfeiern? Schulfeste? Jedenfalls für bis zu 80 Personen.

Dazu gibt es noch den Laden, bei dem natürlich Gewürze, Bücher über Gewürze, Ausstellungskataloge, verschiedene spannende Tees (Chinesischer Liebestee, Leistungstee für Männer und für Frauen), Pfeffermühlen, das Brettspiel „Pfeffersäcke“ (wie passend für 25 Euro) und andere Kleinigkeiten.
Auch Versand ist möglich.

Das ganze ist auch auf der homepage des Museums zu begutachten (incl. Bestelliste):
www.spicys.de

Alles in allem ist das Museum ganz nett, gehört aber nicht zum Pflichtprogramm in Hamburg. Wer aber Zeit über hat und ohnehin in der Speicherstadt unterwegs ist (und die ist Pflichtprogramm), der kann ja mal einen Abstecher in’s Spicy’s machen.

Spicy’s Gewürzmuseum
Am Sandtorkai 32
20457 Hamburg
[email protected]



Öffnungszeiten: Di-So, von 10 bis 17 Uhr.

6 Bewertungen, 1 Kommentar

  • amrum

    25.02.2002, 09:06 Uhr von amrum
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bei der Suche nach dem Curryrezept bin ich bisher noch nicht fündig geworden. Wird aber noch.