Die Behandlung (gebundene Ausgabe) / Mo Hayder Testbericht

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Erfahrungsbericht von SeeHummel

Nicht jeder d. ein Kind schändet ist ein Päderast

Pro:

stimmt nachdenklich und ist trotz der Thematik spannend

Kontra:

am Buch nichts

Empfehlung:

Ja

Hallo ihr Lieben,

um die Weihnachtszeit habe ich mir einfach mal ein paar Tage frei genommen, obwohl ich eigentlich was für meine Prüfung hätte machen sollen, aber ich denke mal, so ein bißchen frei braucht jeder *jaja, auch Studenten!!!*. Da das Wetter nun nicht gerade lockt sich draußen zu betätigen, habe ich die Zeit zum Lesen genutzt und u.a. ein weiteres Werk der Autorin Mo Hayder verschlungen, um welches es mir in diesem Bericht gehen soll.

Die Autorin
*~*~*~*~*~*~*~*

Mo Hayder wurde in Essex geboren, verließ mit 15 ihr Zuhause, um in London das Abendteuer zu suchen, und hat später viele Jahre im Auslang verbracht. Sie arbeitete in Bars und Kneipen, heiratete, zog nach Japan und jobbte eine Weile in Tokio, wo sie auch für englische Zeitungen schrieb. Später bereiste sie weitere Teile Asiens und absolvierte anschließend ein Studium an einer amerikanischen Filmhochschule. Mo Hayder lebt heute als freie Schriftstellerin in London.

***Quelle: Autoreninformation der TB-Ausgabe des Goldmann Verlags \'Die Behandlung\'***

Inhalt
*~*~*~*~*

Es ist unfassbar was im Hause der Familie Peach stattgefunden hat. Die gesamte Familie wurde von einem Irren in ihrem Haus gefangen gehalten und misshandelt und dies über mehrere Tage. Wer weiß wie lang dies noch weiter gegangen wäre, hätte nicht ein Ladenbesitzer aus der Nachbarschaft an der Tür geklingelt. Dies hat der Familie allerdings nicht geholfen - im Gegenteil - da sich der gestörte Täter mit dem kleinen Sohn der Peachs auf die Flucht begeben hat.

Detective Jack Caffery glaubt allerdings, dass sich Täter und Opfer Rory noch in dem nahen Park befinden und leitetet sofort die Suche ein. Leider zunächst ohne Erfolg und auch die Angaben der Eltern können dem Detective nicht sonderlich weiter helfen, da irgendwas daran nicht stimmen kann - sie widersprechen sich viel zu sehr, auch wenn die Eheleute Peach getrennt voneinander gefangen gehalten wurden. Caffery gibt die Hoffnung allerdings nicht auf, den Jungen in besagtem Park zu finden und er ist sich auch sicher, dass es sich bei dem Verbrechen nicht nur um eine Kindesentführung handelt, vor allem als er bei seinen Recherchen durch die Aussagen einiger Kinder, dass das nur der Troll gewesen sein kann, an einen etwa 20 Jahre zurückliegenden Fall erinnert wird.

Drei Tage nach dem Verschwinden von Rory wird dieser tot in der Krone eines Baumes in dem Park nahe seinem Elternhaus gefunden und der Detective sowie seine Vorgesetzte sind sich einig, dass der Täter sicher schon seine nächsten Opfer im Visier hat. Allerdings gerät gerade Caffery auf eine ganz falsche Spur, da durch die Ermittlungen auch die Erinnerung an seinen Bruder Ewan zutage kommt, welcher mit 11 Jahren wahrscheinlich auch einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und Jack ist sich auch sicher wer der Täter ist - sein wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafter Nachbar. Caffery verstrickt sich immer mehr in den Hass auf seinen Nachbarn und der Idee, das ein ganzer Ring pädophiler hinter der Sache steckt, so dass er wichtige Hinweise leichtfertig übergeht.

Die Sache spitzt sich dramatisch zu, als Jack dem Schicksal seines damals verschwundenen Bruders immer näher kommt, denn seine Beziehung zu der Künstlerin Rebecca, welche er durch die Klärung eines früheren Verbrachens kennen gelernt hat *nachzulesen in Mo Hayder - Der Vogelmann* scheint auch aus diesem Grund zu Verbrachen.

Wer der Täter ist und wie krank er insgesamt gesehen wirklich ist, dass solltet ihr selber lesen.

Meinung
*~*~*~*~*~*~*~*

Insgesamt ist zunächst zu sagen, dass dieser Roman Hayders einfach nur ... krass *entschuldigt, aber ich finde kein anderes Wort* ist. Es handelt sich auch bei \'Die Behandlung\' nicht nur um einen einfachen Krimi, sondern um einen Roman, der extrem mit der Psyche des Lesers spielt und man teilweise schon \'Angst\' bekommt, ob die Geschichte vielleicht doch nicht nur der Fantasie der Autorin entsprungen ist, da das Geschehen irgendwo auch so echt wirkt.

