Gletschergrab (Taschenbuch) / Arnaldur Indridason Testbericht

ab 6,67
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Erfahrungsbericht von T_Goose

Was verbirgt sich da im Eis?

Pro:

sehr hohe Spannung, Schreibstil

Kontra:

wirkt teilweise unrealistisch

Empfehlung:

Ja

Hallo liebe Community. Bereits die ersten beiden in Deutschland veröffentlichen Werke des isländischen Autors Arnaldur Indridason habe ich mich großen Interesse gelesen. Auch sein drittes Buch, welches bei uns unter dem Namen „Gletschergrab“ erschien, stand ganz oben auf meiner Liste. Auch wenn es diesmal nicht um die Ermittlungen des Polizisten Erlendur geht, wollte ich das Buch unbedingt haben. Daher kaufte ich das Taschenbuch zum Preis von 7,90 €.

.:: Story ::.

Schauplatz ist diesmal der größte Gletscher Europas, der Vatnajökull auf Island. Dort stürzte kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges ein Flugzeug der amerikanischen Streitkräfte ab. Seine Fracht ist hochbrisant, doch jegliche Bergungsversuche schlugen bisher fehlt. Seitdem liegt das Flugzeug unter einer dicken Eisschicht und das Geheimnis scheint sicher. Doch neue Satelliten-Aufnahmen versetzen die Streitkräfte der US-Basis in Keflavik in höchste Alarmbereitschaft. Der Gletscher ist in Bewegung und das Flugzeug-Wrack ist freigelegt! Sofort wird eine Mannschaft gebildet, die das Flugzeug und ihre geheime und brisante Fracht ohne großes Aufsehen bergen soll.

Zeitgleich ist eine isländische Rettungstruppe auf dem Gletscher und hält dort eine Übung ab. Elias gehört dieser Truppe an und macht mit seinem Kumpel einen kleinen Ausflug mit den neuen Motorschlitten. Dabei treffen sie zufällig auf den Bergungstrupp der US-Armee und wissen gar nicht, was sie da gerade entdeckt haben. Bevor sich die Soldaten ihnen nähern können, ruft Elias seine Schwester Kristin an und erzählt ihr von diesem Vorfall. Ihr Telefonat wird abrupt getrennt und Kristin ist in großer Sorge um ihren Bruder.

Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihren Bruder aus der bedrohlichen Lage zu retten. Ehe sie sich versieht, ist sie selbst tiefer in die Angelegenheit verwickelt, als ihr lieb ist. Es beginnt ein gefährlicher Wettlauf, bei dem Kristin die tiefere Bedeutung der „Operation Napoleon“ erst im Laufe der Zeit klar wird. Was befindet sich wohl an Bord des Flugzeuges? Eine Bombe? Ist es vielleicht doch ein gigantischer Goldschatz? Oder doch etwas völlig anderes? Wird Kristin ihren Bruder noch retten kann...

.:: Meinung ::.

Indridason ist erneut ein spannender und absolut fesselnder Thriller gelungen. Allein schon die kurze Einleitung , bei der es um den Flugzeugabsturz gegen Ende des Zweiten Weltkrieges geht, versetzt mich als Leser sofort in eine spannende Situation. Allerdings bekommt man nur stückhaft mit, um was für eine spektakuläre Mission es sich bei dem Flug handelt. So wird aber gekonnt eine Grundspannung erzeugt, die sich durch das gesamte Buch ziehen wird.
Anschließend erfolgt eine Blende in das Jahr 1999 und die Hauptperson Kristin kommt zum ersten Mal ins Bild. Sie wird dem Leser schnell vertraut und ich kann mir unter ihrer Beschreibung sehr gut etwas vorstellen. Überhaupt sind die einzelnen Charaktere von Indridason sehr gut beschrieben, so dass sie einem nicht fremd, sondern eher vertraut wirken.

Im Verlauf der Geschichte, die einem zum Atmen kaum Zeit lässt, kommt Kristin dem dunkeln Geheimnis des Flugzeuges immer ein keines Stückchen näher. Dabei weiß sie aber nur so viel, dass es meistens nur für wilde Spekulationen reicht. Die atemberaubende Jagd nach der Wahrheit ist spektakulär und wirkt an manchen Stellen ein wenig unrealistisch. Das war ich von Indridason bisher zwar nicht gewohnt, da er immer sehr realitätsnah geschrieben hat, aber diesmal ist er von seiner Linie ein wenig abgewichen. Die Flucht vor ihren Verfolgern wirkt so aber deutlich riskanter und gefährlicher, was dem Lesespaß fördert. Zwar hatte ich in der einen oder anderen Stelle schon ihr Ende voraus gesehen, aber als Hauptfigur, darf dies natürlich nicht passieren.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und hat mich wie gesagt von der ersten Seite an gefesselt und in seinen Bann gezogen. Ich musste mich schon förmlich zwingen, das Buch zur Seite zu legen, um eine Pause einzulegen. So ist es auch nicht sehr verwunderlich, dass ich es innerhalb von zwei Tagen gelesen habe, was mir ansonsten eher selten passiert.

