Italien Testbericht

Italien
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Erfahrungsbericht von ciaobella

Die Via Appia Antica - Verwitterte Spuren von Schrift und Kunst auf uralten Marmorblöcken

Pro:

Zauberhafte Stadt, Vino Nobile

Kontra:

Alles im Preis gestiegen. Teuro macht's möglich.

Empfehlung:

Ja

Begleitet ihr mich ein Stück?

Es ist die erste unter den Consularstraßen, die 312 v. Chr. von Appius Claudius Cäsius gebaut
wurde. Die „regina viarum“ ist die wichtigste Verbindungsstraße des antiken Rom geblieben und bis heute die am meisten befahrene – mit einer neu gebauten Trasse, um den archäologischen Park der „via romana“ zu wahren. Die Via Appia verband ursprünglich Rom mit Capua und später noch mit Benvenuto; sie verlief durch die Pontinischen Sümpfe!

1. Zur Geschichte der Via Appia – die einzelnen Abschnitte
2. Domine, quo vadis? „Herr, wohin gehst Du“?
3. Cäcilia Metella
4. Das ist sie also, die uralte Straße
5. Meine Erfahrungen

Zwischen Ende des III. Jahrhunderts und dem Anfang des II. Jahrhunderts v. Chr. war die Via Appia die große Hauptstraße bis Brindisi, die Rom mit dem Orient und Griechenland verband.

Der älteste Teil der Via Appia nach der „servianischen Mauer“ (die erste vom sechsten König Roms etruskischer Herkunft Servius Tullius errichtete Mauer) wurde sofort von Patriziervillen, monumentalen Grabstätten und Thermen aus dem II. Jahrhundert gesäumt, die an dem Mosaikfußboden erkannt worden sind, der sich unter der Caesario Kirche hinzieht. Dieser erste Teil lag in der Stadt nach dem Bau der Aurelianischen Mauer, die im späten II. Jahrhundert zur Verteidigung gegen die immer mehr drohenden Barbaren vom Kaiser Aurelian errichtet worden waren.

Im frühzeitigen Teil der Via Appia – nach der Abzweigung der Via Latina und vor der Porta San Sebastiano – liegt links das „Scipionen-Grabmal“, aus einem Block Tuffstein am Anfang des III. Jahrhunderts gehauen. Das älteste Grab – eine Art Pantheon und Heiligtum des römischen Volkes – beherbergte die sterblichen Hüllen der großen Generäle, die die Stärke Karthagos bezwangen.

Gehen wir die Via Appia weiter, finden wir nach der Porta San Sebastiano, zwischen den vielen Überresten aus dem kaiserlichen Rom, erhebliche Spuren von christlichen Monumenten.

Die kleine Kirche( „Chiesa dell’ Annunciata“ ) - „Domine, Quo vadis“ - „Herr, wohin gehst Du“?“ gehört ebenso dazu, wie in ihrer Erneuerung aus dem XVII. Jahrhundert die Katakomben des Callisto, in denen viele Päpste der frühen römischen Kirche begraben liegen, die Katakomben und die Basilika des hl. Sebastian aus dem IV. Jahrhundert; die auf dem Platz errichtet wurde, auf dem für eine gewisse Zeit die hl. Petrus und Paul ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten.

Noch weiter ist die Via Appia von den Resten zahlreicher Villen und monumentalen Grabstätten gesäumt; unter diesen ragt wegen seines außerordentlichen Erhaltungszustandes das Grabmal der Cäcilia Metella, Heiligtümer und lange Stücke antiken Fußbodens hervor.
Wegen der Sitten und kraft erlassener Edikte mußten die Beerdigungen von den Verstorbenen weit von den Wohnorten entfernt – außerhalb der Stadtmauer stattfinden. Deshalb finden wir heute längs der Consularstraßen und besonders längs der Via Appia Antica die Ruinen unzähliger Grabstätten von verschiedener Größe und architektonischer Struktur, aus verschiedenen Zeiten. Zum größten Teil handelt es sich um Gräber wohlhabender und berühmter Personen, die eine soziale Vorrangstellung der Familie in den Vordergrund stellten.

DOMINE, QUO VADIS
Nach der Überlieferung sagte der Apostel Paulus auf diesem Platz diese Worte bei der Erscheinung Jesu, auf dem dann die Kirche errrichtet wurde. Petrus floh wegen der von Nero gegen die Christen ausgelösten schweren Verfolgungen aus Rom, die Christen waren vom Kaiser der Brandstiftung Roms im Juli 64 n. Chr. angeklagt. Petrus verstand, daß die Erscheinung Christi eine stumme Anklage wegen der Flucht war.

