Das Fest (Taschenbuch) / John Grisham Testbericht

Heyne-verlag-muenchen-das-fest-taschenbuch
ab 11,72
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 07/2005

5 Sterne
(8)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von SchwesterE

Reise gegen Weihnachtskonsum?

Pro:

--

Kontra:

--

Empfehlung:

Ja

John Grisham- Das Fest

Letzten Winter stieß ich bei meiner Internet- Klickerei über dieses Buch. Wow etwas was ich von Grisham noch nicht kannte. Wenige Tage später fiel es mir dann auch beim Einkaufsbummel auf. Erst schreckte mich noch der Preis von 12.-- € ab, aber irgendwann kaufte ich es dann doch. An sich keine Fehlinvestition.

Das Buch ist eine gebundene Ausgabe, erschienen im Heyne- Verlag.
Der Umschlag ist in dunklen Tönen gehalten. Zu sehen ist ein Wald vor dem ein mit Lichtern verzierter Weihnachtsbaum im Schnee liegt.
Wer Grisham kennt, merkt schon das hier was anders ist. An sich sind auf den Umschlägen seiner Bücher immer recht wenig zu sehen. Diesmal ist es irgendwie mehr.

Der Umschlag ließ mich auch einen von Grisham gewohnten Roman erwarten. Irgendwas spannendes, irgendwas mit Anwälten oder ähnlichem, aber wir wollen sehen.

Das Buch beginnt mit der Verabschiedung der Tochter der Kranks eine Woche nach Thanksgiving. Blair Krank will, nachdem sie ihr Diplom in der Tasche hat, für 2 Jahre dem Friedenskorps in Afrika beitreten. Sie ist das einzige Kind von Norma und Luther Blair und das erste Mal länger von daheim weg. Beide Eltern hängen mehr oder weniger ihren Gedanken nach. Muttern ist aber im Kopf schon mit ihrer Weihnachtsbäckerei beschäftigt und jagt ihren Mann auf der Heimfahrt bei strömenden Regen noch in ein Shoppingcenter um benötigte Zutaten zu kaufen. Luther hasst so was und vor allem mag er auch den Supermarkt nicht, in den er von Norma geschickt wird. Genauso schlimm, wenn nicht noch schlimmer, wird sein Einkauf dann auch.
Nachts als seine Frau endlich schläft, verlässt Luther sein Bett und geht in sein Büro. Von Beruf ist er Steuerberater und führt auch privat seine Abrechnungen peinlich genau.
Er sucht bewusst nach den Abrechnungen des letzten Weihnachtsfestes und stellt dann fest, dass ihn das ganze im Jahr zuvor 6100. —Dollar gekostet hat. Für was fragt er sich. Für nichts, zu dem Ergebnis kommt er.
Am nächsten Tag bucht er kurzerhand eine Kreuzfahrt ab 25. Dezember. Abends klagt Norma wie schrecklich Weihnachten ohne Blair werden wird. Die Gunst der Stunde nutzt Luther um seiner Frau zu sagen, wie man dem ganzen entgehen kann. Und zwar eben mit der Kreuzfahrt. Erst ist sie empört, aber nach und nach findet sie Gefallen an der Idee.

Ab da beginnt der Spießrutenlauf für die Beiden.
Luther muss seinen Kollegen klar machen, dass er auf alle Aktivitäten wie Firmenfeiern etc. verzichten wird. Für ihn gibt es dieses Jahr kein Weihnachten.
Norma muss das ihren Freundinnen und diversen Lieferanten klar machen, wo bei sie meistens erst auf Ungläubigkeit stößt.

Die Adventszeit beginnt und somit auch der ganze Festtagswahn, wie Dekorationen das Stadtviertels, Spendensammlungen, Weihnachtsbaumverkäufe etc.

Werden Luther und Norma wirklich fahren? Wie werden sie sich gegen Drohungen, aufdringlichen Chören etc. wehren? Lest es selbst, meine Inhaltsangabe mag ich an dieser Stelle beenden.

Das Buch ist einzelne Kapitel aufgeteilt. Zu Beginn jedes Kapitels ist ein Mistelzweig zu sehen. Manche Kapitel werden auch mit einem Weihnachtsmotiv beendet.
Auch etwas, was ich bei Grisham nicht kannte- Bilder in den Büchern. Aber nicht das ihr denkt das sei nun kitschig aufgemacht. Die Bilder sind reine schwarz-weiß Bilder und dezent, wenn nicht sogar elegant aufgemacht.

