Die Schuld (gebundene Ausgabe) / John Grisham Testbericht

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Erfahrungsbericht von rider-of-apocalypse

Aufstieg und Fall des Königs der Sammelklagen

Pro:

s. Text

Kontra:

s. Text

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich in der jüngsten Vergangenheit überwiegend Romane der Autoren CRICHTON und PRESTON/CHILD gelesen habe, war es nun wieder einmal and er Zeit, mich auch ein wenig mehr den Romanen anderen Autoren zu widmen.
Dabei viel meine Wahl, obwohl ich von den Romanen DIE FARM, DAS FEST und einigen anderen etwas enttäuscht war, nach längerer Zeit wieder einmal auf einen Roman des amerikanischen Autoren JOHN GRISHAM, nämlich auf den Roman DIE SCHULD, den ich nun zum Thema meines heutigen Beitrags mache.




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ALLGEMEINES
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Der 1955 in Arkansas geborene und lange Jahre als Rechtsanwalt tätige JOHN GRISHAM veröffentlichte seinen Roman DIE SCHULD im Jahre 2003 unter dem Originaltitel THE KING OF TORTS und bereits im Folgejahr erschien der Roman auch in einer deutschsprachigen Ausgabe.
Als Taschenbuch erschien DIE SCHULD (ISBN 3-453-87786-1) im Heyne Taschenbuchverlag (Verlagsgruppe Random House) und kostet zur Zeit 9,95 €. Ich hatte gar das Glück, den Roman als so genanntes Mängelexemplar (wo auch immer die Mängel verborgen sein mögen) für lediglich 2,99 € kaufen zu können.

Titel: Die Schuld
Originaltitel: The King of Torts
Jahr: 2003
Jahr (deutschspr. Ausg.): 2004
Verlag: Heyne
ISBN: 3-453-87786-1
Seitenzahl: 448
Preis: 9,95 €

Weitere Romane dieses Autoren, von denen viele bereits verfilmt wurden und in denen nicht immer juristische Themenbereiche im Mittelpunkt stehen, sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und korrekte chronologische Reihung)

- DIE FIRMA
- DIE JURY
- DAS URTEIL
- DIE BRUDERSCHAFT
- DER COACH
- DER KLIENT
- DIE AKTE
- DIE FARM
- DER REGENMACHER
- ...




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INHALT / STORY
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Der junge Rechtsanwalt Clay arbeitet als Pflichtverteidiger für eine gemeinnützige Organisation und vertritt/berät so all jene, die einen eigenen Anwalt nicht bezahlen können.
Während er, obwohl er während seines Jurastudiums sicher andere Vorstellungen von seiner späteren Juristenkarriere hatte, mit seiner Tätigkeit nicht unzufrieden ist, regt sich bei seiner Lebensgefährtin Rebecca, die sich nach einem zufriedenen Leben mit Haus und Familie sehnt, zunehmend Unzufriedenheit. Rebeccas Eltern lehnen Clay Carter gar gänzlich ab und nachdem Clay Carter eine von Rebeccas Vater vermittelte Anstellung bei einem Senator ablehnt, kommt es schließlich zur Trennung zwischen Clay und Rebecca.
Nur kurze Zeit später wird Clay Carter, dessen Vater Jahre zuvor ein recht bekannter Anwalt war, nun aber auf den Bahamas lebt, von einem ominösen Mann angesprochen, der sich ihm als Max Pace vorstellt..
Dieser bietet ihm an, mit seiner Unterstützung eine eigene Kanzlei zu Eröffnen um eine Sammelklage gegen ein Pharmaunternehmen einzureichen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem lukrativen Vergleich enden würde.
Die Aussicht, sich einen Namen als Anwalt zu machen und selbstverständlich auch die Aussicht auf Honorare in Höhe von mehreren Millionen Dollar veranlassen Clay Carter schließlich, dem Vorschlag zuzustimmen. Schnell sind Büroräume angemietet, weiteres Personal eingestellt und Fernsehspots geschaltet, um möglichst viele Kläger zusammenzutragen und letztendlich einigt man sich auf eine Vergleich, der Entschädigungszahlungen an alle Kläger beinhaltet, von denen Clay Carter einen nicht unerheblichen Prozentsatz als Honorar erhält.
So führt diese Sammelklage nicht nur zu Einnahmen von deutlich mehr als zehn Millionen Dollar, die er noch weiter steigern konnte, da er vor Klageeinreichung seine Aktie des beklagten Unternehmens verkauft hat, sondern auch dazu, dass er plötzlich einen enormen Bekanntheitsgrad erreicht, der ihm die Türen in die verschworene Gemeinschaft der auf Sammelklagen spezialisierten Anwälte öffnet. Schnell gewöhnt sich Clay Carter an sein neues Leben als millionenschwerer Staranwalt und sein schnell eingenommenes Geld gibt er fast ebenso schnell auch wieder aus.
Mit der zeit gerät Clay Carter dann allerdings in Schwierigkeiten. Nicht nur dass sich unter seinen Mandanten aus seiner ersten Sammelklage Unzufriedenheit breit macht, da hier vielen die gezahlte Entschädigung zu niedrig scheint, auch eine weitere von Max Pace angeregte Sammelklage erweist sich als äußerst langwierig und wird auch von vielen seiner Kollegen als eher gewagt empfunden.
Bei einer weiteren, kleineren Sammelklage pokert Clay Carter zu hoch und anstatt eine Entschädigung zu zahlen, meldet das beklagte Unternehmen Konkurs an, so dass auch hieraus keine Honorare eingenommen werden. Bei seinen unverändert hohen laufenden Kosten gerät Clay Carter so immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten.
Als hätte Clay Carter nicht bereits dadurch genug Schwierigkeiten, so kündigt sich auch noch eine Sammelklage ehemaliger Klienten gegen ihn an und das FBI zeigt Interesse an seinen Börsentransaktionen ...




