Hamburger Rathaus Testbericht

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Erfahrungsbericht von Asmodina

Das Hamburger Rathaus

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Das Hamburger Rathaus wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und zwar im Stil der nordischen Renaissance.
Sieben Architekten bauten daran unter der Führung von Martin Haller.
An der prächtigen Fassade und an der reichhaltigen Ausstattung im Inneren waren Künstler aus ganz Deutschland beteiligt.
Es ist ein Repräsentationsbau des Traditionsbewusstseins der Freien und Hansestadt Hamburg.
Das Rathaus ist der Sitz des Senates (der Landesregierung) und der Bürgerschaft (des Landesparlaments), außerdem befinden sich in ihm die Arbeitsräume des ersten Bürgermeisters, die Fraktionsräume der Parteien und eine Reihe Repräsentationsräume.
Insgesamt hat das Rathaus 647 Räume, das sind 3 mehr als der Buckingham Palace besitzt! Man lernt doch nie aus :o)

Das heutige Rathaus ist das Sechste in Hamburg erbaute.

+++ Die Vorgeschichte +++

1tes Rathaus:
Als damals die „Neustadt“ am Alsterhafen bei St. Nikolai erbaut wurde (1189), errichtete man auch das erste Hamburger Rathaus.
Es war ein bescheidener Steinbau auf dem heutigen Hopfenmarkt.

2tes Rathaus:
Danach baute man das Zweite gleich hinterher und zwar in der erzbischöflichen „Altstadt“, am Nordrand des Alten Fischmarktes.
Hierzu sei erwähnt das Hamburg damals aus zwei Teilen bestand, eben der Altstadt und der Neustadt.
1201 überfielen die Dänen, unter Waldemar II., Hamburg und besetzen die Stadt und das Umland. Hamburg wird einem dänischen Statthalter unterstellt.

3tes Rathaus:
Unter der Dänenherrschaft schließen sich Alt- und Neustadt 1216 zusammen und man errichtete das dritte Rathaus von Hamburg und zwar an der Ecke Dornbusch und Kleine Johannisstraße.
Dieses war nur eine kleine schmale Halle die man durch einen Laubenausbau erreichen konnte (es fiel 1284 einem Stadtbrand zum Opfer).

4tes Rathaus:
An der Ecke am Neß und an der Trostbrücke (heute steht dort das Gebäude der Patriotischen Gesellschaft) errichtete man dann das Vierte Rathaus, dieses Mal dann ein bisschen größer (26x18m) und wieder wurde es ein Saalbau mit Laube.
Dieser Bau wurde dann auch das eigentliche historische Rathaus, denn es erfüllte mehr als fünf Jahrhunderte seinen Zweck.
Es wurde immer wieder verändert in Form und Größe.
Beim großen Brand von Hamburg und zwar in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1842 (der Brand hatte da schon 24 Stunden gewütet) beschloss der Rat das Rathaus zu sprengen, da das Gebäude eh schon baufällig war und man dem Feuer nicht noch weiteres Futter geben wollte.

5tes Rathaus:
Einen Tag später hatte man auch schon einen Ort für das fünfte Rathaus der Stadt gefunden und zwar im Waisenhaus in der Admiralitätsstraße.
Dort quartierte der Senat sich notdürftig ein und blieb dort 55 Jahre!
Die Bürgerschaft tagte in der Kirche des Waisenhauses und dann ab 1859 im neuen Gebäude der Patriotischen Gesellschaft, das man ja anstelle des alten Rathauses erbaut hatte.