In der Nähe des Maxentius Zirkus und des Grabes seines Sohnes Romulus, immer längs der Via Appia, erhebt sich das Grab der Cäcilia Metella.

CÄCILIA METELLA
Sie war die Tochter von Quintus Metella, Creticus, Eroberer der Insel Kreta. Im IX. Jahrhundert schlossen die Grafen Tuscolo das Denkmal in ein befestigtes Viereck mit einer Mauer und Verteidigungstürmen ein. Dieses wichtige Monument schien zu verschwinden, als Papst Urban VIII.Barberini auf den Heiligen Stuhl kam. Um den Trevi-Brunnen zu bauen gab der Papst den Befehl, die wertvollen Marmorstücke des Grabmales der Cäsilis Metella abzubauen und fortzubringen. Die Rebellion der Bürger, die in Massen gekommen waren die „Metzger“(wie man sie nannte) des edlen Denkmals aufzuhalten, brachte das Aufhalten dieses Verunstaltens zustande und erlaubt dadurch, den Nachkommen dieses überragende Zeugnis der antiken Welt zu erhalten. Unterhalb der Ballustrade in eine gehauene Waffentrophäe eingeschlossen, liest man die Widmungsinschrift am Denkmal für Cäcilia Metella.

DAS IST SIE ALSO, DIE URALTE STRASSE
Diese schwarzen buckligen Steinplatten liegen hier ihre zweitausend Jahre. Da liegen sie im Gras zwischen den Pinienzapfen, die uralten Marmorblöcke mit den verwitterten Spuren von Schrift und Kunst, die Generationen von Philologen zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Von Postkarten her kennt man das Bild, wie eine malerisch grasende Schafherde die Straße überquert. Zypressen stehen am Grab der Cäcilia Metella. Ich denke mal, das muß schon lange fotografiert sein. Einfältig, wie ich bin, glaube ich, daß man zu Fuß auf der Via Appia promenieren kann, über die Legionen im Gleichschritt donnerten und an deren Rand man die Überlebenden des Spartakus-Aufstandes ans Kreuz hängte, zur Ergötzung der Reisenden von Rom nach Capua, der bedeutenden Handels- und Kurierstraße des Weltreichs.

Nun hat man aber den alten Renommierweg zu einer Einbahnausfallstraße gemacht, auf der der lufthungrige Römer, vor allem sonntags, in die Romagna fährt. Sie ist zweifellos überwältigend, die alte Straße.Besonders an den Stellen, wo sie noch mörderischer für mich wird, da sie eingepreßt zwischen engen Mauern verläuft, die überwuchert sind von üppigen subtropischen Pflanzen. Sehnduchtsvoll ahne ich dahinter Gärten von Stille und Schatten, An meiner linken Schulter vorbei braust, dirigiert von Intervallen ferner Verkehrsampeln, der schnelle und mehrspurige Wahnsinn, den man hierzulande Verkehr nennt. Manchmal presse ich mich an eine Mauer und schließe die Augen, bis eine Brandungswehe vorüber ist. Sicher lachen sie in den Autos über mich. In nackter Angst um mein Leben nehme ich die Haltepunkte wahr .Dort, wo es nur Gartenmauern und keine Autos mehr gibt sind die Mauern gar nicht mehr antik, sie sind neu. Hier befinden sich kleine Pförtchen, mit schmiedeeisernen Toren, auch mit Sprechfunkanlagen, manchmal erhebt sich bei Annäherung in drohender Lautlosigkeit ein Hund. Alles ist still.

MEINE ERFAHRUNGEN
Natürlich muß man diese Via Appia aufsuchen. Etappenweise kommt man auch ganz gut voran. Wer sich scheut dem Autoverkehr zu folgen sollte mit dem Bus zur Via Appia fahren. Achtung bei einem geplanten Fußmarsch – Nicht die Nuova Appia entlanglaufen. Unbedingt beachten, daß man die „alte Straße“ nimmt. Zu Fuß ist es natürlich viel interessanter und einprägsamer, aber ein hupender Italiener wird sich immer finden, der sich dann als galanter Appia-Führer erweist. Sehr zu empfehlen! Am Abend sollte man das Quartier dann aber möglichst verlassen, da sich zu dieser Zeit die Mädels des „horizontalen Gewerbes“ einfinden und die Via Appia sich zur Straße der Lust verwandelt. Man kann direkt eine Ausfahrt zur Via Appia bei einem Reiseunternehmen buchen. Diese Fahrten finden täglich statt. Meistens bieten das aber die Reiseunternehmen gleich in ihrem Service an. Laufen, schauen und staunen, das Lärmen der Autos wird dann etwas unterdrückt. Man muß nicht zu den Hauptverkehrszeiten auf der Via Appia laufen. Das kann man dann schon etwas freundlicher zu ruhigerer Morgenstunde genießen. Es ist ein unbedingtes Muß, wenn man in Rom ist.