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ANMERKUNGEN
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In seinem Roman DIE SCHULD beschreibt JOHN GRISHAM den schnellen Aufstieg und ebenso schnellen Fall eines auf Sammelklagen spezialisierten Anwalts, so dass sich mir hier die Frage aufdrängte, warum der Originaltitel, der übersetzt soviel heißt wie „Der König der Sammelklagen“ und mir so auch absolut passend erscheint, in DIE SCHULD geändert wurde.
Diese Geschichte um den „König der Sammelklagen“ (bzw. dessen Krönung und dessen Sturz) erzählt der Autor nun nicht nur in einer ausgesprochen spannenden und kurzweiligen Form, sondern auch, wenn auch gelegentlich überzeichnet, durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar, wobei man jederzeit merkt, dass JOHN GRISHAM als ausgebildeter/studierter Jurist sein fundiertes Fachwissen einbringt.
Wie in so vielen Romanen des Autoren, so sparte JOHN GRISHAM auch in DIE SCHULD nicht mit Kritik an Aspekten des amerikanischen Rechtssystems. Präzise ist es hier die Sammelklage, die sehr nahe mit der Produkthaftung in den USA verbunden ist, die der Autor hier recht deutlich kritisiert.
So ermöglicht es die Sammelklage in den Darstellungen des Autors zwar allen an der Klage beteiligten, ohne nennenswerten eigenen Einsatz und häufig ohne langwierigen Prozess, eine Entschädigungszahlung zu erhalten, in einer einzelnen Klage kann eine Jury dem Kläger dagegen eine deutlich höhere Entschädigung zusprechen. Immer jedoch profitiert der Anwalt jedoch von einer Sammelklage. So bedeutet der Regelfall, also der Abschluss des Verfahrens durch einen Vergleich, deutlich weniger Arbeit und Zeitaufwand bei gleichzeitig durch die Masse der Klienten hohen Honorare. Ob aus derartigem Vorgehen Recht und/oder Gerechtigkeit resultiert zieht der Autor massiv in Zweifel.
In diesem Zusammenhang schwankte ich übrigens auch immer wieder, ob mir die geschilderte Berechnung einer Entschädigung im Falle eines Todes (etwa nach der Formel geschätztes monatliches Einkommen x durchschnittliche (statistische) Restlebensdauer in Monaten) nun logisch und angemessen oder makaber oder aber auch alles gemeinsam erscheint.
Abgesehen davon, dass die Produkthaftung in Deutschland deutlich von der amerikanischen abweicht, sind derartige Sammelklagen (sofern hier überhaupt in vergleichbarer Art möglich) hierzulande auch für Rechtsanwälte weit weniger lukrativ. Während ein Anwaltshonorar in den USA einen vereinbarten Prozentsatz (in der Regel 20 – 30%) der erstrittenen Summe beträgt, richtet sich dieses in Deutschland streng nach den Bestimmungen der BRAGO (Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung) und ist nach dieser abhängig vom Streitwert, also nicht verhandelbar.
Ebenfalls sehr interessant scheint mir auch die Entwicklung des jungen Anwalts Clay Carter vom zwar durchaus bereits ehrgeizigen Rechtsanwalt im Dienste Bedürftiger Straffälliger, der den auf einer Tagung von auf Sammelklagen spezialisierten Anwälten zur Schau gestellte Reichtum geradezu als widerwärtig empfindet, dann aber (mit zunehmendem finanziellen Erfolg) selbst der „Gier“ erliegt. Gerade diese Darstellungen innerhalb des Romans wirken derart überzeichnet, dass sie dem Roman Elemente einer (Real-)Satire hinzufügen und so einen nicht unerheblichen Reiz des Romans ausmachen.
Auch die persönlichen Verhältnisse des Hauptcharakters sind hier nicht ohne Bedeutung. Die Eltern seiner Lebensgefährtin, die einen gewissen gesellschaftlichen Status erreicht haben (ob nun begründet, sei dahingestellt), lehnen Clay aufgrund seiner wenig prestigeträchtigen und ebenso wenig gewinnbringenden Arbeit als Pflichtverteidiger ab und auch seine Lebensgefährtin selbst wünscht sich eine gesicherte Existenz, in der sie sich als Hausfrau und Mutter sieht. So scheint die Trennung der beiden unausweichlich und ihre Hochzeit mit einem elternkompatiblen Mann der gehobeneren Gesellschaft nur logische Konsequenz. Diese Trennung und der Wunsch, seine ehemalige Lebensgefährtin, die er noch immer liebt, und ihre Eltern „beeindrucken“ zu können stellen neben der sich steigernden Gier nach Geld und Prestige eine weitere Triebfeder für alle Handlungen des Clay Carter dar.
Ein Nebenaspekt, den ich hier ebenfalls nicht unerwähnt lassen will ist auch der, welche Möglichkeiten auch die Börse im Falle einer solchen Sammelklage bietet. So tätigt Clay Carter im Roman so genannte Leerverkäufe, das heißt, er verkauft Aktien zum „normalen“ Tageskurs, um dann nach bekannt werden der Klageeinreichung und dem daraus resultierenden Kursverfall die Aktien zum deutlich niedrigeren Kurs gegebenenfalls zurückzukaufen. Im Roman wähnt sich Clay Carter dabei bezüglich des Insiderhandels in einer juristischen Grauzone – tatsächlich dürfte er diese allerdings in den Bereich des Illegalen überschritten haben.