In der Vormerkung wird darauf hingewiesen, dass sich in Island jeder duzt und dies bei der Übersetzung auch beibehalten wurde. Doch dies ist diesmal gar nicht so sehr von Bedeutung gewesen, da es fast ausschließlich um amerikanische Soldaten oder aber um Isländer mit amerikanischen Soldaten geht und dort wurde auf die Du-Form gänzlich verzichtet. Die wenigen Male, wo zwei oder mehrere Isländer etwas miteinander zu tun hatten, sind eher rar und daher halte ich diese Sitte auch nicht für sonderlich wichtig. In seinen beiden anderen Romanen, kam diese typisch isländische Form allerdings eindeutig besser rüber.

Auch muss ich sagen, dass es nicht so viele isländische Begriffe gab, wie in den beiden anderen Büchern zuvor. Es beschränkt sich eindeutig auf Ortsbezeichnungen und dabei fast ausschließlich auf den Vatnajökull Gletscher. Dieses Wort hat man aber spätestens nach dem dritten Mal in seinen Sprachgebrauch aufgenommen.

Das Ende, welches mit einem erneuten Zeitsprung in das Jahr 2005 geschieht, ist ebenso unglaublich, wie die gesamte Geschichte zuvor. Ich hatte zwar gewisse Vermutungen, was den Inhalt der geheimen Fracht der Maschine angeht, aber an die tatsächliche Lösung hatte ich nicht wirklich geglaubt. Ich möchte an dieser Stelle aber auch nicht verraten, was sich jetzt genau an Bord des Flugzeuges befindet. Ich möchte euch ja nicht die Spannung nehmen!

Auch wenn es in „Gletschergrab“ nicht um einen neuen Fall des vertrauten Polizisten Erlendur geht, so finde ich es dennoch sehr gelungen. Er hätte mit seiner komischen Art auch ganz und gar nicht in den Fall hereingepasst, und es wäre ja auch kein typsich isländischer Mord gewesen, was ja seine Spezialfälle sind. Daher bin ich wirklich positiv von der völlig neuen Seite Indridasons überrascht worden.

.:: Autor ::.

Arnaldur Indridason wurde 1961 in der isländischen Hauptstadt Reykjavik geboren. Er studierte dort an der Universität von Island Geschichte, wo er schließlich auch 1996 in diesem Fach graduierte. Anschließend verdiente er sich seine Brötchen bei der größten isländischen Tageszeitung Morgunbladid als Journalist und Filmkritiker. Indridason lebt bis heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Reykjavik, wo er als freier Autor arbeitet.

Seine beiden im letzten Jahr erschienen Bücher „Nordermoor“ und „Engelsstimme“ waren ein großer Erfolg. Sie wurden auch mit dem „Nordic Crime Novel’s Award“ für den besten Krimi Skandinaviens ausgezeichnet. Doch diese beiden Bücher sind nur die Fälle 3 und 4 des Polizisten Erlendur. Die beiden ersten Fälle, wobei das erste Werk bereits 1995 erschien, gibt es bislang nur im isländischen Original. Aber bei dem anhaltenden Erfolg, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese auch ins deutsche übersetzt werden.

.:: Daten zum Buch ::.

Autor : Arnaldur Indridason
Titel : Gletschergrab ( Original : Napóleonsskjölin )
Jahr : Original 1999, deutsche Übersetzung 2005
Übersetzung : Coletta Bürling
Richtung : Island Krimi
Seiten : 366
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 3-404-15262-X
Preis : 7,90 €

.:: Fazit ::.

Gletschergrab ist ein absolut spannendes und fesselndes Buch zugleich. Es hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen, und ich konnte es nur schwer aus der Hand legen. Auch wenn es nicht um die vertrauten Charaktere aus Indridasons bisherigen Werken geht, so bin ich von der Geschichte begeistert und erfreut, dass er auch noch etwas anderes kann. Die Geschichte ist zwar an einigen Stellen etwas unrealistisch, doch dadurch wirkt alles eine Spur gewagter und riskanter. Doch dies stört wie gesagt nur minimal und sorgt nicht dazu, dass das Buch schlechter wirkt. Ganz im Gegenteil, es ist ein absolutes Muss!
Daher vergebe ich auch die vollen 5 Sterne und kann euch das Buch wärmstens empfehlen. Wer auf spannende Thriller steht, die ein bisschen was von Verschwörung haben, dann ist „Gletschergrab“ genau das richtige.

Danke für die Aufmerksamkeit, bis zum nächsten Mal

Ciao T_Goose

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