Der Vogelmann (Taschenbuch) / Mo Hayder Testbericht

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ab 8,78
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Erfahrungsbericht von vampire-lady

Piep, piep, piep

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich rollte vor ein paar Wochen so fröhlich bei Karstadt auf der Rolltreppe rum und guckte mehr aus Langeweile mal nach unten, was es denn im Sonderpostenbereich so gäbe und fand dort ein paar Tische mir Remittendenausgaben vor. Eigentlich habe ich in Kramkisten selten Glück, aber diesmal sah ich schon von fern den Titel „der Vogelmann“ von Mo Hayder – irgendwie hatte ich dazu was im Hinterkopf und erteilte mir einen Kaufbefehl (nicht den einzigen an diesem Tage, ich griff dreimal glücklich in die Kramkiste).

Die Goldmann-Taschenbuch-Ausgabe ist normalerweise mit € 10,- ausgepreist und umfasst gute 400 Seiten (für Interessierte: bei ebay müsste man das Buch mit etwas Geschick für nen Euro abgreifen können). Bei dem Buch handelt es sich um einen Thriller und für mich um ein Experiment, nachdem ich von Jilliane Hoffmans hochgelobten Roman „Cupido“ so enttäuscht war. Ich bin kein Fan von Krimis oder Thrillern und gerade die Thematik des Serienkillers geht mir mittlerweile ungemein auf den Zeiger. Hannibal Lector sei verflucht! Ich hatte über „der Vogelmann“ viel positives gehört und wollte dem Genre einfach mal wieder eine Chance geben – und ich war sogar recht angetan von Mo Haiders Buch.

Blickt man auf Hayders Lebensgeschichte, von der Londoner Kellnerin, zur Reporterin in Tokio und Asienreisenden bis zur Rückkehr nach London kann man wohl behaupten, daß sie das Umfeld der Handlung treffend in den Roman einbringt. Der Thriller spielt in London unserer Zeit, die Originalausgabe wurde im Jahr 2000 (The Birdman) veröffentlicht und spielt größtenteils in der Londoner Amüsierszene, wo sich eine ehemalige Kellnerin wohl zurechtfinden sollte.

Inspektor Jack Caffery sieht sich einem Serienkiller gegenüber, der nicht nur eine sexuelle Vorliebe für Leichen hat, nein diese sollten auch noch blond sein und nicht allzu große Brüste haben – wenn das „Material“ nicht passt, wird halt chirurgisch noch einmal ordentlich nachgeholfen oder eine blonde Perücke angetackert – dieses allerdings vor dem Dahinscheiden des Opfers. Außerdem näht der Killer den Opfern lebende Vogel in den Brustkorb, wo diese qualvoll ersticken.

(Ehrlich gesagt wird dieser Punkt nicht gewürdigt. Mir fällt da meine Freundin ein, die bei jedem Western den wir sahen losjaulte: „die armen Hühner“ – wenn mal wieder ein Cowboyschar in eine Hühnerherde hineingaloppierte. Genauso geht es mir hier mit den armen Vögeln, aber das interessiert in dem Buch kein Schwein.)

Natürlich verliebt Caffery sich in eine Frau, die entfernt in den Fall involviert ist. Und natürlich hat Caffery eine absolute Vollmeise, die er mit sich herumträgt, musste er doch als Kind miterleben, wie sein Bruder einfach verschwand. Jack verdächtigt seither seinen Nachbarn und die beiden treiben so ihre Psychospiele miteinander, Jack hat da einen nicht ganz unbegründeten Verfolgungswahn entwickelt – verbunden mit einem Minderwertigkeitskomplex, da er meint, seinen Eltern wäre es lieber gewesen, wenn er statt seines Bruders gestorben wäre. Dabei ist Jack im Grunde genommen ein ganz angenehmer Zeitgenosse. Kein Hero, kein Blödmann – er könnte echt hier nebenan wohnen. (oder besser nicht, HIER wohnen nur Blödmänner!) In die Handlung eingeflochten sind einige Begebenheiten aus seinem spärlichen Privatleben – und um seine dämliche Ziege von Freundin, die ihn mit allen Tricks in den Hafen der Ehe locken will.

Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen.

Auch wenn ich gleich wieder ein wenig herumnölen muß, will ich vorab sagen, daß mir der Wälzer wirklich gut gefallen hat. Ich mag Jack, er ist kein Held, er ist schlicht und einfach in Ordnung – mir gefällt der Aufbau und die gewählte Erzählweise, die geschickt an Jacks Ermittlungsstand angepasst ist. Die Erzählperspektive wechselt, später auch zum Mörder, aber ohne dem Leser dabei zuviel zu verraten. Ich finde, das wurde echt gut gemacht.

Auch im Hinblick auf den Mörder hat Hayder eine nette Überraschung im Köfferchen, nichts wirklich bahnbrechendes, aber ich war doch erstaunt. Hatte ich diesmal nicht die leiseste Ahnung davon, wie es ab einer bestimmten Stelle wohl weitergeht. In dem Punkt wird die Handlung auch um einiges makabrer, düsterer und schneller. Leider war ich dafür aber im Zusammenhang mit den Vögeln wieder sehr schnell auf der richtigen Spur.

