Jugend ohne Gott (gebundene Ausgabe) / Ödön von Horvath Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von schalkman
Ein Lesetipp für den Sommer!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
1. Einleitung
===============
Deutsch, 11. Klasse, drei Bücher müssen mindestens gelesen werden. Im Lehrplan steht, dass der Lehrer ein aufklärerisches Drama (bei uns \"Nathan der Weise\"), ein episches Theaterstück (bei uns \"Andorra\") und einen modernen Roman (bei uns \"Jugend ohne Gott\"). Bisher war es für mich immer so, dass Deutschlektüren oft langweilig waren und man nicht wirklich gern gelesen hat. Dieses Klischee erfüllte der todlangweilige \"Nathan\" im ersten Halbjahr vollkommen, doch im zweiten Halbjahr haben wir mit \"Andorra\" und \"Jugend ohne Gott\" zwei hochinteressante Bücher gelesen, die ich hier vorstellen möchte. Den Anfang macht Ödön
2. Ödön von Horvàth
===============
Geboren am 9. Dezember 1901 in Fiume (Ungarn) als Sohn eines ungarischen Diplomaten besuchte der junge Ödön Schulen in Budapest, München und Wien. Dort machte er 1919 sein Abitur und widmete sich dem Studium der Germanistik an der Universität in München. Horvaths warnt schon 1927 mit Theaterstücken wie \"Revolte auf Côte 3018\" vor dem starken Einfluss der Nazis auf die deutsche Politik. 1933 nach Hitlers \"Machtergreifung\" wandert er zuerst nach Wien und später als die 1938 mit Österreich \"Heim ins Reich geholt\" wurde nach Paris aus. Am 1. Juli 1938 stirbt Horvath in Paris auf der Champs-Elysée, erschlagen von einem herabfallenden Ast.
3. Handlung
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Das ganze Buch will sich möglichst \"anonym\" geben, fast wirkt die Anonymität der Charaktere erschreckend! So werden die Menschen, die in dem Buch auftauchen nie mit Namen genannt. Die Schüler werden einfach mit dem ersten Buchstaben ihres Nachnamens bezeichnet, so gibt es einen Z, einen R, einen N und fünf B\'s etc., die erwachsenen Personen werden meist mit ihrem Beruf bezeichnet, selbst die Hauptfigur ist einfach nur der \"Lehrer\". Selbst den Ort des ganzen Geschehens verschweigt das Buch, es wird nur aus dem Kontext heraus klar, dass es in Deutschland oder Österreich in einer größeren Stadt zur Zeit des Nationalsozialismus vor Ausbruch des Krieges (1933 - 39) spielen muss.
Doch jetzt zum Inhalt. Der Hauptprotagonist ist der Lehrer, er unterrichtet eine Gymnasialklasse, die nur aus Jungen besteht, im Fach Geografie. Als in einem Aufsatz zum Thema der Schüler N schreibt \"Alle Neger sind hinterlistig, feige und faul\", kann sich der Lehrer einen kritischen Kommentar zu diesem Satz nicht verkneifen, obwohl dieser Satz im Radio (steht für das Regime, das alles diktiert) gesagt wurde. Zwar wird der Lehrer nicht entlassen, bekommt aber vom Direktor der Schule Ordnungsmaßnahmen angedroht, wenn er sich nochmals so äußern würde.
Durch einen Beschluß der Aufsichtsbehörde sind die Schüler gezwungen anstatt der Osterferien für 10 Tage mit ihrem Lehrer in ein Zeltlager zu fahren, um eine vormilitärische Ausbildung zu genießen. Ein alter Unteroffizier lehrt die Schüler das schießen, exerzieren und marschieren, bei dieser Umwandlung der Schüler zu Soldaten muss der Lehrer wortlos und entsetzt zuschauen. Anfangs ist das Geschehen im Zeltlager noch absolut ruhig, doch immer öfter werden Sachen gestohlen und die Schüler Z und N kommen sich zunehmend in die Haare, weil der Z in der Nacht immer Tagebuch schreibt und der N dadurch nicht schlafen kann. Durch die Diebstähle sieht sich der Lehrer gezwungen in der Nacht Wachen auszustellen und als zusätzliche Sicherheit die Wachen in der Nacht abwechselnd mit dem Unteroffizier zu überwachen. Tatsächlich entdeckt der Lehrer eine ungewöhnliche Aktivität in der Nacht: Als Z Wache hält kommt ein Mädchen mitten in der Nacht und gibt ihm einen Brief. Am nächsten Tag, als die Schüler mit dem Unteroffizier im \"Einsatz\" sind untersucht der Lehrer das Zelt, in dem Z, N und R (der ist unwichtig) schlafen und findet ein Kästchen, das dem Z gehört. Im inneren des Kästchens ist das Tagebuch des Z, in dem steht, dass er in dieses Mädchen (Eva) verliebt ist...
