Cupido (gebundene Ausgabe) / Jilliane Hoffman Testbericht

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ab 17,17
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Erfahrungsbericht von vampire-lady

Serienkilleransammlung

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich bin ja jetzt nicht so der Fan von Thrillern und Krimis, besonders nicht, wenn es um Serienkiller geht – seit den belämmerten Schweigern gibt es davon ja geradezu eine Ware Schwemme in Film und Literatur. Meinen letzten Thriller habe ich vor gut 10 Jahren gelesen und habe auch nichts vermisst. „Cupido“ von Jilliane Hoffman wurde mit von Amazon ans Herz gelegt. Der Roman erschien dieses Jahr erstmals bei Wunderlich und kostet meines Wissens nach € 19,90 als Hardcover. Irgendetwas in der Buchbeschreibung bei Amazon ist bei mir hängen geblieben, da ich aber wieder einmal ungelesene Bücher gestapelt habe und mir der Preis zu heftig war, habe ich das Buch weggeklickt, nur um ein paar Tage bei einem ebay-Bummel darauf zu stoßen, wo ich es dann rein „zufällig“ mal wieder ersteigert habe (upppppsi!). Jilliane Hoffman hat übrigens Ahnung von der Materie über die sie schreibt, war Staatsanwältin und Polizeiberaterin, aber das heißt noch lange nicht, daß sie auch Geschichten erzählen kann, also mal sehen.

Warum ich das jetzt doch gekauft habe? Mir hat das Wort „Vergeltung“ in der Beschreibung so gut gefallen, hat mich so schön an den Grafen von Monte Christo erinnert. Die Geschichte hat in ihren Grundzügen eine gewisse Analogie.

Vorab ein Wort zum Cover, schwarz-grau meliert mit goldener Schrift, sehr edel und düster, nur wozu man eine Art Schmetterling (dunkelrot) darauf platziert hat, bleibt mir schleierhaft – vielleicht um verkaufsfördernd, an „das Schweigen der Lämmer“ zu erinnern?

C. J. Townsend hat sich mit ihren 36 Jahren zu „der“ Top-Staatsanwältin in Miami hochgearbeitet. Momentan arbeitet sie am Fall ihres Lebens, zusammen mit einer Sonderkommission gelang es ihr, den „Cupido“ getauften Serienkiller dingfest zu machen. Nun gilt es ihm alle Morde nachzuweisen und den Prozess zu gewinnen. Da erkennt sie im Angeklagten den Kerl wieder, der sie 12 Jahre zuvor vergewaltigte und fast zu Tode gefoltert hat, womit er nicht nur ihren Körper, ihr ganzes Leben, sondern auch ihre Seele zerstörte. C. J. sieht nun ihre Chance Rache zu nehmen, gerät aber wieder in Gefahr daran kaputt zu gehen – und auch der Angeklagte erhofft sich ein neues Spiel.

Kurzum betrachtet, habe ich mehr erwartet. Das Buch hat annähernd 500 Seiten, erst auf Seite 254 verspürte ich zum ersten Mal Spannung aufkommen – 100 Seiten später gelang der Autorin die erste und einzige Überraschung des Buches, die sie aber schnell wieder kaputt macht. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Buch hätte 100 Seiten mehr oder auch weniger vertragen, einiges gehört gestrafft, zum Ende hin hätte man die Konfliktsituation mehr ausarbeiten können. Das Ende kommt irgendwo zu plötzlich und verheddert – möglicherweise ist dies aber auch ein Versuch, die Zerrissenheit der Protagonisten darzustellen.

Das Buch behandelt ansatzweise die Ermittlungsarbeiten der Polizei, in denen man an Serien wie „CSI“ denken mag, spielt aber hauptsächlich in Gerichtssälen oder in deren direktem Umfeld, hat aber auch Elemente des klassischen Psychothrillers.

Die erwarteten erzählerischen Schwächen habe ich auch bald entdeckt, da soll eine Droge Bewegungsunfähigkeit hervorrufen, die Frau kann die Zehen nicht bewegen aber den Kopf, was vielleicht medizinisch noch möglich ist. Oder sie kann in einem dunklen Zimmer rote Farbe erkennen (ohne beispielsweise ein Vampir zu sein). Mir sind ein paar Dinge dieser Art aufgefallen – ich lese gerade noch was von Diana Gabaldon und die bringt pausenlos so Klöpse, weshalb ich dafür sensibilisiert bin. Richtig gekugelt habe ich mich, als C. J. an einem brüllend heißen Tag nach hause kommt. Sie macht die Klimaanlage an – ok prima! kann ich nachvollziehen; um sich danach einen Flanellschlafanzug anzuziehen. Na gut, die Frau ist blond UND Amerikanerin! Hier keimte das erste Mal der Verdacht auf, daß gewisse Bilder in der Hoffnung auf eine mögliche Verfilmung aufgebaut wurden, denn wie der Täter später mit dem Schlafanzug umspringt, mag bildlich interessanter sein, als wäre es nur ein schlichtes Nachthemdchen.

