Hofbräuhaus Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von LosGatos
In München steht ein Hofbräuhaus
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Am 1. März jährte sich zum 22. Mal der Tag, wo ich alle meine Sachen packte und damit meinen Golf bis unter das Dach voll lud, um damit die Reise nach München an zu treten. Seit dem arbeite ich in der bayerischen Hauptstadt.
Ehrlich gesagt, bin ich hier nie richtig heimisch geworden. Das Leben in München hat dabei durchaus seine Vorteile (von Nachteilen wie hohen Lebenshaltungskosten will hier gar nicht reden), denn die Nähe zu den Alpen oder den bayerischen Seen und die große Zahl von kulturellen Veranstaltungen ergeben einen hohen Freizeitwert. Aber was sind Berge schon für einen, der sich den „Gente di Mare“ mehr verbunden fühlt.
Ein bayerischer Witz fragt danach, wie man einen „Preiß’“ (Zugereister) am meisten ärgern kann. Antwort: Indem man ihm die Lederhose wegnimmt. Der Witz spielt darauf an, dass es manchen Zugereisten gar nicht schnell genug geht, als Bayer anerkannt zu werden. Das äußert sich dann im Tragen besagter bayerischer Tracht und darin, dass man nur noch „Radl fährt“, im Geschäft „ein Stückerl Kas’“ verlangt und aus „dem Haferl trinkt“.
Ich (LosGatos) dagegen leugne auch heute meine Herkunft nicht. Schon bald verstand ich bayerisch zwar recht gut, im Gegensatz zu anderen Fremdsprachen spreche ich es jedoch bis heute nicht. Den FC Bayern München verabscheue ich seit eh und je ebenso wie die Partei, die diesen Freistaat beherrscht.
Dagegen schätze ich den weiß-blauen Himmel (insbesondere dann, wenn er so grau ist wie heute) und einen Besuch im Biergarten im Sommer. Und damit bin ich schon fast beim eigentlichen Thema. München und Bayern wird ja weltweit mit Biergenuss verbunden, sei es auf dem jährlichen Oktoberfest, der Wies’n, oder in einem weltberühmten Gasthaus, dem Münchner Hofbräuhaus. Da ich diesen Arten sogenannter bayerischer Gemütlichkeit doch eher distanziert gegenüberstehe, war ich in all den Jahren keine 10mal auf der Münchner Wies’n und genau 4mal im Hofbräuhaus. In letzterem zuletzt vor zwei Tagen anlässlich des Münchner CIAO-Stammtisches.
Von jetzt an geht es nur noch um dieses Hofbräuhaus.
GESCHICHTE
Das Hofbräuhaus wurde 1589 auf Betreiben von Herzog Wilhelm dem V. (auch der Fromme genannt) erbaut. Der Grund lag darin, dass das einheimische Bier ihm und seinem Hofstaat nicht schmeckte und er es leid war, ständig eimerweise Bier aus dem niedersächsischen Einbeck (nach dem dortigen Bock-Bier fragt kürzlich auch Günter Jauch) heranschaffen lassen zu müssen. Somit beauftragte er Heimeran Pongraz mit dem Bau einer hofeigenen Brauerei mit angeschlossenem Gasthaus. Letzterer fungierte auch gleich als der erste Braumeister.
Das Hofbräuhaus wurde auch dank eines Liedes weltbekannt. „In München steht ein Hofbräuhaus, eins, zwei, g’suffa...“ kennt wohl jeder. Komponist dieses Liedes war übrigens ein Berliner.
LAGE
Das Hofbräuhaus liegt in der Münchner Innenstadt, Am Platzl 9. Da ich so selten dort war, kann ich auch nie beschreiben, wie man dort hinkommt. Ich gehe immer der Nase nach...und finde es meist sehr schnell. Es liegt jeweils ca. 5-10 Gehminuten von den U-Bahnstationen Odeonsplatz und Marienplatz entfernt. Vom Marienplatz geht man in östlicher Richtung Richtung Tal, muss sich dann aber mehr links halten. Durch enge Gassen gelangt man zum Platzl. Allein diese Gegend macht einen Besuch des Hofbräuhauses lohnenswert. Denn zwischen den teils uralten Gemäuern befindet man sich in einer der schönsten und sehenswertesten Ecken Münchens.