Ich bedanke mich für’s Lesen ! Wer noch mehr Interesse an Rom hat, dem empfehle die zahlreichen Berichte, die ich inzwischen verfaßte.


Viele Grüsse!
ciaobella / Copyright by ciaobella für Yopi.de
gepostet am 19. 02. 2002.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-17 15:36:16 mit dem Titel Montepulciano - Auch eine Perle der Zentraltoscana

Wir verlassen Siena durch die Porta Romana und fahren südlich nach Buenconvento. Das ist nordöstlich der großen Abbazzia di Monte Olivieto Maggiore. Fährt man weiter südlich, bei Torrinieri, findet man die Abzweigung der Straße zu dem prächtig auf einer Höhe gelegenen Bischofsstadt Montalcino. Weiter geht die Fahrt bis San Quirico d’ Orcia. (Ein längerer Abstecher ist in beiden Städtchen zu empfehlen). Das an der Via Cassia gelegene Städtchen erhebt sich über den Flußtälern Orcia und Asso. Pienza erreicht man hinter San Qurico d’ Orcia auf em aussichtsreichen Kamm. Diese Stadt galt jahrelang als Brennpunkt von Städtbauern der Renaissance. Fährt man weiter auf dem Kamm, erreicht man Montepulciano.

Es liegt in der Zentraltoscana, ca. 70km südöstlich von Siena und 20km westlich vom Lago Trasimeno, welcher zu Umbrien gehört. Das Städtchen liegt zwischen der Valdichiana und dem Orcia-Tal. Bekannt ist es vor allem wegen seiner Weine. Unter anderem des bekannten, wohlgepriesenen Vino Nobile. Montepulciano, rund auf der Bergkuppe gelegen hat im Grau seines Tuffsteines einen ganz anderen Charakter als andere Städte der Toscana. Das Weingut-Signoria, die feudalen Nobili haben hier die Herrschaft ausgeübt, nie aber das Stadtpatriziat. Noch immer haben ein paar große Familien die Hand auf dem Boden von Montepulciano.

Auf dem Grat des Berges zieht sich die Hauptstraße der Stadt dahin. Eng und schmal, ganz der Struktur der Felsen folgend. Man weiß nie, was einem um die Ecke entgegenkommt. Es ist eine der höchstgelegenen Städte der Toscana. Der Befestigungsring wurde 1511 nach Entwürfen von Sangallo d. Älteren im Auftrag von Cosimo I.errichtet. Links und rechts die hohen Stadtpalazzi aus dem graugelben Travertin, reinste Renaissance, so wie die Kirche San Biagio im Tal, die man schon bei der Anfahrt sieht. Zwischen den großen Klötzen hindurch winden sich die Treppenwege nach oben oder nach unten, zu den zwei anderen Straßen, die noch befahrbar sind. Die anderen Wege sind einfach zu eng für die Autos. Man sollte sein Auto vor dem Stadttor parken, denn die Hauptstraße bietet keinen Platz dafür. Als erstes entdeckt man in der Stadt die beiden Gallionsfiguren der kunstsinnigen Stadt. Sie haben keinen anderen Namen als ihre Stadt.

Der erste lacht von einem Wehrturm, der jetzt die Stadtuhr trägt, im schwarz-weiß entgegen. Ich meine „Pulcinella“, eine der heiteren Masken der Commedia dell’ arte, der italienischen Stehgreifkomödie, die alle Regionaltypen verkörpern. Vom anderen gibt es eine Tafel an einem Palazzo in der Via Garibaldi. Angelo heißt er mit Vornamen. Und sonst ganz einfach Poliziano. Mann aus Montepulciano. Die Einheimischen nennen sich noch heute Poliziani. Im Jahre 1671 schrieb er seinen Orfeo, die Fabel vom Orpheus und schuf daraus das erste Schäferspiel. Claudio Monteverdi machte ihn mit seiner Vertonung unsterblich. Das Art-deco-Café Poliziano veranstaltet jedes Jahr ein Jazzfestival. Man findet hier auch eine Kunstgalerie. Die Stadt ist voller Musiker, wenn im Juli das Musikerfestival stattfindet.

