Irland Testbericht

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Erfahrungsbericht von newsboard

Weltoffenes GALWAY Irlands altes Portal zur Neuen Welt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nach Jahren wieder einmal im Süden der Republik Irland. Gelandet in Shannon Airport, von Freund Pat O’Hara abgeholt im alten Landrover, gemütlich die Landstraße runter nach Galway, oder Gaillimh, dem steinigen Fluss, wie die alten Kelten zu sagen pflegten.

Was ist Galway? Eine Stadt für Auswandererschiffe auf dem Weg zur Neuen Welt, ein Fischerort, ein verschlafenes altes romantisch Städtchen im Westen Irlands? Alles und doch etwas anderes, könnte man sagen.

Mit den letzten Jahren ist Galway, so wie der Gesamte Süden der Insel, die Republik Irland, auch genannt der kleine „Keltische Tiger“, in Anlehnung an die sich enorm rasant entwickelnden Mittelstaaten Asiens, auf dem gezielten, maßgerecht geplanten großen Sprung nach vorn. In den Sechzigern und Siebzigern noch das altbekannte verschlafene Fischerstädtchen mit um die 25,000 Einwohnern hat sich mit der mit viel Liebe und Geschick genau geplanten und gezielt gesteuerten neuen Wirtschaftspolitik und ihren Chancen Galway zu einer aufstrebenden Boomtown mit inzwischen 60,000 bis 65,000 ackernden und rackernden Einwohnern entwickelt.

Niemand hat so gut wie die armen Iren verstanden die EG und ihre Möglichkeiten gezielt zu nutzen, und bei den Iren vielleicht am nachhaltigsten und erfolgreichsten der Westen der Republik, Orte wie Kork, Shannon und Galway. So kommt es, dass aus dem verschlafenen romantisch-verträumten Galway meiner Kindheit eine ganz andere Welt geworden ist.

Das ist was die Zahlen und die Statistiken sagen. Heute wandert wohl niemand mehr aus, heute sucht man neue Leute.

Und dennoch, Irland wäre nicht Irland, Galway nicht Galway, wenn da nicht der Charme des ruhigen, freundlichen und romantischen trotz allen Forschritts auch dies überstehen würde.

Da kommen wir nach einigem Herumgefahre in der hügeligen grünen Landschaft über die Salmon Weir Brigde über die Vincent Street in die Altstadt. Wer aussteigt um ein paar Schritte zu gehen kann am Ufer Galway Bay spazieren gehen, den rauschenden Wassern lauschen, die gegen die vielen alten Felsbrocken und Steine schlagen, wer etwas christlicher orientiert ist vielleicht die Neue Kathedrale, ein paar Schritte weiter, besuchen. Diese vermittelt altmodische heimelige Ruhe und Besinnlichkeit auch in heutiger hektischerer Zeit.

Einige Haken und Schlenker im unnötig komplizierten Kreisverkehr und wir sind in der Altstadt angekommen. Unser erstes Ziel ist Eyre Square, erstens weil wir dort unser Hotel finden, das gute alte „Great Southern“, mittelteuer wie alles in Galway, aber angenehm sauber, ordentlich, vertraut altmodisch. Hier ist das Stadtmitte, das Herz sozusagen, Rtahaus und Bahnhof, aber auch der Kennedy Park mit dem Denkmal des großen Irischen Schreibers Patric O’Conner, einem Sohn dieser Stadt.

Doch auch wer viele interessante Läden zum ausgefallenen Shopping oder eher noch einen reizvollen Pub sucht, der ist hier richtig. Die reihen sich hier einer an den anderen. Hören sich Namen wie „Wooden Heart“ oder „Twice as Nice“ nicht schon im Vorbeigehen recht ordentlich an? Schließlich entscheiden wir uns für den Kopf des Königs, einem Pub aus dem Jahre 1649, jedenfalls behaupten das die Inhaber. Hier finden wir die typische, altmodisch-gediegene Atmosphäre eines großen, ordentlichen Pubs, wie wir ihn schon aus London kennen und lieben, nur sind wir hier eben im Landes des Guiness einerseits, und bei den ehemals recht rebellischen Iren andererseits. Da ist der Name (onem) eben doch auch ein malerisches Omen, - „The Kings Head“ heißt der nette Laden, der (abgeschlagene) Kopf des Königs, die Iren waren eben doch keine Royalisten, und so erinnert dieser Name an die Enthauptung des Königs Charles II von England durch den rebellischen, republikanischen (Lordprotektor wie er sich nannte) Oliver Cromwell, den die Irenen andererseits auch nicht sonderlich mochten.

Gestärkt durch ein kühles Guiness, oder waren es doch drei oder vier, da erinnere ich mich nicht mehr so genau, sollte also die Aussage verweigern.

Kommen wir zu einem anderen, recht bekannten Irlandexport aus Galway, - ein paar Straßen weiter steht steinern, quadratisch praktisch und ewig gut das massive vierstöckige Lynch Castle, die Residenz der mächtigen Familie der Fitzstephans, lange Jahre die Bürgermeister und Friedensrichter des mittelalterlichen Galway. Auch hier war es eine Vater – Sohn Story, die in die Geschichte einging, - James Lynch Fitzstephan Bürgermeister und Friedensrichter, führte ein Verfahren wegen Mordes gegen seinen eigenen Sohn, und als die Geschworenen ihn freisprachen obwohl er schuldig war einen spanischen Gast ermordet zu haben, griff der Lynch-Richter selbst zur Tat, da der Henker sich weigerte richtete der Vater den Sohn selbst hin, - er wollte nicht, dass die Tat des Sohnes die für die Stadt lebenswichtigen Handelsbeziehungen zu Spanien gefährden sollte.

Wer sich also jemals gefragt haben sollte wo das Wort Lynch-Justiz herkommt, der weiß es jetzt, - nicht aus dem Wilden Westen und unter Bäumen, sondern aus dem Stadtpalast der Fitzstephans in Galway, nur eben wie Hunderttausende Iren eben auch importiert nach und etabliert in die Amerikanischen Kolonien.

Eigentlich erinnere ich mich nur, dass wir nach einem längeren weitern Zug durch die Gemeinde und verschiedenen weitere gemütliche Pubs irgendwann im laufe des Abends wieder in unserem Hotel ankamen, und nach gutem Schlaf des Gerechten am nächsten Morgen unsere Fahrt nach Connemara fortsetzten.

Wer meint ich hätte mir mehr Namen merken sollten, der soll doch erst einmal selbst versuchen, sich erfolgreich durch einen Pub zum anderen durch zu trinken, - wer das schon erfolgreich schafft, oder auch wer dies noch lernen will, hier könnte er am richtigen Platze sein, welcome to the Irish Pubs!

20 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Gaeltacht

    19.02.2002, 11:29 Uhr von Gaeltacht
    Bewertung: sehr hilfreich

    Zu allererst muss ich sagen, dass ich vieles wiederentdeckt habe in deinem Beitrag - Plätze, die ich bald wiedersehen will. Aber leider auch einige Fehler, von denen zumindest die Rechtschreibfehler recht einfach zu beseitigen gewesen wären. Wen