GRÖSSE UND ETWAS STATISTIK
Im Erdgeschoss befindet sich die sogenannte Schwemme (Hauptlokal). Im oberen Stockwerk (separater Eingang) liegt die Trinkstube (kleinere Tische). Außerdem gibt es noch für besondere Großereignisse einen Festsaal und im Sommer einen Biergarten. Im Internet unter www.hofbraeuhaus.de kann man sich einen Eindruck verschaffen. Dort gibt es übrigens auch Einblick in bayerische Rezepte wie ‚Obazter’.
Derzeit hat das Hofbräuhaus an die 200 Mitarbeiter. 5000 Gäste verzehren täglich 4000 Essen und trinken 50 hl Bier. Natürlich verfügt ein derartiger Großbetrieb auch über eine hauseigene Metzgerei.
MEIN EINDRUCK
Vom U-Bahnhof Odeonsplatz kommend, gehe ich am Nationaltheater vorbei. Dort strömen gerade die Opernbesucher ein. Es herrscht reger Betrieb. Durch die Fußgängerzone (ein Fahrrad-Rambo fährt mich fast über den Haufen) gelange ich, mich links haltend, bald zum Platzl. Es ist ein lauer, trockener Wintertag. Somit lässt sich der Spaziergang durch die engen Gassen regelrecht genießen (abgesehen vom Fahrrad-Rambo).
Pünktlich um 19Uhr bin ich da. Ich gehe erst mal unten in die Schwemme. Ein riesiger Saal mit unzähligen Stammtischen, wie man an festinstallierten Schildern erkennen kann. Damit ist für mich gleich mal das Vorurteil ausgeräumt, das Hofbräuhaus sei in erster Linie nur noch für die Touristen da. Ich drehe mehrere Runden, von einem CIAO-Stammtisch oder bekannten Gesichtern aber kein Spur. Bayerische Kellnerinnen wie z.B. auch auf dem Oktoberfest sind ja für ihre etwas derbe Art bekannt. Mittlerweile haben sie männliche Unterstützung vornehmlich aus Osteuropa. Ein rüdes Exemplar aus dieser Region droht mir gleich, mir den Schädel mit einem Maßkrug zu zertrümmern, nur weil ich ihm im Weg stehe. Somit sehe ich mich hier nicht als gern gesehener Gast, sondern unwillkommener Eindringling.
Jedenfalls herrscht zu dieser Zeit Vollbetrieb. Wer hier mit mehr als 2 Personen zechen möchte, sollte vorher unbedingt reservieren.
An zentraler Stelle ist der Platz für die Kapelle. Allerdings spielt sie zu dieser Uhrzeit noch nicht.
Ein anderer Besucher, der wie ich (LosGatos) suchend wirkt, konsultiert gerade einen Kellner, ebenfalls wegen CIAO-Stammtisch. Das müsse wohl oben in der Trinkstube sein, weiß eine Kollegin.
Also lerne ich die Trinkstube auch kennen. Für größere Runden muss man hier ein paar Tische zusammenstellen.
Die Speisekarte ist längst nicht mehr rein bayerisch gehalten, sondern auch englisch, um den Touristen entgegenzukommen. Die dargebotenen Speisen dagegen sind meist landestypisch, Schweinsbraten oder Haxn sind an der Tagesordnung. Eine Portion Leberkäse mit Kartoffelsalat kostet knapp 6 EURO, ein Weißbier 3,30EURO. Das ist nicht unbedingt billig, aber für ein stark frequentiertes Lokal und in Anbetracht inbegriffenen Entertainments durchaus angemessen. Letzteres liefert ein Keyboard-Spieler, der nicht nur typisch bayerische Musik, sondern mehr internationale Stimmungslieder zum Besten gibt. Die Speisen werden sehr schnell serviert, die Qualität (insbesondere die des Kartoffelsalats) ist doch eher mäßig.
Als ich gegen 23 Uhr aufbreche, kommen mir auf dem Weg zur U-Bahn wieder die Schwärme schwarzberobter Opern-und Theaterbesucher entgegen. Alles in allem hat sich der Abend gelohnt.
