Harry Potter und die Kammer des Schreckens (DVD) Testbericht
Erfahrungsbericht von wildheart
Allzu routinierte Adaption
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Viel Neues haben sich Chris Columbus und Steven Kloves jedenfalls nicht einfallen lassen bei der zweiten Adaption des Harry-Potter-Stoffes: Da fighten blonde, von Zauberern abstammende reiche Schnösel wie Draco Malfoy (Tom Felton) gegen die von ihnen verachteten „Proleten“ wie Harry Potter (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) oder Ron (Rupert Weasley). Aber die „Proletarier aller Länder“, sprich die armen Zauberlehrlinge von Hogwarts halten zusammen wie Pech und Schwefel und wissen Albus Dumbledore (Richard Harris in seiner letzten Rolle) auf ihrer Seite.
Inhalt
Als eine Art Stiefkind von Onkel Vernon und Tante Petunia (Richard Griffiths und Fiona Shaw) geht es Harry mal wieder nicht besonders. Er sehnt sich nach seinen Freunden in Hogwarts, doch ein plötzlich in seinem Zimmer auftauchender Haus-Elf namens Dobby warnt ihn vor einer Rückkehr ins Zauberschloss; es könne seinen Tod bedeuten. Auch Hermines Briefe hat Dobby abgefangen, um jegliche Verbindung zwischen Harry und seinen Freunden zu unterbinden. Für wen er arbeitet, sagt er nicht. Das alles nützt Dobby allerdings wenig, denn Harrys Freunde holen ihn mit dem fliegenden Auto ab und machen kurz Halt bei Rons Eltern, die wesentlich sympathischer sind als die Dursleys. Als sie jedoch durch die bekannte Backsteinmauer auf dem Bahnhof in den Zug nach Hogwarts einsteigen wollen, klappt das diesmal nicht. Ron hat eine Idee: Warum folgen sie dem Zug nicht mit dem fliegenden Auto? Gesagt, getan.
In Hogwarts passieren mal wieder merkwürdige Dinge. Harry hört eine Stimme, die sonst niemand wahrnimmt und die ihm droht. Beim Quidditsch-Spiel verfolgt ihn ein Ball. Und als er ein Tagebuch findet und in die Vergangenheit Hogwarts zurückkehrt, muss Harry erkennen, dass er und seine Freunde, ganz Hogwarts in Gefahr sind. Eine geheimnisvolle Kammer, in der sich ein Ungeheuer befinden soll, ist vor 50 Jahren schon einmal geöffnet worden. Und es müsste mit dem Teufel zu gehen, wenn nicht auch diesmal der Unhold Voldemort sein Unwesen treibt ...
Inszenierung
Alles wie gehabt. Auch wenn einige Kritiker voll des Lobes sind, die zweite Adaption des Potter-Stoffes sei dunkler, unheimlicher als der erste Teil des Fantasy-Abenteuers, konnte ich dies beim besten Willen nicht feststellen. Es gibt einige wirklich gekonnte und spannende Szenen, etwa die Autofahrt am Anfang bis nach Hogwarts, wo ein Baum, auf dem die drei Freunde landen, sich heftig gegen den „Eindringling“ wehrt. Kenneth Branagh als (neuer) Lehrer Gilderoy Lockhart sorgt als eitler Fatzke für ein bisschen Amüsement. Ein sprechender Brief von Rons Mutter, der sich vor versammelter Mannschaft vorliest, ist auch ganz lustig. Richard Harris, Maggie Smith, Alan Rickman und natürlich Robbie Coltrane bieten die übliche gekonnte Leistung.
Die neu eingeführte digitale Figur Dobby hingegen – der ein bisschen zu arg an Jar Jar Binks aus „Star Wars“ erinnert – und die in einer Unterrichtsstunde von Lockhart los gelassenen blauen Wichte – die sehr stark den Gremlins nachempfunden sind – tragen nicht unbedingt sehr viel zum Humor des Films bei. Auch Daniel Radcliffes Darstellung des Harry Potter ist mir ehrlich gesagt zu fade. Radcliffe spielt mir allzu sehr zurückhaltend, vielleicht nicht ganz so stark wie im ersten Film. Emma Watson tritt gegenüber ihrer Rolle in „Harry Potter und der Stein der Weisen“ weit zurück. Rupert Grint, der mir im ersten Film sehr gut gefallen hat, übertreibt seine Angstzustände ab und zu ein wenig.
