Wyrm (Taschenbuch) / Wolfgang Hohlbein Testbericht
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Erfahrungsbericht von Haramis
nicht noch einmal
Pro:
sehr gute Frage, keine Ahnung
Kontra:
einer der schlechtesten Hohlbeins aller Zeiten
Empfehlung:
Nein
Eine in zweierlei Hinsicht bezeichnende Überschrift, denn zum einen würde ich das Buch wirklich \"nicht noch einmal\" lesen, und zum anderen hätte ich zwischen die Wörter vielleicht Kommas machen sollen, denn \"nicht\", \"noch\" und \"einmal\" gehören anscheinend zu Hohlbeins Lieblingswörtern. Wie ich darauf komme, werde ich später ausführlich erläutern. Zuerst mal wieder eine Kurzzusammenfassung vom Inhalt (und diesmal wird sie seeeeehr kurz).
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******
Inhalt
******
Joffrey Coppelstone fährt nach Maggoty, um Mr. Morrison klarzumachen, daß er seine Farm verkaufen muß, denn der Staat will eine Straße durch das Tal bauen.
Doch Morrison kann nicht verkaufen, weil er ein dunkles Geheimnis hütet - den Wyrm. Coppelstone erfährt schon sehr bald, daß in Maggoty nicht alles mit rechten Dingen zugeht und versucht, auf eigene Faust hinter das Geheimnis zu kommen.
Was er schließlich findet, mutet den Leser etwas seltsam an: Die Bewohner von Maggoty beten unbekannte Götter an und kümmern sich um allesverschlingende weiße Würmer, die ihnen von Außerirdischen vor Urzeiten angedreht wurden. Die Mutter all dieser Viecher ist der Wyrm, der erst dann aus seinem unterirdischen Versteck auftauchen soll, wenn in Europa wieder Krieg herrscht (??? - der Roman spielt in Neuengland).
Coppelstone schafft es aber mit relativ wenig Mühe, das liebe Vieh schon vorher aufzuwecken, indem er kurzentschlossen die ganze Farm in die Luft jagt. Daraufhin schleckt ihn der ach so fürchterliche Wyrm kurz ab (nachdem er den Reverend verputzt hat), gibt ihm eine Mahnung mit auf den Weg (\"Kreuze nie wieder meinen Weg, Mensch.\") und geht wieder in die Heia. Ende.
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Der Held
********
Joffrey Coppelstone ist Landvermesser und kommt aus der Stadt in ein Dorf, in dem er sich gegen die gesamte Einwohnerschaft zur Wehr setzen muß. Denn alle sind irgendwie miteinander verwandt (S. 38: \"... in irgendeinem ganz bestimmt nicht von der Kirche abgesegneten Verwandtschaftsverhältnis\") und halten auch dementsprechend zusammen.
C. selbst ist ein sonderbarer Mensch. Gegenüber Morrison und dem Sheriff schlägt er den Amtston an und macht auf überlegen. Aber später, als er die Farm in die Luft jagt, fällt er plötzlich dauernd in Ohnmacht, obwohl er eigentlich kaum verletzt ist (S. 254: \"Wie durch ein Wunder war er zwar nicht schwer verletzt worden, ...\").
S. 248: \"Er mußte wohl wieder für eine Weile bewußtlos gewesen sein, ohne es überhaupt bemerkt zu haben, ...\"
Aha, der macht das also öfter...
Die mir unverständlichste Reaktion zeigt er am Schluß, als ihm der Reverend (der normalerweise tot sein sollte) auf der Straße begegnet:
S. 259: \"Coppelstone fuhr los. Er schrie auf wie in Agonie und trat das Gaspedal bis zum Boden durch. Der Ford machte einen Satz, begrub Reeves unter sich und rumpelte über ihn hinweg. [...] Er schrie noch immer aus Leibeskräften [...] Er schrie, klammerte sich mit beiden Händen ans Lenkrad und versuchte, den Wagen irgendwie auf der Straße zu halten. [...] Er schrie, bis seine Stimme versagte, und er fuhr immer schneller und schneller.\"
Ich rekonstruiere mal: Coppelstone fährt also eine ganze Seite lang schreiend durch die Gegend, nachdem er den Reverend (der ihn vor dem Wyrm warnen wollte) über den Haufen gefahren hat. Meiner Meinung nach braucht der Typ dringend einen Psychiater.