FAZIT
Das Hofbräuhaus, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann, ist heute noch regelmäßiger Treffpunkt vieler Stammtische und Attraktion für Touristen aus aller Welt. Für einen wie mich, der kein Anhänger bayerischer Bierseligkeit und erzwungener Stimmungsmache ist, wird es auch in Zukunft nicht zum Lieblingslokal werden. Das alte Münchner Viertel, in dem es liegt, wird aber in Zukunft schon mal wieder einen kleinen Bummel für mich wert sein.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 2.3.2002 (veröffentlicht bei CIAO, Dooyoo, eComments, YOPI)
Ehrlich gesagt, bin ich hier nie richtig heimisch geworden. Das Leben in München hat dabei durchaus seine Vorteile (von Nachteilen wie hohen Lebenshaltungskosten will hier gar nicht reden), denn die Nähe zu den Alpen oder den bayerischen Seen und die große Zahl von kulturellen Veranstaltungen ergeben einen hohen Freizeitwert. Aber was sind Berge schon für einen, der sich den „Gente di Mare“ mehr verbunden fühlt.
Ein bayerischer Witz fragt danach, wie man einen „Preiß’“ (Zugereister) am meisten ärgern kann. Antwort: Indem man ihm die Lederhose wegnimmt. Der Witz spielt darauf an, dass es manchen Zugereisten gar nicht schnell genug geht, als Bayer anerkannt zu werden. Das äußert sich dann im Tragen besagter bayerischer Tracht und darin, dass man nur noch „Radl fährt“, im Geschäft „ein Stückerl Kas’“ verlangt und aus „dem Haferl trinkt“.
Ich (LosGatos) dagegen leugne auch heute meine Herkunft nicht. Schon bald verstand ich bayerisch zwar recht gut, im Gegensatz zu anderen Fremdsprachen spreche ich es jedoch bis heute nicht. Den FC Bayern München verabscheue ich seit eh und je ebenso wie die Partei, die diesen Freistaat beherrscht.
Dagegen schätze ich den weiß-blauen Himmel (insbesondere dann, wenn er so grau ist wie heute) und einen Besuch im Biergarten im Sommer. Und damit bin ich schon fast beim eigentlichen Thema. München und Bayern wird ja weltweit mit Biergenuss verbunden, sei es auf dem jährlichen Oktoberfest, der Wies’n, oder in einem weltberühmten Gasthaus, dem Münchner Hofbräuhaus. Da ich diesen Arten sogenannter bayerischer Gemütlichkeit doch eher distanziert gegenüberstehe, war ich in all den Jahren keine 10mal auf der Münchner Wies’n und genau 4mal im Hofbräuhaus. In letzterem zuletzt vor zwei Tagen anlässlich des Münchner CIAO-Stammtisches.
Von jetzt an geht es nur noch um dieses Hofbräuhaus.
GESCHICHTE
Das Hofbräuhaus wurde 1589 auf Betreiben von Herzog Wilhelm dem V. (auch der Fromme genannt) erbaut. Der Grund lag darin, dass das einheimische Bier ihm und seinem Hofstaat nicht schmeckte und er es leid war, ständig eimerweise Bier aus dem niedersächsischen Einbeck (nach dem dortigen Bock-Bier fragt kürzlich auch Günter Jauch) heranschaffen lassen zu müssen. Somit beauftragte er Heimeran Pongraz mit dem Bau einer hofeigenen Brauerei mit angeschlossenem Gasthaus. Letzterer fungierte auch gleich als der erste Braumeister.
Das Hofbräuhaus wurde auch dank eines Liedes weltbekannt. „In München steht ein Hofbräuhaus, eins, zwei, g’suffa...“ kennt wohl jeder. Komponist dieses Liedes war übrigens ein Berliner.
LAGE
Das Hofbräuhaus liegt in der Münchner Innenstadt, Am Platzl 9. Da ich so selten dort war, kann ich auch nie beschreiben, wie man dort hinkommt. Ich gehe immer der Nase nach...und finde es meist sehr schnell. Es liegt jeweils ca. 5-10 Gehminuten von den U-Bahnstationen Odeonsplatz und Marienplatz entfernt. Vom Marienplatz geht man in östlicher Richtung Richtung Tal, muss sich dann aber mehr links halten. Durch enge Gassen gelangt man zum Platzl. Allein diese Gegend macht einen Besuch des Hofbräuhauses lohnenswert. Denn zwischen den teils uralten Gemäuern befindet man sich in einer der schönsten und sehenswertesten Ecken Münchens.
GRÖSSE UND ETWAS STATISTIK
Im Erdgeschoss befindet sich die sogenannte Schwemme (Hauptlokal). Im oberen Stockwerk (separater Eingang) liegt die Trinkstube (kleinere Tische). Außerdem gibt es noch für besondere Großereignisse einen Festsaal und im Sommer einen Biergarten. Im Internet unter www.hofbraeuhaus.de kann man sich einen Eindruck verschaffen. Dort gibt es übrigens auch Einblick in bayerische Rezepte wie ‚Obazter’.