Insgesamt spukt es mehr, Spinnen krabbeln des öfteren vorbei und auch der Kampf mit dem Ungeheuer ist sicherlich gruseliger als in Columbus erstem Film. Tricktechnisch ist er besser gemacht als sein Vorgänger. Das alles kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass – auch wenn dem Film möglicherweise wieder ein Millionenerfolg ins Haus steht und die Kassen schier endlos klimpern werden – die Potter-Adaption in dieser Art und Weise einer stark an der Vorlage klebenden Inszenierung am Ende ist. Mag sein, dass auch der dritte Film wieder erfolgreich sein wird, wenn er in gleicher Weise inszeniert wird. Trotzdem: Dadurch dass Columbus vom Roman nicht abweicht, hangelt sich der Plot gehetzt von einem Schauplatz zum anderen, ohne zwischendurch einmal Luft zu holen. Kaum ist eine Szene so richtig am Laufen, wechselt das Bild zur nächsten. Darunter leiden Geschichte wie Personen. Kaum eine der Figuren ist als Charakter mit Tiefgang zu erkennen, höchstens Branagh, Griffiths und Coltrane. Die große Schauspielergarde der anderen hingegen spielt routiniert, aber eben nicht großartig. Charakterdarsteller wie Harris und Maggie Smith sind als solche kaum zu erkennen.
Zwar kann „der Neue“ Kenneth Branagh ein paar Minuten lang Ruhe, Gefühl und Persönlichkeit ins Geschehen bringen und seinen großen Kollegen die Show stehlen, doch dann geht der Spurt über lange 158 Minuten weiter. Die beiden Filme unterscheiden sich in der Art der Handlung, Inszenierung, Figuren letztlich in keiner Weise. Es hätte dem Film besser getan – was Frau Rowling allerdings wohl abgelehnt hatte –, wenn sich Columbus von der Vorlage hier und da getrennt hätte. So verpufft der Schluss, wen wundert’s, in einem butterweichen Happy-Hour-End vor versammelter Mann- und Frauschaft.
Fazit
Routine – das ist wohl der Begriff, der den zweiten Potter-Film am besten umschreibt. Und Routine allein ist nicht unbedingt eine Empfehlung für einen Film. „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ ist kein schlechter Film, aber auch kein herausragender. Kinder wird er erfreuen, sicherlich auch etliche Erwachsene. Die Befürchtungen, die Freigabe ab sechs Jahre sei falsch angesichts brutaler Szenen, halte ich für unsinnig. Der Film ist nicht brutaler als jedes zweite Grimm-Märchen, in dem Hexen verbrannt und giftige Äpfel gegessen werden.
Wertung: 6 von 10 Punkten.
Harry Potter und die Kammer des Schreckens
(Harry Potter and the Chamber of Secrets)
USA 2002, 158 Minuten
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Steven Kloves, nach dem Roman von Joanne K. Rowling
Musik: John Williams
Kamera: Roger Pratt
Schnitt: Peter Honess
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Daniel Radcliffe (Harry Potter), Emma Watson (Hermine Granger), Rupert Grint (Ron Weasley), Richard Harris (Albus Dumbledore), Magge Smith (Prof. Minerva McGonagall), Kenneth Branagh (Gilderoy Lockhart), Robbie Coltrane (Hagrid), Alan Rickman (Prof. Severus Snape), Warwick Davis (Prof. Filius Flitwick), Sean Biggerstaff (Oliver Wood), Shirley Henderson (Moaning Myrtle), Miriam Margolyes (Prof. Sprout), Alfred Burke (Armando Dippet), Sally Mortemore (Irma Pince), David Bradley (Argus Filch), John Cleese (Fast kopfloser Nick), Richard Griffiths (Onkel Vernon Dursley), Jason Isaacs (Lucius Malfoy), Fiona Shaw (Tante Petunia Dursley), Julian Glover (Aragog), Tom Felton (Draco Malfoy), Gemma Jones (Madam Pomfrey), Christian Coulson (Tom Riddle)
Offizielle Homepage: http://www.harrypotter.de
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0295297
Weitere Filmkritik(en):
„FilmTabs“ (Günter H. Jekubzik):
http://www2.arena.de/FILMtabs/archiv/H/Harry%20Potter%20und%20die%20Kamme.html
„Shadows on the Wall“ (Rich Cline):
http://www.shadowsonthewall.co.uk/swharcha.htm
© Ulrich Behrens 2002 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de
Inhalt
Als eine Art Stiefkind von Onkel Vernon und Tante Petunia (Richard Griffiths und Fiona Shaw) geht es Harry mal wieder nicht besonders. Er sehnt sich nach seinen Freunden in Hogwarts, doch ein plötzlich in seinem Zimmer auftauchender Haus-Elf namens Dobby warnt ihn vor einer Rückkehr ins Zauberschloss; es könne seinen Tod bedeuten. Auch Hermines Briefe hat Dobby abgefangen, um jegliche Verbindung zwischen Harry und seinen Freunden zu unterbinden. Für wen er arbeitet, sagt er nicht. Das alles nützt Dobby allerdings wenig, denn Harrys Freunde holen ihn mit dem fliegenden Auto ab und machen kurz Halt bei Rons Eltern, die wesentlich sympathischer sind als die Dursleys. Als sie jedoch durch die bekannte Backsteinmauer auf dem Bahnhof in den Zug nach Hogwarts einsteigen wollen, klappt das diesmal nicht. Ron hat eine Idee: Warum folgen sie dem Zug nicht mit dem fliegenden Auto? Gesagt, getan.
