Wyrm (Taschenbuch) / Wolfgang Hohlbein Testbericht

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Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Rettet euch vor "Wyrm"!

Pro:

Ich hab's immerhin zu Ende gelesen..., akzeptable Grundidee

Kontra:

miserable Ausführung der Idee, Sprache, unglaubwürdiger Protagonist, keine Spannung, dieses Buch verdarb mir die Freude am Lesen!

Empfehlung:

Nein

Es ist echt bedenklich, dass ich schon vier Wochen lang über keinen Roman mehr geschrieben habe. Ich wundere mich über mich selbst. Aber die ersten zwei Wochen war ich anderweitig beschäftig und in letzter Zeit hatte ich einfach kein Buch zu Ende gelesen und habe deshalb über Musik geschrieben. Doch jetzt ist es wieder so weit: Ich schreibe über einen Roman. Zwar habe ich nicht allzu viele Lorbeeren zu verteilen und es ist nur eine Überarbeitung, aber immerhin.
Heute möchte ich euch etwas zu „Wyrm – Das Geheimnis von Morrisons Farm“ erzählen. Wolfgang Hohlbein, einer der bekanntesten deutschen Autoren, verfasste es. Vor einigen Jahren war ich ganz wild auf Wolfgang Hohlbein, doch schon seit einiger Zeit betrachte ich seine Romane, die er fast am Fließband schreibt, kritischer und finde oft gravierende Mängel. Aber zuerst möchte ich euch kurz den Inhalt von „Wyrm – Das Geheimnis von Morrisons Farm“ darlegen.

Wahrscheinlich Mitte des letzten Jahrhunderts (genaue Angaben sind nicht gemacht) will die amerikanische Regierung eine Strasse bauen, die eine sehr ländliche Gegend erschließt. Diese Strasse soll genau durch ein Tal führen, in dem die Farm des Bauern Morrison liegt, weil dieses Tal der einzig gute Weg durch die ansonsten unwegsame Landschaft ist. Doch Morrison will nicht verkaufen.
Und so muss der Landvermesser Joffrey Copplestone zu Morrison fahren, um ihm mit Enteignung zu drohen. Normalerweise ist dafür Copplestones Assistent zuständig, doch der stand buchstäblich mit dem falschen Fuß auf und brach sich ein Bein. Durch diesen Zufall schlittert Copplestone in eine unglaubliche und auch unglaublich gefährliche Geschichte.
Doch schon auf dem Weg zu Morrison bleibt Copplestones Auto wegen des schlechten Zustandes der Strasse stecken. Zu Fuß gelangt er bei Morrison an und dieser ist zwar nicht unfreundlich, aber bestimmt. Er wird sein Land nicht verlassen. So bleibt Copplestone nichts anderes übrig, als ihn enteignen zu lassen. Er fährt also in den nächsten Ort namens Magotty und sucht den Sheriff auf, der Morrison von seinem Land vertreiben soll. Doch dieser scheint wie ganz Magotty gegen Copplestone und die Strasse zu sein.
Nachdem Magottys Schmied sein Auto wieder flott gemacht hat, fährt Copplestone in die nächste Stadt. Dort erfährt er aber vom Pfarrer, dass er sich lieber von Magotty fernhalten soll. Böses, das älter ist als die Menschheit soll dort sein Unwesen treiben. Doch Copplestone will nicht hören und in Magottys Kirche begegnen ihm dann auch unheimliche Wesen: Riesige Würmer, mit durchsichtigem Fleisch, unter dem dunkle Organe schimmern, mit einem Schleim wie Säure und langen Rüsseln... Es wird gefährlich!

Nun ja, mehr möchte ich wirklich nicht verraten. Obwohl ich denke, dass es auch egal wäre, denn wirklich Spannung kommt bei „Wyrm – Das Geheimnis von Morrisons Farm“ nicht auf. Dass ich zum Lesen eines 286seitigen Buches, in dem der Text auch noch sehr groß geschrieben ist, zwei Wochen brauche, ist ein eindeutiges Anzeichen. Und wenn ich nicht irgendwann alle meine Altlasten aufarbeiten wollte, hätte ich es bestimmt auch nicht zu Ende gelesen. Jedenfalls zog sich das Lesen in die Länge und je weiter man gekommen war, desto schlimmer wurde es. Ich wusste zwar vorher nicht, wie es enden würde. (Seit dem ersten Lesen hatte ich alles vergessen!) Das Schlimme war nur, dass ich es gar nicht wissen wollte.

