Glasgow Testbericht

Glasgow
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Erfahrungsbericht von elch33

Liebe auf den zweiten Blick

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Mit cirka 700.000 Einwohnern ist Glasgow zwar die größte Stadt Schottlands, aber nicht dessen Hauptstadt. Die ist nach wie vor Edinburgh. Nun erst mal etwas über die Geschichte der Stadt.

Bereits im 6.Jahrhundert entstand die Stadt aus einer Siedlung in der Nähe einer vom Heiligen Mungo gegründeten Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelt sich Glasgow zu einer wichtigen Handelsstadt. Im Zuge der industriellen Revolution wurde die Stadt zu einer Hochburg der Industrie. Zuerst wurde Rum, Zucker und Tabak, später dann Baumwolle aus den Kolonien des britischen Königreiches importiert. Danach wurde das Bild der Stadt vor allem durch den Maschinen- und den Schiffsbau bestimmt. Zu seinen Glanzzeiten gab es rund 40 Werften am Ufer des Clyde. Die Folge war natürlich, das immer mehr Leute in die Stadt zogen, teilweise aus den Highlands, teilweise kamen sie sogar aus Irland. Zwischen Ende des 18. und Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl von 40.000 auf über 500.000 Menschen. Was dann irgendwann kommen musste ist eigentlich klar. Die Aufträge gingen zurück, die Werften mussten schließen und die Arbeitslosigkeit stieg auf über 30 Prozent!.

Die einstmals graue Stadt Glasgow hat sich mittlerweile komplett geändert. Im Jahre 1990 gibt es dann auf einmal eine große Überraschung: Glasgow wird zur Kulturhauptstadt Europas gewählt – eine Ehre die vorher z.b. Amsterdam, Florenz oder Athen zu Teil wurde. Hier konnte ich das auf jeden Fall eher verstehen, denn zumindest die beiden zuerst genannten Städte habe ich bereits selber kennen lernen dürfen. Auf einmal ausgerechnet Glasgow – wie kam es zu diesem Wandel?

Mitte der 80ziger Jahre begann man in Glasgow mit einer großangelegten Stadtsanierung, die auch wirklich nötig war. Es kostete einige hundert Millionen Mark, andere Stellen sprechen von Milliarden Mark, die Stadt vom Schmutz der Abgase zu befreien, die Infrastruktur wurde komplett überarbeitet, teilweise noch vorhandene Slums wurde durch Neubausiedlungen ersetzt. Es hat sich also im Laufe der Jahre einiges getan. Es gibt mittlerweile cirka 40 Galerien und Museen in der Stadt, die meisten davon glänzen z.b. durch freien Eintritt.

Beginnen wir also mit dem was die Stadt alles so zu bieten hat. Im Stadtzentrum befindet sich der George Square. Angelegt wurde der Platz gegen Ende des 18.Jahrhunderts und bildet nun den Mittelpunkt der Stadt. Hier gibt es unter anderem Denkmäler für Königin Victoria und ihren Gatten, sowie für den Schriftsteller Robert Burns und den Erfinder James Watt. Überragt wird der Platz von einer cirka 25 m hohen Hauptsäule mit einer Figur des Dichters Sir Walter Scott. An diesem Platz steht unter anderem auch die City Chambers. Sie wurde im 19.Jahrhundert im Renaissancestil erbaut – dabei spielte Geld anscheinend keine Rolle. Marmor, Alabaster und Mahagoni verzieren die Räume und machen das Gebäude samt den schönen Treppenaufgängen zu einem der beeindruckendsten seiner Art in Schottland.

Ganz in der Nähe, in der Queen Street, befindet sich die Gallery of Modern Art. Die ist, wie schon der Name sagt, etwas für die Kunstfreunde unter euch. Aus „Kostengründen“ werden hier meist Bilder ausgestellt, die von lebenden Künstler gemalt wurden. Das Provand`s Lordship befindet sich in der Castle Street. Es stammt aus dem Jahre 1471(!) und ist damit das älteste Haus Glasgows. Wer möchte, kann sich hier ansehen, wie es im 15. oder 16. Jahrhundert in einer typischen Wohnung ausgesehen haben mag. Ist nicht unbedingt für große Menschen geeignet.

Gegenüber befindet sich das St Mungo Museum of Religious Life and Art. Das Obergeschoss berichtet über die Religionsgeschichte des Landes, (Protestanten, Katholiken und auch Muslimen). In den restlichen Etagen des Hauses sind dann auch wieder Gemälde ausgestellt. Ein Highlight ist sicherlich ein Bild eines gewissen Salvador Dali, kommt aber jetzt bitte nicht auf die Idee, mich zu fragen wie es heißt - habe es leider vergessen. Es werden Kunstwerke aus allen Kontinenten der Erde ausgestellt. Egal ob aus Australien, Afrika, China oder Mittelamerika – alles ist hier vertreten.

Ganz in der Nähe steht übrigens die Glasgow Cathedral. Sie ist eine fast vollständig erhaltene Kirche aus dem 13. Jahrhundert und hat als eine der wenigen Kathedralen die schottische Reformation überstanden. Hier liegt übrigens in der Krypta des Heiligen Mungo begraben. Wer möchte kann sich auch den anschließenden Friedhof ansehen, hier ragt eine Statue des Reformers John Knox empor.