Die Piazza Grande ist der Hauptplatz, das Herz von Montalcino. Hier steht der Dom aus dem 16. Jahrhundert, der Palazzo Communale und der Palazzo Nobili Tarugi. Die Wallfahrtskirche Madonna di San Biagio erhebt sich unterhalb der Stadtmauer.Ein Zypressenweg führt hinunter zur eindrucksvollen Kirche.

Die Cantine, das heißt, die Weinkeller z.B. der Fattoria Redi stammen aus dem 16. Jahrhundert und sind für jedermann zu besichtigen. Der Keller ist weitgehend in den Felsen eingelassen, nur wenige Gewölbe sind gemauert. Hier ruht der Reichtum des Landes, wird die Sonne der guten Jahrgänge gespeichert, reift der berühmte Vino Nobile di Montepulciano, ein wunderbarer herber Rotwein, rubinrot, dem Chianti verwandt. Neben der gotischen Kirche Santa Maria verkauft man den in diesen Kellern gelagerten Vino Nobile. Aber nicht jeder Jahrgang, den man hier keltert, wird ein Vino Nobile. Was den Prüfungen nicht standhält wird ein Tischwein oder als Essig verarbeitet. Beachten muß man bei dem Vino Nobile, daß er erst eine halbe Stunde an der Luft oxydieren sollte, damit er sich entfalten kann. Hier bist du Mensch, hier darfst du sein. In der Trattoria La Diva hocken Touristen und Honoratioren der Stadt an einem Tisch. Diva Pasquini führt eine wunderbare Küche, während ihr Mann die Gäste mit Wein und Essen versorgt. Innerhalb der Stadtmauern findet man Il Marzocco, einen sehr gemütlicher Familienbetrieb, mit gut bürgerlicher Küche zu moderaten Preisen.

Kulturell hat Montepulciano sehr viel zu bieten. Besonders in den Monaten Juli und August. Erwähnen möchte ich den Bravio delle Botti mit Faßrennen, Parade und Bankett, am letzten Sonntag des Monats August. Schwere Eichenfässer werden die steile Straße bis zum Marktplatz hinaufgerollt. Die Contraden (Stadtteile) kämpfen gegeneinander. Fröhlich geht es zu und für Touristen wie Einheimische ist dies ein großes Fest der Stadt Montepulciano. Vor dem Dom findet das große Festmahl statt.

Fazit
Montepulciano läßt erkennen, wie nah Kunst und Leben sein kann. Die Volksfeste sind sehr traditionell und mit einem historischen Umzug verknüpft ( 15. August). Den besten Rundblick hat man vom Palazzo Comunale. Bei schönem Wetter kann man bis zum Trasimeno-See und auch zum Monte Amiata schauen. Der Ausblick in das Chiana- und Orciatal ist sehr beeindruckend. Der Aufstieg mit seinen vielen Treppen ist anstrengend, aber wunderschön. In der Stadt findet man immer ein gastliches Plätzchen. Die Preise sind wie überall dem Euro/Teuro angepaßt. Es muß ja nicht immer der teuerste Jahrgang des Vino Nobile sein. Die Preise für Übernachtungen sind in der Toscana nicht mehr ganz so günstig. Besser kommt man, wenn man eine Ferienwohnung mietet. Man kann da auch noch Schnäppchen finden. Das Internet bietet große Möglichkeiten für eine persönliche Kontaktaufnahme mit einem Weingut oder einem Agritourismobetrieb. Für Liebhaber bietet sich auch die Mithilfe bei der Weinlese an. Und man kann bei der Patronin ein leckeres Mittagessen sehr günstig haben. Schon mal ausprobiert? Aber ja!

Unternehmungen
Pienza-Renaissance-Musterstadt
Montalcino-Brunello di Montalcino/Croce di mezzo. Europäisches Kulturerbe. Weingut Fiorella Vannoni an einem wunderschönen Weiher gelegen.
Sant Antimo-wunderschöne Klosterkirche
Chiusi-Museo Nazionale Etrusco
Piano und auch Montichello Kleinode der Toscana.

Viel Vergnügen für alle Reisenden!

ciaobella für yopi.de im Juni 2003

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