6tes Rathaus:
Lange wurde nun diskutiert wo man das neue Rathaus bauen wollte und nachdem man schon zwei internationale Wettbewerbe veranstalten hatte für die Gestaltung des Baus, legte man am 6. Mai 1886 feierlich des Grundstein des sechsten Rathauses von Hamburg – dem heutigen Bau.
Der Architekt Martin Haller gründete nun den Rathausmeisterbund zu dem außer ihm selbst noch die Architekten Johannes Grotjan, Bernhard Hanssen, Wilhelm Hauers, Emil Meerwein, Hugo Stammann und Gustav Zinnow gehörten.
Die Architekten waren so fleißig das schon am 6. Mai 1892 das Richtfest gefeiert werden konnte.
Und am 26. Oktober 1897 wurde dann das heutige Rathaus unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht.
Die Gesamtbaukosten beliefen sich dann am Ende auf 11 Mio. Goldmark.
Das Rathaus wurde wie durch ein Wunder im Zweiten Weltkrieg von den verheerenden Luftbombardements verschont und überstand diesen Krieg ohne weitere Schäden.

+++ Zum Bau des heutigen Rathauses +++

Wegen des morastigen Untergrunds der Alstermarsch ist der Rathausbau auf 4000 in den Boden gerammte Holzpfähle gebaut worden.
Der viergeschossige Breitbau mit seinem kupfernen Satteldach ist 111 x 70m.
Der Mittelturm hat eine Höhe von 112m.
Die Vorderseite des Rathauses (Richtung Rathausmarkt und Alsterarkaden) ist mit reichen Bronzefiguren etlicher deutscher Kaiser ausgestattet.
Über dem Rathausportal ist eine Inschrift die da lautet: „Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas“ (dtsch. Freiheit, welche die Vorfahren erworben haben, möge die Nachwelt zu Erhalten trachten).
Auf der Rückseite des Baues stellen zwei Flügeltrakte eine Verbindung zu dem dahinter liegendem Gebäude her, der Hamburger Börse.
Im Innenhof des Rathauses, dem so genannten Ehrenhof (hier werden auch hin und wieder Rathauskonzerte abgehalten) steht ein großer Schalenbrunnen.
Er zeigt die Figur der „Hygieia“, einer schönen Frau, die die Reinheit des Wassers und die Gesundheit allegorisiert (versinnbildlicht).
Der Brunnen wurde aufgestellt im Gedenken an die Opfer der 1892 vorgefallenen Cholera-Epidemie. Sie forderte 8605 Todesopfer in nur 71 Tagen.
Durch ein großes Schmiedeeisernes Tor tritt man in die große Rathausdiele ein.
Hier sind oft Ausstellungen zu sehen und von hier beginnt auch die Rathausführung, welche ich jedem nur empfehlen kann!
Das Sternengewölbe der Rathausdiele wird von 16 schweren Sandsäulen gehalten welche die Medaillonporträts 68 verdienten Hamburgern tragen.
Rechts kann man durch ein schmiedeeisernes Tor mit zierlicher ornamentaler Umrahmung zwischen zwei Wappenlöwen in den Senatsflügel gelangen.
Links führen Treppen zum Ratsweinkeller und zum Bürgerschaftsflügel.
Das Treppenhaus ist aus sardinischem Marmor und elf Wandgemälde zeigen den Lebensweg der Bürger.
Im Foyer das daran anschließt sieht man Bilder des Hafens und der Patriotischen Gesellschaft.
Dahinter folgt der Sitzungssaal der Bürgerschaft mit 120 Plätzen, den Sitzen des Präsidiums und des Senats, sowie Logen für die Gäste und die Presse.
Man kann hier an den Versammlungen teilnehmen. Sie finden alle zwei Wochen mittwochs um 16h statt und man muss sich dann jeweils 3 Tage vorher in der Rathausdiele anmelden.
Im Inneren des Gebäudes an der Rathausplatzseite liegen dann die gediegenen Repräsentationsräume.
- Der Bürgersaal, ist ein Empfangssaal des Präsidenten der Bürgerschaft (über dem Kamin in diesem Raum findet man das Gemälde „Binnenhafen mit Baumhaus“ v. Ruths).