Der Roman DIE SCHULD lässt sich, wie alle mir bekannten Romane dieses Autoren sehr flüssig und angenehm lesen. JOHN GRISHAM verwendet eher kürzere Sätze und unterteilt die 448 Seiten in 41 ebenfalls eher kurze Kapitel. Dabei beschreibt der Autor sowohl Personen, als auch Orte, Handlungen und ähnliches sehr präzise, ohne sich dabei aber in langweilige Nebensächlichkeiten zu verlieren. Erfreulicherweise ist es JOHN GRISHAM auch in DIE SCHULD wieder gelungen, juristische Sachverhalte, Details und ähnliches so darzustellen, dass sie auch von Laien problemlos verstanden werden können.
Insgesamt schaffte es JOHN GRISHAM mit DIE SCHULD (wiedereinmal) mit seinem Stil und der Story, mich von der ersten Seite an ein Buch zu fesseln, so dass es mir schwer fiel, dieses wieder aus der Hand zu legen.




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LESEPROBE
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Am nächsten Tag brachten die Washingtoner Times und die Washingtoner Post auf der ersten Seite ihres Wirtschaftsteils kurze Meldungen über die Dyloft-Klage. In beiden wurde Clay namentlich erwähnt, was er insgeheim mit großer Genugtuung registrierte. Mehr Zeilen waren den Reaktionen der beklagten Partei gewidmet. Ackermans CEO nannte die Klage „leichtfertig erhoben“, sie seien „nur ein weiteres Beispiel für den Missbrauch juristischer Maßnahmen vonseiten der Rechtsvertreter“. Der stellvertretende Forschungsleiter sagte, Dyloft sei „nach allen Richtungen hin getestet worden“. Es habe keine Hinweise auf schädliche Nebenwirkungen gegeben. Beide Zeitungen berichteten, dass die Ackermann-Aktie, deren Kurs innerhalb der letzten drei Quartale um fünfzig Prozent gesunken sei, durch die unerwartete Klage einen weiteren Schlag erlitten habe.
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FAZIT
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Immer dann, wenn sich JOHN GRISHAM in einem Roman mit dem amerikanischen Rechtssystem befasste, gefiel mir dieser Roman sehr gut und auch DIE SCHULD stellt hier keine Ausnahme dar.
Nach den für mich enttäuschenden Romanen (in denen sich der Autor anderen Themen widmete) DAS FEST, DER COACH und DIE FARM stellt DIE SCHULD nun wieder ein echtes Highlight des Autoren dar und so kann ich diesen Roman hier auch guten Gewissens empfehlen und urteile mit SEHR GUT !

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