In Hogwarts passieren mal wieder merkwürdige Dinge. Harry hört eine Stimme, die sonst niemand wahrnimmt und die ihm droht. Beim Quidditsch-Spiel verfolgt ihn ein Ball. Und als er ein Tagebuch findet und in die Vergangenheit Hogwarts zurückkehrt, muss Harry erkennen, dass er und seine Freunde, ganz Hogwarts in Gefahr sind. Eine geheimnisvolle Kammer, in der sich ein Ungeheuer befinden soll, ist vor 50 Jahren schon einmal geöffnet worden. Und es müsste mit dem Teufel zu gehen, wenn nicht auch diesmal der Unhold Voldemort sein Unwesen treibt ...
Inszenierung
Alles wie gehabt. Auch wenn einige Kritiker voll des Lobes sind, die zweite Adaption des Potter-Stoffes sei dunkler, unheimlicher als der erste Teil des Fantasy-Abenteuers, konnte ich dies beim besten Willen nicht feststellen. Es gibt einige wirklich gekonnte und spannende Szenen, etwa die Autofahrt am Anfang bis nach Hogwarts, wo ein Baum, auf dem die drei Freunde landen, sich heftig gegen den „Eindringling“ wehrt. Kenneth Branagh als (neuer) Lehrer Gilderoy Lockhart sorgt als eitler Fatzke für ein bisschen Amüsement. Ein sprechender Brief von Rons Mutter, der sich vor versammelter Mannschaft vorliest, ist auch ganz lustig. Richard Harris, Maggie Smith, Alan Rickman und natürlich Robbie Coltrane bieten die übliche gekonnte Leistung.
Die neu eingeführte digitale Figur Dobby hingegen – der ein bisschen zu arg an Jar Jar Binks aus „Star Wars“ erinnert – und die in einer Unterrichtsstunde von Lockhart los gelassenen blauen Wichte – die sehr stark den Gremlins nachempfunden sind – tragen nicht unbedingt sehr viel zum Humor des Films bei. Auch Daniel Radcliffes Darstellung des Harry Potter ist mir ehrlich gesagt zu fade. Radcliffe spielt mir allzu sehr zurückhaltend, vielleicht nicht ganz so stark wie im ersten Film. Emma Watson tritt gegenüber ihrer Rolle in „Harry Potter und der Stein der Weisen“ weit zurück. Rupert Grint, der mir im ersten Film sehr gut gefallen hat, übertreibt seine Angstzustände ab und zu ein wenig.
