Ich bin Sam (DVD) Testbericht

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ab 68,42
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr wenig
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von political

Tränen der Rührung, sonst aber nix!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es wird Zeit, mal wieder über einen aktuellen Kinofilm zu schreiben. Vorgestern hab ich mir gemeinsam mit Freunden „Ich bin Sam“ angesehen. Von diesem Film wusste ich im Prinzip nur, dass Sean Penn die Hauptrolle – einen Behinderten – spielt und das er für selbige Rolle Oscarnominiert wurde. Nun, das soll allerdings nichts heißen.

Inhalt:
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Sam arbeitet bei „Starbucks“ als Bedienung. Er macht das schon seit Jahren und macht seinen Job auch recht gut. Sam ist behindert, er hat das geistige Niveau eines 7-jährigen und außerdem autistische Züge. Eines Nachts wir Sam von einer Obdachlosen verführt, die ein Kind bekommt und Sam mit eben diesem Kind sitzen lässt. Sam nennt das Mädchen von nun an „Lucy“ – nach dem Beatles-Song (Lucy in the sky with diamonds). Sam, der mit seinem eigenen Leben oft nicht ganz klar kommt, muss ab jetzt auch noch für ein Baby sorgen. Dabei helfen ihm seine Freunde (allesamt Behindert) und seine Nachbarin Annie (Dianne Wiest), die seit Jahren ihre Wohnung nicht verlassen hat. Trotzdem ist sie Sam in den ersten Monaten und Jahren eine große Hilfe.

Einige Jahre später steigen wir wieder ein in das Geschehen. Lucy geht bereits in die Schule und hat inzwischen ihren Vater in vielen Dingen überholt. Sie ist sich inzwischen der Behinderung ihres Vaters bewusst und versteht damit umzugehen. Trotzdem scheint sie den allwöchentlichen Trott leid zu sein. Sam hat nämlich sein Leben nur deshalb halbwegs im Griff, weil er einen geregelten Tages- und Wochenablauf hat. Eines Abends bettelt nun Lucy, doch einmal in ein anderes Restaurant essen zu gehen. Sam willigt ein und prompt bekommt er Ärger. Eine Prostituierte spricht ihn an und Sam, der sich dessen nicht bewusst ist, wird festgenommen. Ab diesem Moment wird das Jugendamt auf Sam und Lucy aufmerksam. An ihrem siebenten Geburtstag wird Lucy von Sam weg in ein Heim gebracht. Sam ist außer sich und weiß nicht, was er tun soll.

Schließlich versucht er, eine Anwältin zu finden. Rita Harrison (Michelle Pfeiffer) soll es sein. Sie hat noch nie einen Fall verloren, ist ein Workaholic und denkt gar nicht daran, für Sam die Anwältin zu spielen, zumal er kein Geld hat, um sie zu bezahlen. Schließlich lässt sie sich doch überreden und übernimmt den Fall. Es beginnt der Kampf gegen das Jugendamt. Dabei hat es Rita schwer, da sie erstens viele persönliche Probleme mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn hat und außerdem kann sie kaum Zeugen finden, die sinnvoll zugunsten Sam’s aussagen könnten. Ob sie und Sam es trotzdem schaffen, das Sorgerecht für Lucy zu erkämpfen, werde ich natürlich nicht verraten, seht am besten selbst.

Die Darsteller
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-) Sean Penn als Sam war meiner Ansicht nach absolut überzeugend und hat sich die Oscarnominierung allemal verdient. Wie schon Dustin Hoffman in „Rain Man“ spielt auch Penn die Rolle des (teilweisen) Autisten absolut grandios und berührend.

Sean Penn spielte unter anderem in „Dead Man Walking“, „Sweet and Lowdown“ und „Colors – Farben der Gewalt“.

-) Michelle Pfeiffer als Rita war ebenfalls sehr gut besetzt, auch wenn man die Rolle der harten Business-Woman, die erst nach und nach ihr weiches Herz entdeckt schon zur Genüge kennen.

Michelle Pfeiffer spielte schon in „Dangerous Minds“, „Tage wie dieser“, „Aus nächster Nähe“,...

-) Dakota Fanning als Lucy hat mich sehr begeistert. Sie spielte die Rolle der kleinen Lucy absolut überzeugend. Als sie entdeckt, dass sie ihrem Vater bereits geistig überlegen ist, weigert sie sich zu lernen und ihr Blick lässt uns an ihren Sorgen ihre Zukunft betreffend teilhaben. Von der kleinen Dakota werden wir wohl noch hören.

-) Dianne Wiest als Annie hatte eine eher kleine Rolle, erfüllte aber diese sehr gut. Wiest hat eine Phobie, die sie daran hindert, aus dem Haus zu gehen, trotzdem schafft sie es, vor Gericht zu erscheinen, um für Sam und Lucy auszusagen.