********************
Lebenslange Garantie
********************
... hätte man Coppelstone ruhig auf seinen Ford geben können. Das Auto wird von den Alienwürmern angefressen und mit Säure vollgesabbert. Dann schlägt einer mit dem Vorschlaghammer die Motorhaube kaputt und die Reifen werden weggeätzt, trotzdem springt das Auto sofort an, als C. aus Maggoty flüchten will. So ein robustes Auto möchte ich auch mal *träum*
Auch der Reverend ist wahnsinnig widerstandsfähig. Erst fliegt er in die Luft, dann wird er vom Auto (ja, eben jenem Ford) überfahren. Trotzdem braucht es erst den Wyrm, um ihn totzukriegen. Typisch Hohlbein. Das Phänomen kennt man ja von ihm hinreichend.
********
Handlung
********
Es passiert fast nichts in dem Buch. Die Handlung verläuft mal wieder linear, also keinerlei Nebenhandlungen. Kann man eigentlich von Handlung sprechen, wenn der Protagonist immer nur vermutet und annimmt? Ich wage mal zu behaupten, daß das Buch zu ca. 80 % im Konjunktiv geschrieben ist. Immer \"könnte etwas sein\" oder \"würde vielleicht geschehen\". Selten macht Hohlbein konkrete Aussagen. Meistens drückt er sich so ungenau wie nur möglich aus. Deshalb \"scheint\" alles nur zu sein, nämlich so ziemlich genau 97x, wenn ich mich nicht verzählt habe :-)
Ständig kommen auch seine berühmten Sätze, wie
S. 27: \"Es war ihm nicht möglich, ihn zu beschreiben; er schien...\"
S. 28: \"... auf eine schwer in Worte zu fassende Weise...\"
S. 28: \"... von dem er nicht einmal genau wußte...\"
S. 36: \"Er hatte nicht genau gesehen, ...\"
S. 53: \"... aber nun fragte er sich doch, was er da eigentlich gesehen hatte. Er wußte es nicht.\"
S. 59: \"... erinnerte ihn an etwas. Coppelstone konnte nicht einmal genau sagen, woran...\"
S. 88: \"... weil er es nicht einordnen oder werten konnte.\"
S. 92: \"Coppelstone vermochte beim besten Willen nicht zu sagen...\"
Und so weiter, und so fort. Beispiele gäbe es noch etliche mehr.
*******
Sprache
*******
Jetzt kommen wir endlich zu dem Gebiet, auf das ich mich beim Lesen hauptsächlich konzentriert habe. Da ich gerade an einer Übung in \"Stilistik\" teilnehme, kam mir dieses Buch ganz gelegen, denn hier kann man definitiv festlegen, was es heißt, einen SCHLECHTEN Stil zu schreiben. (Ich wünschte, wir hätten in den Klausuren so eindeutige Texte *g*)
Wann merkt man, daß jemand (rein in Bezug auf die Sprache) wirklich schlecht schreibt? Also, ich merke das meistens daran, wenn ich andauernd dieselben Wörter lese. Da mir selbst in der Schule immer die Wiederholungen angekreidet wurden, achte ich darauf besonders. Und da fiel mir bei Hohlbein etwas Verblüffendes auf: Der Mann hat einen so kleinen Wortschatz, daß er es schafft, mit wenig mehr als 20 Wörtern einen ganzen Roman hinzuknallen. Ich habe mir die Mühe gemacht (eigentlich war\'s keine Mühe, sondern ganz witzig), bei bestimmten Wörtern Strichlisten zu führen. Meine Ergebnisse (ich bin sicher, daß ich etliche übersehen habe):
\"nicht\" bzw. \"nichts\":
----------------------
715 mal aufgetaucht, das macht einen Schnitt (bei 265 Textseiten) von *taschenrechnerrauszieh* - 2,698113208 \"nicht\" pro Seite. NICHT schlecht. Was schließen wir daraus? Ist Hohlbein ein Mensch, der sehr pessimistisch ist und es NICHT schafft, eine Formulierung auch mal positiv abzufassen? Kennt er etwa keine positiven Ausdrücke? Kann doch NICHT sein...
