Das Fest (Taschenbuch) / John Grisham Testbericht

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Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Der ganz normale Weihnachtswahnsinn!

Pro:

tolle Idee; mal ein ganz anderer Grisham; komisch und überaus unterhaltsam

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Über Weihnachten habe ich nur sehr wenig gelesen, da mein Freund zu Besuch war, aber das wenige war wirklich erstaunlich gut. Ich bekam nämlich „Das Fest“ von John Grisham geschenkt und beäugte das dünne Büchlein zunächst recht skeptisch. Ich habe zwar schon einiges von John Grisham gelesen, aber da ging es immer um Anwälte, während hier der Wahnsinn des Weihnachtsfestes thematisiert wird. Doch schon als ich mit Lesen begann, amüsierte ich mich sehr schnell einfach köstlich. Aber zuerst sollt ihr etwas zum Inhalt des Romans erfahren.


Nachdem der Steuerberater Luther Krank die Kosten des letzten Weihnachtsfestes ausgerechnet hat, beschließt er, dass etwas passieren muss. 6100 $ kosteten Weihnachtsbaum, Hausschmuck, Geschenke, Party, Spenden, ein neues Outfit für Luthers Frau Nora, das sie auf der Party anziehen kann, und noch einige andere Dinge. Als Luthers und Noras Tochter Blair für ein Jahr mit dem Friedenscorps nach Peru geht, um dort Eingeborenenkinder zu unterrichten, und deshalb an Weihnachten nicht zu Hause sein kann, überredet Luther seine Frau, Weihnachten in diesem Jahr ausfallen zu lassen und stattdessen lieber eine Kreuzfahrt in der Karibik zu machen. Nora lässt sich von ihm überzeugen und so wird die Kreuzfahrt gebucht. Auch beginnen beide mit einer Diät und gehen ins Sonnenstudio, damit sie keine Probleme mit eventuell auftretendem Sonnenbrand bekommen.
Doch der totale Weihnachtsboykott der Kranks führt zu ungeahnten Problemen. Ihre Nachbarn halten sie für durchgeknallt, weil sie nicht einmal ihr Haus schmücken. Und dabei wollte doch die Straße in diesem Jahr wieder den Preis für den schönsten Weihnachtsschmuck erringen. Im Stillen beneiden viele die Kranks jedoch, denn Weihnachten artet bei ihnen meist in Stress aus, dem sich Luther und Nora in diesem Jahr entziehen.
Doch leicht fällt es den beiden auch nicht, alle Anfragen nach Spenden, die sich stets positiv beantwortet hatten, in diesem Jahr abzulehnen. Außerdem postieren die Nachbarn immer wieder Weihnachtssänger vor ihrem Haus, damit sie doch endlich eine Weihnachtsdekoration aufstellen.
Doch dann geschieht etwas, womit niemand gerechnet hätte und was Luthers Planung total über den Haufen wirft. Seine Tochter Blair ruft am Morgen des Heiligen Abends an und teilt ihnen mit, dass sie über Weihnachten mit ihrem Verlobten zu Besuch kommt. Dieser ist peruanischer Arzt und möchte einmal richtige amerikanische Weihnachten erleben. Mit Weihnachtsbaum und Hauschmuck, mit Noras großer Weihnachtsparty und Geschenken. Mit allem, was dazu gehört, also. Doch wie sollen Luther und Nora in ein paar Stunden all das auf die Beine stellen, wo doch alle Weihnachtsbäume und Truthähne ausverkauft sind. Natürlich kommt es nicht in Frage, ihrer Tochter einfach die Wahrheit zu sagen und ihr von der geplanten Kreuzfahrt zu erzählen. Alles soll perfekt sein, wenn ihre geliebte Blair mit ihrem Verlobten anreist! Stress ist also vorprogrammiert...


Ich bin in meiner Inhaltsangabe recht genau auf die Story eingegangen, denn in dem dünnen Büchlein ist natürlich nicht viel Platz, um eine allzu komplexe Story aufzubauen. Die Geschichte ist natürlich sehr geradlinig, aber dafür mit einem Witz und einer Ironie gespickt, wie ich es mir bei einem Roman von John Grisham gar nicht vorstellen konnte. In sich ist die Handlung sehr einfach gestrickt, denn ich hatte nicht erwartet, dass man einen ganzen Roman nur mit Betrachtungen über das Weihnachtsfest und allem, was sich darum gruppiert, zubringen könnte. Ich muss auch sagen, dass Weihnachten bei uns bei weitem nicht so geldintensiv und stressig ist. Aber ich glaube, wenn es so wäre, würde ich mich auch recht schnell ausklinken.