Als die Jungen zurückkehren und der Lehrer das Kästchen wieder verschließen will passiert das Unglück: Er verbiegt das Schloss so sehr, dass sich das Kästchen nicht mehr schließen lässt. Natürlich bemerkt dies der Z, aber da der Lehrer zu feige ist zuzugeben, dass er das Tagebuch gelesen hat, beschuldigt Z den N, dass er es getan habe. Die Lage eskaliert so weit, dass N drei Tage später von einem Stein erschlagen im Wald gefunden wird.
Nach diesem Mord kommt es zum Prozess. Z ist geständig, allerdings will er mit seinem Geständnis Eva decken, was auffliegt und Z kommt unschuldig davon. Eva sagt aus, dass Z und N miteinander gerauft haben, dann sei sie dazugekommen, wollte den N erschlagen, doch plötzlich sei ein dritter Juge hizugekommen, der ihr den Stein aus der Hand genommen habe und den N damit erschlagen habe. Das einzige Merkmal, an das sie sich erinnern kann war, dass der Täter Fischaugen hatte. Der Lehrer kombiniert und es kann nur einen Täter unter den Jungen geben! Der Lehrer versucht diesen mit einigen Mitschülern und seinem alten Lehrerkollegen \"Julius Caesar\" in die Falle zu locken. Die Suche nach der Wahrheit wird für den Lehrer auch zur Suche nach Gott... (den Rest könnt ihr ja selber lesen!)
4. Fazit
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\"Jugend ohne Gott\" ist ein absoluter Lesetipp! Es ist gut und einfach geschrieben, regt aber trotzdem zum Nachdenken über das dritte Reich an. Besonders viele \"Bilder\" (Plebejer; Fische) zeigen eindrucksvolle Vergleiche mit der damaligen Gesellschaft im dritten Reich. Es ist für alle lesbar, die ein Interesse an der Thematik der Wiederständler, der Gesellschaft, der Judenverfolgung und der Erziehung insbesondere durch die Hitlerjugend im dritten Reich haben. Das Buch selbst hat ca. 150 Seiten, mir liegt es in einer Version vor, bei der noch 50 zusätzliche Seiten mit Interpretationen und Erklärungen gefüllt sind, was das Buch wesentlich leichter verständlich macht. Daher eine dickes \"sehr gut\" für das Buch, für alle die es lesen wollen empfehle ich die Ausgabe des Suhrkamp Verlags, die 195 Seiten umfasst und 7 Euro kostet.
by schalkman
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Deutsch, 11. Klasse, drei Bücher müssen mindestens gelesen werden. Im Lehrplan steht, dass der Lehrer ein aufklärerisches Drama (bei uns \"Nathan der Weise\"), ein episches Theaterstück (bei uns \"Andorra\") und einen modernen Roman (bei uns \"Jugend ohne Gott\"). Bisher war es für mich immer so, dass Deutschlektüren oft langweilig waren und man nicht wirklich gern gelesen hat. Dieses Klischee erfüllte der todlangweilige \"Nathan\" im ersten Halbjahr vollkommen, doch im zweiten Halbjahr haben wir mit \"Andorra\" und \"Jugend ohne Gott\" zwei hochinteressante Bücher gelesen, die ich hier vorstellen möchte. Den Anfang macht Ödön
2. Ödön von Horvàth
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Geboren am 9. Dezember 1901 in Fiume (Ungarn) als Sohn eines ungarischen Diplomaten besuchte der junge Ödön Schulen in Budapest, München und Wien. Dort machte er 1919 sein Abitur und widmete sich dem Studium der Germanistik an der Universität in München. Horvaths warnt schon 1927 mit Theaterstücken wie \"Revolte auf Côte 3018\" vor dem starken Einfluss der Nazis auf die deutsche Politik. 1933 nach Hitlers \"Machtergreifung\" wandert er zuerst nach Wien und später als die 1938 mit Österreich \"Heim ins Reich geholt\" wurde nach Paris aus. Am 1. Juli 1938 stirbt Horvath in Paris auf der Champs-Elysée, erschlagen von einem herabfallenden Ast.
3. Handlung
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Das ganze Buch will sich möglichst \"anonym\" geben, fast wirkt die Anonymität der Charaktere erschreckend! So werden die Menschen, die in dem Buch auftauchen nie mit Namen genannt. Die Schüler werden einfach mit dem ersten Buchstaben ihres Nachnamens bezeichnet, so gibt es einen Z, einen R, einen N und fünf B\'s etc., die erwachsenen Personen werden meist mit ihrem Beruf bezeichnet, selbst die Hauptfigur ist einfach nur der \"Lehrer\". Selbst den Ort des ganzen Geschehens verschweigt das Buch, es wird nur aus dem Kontext heraus klar, dass es in Deutschland oder Österreich in einer größeren Stadt zur Zeit des Nationalsozialismus vor Ausbruch des Krieges (1933 - 39) spielen muss.