Beispiel aus dem Text: S. 203
\"... - aber das bedeutete nicht, dass es weniger schlimm war. \'Ich wollte ihn nicht töten, Reverend. Bitte, das ... das müssen Sie mir glauben.\'
\'Er war kein guter Mensch\', sagte Reeves leise. \'Aber trotzdem ein Mensch. Doch er hat sich mit Mächten eingelassen, die nicht von Gottes Hand geschaffen wurden. Es ist nicht Ihre Schuld, Mister Coppelstone. Er hat bekommen, was ihm zustand.\'
Das war nicht die Antwort, die Coppelstone erwartet hatte. Er hatte nicht ernsthaft erwartet, dass Reeves ihm die Absolution erteilte - aber auch nicht das.\"
Na, mitgezählt?
noch
----
\"noch\" kommt gute 319x vor, dabei bin ich mir aber sicher, welche übersehen zu haben. Meist tritt das Wort in Verbindung mit \"einmal\", \"immer\" und \"mehr\" auf. Auf ein Textbeispiel verzichte ich hier, da es sonst zu albern wird.
einmal
------
104 \"einmal\" zieren den Roman, von denen mehr als die Hälfte ersatzlos gestrichen werden könnten. Die restlichen Wörter, die mir ein Dorn im Auge waren, zähle ich nur noch kurz auf:
\"vollkommen\": 42x
\"fast\": 91x
\"trotzdem\": 47x
\"tatsächlich\": 43x
\"einfach\": 45x
\"jedoch\": 83x
\"vielleicht\": 94x
\"weit\": 55x
\"immer\": 111x
\"mehr\": 147x
Außerdem geht bei Hohlbein alles \"allmählich\" voran (17x), ist unheimlich (26x), muß \"vorsichtig\" vonstatten gehen (20x) und schafft es \"schließlich\" (31x), einen zu \"überraschen\" (27x).
Als (mehr oder weniger) Synonyme für \"vielleicht\" begegnen dem Leser zudem regelmäßig \"wahrscheinlich\" (20x), \"möglicherweise\" (24x) und \"vermutlich\" (38x), aber das fällt \"eigentlich\" (30x) \"überhaupt\" (21x) nicht so auf, wenn man an Hohlbeins Stil gewöhnt ist. \"Allerdings\" (17x) - wer will sich an so etwas schon gewöhnen?
Wer übrigens selbst mal zählen will, dem empfehle ich \"schlimm\", \"plötzlich\", \"nur\", \"langsam\", \"rasch\", \"mindestens\" oder \"vollends\".
Manchmal scheint es, als wäre Hohlbein sich seiner Schwächen durchaus bewußt. Dann kommen Stellen, an denen der Leser das Gefühl hat, Hohlbein möchte beweisen, daß er auch zu anspruchsvolleren Ausdrücken in der Lage ist. Leider klingt das dann oft ein wenig daneben. Beispiel:
S. 17: \"... sondern nur noch ein fast amorphes Durcheinander\"
S. 28: \"... kaum mehr als ein Konglomerat ineinander fließender Schatten...\"
S. 28/29: \"... ließ Coppelstones latente Übelkeit zu einem ausgewachsenen Brechreiz werden.\"
S. 30: \"... der desolate Zustand meiner Kleider.\"
S. 259: \"Er schrie auf wie in Agonie...\"
Ist eigentlich schon mal jemandem bei Hohlbein aufgefallen,
-----------------------------------------------------------
- daß das Licht / der Schein immer \"blaß\" ist,
- daß der Held öfter mal \"verwirrt\" ist und
- daß alle Leute ständig die Köpfe schütteln?
- daß die Protagonisten gerne mal \"kühle\" Antworten erhalten oder
- daß viele Personen \"komplett verrückt\" sind?
- daß sie außerdem ständig \"fürchten\" und \"glauben\" und zudem noch alles \"ganz instinktiv\" machen? (wieder eine Möglichkeit für Hohlbein, etwas ungenau erklären zu können)
- daß die Helden, so gerne sie auch mit \"vielleicht\" und \"möglicherweise\" um sich schmeißen, trotzdem alles mit \"absoluter Gewißheit\" sagen können?
Fazit
*****
Ich finde es immer wieder herrlich, ein Buch von Hohlbein zu lesen, denn ich habe bisher noch keinen anderen Autor gefunden, über den ich so schön lästern kann ;-) Außerdem bin ich der Meinung, daß man erst zehn schlechte Bücher gelesen haben muß, um ein gutes schätzen zu lernen.
Empfehlen kann ich den Roman trotzdem nicht, da er wirklich Schrott ist, sowohl vom Inhalt her als auch von der Sprache. Das Buch eignet sich vielleicht für Jugendliche, die noch keine \"schwere\" Lektüre vertragen oder für Leute, die im Streß sind und etwas brauchen, auf das sie sich nicht allzu sehr konzentrieren müssen.
