Gothika (VHS) Testbericht

Gothika-vhs-thriller
ab 10,15
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

5 Sterne
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Erfahrungsbericht von Die_böse_Maus

Hier drin hast Du keine Chance...

Pro:

Story, Effekte, Schauspieler, regte mich doch zum Nachdenken an

Kontra:

Ende zu voraussehbar

Empfehlung:

Ja

Hallo!

“Schau’ Dir den unbedingt an, der soll super spannend sein” sagte meine Freundin, als ich erwähnte, dass ich überlege, ob ich mir den neuen Streifen mit Halle Berry im Kino anschauen soll.
“GOTHIKA” lautete der Titel. Das klang in meinen Ohren mysteriös und düster und da ich (guten) Horrorfilmen nicht abgeneigt bin, schnappte ich mir meinen besten Kumpel und opferte 4 € für den Eintritt.

***Handlung***

Die junge und attraktive Miranda (Halle Berry) ist in einem Frauengefängnis mit Nervenklinik als Psychiaterin angestellt und mit ihrem Boss verheiratet. Zwischen ihr und ihrem Kollegen Pete (Robert Downey Jr.) scheint eine gewisse erotische Anziehung zu sein, doch Miranda ist ihrem Mann absolut treu. Sie ist eine Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht und sich ausschließlich von ihrem Verstand leiten lässt. Das spiegelt sich auch in ihrer Arbeit wieder. So schenkt sie unter anderem ihrer wegen Mordes an ihrem Stiefvater inhaftierten Patientin Chloe (Penelope Cruz) keinen Glauben, als diese berichtet der Teufel würde sie immer und immer wieder in ihrer Zelle vergewaltigen.

Eines Abends verlässt Miranda bei strömendem Regen das Gefängnis, um nach Hause zu fahren. Als sie über eine Brücke fahren möchte, da alle anderen Wege gesperrt sind, setzt sie ihren Wagen in einen Graben, weil plötzlich ein Mädchen auf der Fahrbahn aufgetaucht ist. Dieses ist völlig verstört und reagiert nicht auf ihre Ansprache, dass sie Ärztin sei und helfen wolle. Dann verschwimmt plötzlich alles und Miranda erwacht in einer Zelle in der Nervenklinik. Mit Medikamenten vollgepumpt und am Ende ihrer Kräfte erfährt sie von Pete, dass sie angeklagt sei ihren Mann brutal ermordet zu haben...

Bald glaubt sie von einem Geist besessen zu sein, doch niemand schenkt ihr Glauben.
Was ist in der Nacht des Unfalls passiert? Hat sie es wirklich mit übersinnlichem zu tun und ist sie nur Opfer eines ausgeklügelten Spiels?

***Schauspieler / innen***

Oscarpreisträgerin Halle Barry spielt die Protagonistin Miranda, um die sich die ganze Story spinnt. Sie überzeugt hier nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern mit einer soliden, schauspielerischen Leistung.

Penelope Cruz ist hier nur in einer Nebenrolle zu sehen, doch man nimmt ihr diesen irren Blick und das Vulgäre durchaus ab, was die verurteilte Mörderin und psychisch kranke Chloe an den Tag legt.

Robert Downey junior ist mir vor “Gothika” unbekannt gewesen, doch auch er liefert eine passable Leistung ab, in dem er fast ¾ des Films über recht undurchschaubar wirkt. Man fragt sich, ob Miranda ihm trauen kann oder ob er auf welche Art auch immer in all das verwickelt ist.

***Fakten***

“Gothika”
USA 2003
Regie: Matthieu Kossovitz
Freigegeben ab 16 Jahren

***Bewertung***

Der Film beginnt damit, dass Miranda eine Sitzung mit Chloe abhält, in der diese (wieder einmal) berichtet, dass der Teufel in ihre Zelle gekommen sei und sie vergewaltigt hätte. Miranda glaubt ihr nicht, betrachtet Chloes Schilderungen als eine Projektion, die Chloe versucht, weil es ihr Stiefvater war, der sie vergewaltigte und den sie umbrachte. An dieser Stelle wird bereits deutlich, dass Miranda doch wenig auf ihre Patientinnen eingeht, viele Äußerungen als “verrückt” abtut und meint, alles erlebbare logisch - rational erklären zu können.
Neben dieser beruflichen Ebene wird Miranda im glücklichen Zusammensein mit ihrem Ehemann gezeigt u n d wie sie die Annäherungsversuche ihres Kollegen, dem Psychiater Pete abwehrt.
Mirandas Leben scheint in Ordnung und durch nichts aus der Balance zu bringen, doch dann geschieht auf dem Nachhauseweg ein Autounfall und das Ganze kehrt sich ins Gegenteil um: Miranda selbst findet sich nun in einer Zelle wieder, wurde mit Psychopharmaka ruhiggestellt und ist nun des Mordes an ihrem Mann angeklagt. Sie erinnert sich daran, dass plötzlich ein schauderhaft aussehendes junges Mädchen auf der Fahrbahn stand, doch dann ist alles um sie herum verschwommen...

