Kein Engel an meiner Seite (Taschenbuch) / Elizabeth Glaser, Laura Palmer Testbericht

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ab 11,55
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Erfahrungsbericht von Coppedia

Kinder mit AIDS gehen alle etwas an!

Pro:

Tolles Buch mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben!

Kontra:

Trauriges Thema, aber wichtig!!!

Empfehlung:

Ja

Zu wissen ist manchmal schwer! Zu wissen, wie und warum Menschen die man liebt sterben müssen ist noch schwerer. Zu wissen, die eignen Kinder begraben zu müssen und die Ehefrau dazu, ist sicher eine der schwierigsten Bürden des Lebens. So ergeht und erging es Paul Glaser, bekannt geworden durch die Rolle des Starsky in der Serie \"Starsky und Hutch\".

Bei der Geburt der gemeinsamen Tochter Ariel wurde seine Frau Elisabeth mit 3,5 Liter Blut nach einen Kaiserschnitt notversorgt. Glücklich und erfolgreich freuten sie sich auf die gemeinsame Zukunft mit ihrem Baby, träumten von weiteren Kindern. Sohn Jake wurde natürlich geboren und alle Träume der Familie schienen erfüllt.

Doch Ariel wurde krank und schrie vor Schmerzen die ihr niemand nehmen und kein Arzt erklären konnte. Nach vielen Monaten des Leidens und wartens wurde die Diagnose gestellt. Ariel litt an AIDS. Die Katastrophe wurde zum Supergau, denn Elisabeth und Jake waren ebenfalls HIV-positiv und somit hatte eine der schlimmsten Seuchen unserer Zeit Einzug in die Familie gehalten.


Dies klingt schon alles sehr schlimm und Mitleid und Trauer wallt auf, wenn man vom Schicksal dieser Familie liest. Vielleicht würden heute Schwierigkeiten und Probleme mit denen die Glasers zu kämpfen hatten anders aussehen, aber zu der Zeit als Elisabeth die Bluttransfusionen bekam hatte die Seuche AIDS noch einen anderen Namen - ihren ersten Namen - entstanden durch die Menschen bei denen das Syndrom vorwiegend auftrat und das viele engstirnige, konservative Amerikaner wohl als \"gerechte Strafe\" sahen. GRID für Gay Related Immune Deficieny (Homosexuellen zugeordnete Immunschwäche) war die Seuche der \"moralisch verwerflichen\" Lebensweisen. Unvorstellbar für uns heute, musste die Familie Glaser ihr Geheimnis um die Krankheit in der Familie wahren und durfte, auch wegen des beruflichen Werdegangs von Paul nur vertrauenswürdigen Menschen von ihrer Not erzählen. Diese Menschen wahrten das Geheimnis der Familie und doch mussten auch sie ständig gegen Angst, Intoleranz und Hilflosigkeit kämpfen.

Arie wurde 1981 geboren, zu dieser Zeit war AIDS noch sehr unbekannt. Die ersten Zeitungsberichte über eine Seuche bei Prosituierten, Schwulen und Drogenabhänigen ist nichts, was Menschen aus gesicherten Verhältnissen stark belastet. Doch die Krankheit wurde immer mehr zum Thema. Als Arie krank wurde musste Elisabeth für die Aufklärung kämpfen, musste akzeptieren, dass ihre Kinder nicht mehr zum Spielen eingeladen wurden und in Kindergärten und Schulen nicht aufgenommen werden konnten. Einfach, weil es noch keine Gesetze gegen Diskriminierung von AIDS Kranken und HIV-positiven Menschen gab.

Elisabeth musste sich auch um ihren Sohn Jake kümmern, der HIV-poitiv, aber noch gesund war. Der Unterschied zwischen diesen beiden Stadien ist einfach. AIDS kranke Menschen erkranken an Krankheiten die durch die Immunschwäche nicht zurückgehalten werden. HIV-positive Menschen tragen das Virus in sich, sind aber noch nicht von Folgeerkrankungen betroffen.
Auch Elisabeth selber war positiv, musste sich also während ihre Tochter schon sehr schwach und krank war auch mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzten. Unschöner Weise standen zwar für Elisabeth Medikamente bereit, ihre Tochter Ariel durfte diese Medikamente aber noch nicht nehmen, weil es noch keine Vergleichswerte über Risiken und Nebenwirkungen bei Kindern gab. Eine fürchterliche und hilflose Situation für Eltern, Freunde und Familie.

Arie ist 1 Woche nach ihrem 6 Geburtstag gestorben. Die Medikamente kamen, aber sie kamen zu spät.

Noch in der Krankheits- und Trauerphase hat Elsisabeth mit zwei Freundinnen eine Organisation gegründet, mit dem Ziel Gelder zu besorgen die in die Erforschung von Kinder-AIDS fliessen sollten. Gelder die dazu beitragen sollten, neuere und bessere Medikamente zu finden um Kinder länger am Leben zu halten oder die Krankheit schliesslich besiegen können. Medikamente die auch Jakes Leben retten könnten. Sie hofften genug Geld zusammen zu bekommen um effektiv zu helfen, sie wünschten es sich mehr Aufmerksamkeit für Kinder mit AIDS in die Herzen der Menschen fliesst zu lassen, damit Kinder wieder Kinder sein können. Letztendlich mussten sie mit der Erkenntnis leben, dass es keine erfahrenere Hände in Bezug auf Kinder-AIDS gab, keine Menschen, keine Gelder, niemanden den die Belange der Kinder wirklich interessierten. So wurde Elisabeth und ihre Freundinen die Menschen die sie eigentlich finden wollten und sorgten für Aufmerksamkeit für die Belange von Kindern mit AIDS. Sie sorgten für Gesetzes-Änderungen, Forschungsprojekte und Anteilnahme. Ohne Elisabeth Glaser und ihre Geschichte waren die HIV-positiven Kinder in Amerika immernoch arm dran.

Als Arie 1987 gestorben ist lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Kindern mit AIDS bei 2 Jahren. Ihr Bruder Jake wurde über 16 Jahre alt und verstarb nach seiner Mutter in den letzten Jahren. Leider kam trotz aller Bemühungen und aller Gebete die erhoffte Hilfe für diese Familie zu spät. Trotzdem haben sie es geschafft vielen anderen Familien Hoffnung zu geben und eine reele Chance.

Das Buch \"Kein Engel an meiner Seite\" ist im Bastei Lübbe Verlag erschienen und unter der ISBN 3-404-61216-7 zu erhalten. Es hat vor der Währungsreform 14,80 DM gekostet. Allerdings habe ich es inzwischen bei Amazon für 20 Cent gesehen. Auf 431 Seiten erzählt Elisabeth Glaser ihre ergreifend und von Mut geprägte Geschichte und ich wünschte alle Menschen müssten sie lesen, damit die Angst und das Mitgefühl in unserer Welt wieder ein Stück anwächst.

26 Bewertungen, 2 Kommentare

  • morla

    08.10.2005, 20:24 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • campino

    17.09.2005, 12:44 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    über das Du einen sehr ergreifenden Bericht geschrieben hast.