\"Wyrm\" hat 269 Seiten, die man relativ schnell durch hat. Es kostet 14,90 und ist erschienen im Heyne-Verlag. ISBN 3-453-16119-X
So long - bis zum nächsten Hohlbein (keine Sorge, ich hab noch jede Menge davon im Regal stehen :-)),
Eure Haramis.
PS: Daß wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe auch durchaus schon einigermaßen GUTE Bücher von Hohlbein gelesen ;-)
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Inhalt
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Joffrey Coppelstone fährt nach Maggoty, um Mr. Morrison klarzumachen, daß er seine Farm verkaufen muß, denn der Staat will eine Straße durch das Tal bauen.
Doch Morrison kann nicht verkaufen, weil er ein dunkles Geheimnis hütet - den Wyrm. Coppelstone erfährt schon sehr bald, daß in Maggoty nicht alles mit rechten Dingen zugeht und versucht, auf eigene Faust hinter das Geheimnis zu kommen.
Was er schließlich findet, mutet den Leser etwas seltsam an: Die Bewohner von Maggoty beten unbekannte Götter an und kümmern sich um allesverschlingende weiße Würmer, die ihnen von Außerirdischen vor Urzeiten angedreht wurden. Die Mutter all dieser Viecher ist der Wyrm, der erst dann aus seinem unterirdischen Versteck auftauchen soll, wenn in Europa wieder Krieg herrscht (??? - der Roman spielt in Neuengland).
Coppelstone schafft es aber mit relativ wenig Mühe, das liebe Vieh schon vorher aufzuwecken, indem er kurzentschlossen die ganze Farm in die Luft jagt. Daraufhin schleckt ihn der ach so fürchterliche Wyrm kurz ab (nachdem er den Reverend verputzt hat), gibt ihm eine Mahnung mit auf den Weg (\"Kreuze nie wieder meinen Weg, Mensch.\") und geht wieder in die Heia. Ende.
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Der Held
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Joffrey Coppelstone ist Landvermesser und kommt aus der Stadt in ein Dorf, in dem er sich gegen die gesamte Einwohnerschaft zur Wehr setzen muß. Denn alle sind irgendwie miteinander verwandt (S. 38: \"... in irgendeinem ganz bestimmt nicht von der Kirche abgesegneten Verwandtschaftsverhältnis\") und halten auch dementsprechend zusammen.
C. selbst ist ein sonderbarer Mensch. Gegenüber Morrison und dem Sheriff schlägt er den Amtston an und macht auf überlegen. Aber später, als er die Farm in die Luft jagt, fällt er plötzlich dauernd in Ohnmacht, obwohl er eigentlich kaum verletzt ist (S. 254: \"Wie durch ein Wunder war er zwar nicht schwer verletzt worden, ...\").
S. 248: \"Er mußte wohl wieder für eine Weile bewußtlos gewesen sein, ohne es überhaupt bemerkt zu haben, ...\"
Aha, der macht das also öfter...
Die mir unverständlichste Reaktion zeigt er am Schluß, als ihm der Reverend (der normalerweise tot sein sollte) auf der Straße begegnet:
S. 259: \"Coppelstone fuhr los. Er schrie auf wie in Agonie und trat das Gaspedal bis zum Boden durch. Der Ford machte einen Satz, begrub Reeves unter sich und rumpelte über ihn hinweg. [...] Er schrie noch immer aus Leibeskräften [...] Er schrie, klammerte sich mit beiden Händen ans Lenkrad und versuchte, den Wagen irgendwie auf der Straße zu halten. [...] Er schrie, bis seine Stimme versagte, und er fuhr immer schneller und schneller.\"
Ich rekonstruiere mal: Coppelstone fährt also eine ganze Seite lang schreiend durch die Gegend, nachdem er den Reverend (der ihn vor dem Wyrm warnen wollte) über den Haufen gefahren hat. Meiner Meinung nach braucht der Typ dringend einen Psychiater.
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Lebenslange Garantie
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... hätte man Coppelstone ruhig auf seinen Ford geben können. Das Auto wird von den Alienwürmern angefressen und mit Säure vollgesabbert. Dann schlägt einer mit dem Vorschlaghammer die Motorhaube kaputt und die Reifen werden weggeätzt, trotzdem springt das Auto sofort an, als C. aus Maggoty flüchten will. So ein robustes Auto möchte ich auch mal *träum*
Auch der Reverend ist wahnsinnig widerstandsfähig. Erst fliegt er in die Luft, dann wird er vom Auto (ja, eben jenem Ford) überfahren. Trotzdem braucht es erst den Wyrm, um ihn totzukriegen. Typisch Hohlbein. Das Phänomen kennt man ja von ihm hinreichend.