Wer dieses Buch liest sollte nicht unbedingt zart besaitet sein, denn *um auch noch ein wenig auf meinen Berichttitel einzugehen* es ist nicht gerade leichter Tobak mitzuverfolgen, wie Caffery und seine Kollegen nach und nach herausfinden, wie der Vater von Rory Peach dazu gezwungen wurde seinen eigenen Sohn zu vergewaltigen, damit dieser nicht von dem \'Troll\' umgebracht wird. Es ist wirklich schrecklich, wenn man sich vorstellt, was die Familie und auch die neuen Opfer des \'Trolls\', durchmachen mussten/müssen und was eben noch viel grausamer ist, ist der Gedanke, dass es leider so kranke \'Menschen\' auf dieser Welt wirklich geben könnte.

Mo Hayder hat es meiner Meinung nach sehr gut geschafft die wichtigsten Charaktere genügend zu beleuchten ohne dabei seitenlang nur von einer Person zu erzählen. Auch die Verbindung zu Cafferys früherem Fall fand ich sehr gut gemacht, da auch Leser die \'Der Vogelmann\' noch nicht gelesen haben, das Geschehen dennoch genauestens verfolgen können. Auch in \'Die Behandlung\' bedient sich Hayder der Technik die \'Geschichte\' nicht nur in Kapitel zu unterteilen, sondern die einzelnen Kapitel auf eine gewisse Art und Weise nochmals zu unterteilen, da sie immer wieder zwischen den Schauplätzen und dem Geschehen um bestimmte Personen hin und her springt. D.h. befinden wir uns gerade noch mit Caffery auf Ermitlungstour oder auf der fanatischen Suche nach seinem Bruder Ewan, verfolgen wir auf der nächsten Seite schon wieder das Geschehen im Haus der Opfer, um dann zu einer ganz anderen Person und Situation zu springen. Hört sich vielleicht so erzählt jetzt etwas verwirrend an, aber ich kann versichern, dass es dies ganz und garnicht ist. Im Gegenteil, die Spannung wird so einerseits immer mehr aufgebaut und andererseits kann man sich streckenweise von gewissen Sachen, wie Schilderungen der Handlungen des Täters, erholen.

Grandios ist auch, wie es Hayder geschafft hat drei extreme Geschichten und weitere Nebenhandlungen zu verbinden ohne das man als Leser verwirrt wird und in bestimmten Sachen nicht mitkommt. Drei extreme Geschichten deswegen, da wir einerseits verfolgen, wie die Ermittlungen im Fall Peach von statten gehen und den damit zusammenhängenden Schilderungen was der Täter gerade macht, zweitens kommt die Problematik dazu, die sich zwischen Rebecca und Jack aufbaut, da beide nicht mit der Vergewaltigung Rebeccas und Jacks Fanatismus in Bezug auf Ewan klar kommen, und drittens Jacks Suche nach Ewan die *was aber nur der Leser weiß* fasst von Erfolg gekrönt ist, da Jack seinem Bruder näher kommt als er denkt. Gerade dieser Punkt ist auch so seine Sache, wo man als Leser ab und an gern einschreiten würde, da Jack seinem geliebten Bruder schon zum Greifen nahe ist und er noch nicht mal den Hauch einer Ahnung hat, dass Ewan überhaupt noch lebt und man dann als Leser am Ende im Unklaren bleibt was nun aus Ewan wird.

Wie gesagt ist dieses Buch schon von der Thematik her nicht unbedingt immer leicht verdaulich, was durch die Sprache teilweise noch gefördert wird, denn wer bei gewissen Schimpfwörtern rote Ohren bekommt, sollte bei dieser Lektüre die Mütze etwas tiefer ziehen.

Bleibt zum Schluß nur zu sagen, dass ich dieses Buch an alle Fans solcher Lektüre nur empfehlen kann, ohne aber zu vergessen noch zu sagen, dass der genaue Leser sicherlich einiges zu grübeln haben wird, denn man macht sich schon so seine Gedanken, ob man vielleicht anders reagiert hätte als gewisse Personen. So zum Beispiel wie die Freundin der zweiten Opferfamilie. Diese erfährt von Jack, dass Misses Peach vor dem Angriff des \'Trolls\' einen unangenehmen Geruch im Haus bemerkt hat, das Rory trotz seiner 8 Jahre auf einmal begann in Betten zu urinieren und das die Familie am Tag des Angriffs eigentlich gerade in den Urlaub fahren wollte und deswegen zunächst keiner stutzig wurde, dass die Familie mehrere Tage nicht gesehen wurde. Auch ihre Freundin hatte einen unangenehmen Geruch im Haus wahrgenommen, ihr Sohn begann anscheinend auf einmal trotz seiner 9 Jahre in Betten zu urinieren und auch sie wollen gerade in den Urlaub fahren, wohnen dazu auch noch in der Nähe des Parks wo Rorys Leiche gefunden wurde und dennoch sagt sie Jack nichts davon, obwohl sie kurzzeitig stutzig wird und verdrängt die unangenehmen Gedanken daran wieder.

Wie gesagt, wer sich zutraut mit dieser Thematik klar zu kommen, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen, da es auch mit einem Preis von 9,90€ als Taschenbuchausgabe nicht zu teuer ist.

Ich entschwinde nun wieder ...

*winke* eure Hummel

22 Bewertungen, 2 Kommentare

  • ingoa09

    28.09.2008, 02:47 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine sehr gute Buchbesprechung! Liebe Grüße, Ingo

  • frankensteins

    21.09.2008, 19:52 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Sonntagsgrüße