Der nächste Abschnitt des Films zeigt, wie Miranda plötzlich glaubt von einem Geist heimgesucht zu werden, der ihr sogar Verletzungen zufügt. Sie spürt recht schnell, dass niemand - auch nicht Pete - ihr glaubt und sucht Kontakt zu Chloe, die ihr verdeutlicht, in welch auswegsloser Situation sie sich nun befindet: Sie ist wegen Mordes abgeklagt und niemand wird ihr Glauben schenken, weil sie nun eine “Verrückte” wie all die anderen ist.
Der Großteil spielt sich in dem Frauengefängnis ab, in dem Miranda früher arbeitete und mit gezielt eingesetzten Schockelementen (zum Beispiel plötzlich einsetzenden Visionen), einer an sich düsteren Kulisse (es stürmt und regnet) sowie einer geschickt geführten Kamera und diversen Lichtspielen wird den Zuschauern das Grauen nähergebracht, was die junge Frau durchlebt. Ein Grauen, das sich jeglicher Logik und jeglicher Vernunft zu entziehen scheint und das einfach kein Ende findet...

Bis zur Hälfte des Films dachte ich wirklich, mein Geld gut investiert zu haben, denn es baute sich Spannung auf, die Schockmomente waren wohl dosiert und Halle Barry überzeugte als Psychiaterin, die nun selbst in der “Klapse” gelandet war, doch mit jeder weiteren Minute war das Ende voraussehbarer. Man kann mindestens 20 Minuten vor dem Ende dem Sitzpartner zuflüstern, wie sich alles auflösen würde und wie A zu B geführt hat.
Ich muss sagen, dass mich dieses Faktum schon enttäuscht hat, denn von der Idee her hat mich der Film schon sehr angesprochen. Dem voraussehbarem Ende muss ich allerdings wieder entgegensetzen, dass der Film meiner Meinung nach auch zum Nachdenken anregt, selbst wenn man das von einem Horrorfilm nicht gerade erwartet.
Der Film ist so aufgezogen, dass eine erfolgreiche Person, die ihr Leben im Griff zu haben scheint und sowohl übersinnlichem als auch Schilderungen psychisch Kranker gegenüber recht intolerant eingestellt ist, plötzlich selbst “fällt”. Beruflich erfolgreich und eine gute Ehe führend, findet sich Miranda völlig unerwartet in einer Situation wieder, die sie nie nachempfinden konnte und auf die sie stets herabgeschaut hat.
Sie ist nun eine dieser “Verrückten”, die nicht ernstgenommen wird.

“Gothika” wirft auch die Frage nach dem Verrücktsein auf und greift damit eine der größten Ängste auf, die wir Menschen haben: die Kontrolle über unsere Gefühle, Gedanken und unser Handeln zu verlieren, das Gedächtnis und damit unsere Identität zu verlieren und letztlich abgestempelt als Irre/r und dann noch angeklagt in einer Gummizelle zu landen. Freunde und Familie wenden sich ab, die berufliche Existenz ist vernichtet, nichts ist mehr geblieben.
Wie würden WIR uns in so einer ausweglos scheinenden Situation verhalten?
Was sagt das über vorherrschende gesellschaftliche Strukturen, geltende Normen und Werte aus oder Zustände und Behandlungstechniken in Psychiatrien, Nervenkliniken usw. aus?

Betrachtet man den großen übersinnlichen Anteil des Films, so stellt sich auch die Frage, WAS der Mensch überhaupt glauben KANN. Was ist überhaupt real? Was ist mit dem, was nicht zu erklären ist? Was ist mit dem Unbekannten, dem Bedrohlichen, dem Grauenhaften?

Alles in allem vergebe ich knappe 4 Sterne, die sich wie folgt zusammensetzen:

+ spannend inszeniert
+ gute Story
+ eine gute Darstellung von Halle Barry
+ regte zumindest mich zum Nachdenken an

- das Ende war leider zu voraussehbar

Liebe Grüße

Die böse Maus (Mausimausmaus bei Ciao)

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