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Handlung
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Es passiert fast nichts in dem Buch. Die Handlung verläuft mal wieder linear, also keinerlei Nebenhandlungen. Kann man eigentlich von Handlung sprechen, wenn der Protagonist immer nur vermutet und annimmt? Ich wage mal zu behaupten, daß das Buch zu ca. 80 % im Konjunktiv geschrieben ist. Immer \"könnte etwas sein\" oder \"würde vielleicht geschehen\". Selten macht Hohlbein konkrete Aussagen. Meistens drückt er sich so ungenau wie nur möglich aus. Deshalb \"scheint\" alles nur zu sein, nämlich so ziemlich genau 97x, wenn ich mich nicht verzählt habe :-)
Ständig kommen auch seine berühmten Sätze, wie
S. 27: \"Es war ihm nicht möglich, ihn zu beschreiben; er schien...\"
S. 28: \"... auf eine schwer in Worte zu fassende Weise...\"
S. 28: \"... von dem er nicht einmal genau wußte...\"
S. 36: \"Er hatte nicht genau gesehen, ...\"
S. 53: \"... aber nun fragte er sich doch, was er da eigentlich gesehen hatte. Er wußte es nicht.\"
S. 59: \"... erinnerte ihn an etwas. Coppelstone konnte nicht einmal genau sagen, woran...\"
S. 88: \"... weil er es nicht einordnen oder werten konnte.\"
S. 92: \"Coppelstone vermochte beim besten Willen nicht zu sagen...\"
Und so weiter, und so fort. Beispiele gäbe es noch etliche mehr.
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Sprache
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Jetzt kommen wir endlich zu dem Gebiet, auf das ich mich beim Lesen hauptsächlich konzentriert habe. Da ich gerade an einer Übung in \"Stilistik\" teilnehme, kam mir dieses Buch ganz gelegen, denn hier kann man definitiv festlegen, was es heißt, einen SCHLECHTEN Stil zu schreiben. (Ich wünschte, wir hätten in den Klausuren so eindeutige Texte *g*)
Wann merkt man, daß jemand (rein in Bezug auf die Sprache) wirklich schlecht schreibt? Also, ich merke das meistens daran, wenn ich andauernd dieselben Wörter lese. Da mir selbst in der Schule immer die Wiederholungen angekreidet wurden, achte ich darauf besonders. Und da fiel mir bei Hohlbein etwas Verblüffendes auf: Der Mann hat einen so kleinen Wortschatz, daß er es schafft, mit wenig mehr als 20 Wörtern einen ganzen Roman hinzuknallen. Ich habe mir die Mühe gemacht (eigentlich war\'s keine Mühe, sondern ganz witzig), bei bestimmten Wörtern Strichlisten zu führen. Meine Ergebnisse (ich bin sicher, daß ich etliche übersehen habe):
\"nicht\" bzw. \"nichts\":
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715 mal aufgetaucht, das macht einen Schnitt (bei 265 Textseiten) von *taschenrechnerrauszieh* - 2,698113208 \"nicht\" pro Seite. NICHT schlecht. Was schließen wir daraus? Ist Hohlbein ein Mensch, der sehr pessimistisch ist und es NICHT schafft, eine Formulierung auch mal positiv abzufassen? Kennt er etwa keine positiven Ausdrücke? Kann doch NICHT sein...
Beispiel aus dem Text: S. 203
\"... - aber das bedeutete nicht, dass es weniger schlimm war. \'Ich wollte ihn nicht töten, Reverend. Bitte, das ... das müssen Sie mir glauben.\'
\'Er war kein guter Mensch\', sagte Reeves leise. \'Aber trotzdem ein Mensch. Doch er hat sich mit Mächten eingelassen, die nicht von Gottes Hand geschaffen wurden. Es ist nicht Ihre Schuld, Mister Coppelstone. Er hat bekommen, was ihm zustand.\'
Das war nicht die Antwort, die Coppelstone erwartet hatte. Er hatte nicht ernsthaft erwartet, dass Reeves ihm die Absolution erteilte - aber auch nicht das.\"
Na, mitgezählt?