Also mit Spannung kann der Roman schon einmal nicht dienen. Aber es ist ja ein Roman aus dem Horror-Genre. Vielleicht finden wir ja eine Stelle zum Gruseln... Doch Fehlanzeige! Ein wenig Spannung ist nun mal nötig, damit man sich gruseln kann, aber Spannung musste ich ja hier kläglich vermissen. Sicher, die Beschreibungen des Wyrm waren nicht so, dass ich ihn am liebsten mit in mein Bett nehmen möchte, doch Hohlbein schafft es nie, irgendeine Verbindung zwischen Leser und Protagonist herzustellen. So war es mir auch relativ egal, wie es Copplestone ergeht.

Doch nicht nur die fehlende Verknüpfung des Protagonisten mit dem Leser ist zu bemängeln. Auch die Darstellung der Charaktere lässt arg zu wünschen übrig. Aber was heißt hier Charaktere. In „Wyrm“ gibt es eigentlich nur einen einzigen Charakter, der noch nicht mal wirklich einer ist. Copplestone erscheint im gesamten Roman absolut unausgewogen. Mal ist er total ängstlich, mal macht er einen auf mutig und dann ist er wieder keins von beidem. Ich meine, wenn ich als Landvermesser bei der Regierung angestellt wäre, würde ich mir doch nie die Hände schmutzig machen.
„Der will nicht von seiner Farm? Und der Sheriff hilft mir auch nicht? Da fahr ich halt in die Stadt und übergebe die Angelegenheit der Polizei!“ Aber was macht Copplestone? Er muss natürlich weiter in Magotty rumschnüffeln und dann wundert er sich, warum es gefährlich wird, wo er doch schon vorher ein ungutes Gefühl hatte. Na klar!
Der Protagonist ist einfach nur unglaubwürdig und deshalb ist es nur zu verständlich, dass Wolfgang Hohlbein ihn nicht eingehender beschreibt. Das würde diese Unglaubwürdigkeit nur noch verstärken. Weitere Charaktere gibt es nicht. Es werden zwar haufenweise Namen in den Raum geworfen, aber die meisten spielen nicht die kleinste Rolle für den weiteren Verlauf des Romans.

Wolfgang Hohlbein war in seinen Romanen nie ein Sprachgenie. Normalerweise ist das ja auch nicht so wichtig gewesen. Denn zu Anfang seiner Karriere schrieb er nur für Kinder und Jugendliche. Diese fand man dann meist auch in den Heldenfiguren wieder. Doch nun schreibt er immer öfter für Erwachsene, oder meint zumindest für sie zu schreiben. Anscheinend hat er aber nicht begriffen, dass viele Erwachsene eine anspruchsvollere Sprache bevorzugen. Natürlich möchte niemand einen Fachtext lesen, doch wenn ich das Kind in mir unterhalten will, kaufe ich mir ein Kinder- oder gleich ein Bilderbuch.
In „Wyrm – Das Geheimnis von Morrisons Farm“ schreibt Hohlbein in einfachen Worten, die jedoch manchmal von Fremdwörtern durchbrochen sind, die er wahrscheinlich aus dem Lexikon hat. Dass das nicht sehr leserfreundlich ist, wird wohl jeder gestehen.

Insgesamt kann ich diesen Roman knapp über der niedrigsten Bewertung einstufen. Die Grundidee ist ja akzeptabel, auch wenn die Ausführung alles zunichte macht. Und immerhin habe ich „Wyrm“ ja zu Ende gelesen, was schon eine gewaltige Leistung ist. Doch die Ausführung der Idee ist einfach nur schlecht. Hohlbeins Sprache ist einem Roman für Erwachsene absolut unangemessen, sein Protagonist ist unglaubwürdig und sein Charakter unausgereift und Spannung bemerkte ich während des Lesens auch keine.
Ich kann euch daher nur empfehlen, euch von „Wyrm – Das Geheimnis von Morrisons Farm“ fernzuhalten. Und sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

„Wyrm – Das Geheimnis von Morrisons Farm“ erschien 1998 im Heyne Verlag und kostet als Taschenbuch 7,95 €.

30 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Wurzelchen2

    05.02.2007, 12:09 Uhr von Wurzelchen2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Deine Meinung kann ich zwar nicht wirklich teilen, weil ich das Buch förmlich verschlungen habe, aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.