Insgesamt spukt es mehr, Spinnen krabbeln des öfteren vorbei und auch der Kampf mit dem Ungeheuer ist sicherlich gruseliger als in Columbus erstem Film. Tricktechnisch ist er besser gemacht als sein Vorgänger. Das alles kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass – auch wenn dem Film möglicherweise wieder ein Millionenerfolg ins Haus steht und die Kassen schier endlos klimpern werden – die Potter-Adaption in dieser Art und Weise einer stark an der Vorlage klebenden Inszenierung am Ende ist. Mag sein, dass auch der dritte Film wieder erfolgreich sein wird, wenn er in gleicher Weise inszeniert wird. Trotzdem: Dadurch dass Columbus vom Roman nicht abweicht, hangelt sich der Plot gehetzt von einem Schauplatz zum anderen, ohne zwischendurch einmal Luft zu holen. Kaum ist eine Szene so richtig am Laufen, wechselt das Bild zur nächsten. Darunter leiden Geschichte wie Personen. Kaum eine der Figuren ist als Charakter mit Tiefgang zu erkennen, höchstens Branagh, Griffiths und Coltrane. Die große Schauspielergarde der anderen hingegen spielt routiniert, aber eben nicht großartig. Charakterdarsteller wie Harris und Maggie Smith sind als solche kaum zu erkennen.
Zwar kann „der Neue“ Kenneth Branagh ein paar Minuten lang Ruhe, Gefühl und Persönlichkeit ins Geschehen bringen und seinen großen Kollegen die Show stehlen, doch dann geht der Spurt über lange 158 Minuten weiter. Die beiden Filme unterscheiden sich in der Art der Handlung, Inszenierung, Figuren letztlich in keiner Weise. Es hätte dem Film besser getan – was Frau Rowling allerdings wohl abgelehnt hatte –, wenn sich Columbus von der Vorlage hier und da getrennt hätte. So verpufft der Schluss, wen wundert’s, in einem butterweichen Happy-Hour-End vor versammelter Mann- und Frauschaft.
Fazit
Routine – das ist wohl der Begriff, der den zweiten Potter-Film am besten umschreibt. Und Routine allein ist nicht unbedingt eine Empfehlung für einen Film. „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ ist kein schlechter Film, aber auch kein herausragender. Kinder wird er erfreuen, sicherlich auch etliche Erwachsene. Die Befürchtungen, die Freigabe ab sechs Jahre sei falsch angesichts brutaler Szenen, halte ich für unsinnig. Der Film ist nicht brutaler als jedes zweite Grimm-Märchen, in dem Hexen verbrannt und giftige Äpfel gegessen werden.
Wertung: 6 von 10 Punkten.
Harry Potter und die Kammer des Schreckens
(Harry Potter and the Chamber of Secrets)
USA 2002, 158 Minuten
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Steven Kloves, nach dem Roman von Joanne K. Rowling
Musik: John Williams
Kamera: Roger Pratt
Schnitt: Peter Honess
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Daniel Radcliffe (Harry Potter), Emma Watson (Hermine Granger), Rupert Grint (Ron Weasley), Richard Harris (Albus Dumbledore), Magge Smith (Prof. Minerva McGonagall), Kenneth Branagh (Gilderoy Lockhart), Robbie Coltrane (Hagrid), Alan Rickman (Prof. Severus Snape), Warwick Davis (Prof. Filius Flitwick), Sean Biggerstaff (Oliver Wood), Shirley Henderson (Moaning Myrtle), Miriam Margolyes (Prof. Sprout), Alfred Burke (Armando Dippet), Sally Mortemore (Irma Pince), David Bradley (Argus Filch), John Cleese (Fast kopfloser Nick), Richard Griffiths (Onkel Vernon Dursley), Jason Isaacs (Lucius Malfoy), Fiona Shaw (Tante Petunia Dursley), Julian Glover (Aragog), Tom Felton (Draco Malfoy), Gemma Jones (Madam Pomfrey), Christian Coulson (Tom Riddle)
Offizielle Homepage: http://www.harrypotter.de
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0295297
Weitere Filmkritik(en):
„FilmTabs“ (Günter H. Jekubzik):
http://www2.arena.de/FILMtabs/archiv/H/Harry%20Potter%20und%20die%20Kamme.html
„Shadows on the Wall“ (Rich Cline):
http://www.shadowsonthewall.co.uk/swharcha.htm
© Ulrich Behrens 2002 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de
29 Bewertungen, 2 Kommentare
-
05.04.2010, 12:00 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvollden ersten potter-film fand ich mit abstand den besten, was jedoch nicht für deinen bericht zutrifft. aber eigentlich könnte ich mir die filme, ich weis nicht mal ob wir alle haben, mal wieder anschauen. vielleicht hat sich meine meinung auch wieder geändert, denn ein paar jährchen liegen schon dazwischen. toller bericht, ein bw und ganz liebe grüße
-
20.12.2006, 19:16 Uhr von Sayenna
Bewertung: sehr hilfreichsh & Kuss :-)
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