Während des Lesens von „Das Fest“ musste ich immer wieder laut auflachen, weil so viele Situationen so absurd waren. Einmal ruft zum Beispiel ein Mann aus einem Schreibwarenladen an und fragt Nora, ob sie denn dieses Jahr keine Weihnachtskarten schreiben möchte. Ihre Reaktion darauf, ihre Zweifel am Weihnachtsboykott und die Nerven, die das Luther kostet, bereiteten mir großes Vergnügen! Weitere brenzlige Szenen gibt es, als die Feuerwehr Stollen und die Pfadfinder Weihnachtsbäume verkaufen und Nora fast schwach wird.

Noch lustiger sind dagegen die Demonstrationen der Nachbarn für die Freiheit von „Frosty“, einem großen beleuchteten Plastikschneemann, den alle außer die Kranks auf ihrem Dach montiert haben. Unterstützt werden sie von lautstarken Weihnachtssängern, was Nora dazu veranlasst, duschen zu gehen, während Luther im Keller Cognac trinkt.
Mit solchen Situationen ist der Roman gespickt und es vergeht nicht eines der recht kurzen Kapitel, in dem so etwas nicht vorkommt. John Grisham macht die Sinnlosigkeit dieses ganzen Trubels um Weihnachten, um all diese Dinge, die nicht wirklich jemand braucht, deutlich, um dann am Ende zu zeigen, auf was es wirklich ankommt.

Ich war sehr erstaunt, mit wie wenigen gekonnten Worten, John Grisham Personen treffend charakterisieren kann. „Das Fest“ hat ja gerade mal 208 sehr groß beschriebene Seiten und es kommen recht viele Personen vor, was vor allem in der Vielzahl der Nachbarn begründet liegt. Der Autor stellt sich nicht die unerfüllbare Aufgabe, alle Personen gründlich zu beschreiben. Vielmehr zeigt er gekonnt an einigen wenigen Szenen ihre Eigenschaften. Genauer eingegangen wird nur auf Luther und Nora. Die beiden lernt man im Laufe des Romans schon sehr gut kennen und obwohl sie eigentlich sehr normal sind, ist es doch interessant, über ihr „Abenteuer“ zu lesen.

„Das Fest“ liest sich sehr leicht und angenehm. Die wenigen Seiten hätte ich wahrscheinlich an einem Tag geschafft, doch weil mein Freund ja da war, hatte ich besseres zu tun. Doch von vielem anderen hätte mich das Lesen dieses Buches bestimmt abhalten können. Gleich zu Anfang kam ich wunderbar leicht in die Story hinein und war bald begeistert von ihr. Ich war sehr erstaunt, dass John Grisham auch so etwas – und so schön ironisch – schreiben kann, denn seine Anwaltsromane sind zwar auch größtenteils spannend, aber lange nicht so amüsant!

Abschließend möchte ich euch „Das Fest“ von John Grisham ganz klar empfehlen. Bei mir liegt auch noch irgendwo die englische Ausgabe herum, die wohl auch bald fällig sein wird. Die deutsche hat mich jedoch herrlich unterhalten und mir sehr gut gefallen, wofür ich natürlich alle fünf Sterne vergebe und eine klare Empfehlung ausspreche. John Grisham nimmt den Stress und den Trubel des Weihnachtsfestes gekonnt auf die Schippe und verschaffte mir damit ein großes Lesevergnügen. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dieses Buch gelesen habe!

„Das Fest“ von John Grisham erschien 2003 im Heyne Verlag. Die gebundene Ausgabe mit der ISBN 3-453-87326-2 kostet 12 € und beinhaltet sogar noch eine Weihnachtskarte. Die Originalausgabe mit dem Titel „Skipping Christmas“ erschien 2001 bei Doubleday, New York. Die Übersetzung machte Michélle Pyka.

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