Auch die Morde sind bizarr, blutig und makaber und könnten ohne weiteres mit „Sieben“ mithalten.

Bei unserem Killer musste ich grinsen – teilt er doch sein Hobby mit dem guten alten Norman Bates. Das mag jetzt eine Huldigung an Hitch sein, ich finde es eher abgedroschen. Leider erfährt man auch nicht die Motive, die zu den Morden führten, was ich als Leser doch gern erfahren hätte. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Hoffman nun bei „Hannibal Lector“ geklaut hat, oder diesen Film durch den Kakao ziehen möchte. Zumindest gönnt sie sich den einen oder anderen Seitenhieb in diese Richtung, was ich ihr aber nicht abnehmen kann.

Ähnlich springt sie mit dem guten alten FBI um, lässt ihren Cop dessen Agenten als Scully und Mulder betiteln, kann es aber auch nicht lassen, die Querelen zwischen der Polizei und der Bundespolizei zu thematisieren. Ein Motiv, das pausenlos in amerikanischen Krimis auftaucht, die Handlung meist auch nicht weiterbringt und mich im allgemeinen und in „Cupido“ im besonderen anödet.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive von verschiedenen Figuren erzählt. Besonders am Anfang in der Nacht wo C. J. Leben zerbricht, was nun wirklich nichts für die Freunde, des gemeingefährlichen Heimatfilms ist, ist der Wechsel zwischen der Perspektive des Opfers und der des Vergewaltigers ziemlich heftig.

Später, während der Verhandlung kommt es zu einer Art „Schachspiel“ zwischen der Anklägerin und ihrem Vergewaltiger – leider fehlt diesem aber die Subtilität, um sein Spielchen richtig durchzuziehen. Er dreht ständig durch, seine Wutanfälle sind zwar plakativ, da er aber im Gefängnis hockt, fehlt die unterschwellige Gefahr – er kann ja doch nichts ausrichten. Ich ziehe in dieser Rolle den eiskalten beherrschten Typen vor, mag in diesem Falle der Figur die Ausraster aber zugestehen, da es noch eine andere Entwicklung gibt, die ich hier nicht verraten will – eine Dreh in der Handlung zum Ende der Geschichte, der mich allerdings nicht überrascht hat, weil er genretypisch ist, und weil man nur mal alle Figuren im Geiste durchgehen muß, um zu erkennen, welche bisher recht sinnlos am Spielfeldrand gestanden hat (von wegen der Mörder ist immer der Gärtner). So rätseln C. J. und ihr Freund, der Cop Dominik noch über einen Eintrag im Tagebuch des Täters, welcher eigentlich so was von glasklar ist, daß man nur den Kopf schütteln kann.

Natürlich entwickelt C. J. eine Beziehung zu Dominik, ist das denn nicht immer so? na ja, nachdem Vollidioten, den sie zu Beginn noch zum Freund hatte, sei es ihr gegönnt.

Die Charaktere sind klar umrissen. Man erfährt das, was man über sie wissen muß, um die Handlung verfolgen zu können. Lediglich die Hauptfigur geht tiefer. Am Anfang (vor der Vergewaltigung) nervt sie mich ziemlich, eigentlich eine dumme, naive Ziege. Später als Staatsanwältin hat sie sich aber zu einer starken Frau gemausert, wenn auch zwischendurch am Rande des Nervenzusammenbruches – verständlicherweise.

Alles in allem läuft die nüchtern erzählte Handlung zu rund ab. Es geht zuviel zu glatt. Probleme tauchen auf und werden einfach zu schnell gelöst. Die Handlung wechselt zur Perspektive einer Figur, welche eine perfide Idee ins Spiel bringt, die neue Spannung verspricht. Anstatt nun die Gegner mal so richtig ins Messer laufen zu lassen und die Situation auf die Spitze zu treiben, kommen diese auf den nächsten Seite auf den gleichen Trichter und die Sache verläuft im Sande.

Richtig gut gefällt mir, was am Ende mit dem Vergewaltiger passiert ist, hat er doch so richtig sein Fett wegbekommen. Vielleicht nicht wirklich „political correct“, eher zynisch, aber: wen stört das schon!?

Das Buch ist zusammenfassend betrachtet kein „großes Kino“. Würde ich mir seine Verfilmung vorstellen, wäre es einer von diesen Filmen, die nach 22 Uhr auf einem Privatsender laufen und Lorenzo Lamas würde den Cop spielen. Nichts fürs Kino, aber eigentlich ganz nett, wenn man sich berieseln lassen möchte.

53 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Clarinetta2

    18.02.2007, 17:21 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht