Hotel Giftun Village Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von theConsultant
Faulenzen am Roten Meer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ein ungeschriebenes Addendum zu unserem Ehevertrag besagt, dass ich alle zwei Jahre meine Familie auf einen Badeurlaub zu begleiten habe. Da ich selber das halbe Jahr beruflich in südlichen Gefilden unterwegs bin, kann ich nicht so ganz verstehen, dass man fürs Reisen Geld bezahlen muss anstatt welches dafür zu bekommen, aber wer weiß, vielleicht wäre ein erzwungener Müßiggang auch für mich gar nicht so schlecht?
Auf alle Fälle ließe sich ein Erfahrungsbericht darüber schreiben, und somit doch noch ein gewisser Nutzen erzielen ;-) Und weil die Reise über 2 Wochen ging, würde der Bericht auch entsprechend lang werden.
Traditionell sucht Irina, meine älteste Tochter, Reiseziel und Hotel aus. Nach dem Studium von ein paar Kilo(gramm) Katalogen fiel die Auswahl auf das „Hotel Giftun Beach Resort“ in Hurghada am Roten Meer. Das passte auch gut zu ihrer Absicht, einen Tauchkurs zu machen und sich mit zwei Mädchen aus unserer Nachbarschaft zu treffen, die dort einen Urlaub in einer Privatunterkunft in Ägypten planten.
Im Reisebüro unseres Vertrauens (die Frau des Besitzers unterrichtet an der selben Schule wie meine Frau) versuchte man ein Beratungsgespräch: „Sie müssen wissen, dass es sich hierbei um eine ältere Anlage handelt ...“ „Hier im Prospekt steht, dass 1999 alles renoviert sei!“ erwiderte ich. „Und man kann doch von dort aus Tauchkurse machen, oder?“ fragte Irina. „Wie sieht denn der Pool aus?“ fragte Ricarda, meine jüngere Tochter „Der ist doch nicht etwa viereckig?“
Hätte der Reisebüromann die letzte Frage bejaht, dann hätten meine Töchter sicherlich umdisponiert. Aber er wusste es nicht, der TUI-Katalog konnte ebenfalls diese „elementare Frage“ nicht beantworten, und so wagten wir die Buchung: aus Kostengründen ein Doppelzimmer mit Zustellbett sowie ein Einzelzimmer. Ricarda ist 14, da gibt es dieses Jahr zum letzen mal „Kinderrabatt“.
Am ersten Sommerferientag in Niedersachsen fuhren wir mit der Bahn zur Flughafenbaustelle Düsseldorf und dann ging es mit Aero Lloyd direkt nach Hurghada. Über diesen Flughafen will ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen - das würde die Stimmung verderben - und zum Flug gibt es nichts besonderes zu berichten. Meine Töchter schimpfen zwar immer, dass sie bei Aero Lloyd (und nur da!) bei der Landung einen lang andauernden Druck auf die Ohren bekämen, aber dazu machen sie ja einen Tauchkurs, um zu lernen mit Ohrendruck umzugehen.
Auch wenn sich die TUI Reisebetreuerin für das „Chaos“ im Flughafen Hurghada entschuldigte – für mich begann Ägypten mit einer positiven Erfahrung. Wir hatten schon unsere „Briefmarken“ in den Pass eingeklebt bekommen und standen Schlange vor dem „Immigration“-Schalter, da kam ein junger Flughafenangestellter angelaufen, laut „Aero Lloyd, Aero Lloyd“ rufend. Und was hatte er in der Hand? Die Fototasche mit meiner Digitalkamera, die mir beim Herausbuddeln meiner Reiselektüre im Flugzeug offensichtlich unbemerkt aus meinem Rucksack herausgefallen war!
Die HOTELANLAGE
Das Giftun Beach Resort wurde vor über 20 Jahren erbaut und gehört damit zu den allerersten Hotelanlagen in Hurghada. Den Namen „Giftun“ hat es übrigens der von einer kleinen Insel, die in der Bucht von Hurghada liegt. Ein paar Bildchen von der Anlage sind unter http://giftunbeachresort.com/giftun_deutsch.html zu finden. Und da kann man u.a. auch ein Bild vom Pool bewundern!
Die Anlage ist weitläufig, aber auch wieder nicht so riesig, als das man allzu viel Zeit braucht, um von einem Ende (also dem Strand) zum anderen (Rezeption und Restaurant) zu kommen. Die Mehrzahl der Zimmer befindet sich in reihenhausmäßig angeordneten Bungalows, mit einer Terrasse davor und viel Grün drumrum. Es gibt viel Schatten spendende Bäume (sehen etwas aus wie Lorbeerbäume, sind aber nahe Verwandte von Ficus benjamina, die ja auch deutsche Wohnzimmer unsicher macht). Die Pflanzen müssen natürlich immer gut bewässert werden, und entsprechend gibt es reichlich Moskitos, obwohl 2 mal täglich alles besprüht wird.
Das viele Grün sorgt natürlich für jede Menge Blätter, die der Wind herum wirbelte: zweimal täglich wurden Alle Wege und Terrassen gefegt.
Wir hatten nicht wie gebucht ein Dreier- und ein Einzelzimmer bekommen sondern (wie ja auch erhofft) zwei Doppelzimmer. Die Zimmer waren geräumig und hatten eigentlich alles, was ich von einem ordentlichen Hotelzimmer erwarte:
Stabile Betten mit fester Matratze, Schreibtisch mit TV mit Satellitenempfang (u.a. ZDF, RTL, RTL II, SAT1, Deutsche Welle, CNN und noch ein paar italienische, französische und arabischsprachige Sender), 2 Korbsessel, Couchtisch, großer Einbauschrank mit genügend Fächern und Bügeln, leerer Kühlschrank.
Vom Stil passt alles zueinander bis auf den Stoff der Vorhänge und der Sitzkissenbezüge. Die Lampen im Zimmer und auf der Terrasse (jeweils Energiesparlampen) hätten ruhig etwas heller sein können. Die Steckdosen in den Zimmern sind zweipolig (also ungeerdet), aber es passen auch deutsche Schukostecker rein.
Die Klimaanlage war leise und die Temperatur digital einstellbar. Jedes Zimmer hat sein individuelles System, so dass keine Gefahr besteht, dass z.B. Gerüche aus Nachbarzimmern rüberkommen (als Nichtraucher sind wir da ein bisschen empfindlich). Auch das Bad war ok. Das Wasser, das mittels Sonnenkollektoren erwärmt wird, ließ sich immer gut temperieren.
PERSONAL und SERVICE
Ich war noch nie in einem Hotel mit soo viel Personal. Ich schätze, dass das Verhältnis von Gästen zu Hotelangestellten etwa 4:1 war. Die Angestellten waren aufmerksam und nur manchmal etwas nervig, z.B. wenn beim Essen die Teller SOFORT weggeräumt wurden, sowie man den letzten Bissen getan hatte.
Der Zimmerservice war perfekt. Wenn wir zum Frühstück gingen, hingen wir die entsprechende Karte raus, und wenn wir nach einer dreiviertel Stunde zurückkamen, war alles perfekt aufgeräumt und sauber – immer! Dabei wurde das Laken jedesmal in ein anderes Muster gefaltet, und ein paarmal aus Handtüchern kunstvoll Figuren geformt und mit Blütenblättern dekoriert – gewissermaßen zur Erinnerung: „Backschisch ist wieder fällig“.
Wenn es mal technische Probleme gab (einmal die Klospülung, ein andermal die Klimaanlage), wurde das nach der Meldung umgehend und nachhaltig repariert. Ein kompetenter deutschsprachiger Ansprechpartner stand übrigens tagsüber stets zur Verfügung.
Auch das internationale Animationsteam war unheimlich nett; wenn auch die Jungs manchmal bis an die Grenze zur Aufdringlichkeit gingen, um Gäste zum mitmachen zu bringen.
ESSEN und TRINKEN
Ich bin ja ein Liebhaber der Küche des östlichen Mittelmeerraums, und so war das Essen genau richtig für mich. Entgegen meiner Befürchtung war das Essen auch nicht zu ölig.
Die Auswahl war sehr groß, und (zumindest abends) wechselte täglich. Es gab zwar eine gute Fischauswahl, aber außer gelegentlichem Tintenfisch kein sonstiges Seafood. Das hätte man sich zwar mittags im Restaurant bestellen können, aber zu abschreckenden Preisen.
Was beim Buffet etwas störte waren die fehlenden Auszeichnungen. Bei vielen Gerichten kann man ja nicht so gut erkennen, worum es sich handelt, das erzeugt eine gewisse Unsicherheit.
Mit Ausnahme vom Frühstückstee/kaffee müssen Getränke extra bezahlt werden und sind nicht ganz billig: großes (1,5 l) Mineralwasser und kleine Cola jeweils 3 DM, die Flasche lokales Bier zwischen 6 und 8 DM, alkoholische Cocktails 12 DM. So wird zwar einer Ballermann Atmosphäre vorgebeugt, aber alleine für Wasser geht einiges an Geld weg. Das Mitbringen von Speisen und Getränken ins Hotel oder die Mitnahmen von Speisen aus dem Restaurant sind untersagt, Schmuggelversuche werden aber geduldet, falls sie nicht gar zu dreist sind.
Übrigens: wenn man Capuccino bestellte, dann erhielt man für 3 DM eine Tasse, ein Kännchen mit heissem Wasser und ein Tütchen Nestlé Cappuccinopulver – da hätte ich eigentlich mehr erwartet!
Für die Halbpension gibt es ein umfangreiches Frühstücks- und Abendbuffet. Die Essenszeiten sind von 6 – 10 und von 19 - 23 Uhr, und die Tische sind so weit von einander angeordnet, dass man aufstehen und sich bewegen kann ohne die Nachbartische zu stören.
Mittags besteht die Möglichkeit, entweder im Beachrestaurant etwas zu speisen oder sich eine Pizza zu bestellen. Im Beachrestaurant kann man auch nur einen Salat zu 4 DM oder eine Portion Pommes zu 3 DM bestellen, ohne schief angesehen zu werden. Die Pizzas aus der hoteleigenen Pizzeria sind sehr groß und lecker – die Ägypter verstehen schließlich was vom Brot backen, solange es flach ist. Um sie von Hand essen zu können sind die Pizzas tortenstückmäßig geschnitten, so können sich bequem 2 oder 3 Leute eine teilen.
POOL und BEACH
Der Pool ist einer der größten und saubersten, die ich je gesehen habe. Mit einer Insel in der Mitte kann man richtig schöne Runden schwimmen, lediglich nachmittags war es manchmal ein bisschen voll.
Die Anzahl der Liegen ist so groß, dass es niemals notwendig war, sich per Handtuch eine zu reservieren, immer waren noch genügend Liegen frei. Sowohl die Liegen aus weiß lackierten Holz als auch die dicken Auflagen waren in perfektem technischen Zustand.
Es gibt auch ausreichend Sonnenschirme. Dies sind fest verankerte Stahlkonstruktionen mit Korbgeflecht anstelle einer Stoffbespannung. Das Geflecht lässt kleine Sonnenkringel durch, erzeugt also keinen Vollschatten.
Dichteren Schatten für zartbehäutete wie mich gibt es am privaten Hotelstrand, wo eine palmblattbedeckte Galerie sicheren Schutz bietet. Die eben beschriebenen Sonnenschirme stehen zusätzlich auch am Strand.
Der Sand ist ziemlich fein, mit größeren Krümeln drin. Er war zwar nie so heiß, als dass man nicht barfuß drauf laufen könnte, aber irgendwie etwas pieksig, so dass sich doch etwas zum Schutz der Füße empfiehlt. Meine Trekkingsandalen mit Klettverschluss waren genau das richtige.
Der Strand ist recht flach, Ebbe und Flut machen eine Bewegung der Küstenlinie von etwa 50 m aus. Das Wasser war sehr sauber, und meist sehr klar, nur an wenigen Tagen wirkte es etwas milchig. Der Schwimmbereich ist mit Bojen abgegrenzt, vor allem zum Schutz vor Windsurfern. Wer will, kann natürlich auch raus schwimmen, einen Bademeister zum Aufpassen gibt es nicht.
Die GÄSTE
Die schönste Hotelanlage kann einem vermiest werden, wenn einem die anderen Gäste immer wieder unangenehm auffallen. Beim Giftun gab es zwei große Gruppierungen: ausländische und ägyptische Gäste.
Die Ausländer kamen überwiegend aus Deutschland und der Schweiz, ein paar Leute aus Benelux und Russland waren auch dabei. Das Alter lag so zwischen 10 und 60 Jahren, es fehlten also kleine Kinder ebenso wie Senioren. Das Auftreten war eher zurückhaltend, man hielt sich auch weitgehend an die Kleiderordnung (keine Badekleidung im Esssaal).
Im lustigen Kontrast hierzu standen die einheimischen Gäste. Meist ganze Großfamilien, im Alter von „noch nicht“ bis „nicht mehr“ laufen könnend. Ihr Auftreten möchte ich einmal als „großzügig“ bezeichnen. Großzügig wurde z.B. der Platz am Pool belegt (war aber kein Problem, da immer noch reichlich vorhanden). Und den Herrschaften beim Essen holen und wegdrücken zuzuschauen war ein Erlebnis, neben dem jeder Feuerschlucker blass ausgesehen hätte. Wenn sich deutsche Gäste so aufgeführt hätten, wäre mir das sicherlich peinlich gewesen. So war es einfach nur komisch.
Das WETTER
Im Sommer nach Ägypten – ist das nicht viel zu heiß? Die Temperaturen im Schatten bewegten sich Anfang Juli zwischen 35°C tagsüber und 25°C nachts. Zum Vergleich: in der gleichen Zeit betrug die Höchsttemperatur in Tunesien 45°C. Relativ trockene Luft und ein steter Wind sorgten in Hurghada dafür, dass es eigentlich nie, auch mittags nicht, unerträglich heiß war.
Die Wassertemperatur lag während unserer Anwesenheit bei 27°C – durchaus angenehm erfrischend.
Die STADT HURGHADA
Hurghada hat etwa 30000 Einwohner und ist Hauptstadt der „Rote Meer Provinz“. Mit allen Hotels erstreckt sich Hurghada über eine Länge von 30 km. Es ist eine moderne Stadt, die kaum Sehenswürdigkeiten bietet. Mit dem Sammeltaxi (Minibus) kann man vom Hotel Giftun aus für 1 Pfund in ca. 15 Minuten in die Innenstadt fahren.
In der Hotelzone rund ums Giftun gab es aber auch eine ganze Reihe Shops, wo allerlei Kitsch und teilweise ganz neckische T-Shirts angeboten werden. Das Preisniveau liegt über dem deutschen: die Tafel „Ritter Sport“ kostet umgerechnet 7 DM.
TAUCHEN
Gleich am zweiten Tag meldete sich Irina zum Tauchkurs an. Die Tauchbasis „James & Mac“ (http://www.james-mac.de/jm/german/index.html) liegt auf dem Gelände des Giftun Beach Resorts und zieht Gäste aus ganz Hurghada an. Die Tauchbasis hat alleine 9 Schiffe!
Der 5-tägige Grundkurs, dazu alle Dokumente (Zertifikat, Ausweis, Logbuch) sowie 2 weitere ganztägige Tauchausflüge kosteten genau 850 DM. Von anderen, erfahrenen Tauchern erfuhren wir, dass sowohl von der Ausstattung als auch der ganzen Atmosphäre James & Mac zu den besten Tauchbasen weit und breit gehören soll.
Irina tauchte zum Schluss über 20 m tief, und bekam damit natürlich viel mehr zu sehen als ich mit meiner Schnorchelei.
SCHNORCHELN
Nach einer Woche in Hurghada hatte mein dunkelblondes Haar ein jugendliches Mittelblond angenommen, und meine sonst zartrosa Haut erstrahlte in einem fröhlichen Dunkelrosa. Damit fühlte ich mich gewappnet, eine 8-stündige Schnorcheltour zu unternehmen.
20 Jahre vorher hatte ich mir beim Schnorcheln vor Port Sudan den perfekten Sonnenbrand geholt, mit Fieber und Hautablösungen bis zu 10 cm² pro Stück. Das wollte ich nicht unbedingt wiederholen, und nahm daher ein T-Shirt mit. Ich weiss nun nicht, ob meine Waden zu dick sind oder die ausgeliehenen Flossen zu starken Auftrieb zeigten, auf jeden Fall bekam ich diesmal einen schmerzhaften Sonnenbrand an den Beinen. Aber, oh Wunder der modernen Pharmazie, regelmässiges Auftragen von After-Sun-Lotion bewahrte mich vor der Hautablösung!
Auf unserem Schiff waren etwa 40 Teilnehmer, an einigen der Schnorchelstellen lagen dann noch bis zu 15 andere gleich große Schiffe vor Anker. Was gab’s zu sehen? Korallen und jede Menge Fische in allen Formen und Farben, dazu gelegentliche Seeigel und Seegurken. Was ich vermisste waren Seeanamonen, Seesterne, Krebse, Tintenfische und Schnecken. Aber vielleicht muss man dazu in den nahegelegenen Nationalpark fahren (er kostet zusätzliches Eintrittsgeld).
SURFEN
Da es in Hurghada keine richtige Brandung gibt, ist Wellenreiten dort nicht möglich. Aber es gibt gute Möglichkeiten zum Windsurfen und zum Surfen im Internet.
Der gleichmäßige, stetige Wind, der kaum seine Richtung ändert, ist ideal zum Erlernen des Windsurfens. Direkt neben dem Hotel Giftun befindet sich eine Windsurfer Schule, von der man auch so die Ausrüstung ausleihen kann. „Schnupperkurse“ für Anfänger werden für 25 Pfund (15 DM) angeboten, „richtige“ Kurse sind etwas teurer, wie man unter der Homepage der Surfschule http://procenterfriedl.com/ nachlesen kann.
Für diejenigen unter uns, die das Surfen nicht so körperlich verstehen, gibt es in Hurghada eine ganze Reihe von Internet Cafés. Ich brauchte aber gar nicht weit zu gehen, denn im Hotel Giftun gibt es ein recht gut bestücktes Internet Café, wo ich für 10 Pfund die Stunde (6 DM) meinen Kontakt zum Rest der Welt pflegen konnte.
Auf alle Fälle ließe sich ein Erfahrungsbericht darüber schreiben, und somit doch noch ein gewisser Nutzen erzielen ;-) Und weil die Reise über 2 Wochen ging, würde der Bericht auch entsprechend lang werden.
Traditionell sucht Irina, meine älteste Tochter, Reiseziel und Hotel aus. Nach dem Studium von ein paar Kilo(gramm) Katalogen fiel die Auswahl auf das „Hotel Giftun Beach Resort“ in Hurghada am Roten Meer. Das passte auch gut zu ihrer Absicht, einen Tauchkurs zu machen und sich mit zwei Mädchen aus unserer Nachbarschaft zu treffen, die dort einen Urlaub in einer Privatunterkunft in Ägypten planten.
Im Reisebüro unseres Vertrauens (die Frau des Besitzers unterrichtet an der selben Schule wie meine Frau) versuchte man ein Beratungsgespräch: „Sie müssen wissen, dass es sich hierbei um eine ältere Anlage handelt ...“ „Hier im Prospekt steht, dass 1999 alles renoviert sei!“ erwiderte ich. „Und man kann doch von dort aus Tauchkurse machen, oder?“ fragte Irina. „Wie sieht denn der Pool aus?“ fragte Ricarda, meine jüngere Tochter „Der ist doch nicht etwa viereckig?“
Hätte der Reisebüromann die letzte Frage bejaht, dann hätten meine Töchter sicherlich umdisponiert. Aber er wusste es nicht, der TUI-Katalog konnte ebenfalls diese „elementare Frage“ nicht beantworten, und so wagten wir die Buchung: aus Kostengründen ein Doppelzimmer mit Zustellbett sowie ein Einzelzimmer. Ricarda ist 14, da gibt es dieses Jahr zum letzen mal „Kinderrabatt“.
Am ersten Sommerferientag in Niedersachsen fuhren wir mit der Bahn zur Flughafenbaustelle Düsseldorf und dann ging es mit Aero Lloyd direkt nach Hurghada. Über diesen Flughafen will ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen - das würde die Stimmung verderben - und zum Flug gibt es nichts besonderes zu berichten. Meine Töchter schimpfen zwar immer, dass sie bei Aero Lloyd (und nur da!) bei der Landung einen lang andauernden Druck auf die Ohren bekämen, aber dazu machen sie ja einen Tauchkurs, um zu lernen mit Ohrendruck umzugehen.
Auch wenn sich die TUI Reisebetreuerin für das „Chaos“ im Flughafen Hurghada entschuldigte – für mich begann Ägypten mit einer positiven Erfahrung. Wir hatten schon unsere „Briefmarken“ in den Pass eingeklebt bekommen und standen Schlange vor dem „Immigration“-Schalter, da kam ein junger Flughafenangestellter angelaufen, laut „Aero Lloyd, Aero Lloyd“ rufend. Und was hatte er in der Hand? Die Fototasche mit meiner Digitalkamera, die mir beim Herausbuddeln meiner Reiselektüre im Flugzeug offensichtlich unbemerkt aus meinem Rucksack herausgefallen war!
Die HOTELANLAGE
Das Giftun Beach Resort wurde vor über 20 Jahren erbaut und gehört damit zu den allerersten Hotelanlagen in Hurghada. Den Namen „Giftun“ hat es übrigens der von einer kleinen Insel, die in der Bucht von Hurghada liegt. Ein paar Bildchen von der Anlage sind unter http://giftunbeachresort.com/giftun_deutsch.html zu finden. Und da kann man u.a. auch ein Bild vom Pool bewundern!
Die Anlage ist weitläufig, aber auch wieder nicht so riesig, als das man allzu viel Zeit braucht, um von einem Ende (also dem Strand) zum anderen (Rezeption und Restaurant) zu kommen. Die Mehrzahl der Zimmer befindet sich in reihenhausmäßig angeordneten Bungalows, mit einer Terrasse davor und viel Grün drumrum. Es gibt viel Schatten spendende Bäume (sehen etwas aus wie Lorbeerbäume, sind aber nahe Verwandte von Ficus benjamina, die ja auch deutsche Wohnzimmer unsicher macht). Die Pflanzen müssen natürlich immer gut bewässert werden, und entsprechend gibt es reichlich Moskitos, obwohl 2 mal täglich alles besprüht wird.
Das viele Grün sorgt natürlich für jede Menge Blätter, die der Wind herum wirbelte: zweimal täglich wurden Alle Wege und Terrassen gefegt.
Wir hatten nicht wie gebucht ein Dreier- und ein Einzelzimmer bekommen sondern (wie ja auch erhofft) zwei Doppelzimmer. Die Zimmer waren geräumig und hatten eigentlich alles, was ich von einem ordentlichen Hotelzimmer erwarte:
Stabile Betten mit fester Matratze, Schreibtisch mit TV mit Satellitenempfang (u.a. ZDF, RTL, RTL II, SAT1, Deutsche Welle, CNN und noch ein paar italienische, französische und arabischsprachige Sender), 2 Korbsessel, Couchtisch, großer Einbauschrank mit genügend Fächern und Bügeln, leerer Kühlschrank.
Vom Stil passt alles zueinander bis auf den Stoff der Vorhänge und der Sitzkissenbezüge. Die Lampen im Zimmer und auf der Terrasse (jeweils Energiesparlampen) hätten ruhig etwas heller sein können. Die Steckdosen in den Zimmern sind zweipolig (also ungeerdet), aber es passen auch deutsche Schukostecker rein.
Die Klimaanlage war leise und die Temperatur digital einstellbar. Jedes Zimmer hat sein individuelles System, so dass keine Gefahr besteht, dass z.B. Gerüche aus Nachbarzimmern rüberkommen (als Nichtraucher sind wir da ein bisschen empfindlich). Auch das Bad war ok. Das Wasser, das mittels Sonnenkollektoren erwärmt wird, ließ sich immer gut temperieren.
PERSONAL und SERVICE
Ich war noch nie in einem Hotel mit soo viel Personal. Ich schätze, dass das Verhältnis von Gästen zu Hotelangestellten etwa 4:1 war. Die Angestellten waren aufmerksam und nur manchmal etwas nervig, z.B. wenn beim Essen die Teller SOFORT weggeräumt wurden, sowie man den letzten Bissen getan hatte.
Der Zimmerservice war perfekt. Wenn wir zum Frühstück gingen, hingen wir die entsprechende Karte raus, und wenn wir nach einer dreiviertel Stunde zurückkamen, war alles perfekt aufgeräumt und sauber – immer! Dabei wurde das Laken jedesmal in ein anderes Muster gefaltet, und ein paarmal aus Handtüchern kunstvoll Figuren geformt und mit Blütenblättern dekoriert – gewissermaßen zur Erinnerung: „Backschisch ist wieder fällig“.
Wenn es mal technische Probleme gab (einmal die Klospülung, ein andermal die Klimaanlage), wurde das nach der Meldung umgehend und nachhaltig repariert. Ein kompetenter deutschsprachiger Ansprechpartner stand übrigens tagsüber stets zur Verfügung.
Auch das internationale Animationsteam war unheimlich nett; wenn auch die Jungs manchmal bis an die Grenze zur Aufdringlichkeit gingen, um Gäste zum mitmachen zu bringen.
ESSEN und TRINKEN
Ich bin ja ein Liebhaber der Küche des östlichen Mittelmeerraums, und so war das Essen genau richtig für mich. Entgegen meiner Befürchtung war das Essen auch nicht zu ölig.
Die Auswahl war sehr groß, und (zumindest abends) wechselte täglich. Es gab zwar eine gute Fischauswahl, aber außer gelegentlichem Tintenfisch kein sonstiges Seafood. Das hätte man sich zwar mittags im Restaurant bestellen können, aber zu abschreckenden Preisen.
Was beim Buffet etwas störte waren die fehlenden Auszeichnungen. Bei vielen Gerichten kann man ja nicht so gut erkennen, worum es sich handelt, das erzeugt eine gewisse Unsicherheit.
Mit Ausnahme vom Frühstückstee/kaffee müssen Getränke extra bezahlt werden und sind nicht ganz billig: großes (1,5 l) Mineralwasser und kleine Cola jeweils 3 DM, die Flasche lokales Bier zwischen 6 und 8 DM, alkoholische Cocktails 12 DM. So wird zwar einer Ballermann Atmosphäre vorgebeugt, aber alleine für Wasser geht einiges an Geld weg. Das Mitbringen von Speisen und Getränken ins Hotel oder die Mitnahmen von Speisen aus dem Restaurant sind untersagt, Schmuggelversuche werden aber geduldet, falls sie nicht gar zu dreist sind.
Übrigens: wenn man Capuccino bestellte, dann erhielt man für 3 DM eine Tasse, ein Kännchen mit heissem Wasser und ein Tütchen Nestlé Cappuccinopulver – da hätte ich eigentlich mehr erwartet!
Für die Halbpension gibt es ein umfangreiches Frühstücks- und Abendbuffet. Die Essenszeiten sind von 6 – 10 und von 19 - 23 Uhr, und die Tische sind so weit von einander angeordnet, dass man aufstehen und sich bewegen kann ohne die Nachbartische zu stören.
Mittags besteht die Möglichkeit, entweder im Beachrestaurant etwas zu speisen oder sich eine Pizza zu bestellen. Im Beachrestaurant kann man auch nur einen Salat zu 4 DM oder eine Portion Pommes zu 3 DM bestellen, ohne schief angesehen zu werden. Die Pizzas aus der hoteleigenen Pizzeria sind sehr groß und lecker – die Ägypter verstehen schließlich was vom Brot backen, solange es flach ist. Um sie von Hand essen zu können sind die Pizzas tortenstückmäßig geschnitten, so können sich bequem 2 oder 3 Leute eine teilen.
POOL und BEACH
Der Pool ist einer der größten und saubersten, die ich je gesehen habe. Mit einer Insel in der Mitte kann man richtig schöne Runden schwimmen, lediglich nachmittags war es manchmal ein bisschen voll.
Die Anzahl der Liegen ist so groß, dass es niemals notwendig war, sich per Handtuch eine zu reservieren, immer waren noch genügend Liegen frei. Sowohl die Liegen aus weiß lackierten Holz als auch die dicken Auflagen waren in perfektem technischen Zustand.
Es gibt auch ausreichend Sonnenschirme. Dies sind fest verankerte Stahlkonstruktionen mit Korbgeflecht anstelle einer Stoffbespannung. Das Geflecht lässt kleine Sonnenkringel durch, erzeugt also keinen Vollschatten.
Dichteren Schatten für zartbehäutete wie mich gibt es am privaten Hotelstrand, wo eine palmblattbedeckte Galerie sicheren Schutz bietet. Die eben beschriebenen Sonnenschirme stehen zusätzlich auch am Strand.
Der Sand ist ziemlich fein, mit größeren Krümeln drin. Er war zwar nie so heiß, als dass man nicht barfuß drauf laufen könnte, aber irgendwie etwas pieksig, so dass sich doch etwas zum Schutz der Füße empfiehlt. Meine Trekkingsandalen mit Klettverschluss waren genau das richtige.
Der Strand ist recht flach, Ebbe und Flut machen eine Bewegung der Küstenlinie von etwa 50 m aus. Das Wasser war sehr sauber, und meist sehr klar, nur an wenigen Tagen wirkte es etwas milchig. Der Schwimmbereich ist mit Bojen abgegrenzt, vor allem zum Schutz vor Windsurfern. Wer will, kann natürlich auch raus schwimmen, einen Bademeister zum Aufpassen gibt es nicht.
Die GÄSTE
Die schönste Hotelanlage kann einem vermiest werden, wenn einem die anderen Gäste immer wieder unangenehm auffallen. Beim Giftun gab es zwei große Gruppierungen: ausländische und ägyptische Gäste.
Die Ausländer kamen überwiegend aus Deutschland und der Schweiz, ein paar Leute aus Benelux und Russland waren auch dabei. Das Alter lag so zwischen 10 und 60 Jahren, es fehlten also kleine Kinder ebenso wie Senioren. Das Auftreten war eher zurückhaltend, man hielt sich auch weitgehend an die Kleiderordnung (keine Badekleidung im Esssaal).
Im lustigen Kontrast hierzu standen die einheimischen Gäste. Meist ganze Großfamilien, im Alter von „noch nicht“ bis „nicht mehr“ laufen könnend. Ihr Auftreten möchte ich einmal als „großzügig“ bezeichnen. Großzügig wurde z.B. der Platz am Pool belegt (war aber kein Problem, da immer noch reichlich vorhanden). Und den Herrschaften beim Essen holen und wegdrücken zuzuschauen war ein Erlebnis, neben dem jeder Feuerschlucker blass ausgesehen hätte. Wenn sich deutsche Gäste so aufgeführt hätten, wäre mir das sicherlich peinlich gewesen. So war es einfach nur komisch.
Das WETTER
Im Sommer nach Ägypten – ist das nicht viel zu heiß? Die Temperaturen im Schatten bewegten sich Anfang Juli zwischen 35°C tagsüber und 25°C nachts. Zum Vergleich: in der gleichen Zeit betrug die Höchsttemperatur in Tunesien 45°C. Relativ trockene Luft und ein steter Wind sorgten in Hurghada dafür, dass es eigentlich nie, auch mittags nicht, unerträglich heiß war.
Die Wassertemperatur lag während unserer Anwesenheit bei 27°C – durchaus angenehm erfrischend.
Die STADT HURGHADA
Hurghada hat etwa 30000 Einwohner und ist Hauptstadt der „Rote Meer Provinz“. Mit allen Hotels erstreckt sich Hurghada über eine Länge von 30 km. Es ist eine moderne Stadt, die kaum Sehenswürdigkeiten bietet. Mit dem Sammeltaxi (Minibus) kann man vom Hotel Giftun aus für 1 Pfund in ca. 15 Minuten in die Innenstadt fahren.
In der Hotelzone rund ums Giftun gab es aber auch eine ganze Reihe Shops, wo allerlei Kitsch und teilweise ganz neckische T-Shirts angeboten werden. Das Preisniveau liegt über dem deutschen: die Tafel „Ritter Sport“ kostet umgerechnet 7 DM.
TAUCHEN
Gleich am zweiten Tag meldete sich Irina zum Tauchkurs an. Die Tauchbasis „James & Mac“ (http://www.james-mac.de/jm/german/index.html) liegt auf dem Gelände des Giftun Beach Resorts und zieht Gäste aus ganz Hurghada an. Die Tauchbasis hat alleine 9 Schiffe!
Der 5-tägige Grundkurs, dazu alle Dokumente (Zertifikat, Ausweis, Logbuch) sowie 2 weitere ganztägige Tauchausflüge kosteten genau 850 DM. Von anderen, erfahrenen Tauchern erfuhren wir, dass sowohl von der Ausstattung als auch der ganzen Atmosphäre James & Mac zu den besten Tauchbasen weit und breit gehören soll.
Irina tauchte zum Schluss über 20 m tief, und bekam damit natürlich viel mehr zu sehen als ich mit meiner Schnorchelei.
SCHNORCHELN
Nach einer Woche in Hurghada hatte mein dunkelblondes Haar ein jugendliches Mittelblond angenommen, und meine sonst zartrosa Haut erstrahlte in einem fröhlichen Dunkelrosa. Damit fühlte ich mich gewappnet, eine 8-stündige Schnorcheltour zu unternehmen.
20 Jahre vorher hatte ich mir beim Schnorcheln vor Port Sudan den perfekten Sonnenbrand geholt, mit Fieber und Hautablösungen bis zu 10 cm² pro Stück. Das wollte ich nicht unbedingt wiederholen, und nahm daher ein T-Shirt mit. Ich weiss nun nicht, ob meine Waden zu dick sind oder die ausgeliehenen Flossen zu starken Auftrieb zeigten, auf jeden Fall bekam ich diesmal einen schmerzhaften Sonnenbrand an den Beinen. Aber, oh Wunder der modernen Pharmazie, regelmässiges Auftragen von After-Sun-Lotion bewahrte mich vor der Hautablösung!
Auf unserem Schiff waren etwa 40 Teilnehmer, an einigen der Schnorchelstellen lagen dann noch bis zu 15 andere gleich große Schiffe vor Anker. Was gab’s zu sehen? Korallen und jede Menge Fische in allen Formen und Farben, dazu gelegentliche Seeigel und Seegurken. Was ich vermisste waren Seeanamonen, Seesterne, Krebse, Tintenfische und Schnecken. Aber vielleicht muss man dazu in den nahegelegenen Nationalpark fahren (er kostet zusätzliches Eintrittsgeld).
SURFEN
Da es in Hurghada keine richtige Brandung gibt, ist Wellenreiten dort nicht möglich. Aber es gibt gute Möglichkeiten zum Windsurfen und zum Surfen im Internet.
Der gleichmäßige, stetige Wind, der kaum seine Richtung ändert, ist ideal zum Erlernen des Windsurfens. Direkt neben dem Hotel Giftun befindet sich eine Windsurfer Schule, von der man auch so die Ausrüstung ausleihen kann. „Schnupperkurse“ für Anfänger werden für 25 Pfund (15 DM) angeboten, „richtige“ Kurse sind etwas teurer, wie man unter der Homepage der Surfschule http://procenterfriedl.com/ nachlesen kann.
Für diejenigen unter uns, die das Surfen nicht so körperlich verstehen, gibt es in Hurghada eine ganze Reihe von Internet Cafés. Ich brauchte aber gar nicht weit zu gehen, denn im Hotel Giftun gibt es ein recht gut bestücktes Internet Café, wo ich für 10 Pfund die Stunde (6 DM) meinen Kontakt zum Rest der Welt pflegen konnte.
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