Zum Buch an sich. Es lässt sich leicht Lesen und man hat es schnell durch. Vor allem weil es auch nicht langweilig wird, obwohl einige Sachen voraussehbar sind.

Grisham beschreibt die Umgebung zum Teil sehr detailliert, allerdings ohne langatmig zu werden. Auch die Gefühle, Empfindungen der Beiden Hauptpersonen Norma und Luther werden genau wiedergegeben.
Zum teil übertreibt Grisham wohl bewusst ein wenig. Das ganze Szenario wie es in einer kleinen amerikanischen Stadt vor Weihnachten zugeht, scheint mir recht realitätsfremd, vielleicht mag es dort aber wirklich so zugehen. Der Autor zieht das ganze aber eher ins lächerliche. Ein ganzes Viertel in dem auf jedem Haus ein leuchtender Schneemann mit dem Namen Frosty steht?
Ich war letzten mit meinen Eltern im Auto unterwegs. Dabei fuhren wir durch ein Stadtviertel, in dem fast jedes Haus weihnachtlich geschmückt war. Eins versuchte mit mehr Prunk aufzuwarten als die anderen. War an einem Haus eine Lichterkette außen angebracht, war am nächsten garantiert auch der Gartenzwerg geschmückt. Ich bin ganz ehrlich, irgendwo sah das alles sehr schön aus. Aber es erinnerte mich sehr an Grishams Beschreibung. Und als mein Vater dann noch spottete, das ganze sei ziemlich übertrieben wie einer versucht den anderen mit der Dekoration seines Hauses/ Grundstückes auszustechen, da musste ich dann doch schmunzeln.

Wie gesagt, stellt Grisham das ganze recht überspitzt da. Der ganze vorweihnachtliche Konsumterror wird dargestellt. Kein Klischee ausgelassen, eher noch vertieft. Man beginnt wirklich nachzudenken. Mir ging es zumindest so. Bzw. Denke ich da eh schon länger drüber nach und frage mich, wo der eigentlich Sinn von Weihnachten geblieben ist. Wobei das ganze in den Staaten wohl noch extremer abläuft als bei uns. Vor allem die Spendenbettelei an der Haustür scheint da gang und gäbe zu sein, wenn man dem Buch glauben schenken will.
Ist schon amüsisant wie Luther jedem sagt, das Weihnachten in dem Jahr flach fällt und er deshalb nun nichts spenden bzw. kaufen wird. Jeder Organisation bietet er eine Spende im Sommer an, trotzdem ziehen die Leute sprachlos und innerlich wohl wütend, ab.

Das Ende ist doch ein wenig überraschend.
Trotzdem was vorher vorgefallen ist, sieht man auf einmal Menschlichkeit. Trotz Neids, gibt es auf einmal ein Miteinander. Einer für alle, Alle für einen. Das passt hier irgendwie.

Das Buch zeigt zwar auf der einen Seite die Seite Weihnachtens die den meisten nicht mehr behagt, und zwar die Seite des Konsums, aber es zeigt auch Menschlichkeit. Ich muss ganz ehrlich sagen, am Ende bin ich immer ein wenig gerührt.

Das Buch ist auch für Weihnachtsmuffel sehr schön zu lesen. Wie gesagt, es zeigt im Endeffekt viele Facetten des Weihnachtsfestes.
Es ist einfach und flüssig zu lesen. Da das Buch recht dünn ist, auch für Lesemuffel zu empfehlen.

Für Grisham- Fans: Tja ich würde sagen, einfach anders, und zwar ganz anders. Wer lieber Thriller liest oder Grisham für seine Anwaltsromane „verehrt“, dem könnte das Buch evt. Gar nicht gefallen.

Der Autor:

John Grisham wurde 1955 in Arkansas geboren.
Beruflich war er als Anwalt für Zivil- und Strafecht tätig. 1986 veröffentlichte er seinen Roman: Die Jury. Aber erst 1998 als sein Roman: Die Firma erschien, wurde er bekannt.
Heute lebt er mit seiner Familie in Missisppi und Virginia. Die Hälfte des Jahres verbringt er mit dem Schreiben seiner Romane, die mittlerweile auf jeder Bestsellerliste zu finden sind.


In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und allen Verkäufern und Verkäuferinnen, die die letzten Tage in einem ziemlichen Stress verbracht haben dürften, ein paar ruhige Tage.

Viele liebe Grüße Alex

4 Bewertungen