Jack gibt in diesem Buch einen Einzelkämpfer, allerdings nicht im Sinne von Dirty Harry. Jack versucht den Fall wie ein Profiler zu lösen, was seit ein paar Jahren wohl durchaus ein Medientrend geworden ist. Da ein Polizeibonze davon nicht viel hält, und auf schnelle Ergebnisse drängt, muß Jack nun sehen, wie er sich durch den Fall wuselt – auf dem schmalen Grat zwischen seinen Befehlen und seiner Ermittlungstaktik, das verzögert und verkompliziert seine Ermittlungen, vergrößert aber wiederum die Spannung.

Das Buch ist durch und durch spannend – lässt allerdings auch wenige Klischees aus, zwar wird das Buch dadurch nicht schlecht, aber sie fallen doch unangenehm auf. Das fängt schon an, als das Telefon nachts bei Jack klingelt... Leichen werden grundsätzlich nachts gefunden – und auch das Drumherum ist allzu üblich. Der irgendwie witzig-seltsame, aber sympathisch Kollege, der Chef, der sich mit seinen Vorgesetzten und der Presse rumärgern muß – eine andere Einheit, die ihre Griffel nach dem Fall ausstreckt und fast alles verhunzt, natürlich inclusive des Schleimers, der –wäre es ein amerikanischer Krimi- glatt vom FBI sein könnte. Die übliche Verpackung eben. Hinzu kommt der übliche schwarze und bittere Humor den Ermittler in diesem Genre besonders an Tatorten an den Tag legen. Ich finde das durchaus nachvollziehbar, grinse mir meist einen, kenne aber mittlerweile auch den ein oder anderen Leser, dem das übel aufstößt.

Im Groben aber bin ich zufrieden mit der Lektüre. Die Geschichte ist gut erzählt, spannend und die Schreibweise versteht zu fesseln, so daß ich auch hier wieder den Nachtschichtbonus (=eigentlich schlafen gehen sollen, aber Buch nicht weglegen wollen) vergeben kann.

111 Bewertungen, 18 Kommentare

  • tratschtante

    27.07.2008, 21:21 Uhr von tratschtante
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht. wünsche eine schönen Sonntag. lg

  • ingoa09

    27.07.2008, 19:39 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine gute Buchbesprechung! Liebe Grüße, Ingo

  • flowerdoro

    15.01.2006, 16:19 Uhr von flowerdoro
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner bericht, lg

  • Fluetie

    30.12.2005, 14:30 Uhr von Fluetie
    Bewertung: sehr hilfreich

    :-) lg Dirk

  • LilaLisa

    22.12.2005, 21:54 Uhr von LilaLisa
    Bewertung: sehr hilfreich

    Informativ;-) <br/>Lg Lisa

  • MasterDeniz

    18.12.2005, 19:46 Uhr von MasterDeniz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr Hilfreich! gegenlesen macht freude :-)

  • The_Ghostwriter

    17.12.2005, 00:19 Uhr von The_Ghostwriter
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich werd mich mal auf dein urteil verlassen und reinlesen. lg TG

  • anonym

    12.12.2005, 20:58 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    :-) LG Birgit

  • NancyNoack

    02.12.2005, 12:41 Uhr von NancyNoack
    Bewertung: sehr hilfreich

    super Bericht

  • Chrillemaus

    18.11.2005, 20:03 Uhr von Chrillemaus
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • sindimindi

    10.11.2005, 22:04 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wie kann man nur auf solch grauenvolle Ideen kommen? - wär' nix für mich...;-) <br/>LG, Roland

  • Lotosblüte

    07.11.2005, 23:38 Uhr von Lotosblüte
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht - ist aber grauslich. <br/>lg

  • animaldream

    04.11.2005, 07:21 Uhr von animaldream
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht!

  • Cicila

    30.10.2005, 20:57 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich mag Krimis eigentlich nicht, aber der Vogelmann hört sich gar nicht so schlecht an, vllt. sollte ich ihn mal lesen. <br/>LG Cicila

  • crazygirl046

    24.10.2005, 01:27 Uhr von crazygirl046
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hört sich sehr interessant an. LG Jasmin

  • bluesearose

    23.10.2005, 17:36 Uhr von bluesearose
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht

  • feldhase

    15.04.2005, 01:55 Uhr von feldhase
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein guter Roman ist mir immer willkommen - mal sehen... ;-) sh - LG vom Feldhasen

  • Madrianda

    08.07.2004, 21:53 Uhr von Madrianda
    Bewertung: sehr hilfreich

    Für gute Schmöker-Tipps bin ich immer zu haben und so werde ich dieses Buch sicherlich auf meine Vormerkliste setzen. Übrigens: Cupido hatte ich neulich auch gelesen. Schlecht fand ich es nicht, eigentlich relativ spannend, doch die Erwartun