Doch jetzt zum Inhalt. Der Hauptprotagonist ist der Lehrer, er unterrichtet eine Gymnasialklasse, die nur aus Jungen besteht, im Fach Geografie. Als in einem Aufsatz zum Thema der Schüler N schreibt \"Alle Neger sind hinterlistig, feige und faul\", kann sich der Lehrer einen kritischen Kommentar zu diesem Satz nicht verkneifen, obwohl dieser Satz im Radio (steht für das Regime, das alles diktiert) gesagt wurde. Zwar wird der Lehrer nicht entlassen, bekommt aber vom Direktor der Schule Ordnungsmaßnahmen angedroht, wenn er sich nochmals so äußern würde.
Durch einen Beschluß der Aufsichtsbehörde sind die Schüler gezwungen anstatt der Osterferien für 10 Tage mit ihrem Lehrer in ein Zeltlager zu fahren, um eine vormilitärische Ausbildung zu genießen. Ein alter Unteroffizier lehrt die Schüler das schießen, exerzieren und marschieren, bei dieser Umwandlung der Schüler zu Soldaten muss der Lehrer wortlos und entsetzt zuschauen. Anfangs ist das Geschehen im Zeltlager noch absolut ruhig, doch immer öfter werden Sachen gestohlen und die Schüler Z und N kommen sich zunehmend in die Haare, weil der Z in der Nacht immer Tagebuch schreibt und der N dadurch nicht schlafen kann. Durch die Diebstähle sieht sich der Lehrer gezwungen in der Nacht Wachen auszustellen und als zusätzliche Sicherheit die Wachen in der Nacht abwechselnd mit dem Unteroffizier zu überwachen. Tatsächlich entdeckt der Lehrer eine ungewöhnliche Aktivität in der Nacht: Als Z Wache hält kommt ein Mädchen mitten in der Nacht und gibt ihm einen Brief. Am nächsten Tag, als die Schüler mit dem Unteroffizier im \"Einsatz\" sind untersucht der Lehrer das Zelt, in dem Z, N und R (der ist unwichtig) schlafen und findet ein Kästchen, das dem Z gehört. Im inneren des Kästchens ist das Tagebuch des Z, in dem steht, dass er in dieses Mädchen (Eva) verliebt ist...
Als die Jungen zurückkehren und der Lehrer das Kästchen wieder verschließen will passiert das Unglück: Er verbiegt das Schloss so sehr, dass sich das Kästchen nicht mehr schließen lässt. Natürlich bemerkt dies der Z, aber da der Lehrer zu feige ist zuzugeben, dass er das Tagebuch gelesen hat, beschuldigt Z den N, dass er es getan habe. Die Lage eskaliert so weit, dass N drei Tage später von einem Stein erschlagen im Wald gefunden wird.
Nach diesem Mord kommt es zum Prozess. Z ist geständig, allerdings will er mit seinem Geständnis Eva decken, was auffliegt und Z kommt unschuldig davon. Eva sagt aus, dass Z und N miteinander gerauft haben, dann sei sie dazugekommen, wollte den N erschlagen, doch plötzlich sei ein dritter Juge hizugekommen, der ihr den Stein aus der Hand genommen habe und den N damit erschlagen habe. Das einzige Merkmal, an das sie sich erinnern kann war, dass der Täter Fischaugen hatte. Der Lehrer kombiniert und es kann nur einen Täter unter den Jungen geben! Der Lehrer versucht diesen mit einigen Mitschülern und seinem alten Lehrerkollegen \"Julius Caesar\" in die Falle zu locken. Die Suche nach der Wahrheit wird für den Lehrer auch zur Suche nach Gott... (den Rest könnt ihr ja selber lesen!)
4. Fazit
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\"Jugend ohne Gott\" ist ein absoluter Lesetipp! Es ist gut und einfach geschrieben, regt aber trotzdem zum Nachdenken über das dritte Reich an. Besonders viele \"Bilder\" (Plebejer; Fische) zeigen eindrucksvolle Vergleiche mit der damaligen Gesellschaft im dritten Reich. Es ist für alle lesbar, die ein Interesse an der Thematik der Wiederständler, der Gesellschaft, der Judenverfolgung und der Erziehung insbesondere durch die Hitlerjugend im dritten Reich haben. Das Buch selbst hat ca. 150 Seiten, mir liegt es in einer Version vor, bei der noch 50 zusätzliche Seiten mit Interpretationen und Erklärungen gefüllt sind, was das Buch wesentlich leichter verständlich macht. Daher eine dickes \"sehr gut\" für das Buch, für alle die es lesen wollen empfehle ich die Ausgabe des Suhrkamp Verlags, die 195 Seiten umfasst und 7 Euro kostet.
by schalkman
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