Der Verrat (Taschenbuch) / John Grisham Testbericht

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ab 10,09
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Erfahrungsbericht von Lanzelot

Sinneswandel

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wer hier einen Reisser wie \"Die Firma\" oder \"Die Akte\" erwartet wird wohl bitterböse enttäuscht . . . Keine Verfolgungsjagden, keine bewaffneten Fieslinge, keine Rettung in letzter Sekunde.

Grisham fesselt seine Leser in diesem Roman nicht mit den bewährten Standardzutaten kommerziell erfolgreicher Lektüre, sondern schlicht und einfach mit einem brisanten Thema: der sozialen Schieflage typisch amerikanischer Grosstädte.

Michael Brock, ein aufstrebender junger Anwalt in einer führenden Kanzlei Washingtons, wird zusammen mit acht Kollegen Opfer einer Geiselnahme. Der Übeltäter - offenkundig ein durchgedrehter Penner - wird von einem Scharfschützen erschossen, bevor er Unheil anrichten kann; und alle gehen zur Tagesordnung über.

Brock jedoch bringt diese Kaltblütigkeit nicht auf und forscht nach den Ursachen und Hintergründen der Tat. Dabei taucht er in die gleichermassen erschreckende wie faszinierende Welt der Obdachlosen und fördert dabei einigen Schmutz zutage, der auch seine Kanzlei befleckt.

Doch die Beweislage ist schwierig. Er entwendet belastendes Material aus dem Büro eines Kollegen, gerät aber schon bald unter Verdacht und hat nun selbst die Polizei am Hals. Seine eigene Welt erscheint ihm plötzlich hohl und sinn-entleert.

Innerhalb weniger Wochen krempelt er sein Leben völlig um, wechselt die Fronten und hat nun seinen ehemaligen Arbeitgeber als mächtigen Feind gegen sich. Im Kampf David gegen Goliath steht ihm jedoch der pfiffige Armenanwalt Mordecai Green zur Seite.

Der Roman ist eine gnadenlose Abrechnung mit der gefühlskalten Welt der Anwaltskanzleien, in der die Schicksale der Armen bestenfalls eine Aktennotiz wert sind. Und er ist eine aufrichtige Hommage an alle echten Mordecai Greens, die unter oft katastrophalen Bedingungen versuchen, etwas für die Klienten herauszuholen.

Auch wenn er sein Lieblingsmileu der Anwälte beibehält, so unterscheidet sich dieser Roma n massgeblich von den anderen aus der Feder dieses bestsellerautors. Hätte ein unbekannter junger Autor diesen Roman geschrieben, so wäre er wohl in der Versenkung verschwunden. Mit dem Namen John Grisham auf dem Cover allerdings, konnte sich der Verlag allerdings seine Absatzzahlen ausrechnen und brauchte nicht vor dem ungewöhnlichen und nicht unkontroversen Thema zurückschrecken.

Auch wenn ich kein Grisham Fan bin, da er oft, sowohl in der Schreibweise, im Jargon, in der Protagonisten-Konstellation als auch im Thema, alte Klischees und bewährte erfolgreiche Tricks anwendet, so hat mich dieser Roman gefesselt.

In aussergewöhnlich einfühlsamer weise schildert Grisham das Leben auf der Strasse in den USA, dass noch um einiges härter scheint, als in deutschen Landen. Einem Bestsellerautor, der Erfolgsstories wie am Fliessband produziert, traut man eine solch realistische und vor allem reflektierende Stroy erstmal nicht zu, doch sein Protagonist, der junge Brock überzeugt in allen Kapiteln.

Dieser Roman sticht aus der masse heraus; ist nicht nur für eingefleischte Grisham und Thriller Fans ein Schmaus und hat unbedingt einen Daumen nach oben verdient :-)

22 Bewertungen, 1 Kommentar

  • modschegibbchen

    16.03.2005, 22:07 Uhr von modschegibbchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    bericht. bin eingefleischter grisham-fan. habe allerdings noch 4 oder 5 bücher von ihm hier, die ich noch lesen muss. vorgestern meine sammlung mit der "begnadigung" ergänzt. lg heike