Was wäre Schottland ohne sein Nationalinstrument: den Dudelsack! In der Mc Phater Street gibt es das „National Museum of piping“. Hier wird die Geschichte des Dudelsack erzählt - es gibt unter anderem auch ein paar Exemplare aus dem 14. oder 15. Jahrhundert – wenn mich nicht alles täuscht.

Zur Zeit läuft im Radio öfters mal eine Johnnie Walker Werbung. Für die Whiskykenner unter euch wahrscheinlich ein anerkannter „Fusel“ - zumindest in reiferen Jahren, d.h. er sollte wenigstens 15 – 20 Jahre alt sein. Der Rote kommt mir natürlich NICHT ins Haus. Ich möchte aber eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus. In den Spots wird manchmal der Name Charles Rennie Mackintosh erwähnt. Er war einer der bekanntesten Bürger Glasgows und dessen berühmtester Architekt und Designer. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts baute er mehre Cafes, von denen leider nur der Willow Tea Room in der Sauchiehall Street bis heute erhalten blieb. Außerdem entwarf er z.b. die Glasgow School of Art.

Zu mehr hat es bei mir nicht mehr gereicht – nach insgesamt fünfzehn Tagen voller Informationen über Geschichte, Kunst und Religion – meine Aufnahmefähigkeit war entschwunden. „gg“ Für das nächste Mal habe ich mir auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten „übriggelassen“. So. z.B. das Museum of Transport (war leider geschlossen, das hätte ich mir gerne noch angeschaut), das People`s Palace, der Botanic Gardens, das Pollok House mit der Burrell Collection (ehemaliger reicher Reeder), das Tenement House oder das Kelvingrove Art Gallery and Museum (wirklich ein imposantes Gebäude).

Wer in Glasgow shoppen gehen möchte hat dafür ausreichend Möglichkeiten. Es gibt mehrere Einkaufspassagen, z.b. der Princess Square oder der St Enoch Centre. Auch Shops mit Designermode, Buchläden oder Delikatessen sind überall zu finden. Vor allem in den Buchläden habe ich einige Zeit mit stöbern verbracht, hier gibt es viele interessante Lektüren, wenn auch in englisch geschrieben.

Natürlich sind auch in Glasgow die erfolgreichsten Fußballclubs des Landes, Celtic und die Glasgow Rangers beheimatet. Ich war insgesamt nur zwei Tage in der Stadt, aber es ergab sich „zufällig“, das gerade an diesem Sonntag die beiden Erzrivalen gegeneinander spielten. Zeitgleich fand ein Formel 1 Rennen, aber was ist das schon für die Fußballverrückten Schotten! Nach langem suchen fand ich dann einen Pub, in dem ich mir das Spiel anschauen konnte. Celtic gegen die Rangers, hier geht es nicht nur um ein einfaches Fußballspiel, sondern auch um Religion. Celtic Glasgow ist der Club der Katholiken, die Rangers dagegen der Verein der Protestanten. Wer die Spannungen aus Nordirland kennt, kann sich ungefähr vorstellen, was da abgeht. Ich habe selten eine Kneipe gesehen, in der eine solche Atmosphäre herrschte, ich kam mir vor wie in einem Fußballstadion. Wer sich im britischen Fußball etwas auskennt, wird wissen, zu was diese Fans „musikalisch“ drauf haben. Es waren übrigens alle Anhänger der Celtics, die das Spiel auch noch mit 6: 2! Toren gewannen. Was dann nach dem Spiel abging war nur noch purer Wahnsinn. Als erstes wurde die Eingänge geschlossen, zwei oder drei Besucher schnappten sich ihre Musikinstrumente und fingen an zu spielen! Es wurde nicht nur in der Kneipe bis tief in die Nacht gefeiert. Überall in der Stadt sah man freudentrunkene aber auch teilweise betrunkene Fans.

Fazit:
Ehrlich gesagt war ich auf den ersten Blick etwas enttäuscht, denn Glasgow machte zuerst doch einen etwas „grauen“ Eindruck auf mich. Gegenüber Edinburgh hat die Stadt aber auch einen entscheidenden Vorteil: der Eintritt für viele Museen oder Galerien ist kostenlos. Dafür kann man in der Hauptstadt teilweise schon einige Pfund auf den Tisch legen. Am allermeisten haben mich allerdings die Einwohner Glasgows überrascht. Sie sind außerordentlich freundlich, sind Fremden gegenüber aufgeschlossen und versuchen wirklich einem weiterzuhelfen. Mein einziges „Problem“ mit ihnen bestand eigentlich darin, das ich öfters mal nachfragen musste, was sie gerade gesagt hatten. Sie sprechen einfach einen furchtbaren Slang, bei dem ich schon erhebliche Schwierigkeiten hatte. Darüber solltet ihr euch aber nicht aufregen, im Gegenteil: was mag ein Ausländer, der einigermaßen gut deutsch spricht, denken wenn er sich mit einem Urbayern (nicht böse gemeint) unterhält. Für mich steht auf jeden Fall eines fest: wenn ich das nächste mal nach Schottland fliege, werde ich Glasgow wieder einen Besuch abstatten.

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