Derzeit hat das Hofbräuhaus an die 200 Mitarbeiter. 5000 Gäste verzehren täglich 4000 Essen und trinken 50 hl Bier. Natürlich verfügt ein derartiger Großbetrieb auch über eine hauseigene Metzgerei.
MEIN EINDRUCK
Vom U-Bahnhof Odeonsplatz kommend, gehe ich am Nationaltheater vorbei. Dort strömen gerade die Opernbesucher ein. Es herrscht reger Betrieb. Durch die Fußgängerzone (ein Fahrrad-Rambo fährt mich fast über den Haufen) gelange ich, mich links haltend, bald zum Platzl. Es ist ein lauer, trockener Wintertag. Somit lässt sich der Spaziergang durch die engen Gassen regelrecht genießen (abgesehen vom Fahrrad-Rambo).
Pünktlich um 19Uhr bin ich da. Ich gehe erst mal unten in die Schwemme. Ein riesiger Saal mit unzähligen Stammtischen, wie man an festinstallierten Schildern erkennen kann. Damit ist für mich gleich mal das Vorurteil ausgeräumt, das Hofbräuhaus sei in erster Linie nur noch für die Touristen da. Ich drehe mehrere Runden, von einem CIAO-Stammtisch oder bekannten Gesichtern aber kein Spur. Bayerische Kellnerinnen wie z.B. auch auf dem Oktoberfest sind ja für ihre etwas derbe Art bekannt. Mittlerweile haben sie männliche Unterstützung vornehmlich aus Osteuropa. Ein rüdes Exemplar aus dieser Region droht mir gleich, mir den Schädel mit einem Maßkrug zu zertrümmern, nur weil ich ihm im Weg stehe. Somit sehe ich mich hier nicht als gern gesehener Gast, sondern unwillkommener Eindringling.
Jedenfalls herrscht zu dieser Zeit Vollbetrieb. Wer hier mit mehr als 2 Personen zechen möchte, sollte vorher unbedingt reservieren.
An zentraler Stelle ist der Platz für die Kapelle. Allerdings spielt sie zu dieser Uhrzeit noch nicht.
Ein anderer Besucher, der wie ich (LosGatos) suchend wirkt, konsultiert gerade einen Kellner, ebenfalls wegen CIAO-Stammtisch. Das müsse wohl oben in der Trinkstube sein, weiß eine Kollegin.
Also lerne ich die Trinkstube auch kennen. Für größere Runden muss man hier ein paar Tische zusammenstellen.
Die Speisekarte ist längst nicht mehr rein bayerisch gehalten, sondern auch englisch, um den Touristen entgegenzukommen. Die dargebotenen Speisen dagegen sind meist landestypisch, Schweinsbraten oder Haxn sind an der Tagesordnung. Eine Portion Leberkäse mit Kartoffelsalat kostet knapp 6 EURO, ein Weißbier 3,30EURO. Das ist nicht unbedingt billig, aber für ein stark frequentiertes Lokal und in Anbetracht inbegriffenen Entertainments durchaus angemessen. Letzteres liefert ein Keyboard-Spieler, der nicht nur typisch bayerische Musik, sondern mehr internationale Stimmungslieder zum Besten gibt. Die Speisen werden sehr schnell serviert, die Qualität (insbesondere die des Kartoffelsalats) ist doch eher mäßig.
Als ich gegen 23 Uhr aufbreche, kommen mir auf dem Weg zur U-Bahn wieder die Schwärme schwarzberobter Opern-und Theaterbesucher entgegen. Alles in allem hat sich der Abend gelohnt.
FAZIT
Das Hofbräuhaus, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann, ist heute noch regelmäßiger Treffpunkt vieler Stammtische und Attraktion für Touristen aus aller Welt. Für einen wie mich, der kein Anhänger bayerischer Bierseligkeit und erzwungener Stimmungsmache ist, wird es auch in Zukunft nicht zum Lieblingslokal werden. Das alte Münchner Viertel, in dem es liegt, wird aber in Zukunft schon mal wieder einen kleinen Bummel für mich wert sein.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 2.3.2002 (veröffentlicht bei CIAO, Dooyoo, eComments, YOPI)
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