- Der Kaisersaal, dient für Empfänge und Sitzungen (hier kann man das Deckengemälde „Triumph der deutschen Flagge“ von Arthur Fitger sehen, daneben die beiden Sinnbilder „Astronomie“ und „Geographie“ und die Sinnbilder deutscher Seestädte. Sowie reich verzierte Türen.
- Der Turmsaal oder auch „Saal der Republiken“ genannt, ist ein Kuppelsaal hinter dem Turmbalkon. Hier finden die Neujahrsempfänge des Bürgermeisters statt.
Hier hängen vier wunderschöne Wandgemälde welche die vier ältesten Stadtrepubliken Athen, Rom, Venedig und Amsterdam zeigen.
Auch steht hier die Büste des deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, geschaffen von Georg Kolbe.
- Der „Bürgermeistersaal“ mit schwarzen italienischen Marmor, Mahagonimöbeln und Ledertapeten. Er dient als Empfangsaal des Senates.
Auf dem Kamin in diesem Zimmer sieht man die Bronzebüste „Klio“ mit dem Buch der Geschäfte, sowie sechs weiter Marmorbüsten verschiedener Bürgermeister und ein großes Gruppenbild von Hugo Vogel „Einzug des Senats in das Rathaus 1897“.
- Das „Waisenzimmer“ das von 80 Hamburger Waisenkindern in fünfjähriger Arbeit mit Kerbholzornamentik beschnitzt wurde (!?)
Ebenso hängen hier 15 Wandgemälde mit Motiven aus dem Hamburger Landgebiet.
- Der „Phönixsaal“ ist benannt nach dem hier über dem Kamin zu sehenden Phönix. Er soll den raschen Aufstieg Hamburgs nach dem großen Brand von 1842 symbolisieren.
In diesem Saal kann man einen kleinen Stadtplan aus Holzintarsien sehen der den damaligen Umfang der Stadt zeigt, sowie Bilder verschwundener Bauten.
Ein Gemälde das „Die Stadtgöttin Hammonia 1842“ v. A. Fitger zeigt, sowie ein Gemälde „Die Hamburger Ratsstube um 1860“ v. Chr. Magnussen. Sowie letzlich ein Bild vom Brand der Katherinenkirche 1943.
- Das kleine Konferenzzimmer, in ihm sieht man Bildnisse von Bürgermeistern und Senatoren aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
- Das Bürgermeistervorzimmer, in ihm hängen Gemälde von Bürgermeistern nach 1900 (u.a. Carl Petersen und Max Liebermann).
- Das Bürgermeisterzimmer, hier liegt für offizielle Besuche das „Goldene Buch“ der Stadt (die erste Eintragung durch Otto v. Bismarck 1897).
Auch hier zu bestaunen der Kamin mit einer Bronzebüste des Bürgermeisters C.F. Petersen sowie eine Bronzetafel mit Wappen und Namen aller Bürgermeister von Hamburg von 1264 bis 1912.
An der Rathausseite zum Alten Wall befindet sich die „Ratsstube“ in der der Senat jeden Dienstag in geheimer Sitzung tagt.
Hier sind schöne geschnitzte Täfelungen, Ledertapeten, ein eichener Baldachin und reich bestickte Wandteppiche, sowie der Bürgermeistersessel zu sehen.
Das „Senatsgehege“ wird durch bronzene Gittertürme vom Treppenhaus geteilt.
Am Eingang stehen zwei Marmorstatuen („Gnade“ und „Gerechtigkeit“).
Der große Festsaal ist reich mit Marmor und Bronze ausgestattet.
Er ist 15m hoch, 47m lang und 18m breit.
Fünf Kolossalgemälde stellen die Stadtentwicklung dar: Urlandschaften, die ersten Siedler, Heidenbekehrung, Handel und Schifffahrt im Mittelalter und der Hafen in neuerer Zeit.
In der Mitte unter den Gemälden findet man ein wunderschönes Marmorportal mit Bronzestatuen der Bürgertugenden.
Alljährlich am 24. Februar findet in diesem Saal die traditionelle „Matthiae-Mahlzeit“ statt für die immer 300 geladene Gäste kommen.

Das hier beschriebene ist in etwa die Führung die man im Rathaus zu sehen bekommt – und das nur für 4 Euro.
Es lohnt sich wirklich das Mal gesehen zu haben und ich wünsche allen die durch das Lesen hier dazu Lust bekommen haben viel Spaß dabei!

Gruß
Asmodina