Dianne Wiest spielte auch schon in „Zauberhafte Schwestern“, „Edward mit den Scherenhänden“ und „Das Wunderkind Tate“.

Daten zum Film:
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Die Regie bei diesem Film führte Jessie Nelson (Corinna, Corinna). Alles in allem würde ich sagen, eine gelungene Arbeit. Den Haken am Film stellt wohl eher das Drehbuch dar, wo Nelson ebenfalls ihre Finger im Spiel hatte (gemeinsam mit Kristine Johnson).

Die Musik stammt von John Powell, der schon die Musik zu „Shrek“, „Face/Off“, „Chicken Run“ und vielen weiteren Topfilmen verantwortete. Besonders gut gefielen mir die vielen Beatles-Songs, die ja auch direkt zum Handlungsgeschehen gehören.

Der Film hat keine Altersbeschränkung (zumindest in Österreich), wurde 2001 gedreht und dauert etwa 132 Minuten.

Fazit:
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Was soll ich jetzt über diesen Film sagen. Einerseits war es ein wirklich berührender Film, was wohl vor allem von der glaubwürdigen Darstellung des Sam abhängt und seinem Zusammenspiel mit Lucy. Vor allem jene Szenen, in denen die beiden gemeinsam spielen, sind einige Male wirklich sehr gelungen und drücken schon ordentlich auf die Tränendrüse. Eine Bekannte von mir behauptet, noch bei fast keinem Film soviel geheult zu haben – das möchte ich dann aber doch in Frage stellen.

Was man dem Film auch nicht absprechen kann, sind teils sehr witzige Elememente. Man kommt auch das eine oder andere Mal nicht umhin, über Sam's Behinderung zu schmunzeln, obwohl man kurz später bemerkt, daß das eigentlich gar nicht lustig sein sollte. Damit habe ich aber leider schon alle positiven Seiten des Films beisammen.

Der Film hat aber auch einige Schwachpunkte, die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte. Einerseits hat mich das ständige Product-Placement sehr gestört. Die Art der Anwendung geht hier sogar über bloßes Product-Placement hinaus und artet in eine Imagekampagne zu Gunsten von Starbucks und Pizza Hut aus. Ich weiß, jetzt werden viele sagen, dass ich das wohl in jedem Hollywood-Film finden werde, doch irgendwie hab ich es noch nie als so stark und störend empfunden.

Was mich außerdem sehr gestört hat, war die Darstellung der Rita – trotz der schauspielerisch guten Leistung von Michelle Pfeiffer – weil man wie schon erwähnt diese Rolle schon zur Genüge kannte und weil sie irgendwie nichts Neues brachte und auch keinerlei Geheimnis in sich barg, was dem Film auf jeden Fall gut getan hätte. So hätte eine intensivere Beleuchtung ihres Verhältnisses zu ihrem Sohn sicher nicht geschadet, doch leider wird dieser Thematik nicht mehr als 5 Minuten der Handlung geschenkt.

Als etwas übertrieben empfand ich auch die Darstellung der behinderten Freunde von Sam. Leider fehlte hier absolut einen ernste und kritische Auseinandersetzung mit der Thematik der Behinderten. Sam’s Freunde dienen in diesem Film lediglich als Lacher, um die sonst recht traurige Handlung etwas aufzulockern.

Als letzten und wohl wichtigsten Negativpunkt möchte ich die Story selbst nennen. Hier wurde mal wieder eine sehr gute Chance vertan, realistisches Kino zu machen, zu Gunsten unzähliger Klischees und zu Gunsten unrealistischer Entwicklung. Der Film mag vielleicht in Teilen der echten Welt entsprechen, allerdings je länger er dauert, desto mehr wird er unrealistisch und somit unglaubwürdig. Dem ganzen wird durch das typische Hollywood-Ende die Krone aufgesetzt.

So, jetzt hab ich genug geschimpft. Abschließend möchte ich trotzdem eine Empfehlung abgeben, sich diesen Film anzusehen, weil ich denke dass allein die schauspielerischen Leistungen von Sam und Lucy sich dies verdient haben. Bei allen Mängeln, die der Film hat, so ist er doch sehenswert, vor allem dann, wenn im Hinterkopf immer den Gedanken hat, Authentizität und Realismus von einem Hollywoodfilm nicht erwarten zu können und dürfen.

Alsdann, viel Spaß mit dem Film und bis zum nächsten Bericht – hoffentlich! Einen schönen Tag und danke für die vielen Kommentare ;-)

lg chris

PS: Wie gewohnt wird dieser Bericht wieder auf diversen Foren (unter „political) zu lesen sein, um Fakern keine Chance zu geben.

24 Bewertungen, 1 Kommentar

  • sweetcat

    23.05.2002, 15:17 Uhr von sweetcat
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht! :)