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\"noch\" kommt gute 319x vor, dabei bin ich mir aber sicher, welche übersehen zu haben. Meist tritt das Wort in Verbindung mit \"einmal\", \"immer\" und \"mehr\" auf. Auf ein Textbeispiel verzichte ich hier, da es sonst zu albern wird.
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104 \"einmal\" zieren den Roman, von denen mehr als die Hälfte ersatzlos gestrichen werden könnten. Die restlichen Wörter, die mir ein Dorn im Auge waren, zähle ich nur noch kurz auf:
\"vollkommen\": 42x
\"fast\": 91x
\"trotzdem\": 47x
\"tatsächlich\": 43x
\"einfach\": 45x
\"jedoch\": 83x
\"vielleicht\": 94x
\"weit\": 55x
\"immer\": 111x
\"mehr\": 147x
Außerdem geht bei Hohlbein alles \"allmählich\" voran (17x), ist unheimlich (26x), muß \"vorsichtig\" vonstatten gehen (20x) und schafft es \"schließlich\" (31x), einen zu \"überraschen\" (27x).
Als (mehr oder weniger) Synonyme für \"vielleicht\" begegnen dem Leser zudem regelmäßig \"wahrscheinlich\" (20x), \"möglicherweise\" (24x) und \"vermutlich\" (38x), aber das fällt \"eigentlich\" (30x) \"überhaupt\" (21x) nicht so auf, wenn man an Hohlbeins Stil gewöhnt ist. \"Allerdings\" (17x) - wer will sich an so etwas schon gewöhnen?
Wer übrigens selbst mal zählen will, dem empfehle ich \"schlimm\", \"plötzlich\", \"nur\", \"langsam\", \"rasch\", \"mindestens\" oder \"vollends\".
Manchmal scheint es, als wäre Hohlbein sich seiner Schwächen durchaus bewußt. Dann kommen Stellen, an denen der Leser das Gefühl hat, Hohlbein möchte beweisen, daß er auch zu anspruchsvolleren Ausdrücken in der Lage ist. Leider klingt das dann oft ein wenig daneben. Beispiel:
S. 17: \"... sondern nur noch ein fast amorphes Durcheinander\"
S. 28: \"... kaum mehr als ein Konglomerat ineinander fließender Schatten...\"
S. 28/29: \"... ließ Coppelstones latente Übelkeit zu einem ausgewachsenen Brechreiz werden.\"
S. 30: \"... der desolate Zustand meiner Kleider.\"
S. 259: \"Er schrie auf wie in Agonie...\"
Ist eigentlich schon mal jemandem bei Hohlbein aufgefallen,
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- daß das Licht / der Schein immer \"blaß\" ist,
- daß der Held öfter mal \"verwirrt\" ist und
- daß alle Leute ständig die Köpfe schütteln?
- daß die Protagonisten gerne mal \"kühle\" Antworten erhalten oder
- daß viele Personen \"komplett verrückt\" sind?
- daß sie außerdem ständig \"fürchten\" und \"glauben\" und zudem noch alles \"ganz instinktiv\" machen? (wieder eine Möglichkeit für Hohlbein, etwas ungenau erklären zu können)
- daß die Helden, so gerne sie auch mit \"vielleicht\" und \"möglicherweise\" um sich schmeißen, trotzdem alles mit \"absoluter Gewißheit\" sagen können?
Fazit
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Ich finde es immer wieder herrlich, ein Buch von Hohlbein zu lesen, denn ich habe bisher noch keinen anderen Autor gefunden, über den ich so schön lästern kann ;-) Außerdem bin ich der Meinung, daß man erst zehn schlechte Bücher gelesen haben muß, um ein gutes schätzen zu lernen.
Empfehlen kann ich den Roman trotzdem nicht, da er wirklich Schrott ist, sowohl vom Inhalt her als auch von der Sprache. Das Buch eignet sich vielleicht für Jugendliche, die noch keine \"schwere\" Lektüre vertragen oder für Leute, die im Streß sind und etwas brauchen, auf das sie sich nicht allzu sehr konzentrieren müssen.
\"Wyrm\" hat 269 Seiten, die man relativ schnell durch hat. Es kostet 14,90 und ist erschienen im Heyne-Verlag. ISBN 3-453-16119-X
So long - bis zum nächsten Hohlbein (keine Sorge, ich hab noch jede Menge davon im Regal stehen :-)),
Eure Haramis.
PS: Daß wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe auch durchaus schon einigermaßen GUTE Bücher von Hohlbein gelesen ;-)
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