Italien Testbericht

Italien
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Erfahrungsbericht von Allgäuer

Lombardei - Stilfser Joch - das Höchste an diesem Wochenende

Pro:

tolle Landschaft, beeidruckende Panoramen

Kontra:

stark frequentiert an Wochenenden

Empfehlung:

Ja

Unsere Rollertour war so interessant, dass ich nun für eine Zweitagesfahrt 3 Berichte schreiben muß und trotzdem ist alles nur sehr oberflächlich erzählt.

Ist das ein Qualitätsmerkmal für diese Strecke?

Wir befanden uns also nicht mehr im Trentino sondern bereits inder Lombardei. Nach unserem Frühstück mit Blick auf den Lago d´Idro nahmen wir eine schmale kurvige Straße unter die Räder, die so wenig befahren war, dass wir einige Male glaubten wir seien nicht auf einer Durchgangsstraße sondern hätten uns verfahren und plötzlich müßte der Weg im Nichts enden. Eng und steil ging es aufwärts durch mal dichte und mal lichte Wälder, in einem engen Tal direkt am Bach entlang oder in weiten Serpentinen einen breiten Hang hinauf. Auf 30 km Fahrtstrecke zum Paso Croce Domini begegneten uns nur 5 (fünf) Fahrzeuge. Drei davon waren Traktoren.

Über der Baumgrenze wurde die Schräglagenorgie dann noch von einem phantastischen Panorama über die baumlosen Hänge eines im Winter bestimmt sehr interesanten Skigebietes getoppt. An der Passhöhe (1892 m) waren wir dann plötzlich nicht mehr allein, dann von der anderen Seite war die Strasse wesentlich breiter und stark befahren, besonders von Zweirädern mit und ohne Motor

In Breno mußten wir uns entscheiden ob wir auf der vielbefahrenen SS 42 Richtung Edolo fahren oder gemütlich über den Paso Presolana (1297 m) und den Paso del Vivione (1828 m) die schönere aber weitere und deutlich anstrengendere Strecke nehmen sollten. Wir entschieden uns für die bequeme Route, bogen auf die gut ausgebaute Straße nach Berzo Demo ab und los gings mit Vollgas vierspurig nach Norden. Dabei wurden wir natürlich ständig von Autos überholt, die z.T. äußerst rücksichtslos vor uns wieder einscherten. So macht Rollerfahren absolut keinen Spass und wir waren froh, als wir in Edolo die SS 42 verlassen konnten um über den Paso dell´Aprica nach Tresenda zu fahren. Die Verkehrsdichte war zwar nur etwas geringer als auf den letzten 30 Kilometern aber die Straße war für uns Rollerfahrer wieder angenehmer, nämlich kurviger und der gesamte Verkehrsfluß bewegte sich mit geringeren Geschwindigkeiten.

Nun kam noch eine sehr mühsame Strecke, weil viel geradeaus, stark befahren und landschaftlich zwar schön aber im Vergleich zu dem was wir schon gesehen hatten eben nur zweitklassig. Die rund 40 km nach Bormio sind halt als „Verbindungsetappe“ anzusehen. Man kann ja auch nicht nur Champagner trinken. Wir bewegten uns relativ schnell mit ca 90 Sachen durch das Tal der Adda nach Norden. Das war, bestimmt auch wegen der hohen Temperaturen, sehr ermüdend. Jedenfalls mußten wir eine Pause machen denn zwischenzeitlich waren wir schon wieder fast 6 Stunden auf dem Bock. Die Strapazen der letzten Nacht (3 cm Isomatte) sorgten auch dafür dass die eine oder andere Bandscheibe etwas muckte.

Nach einem kleinen Picknick durchquerten wir Bormio, eine Stadt, die eigentlich zu einem kurzen Aufenthalt einladen würde aber wir hatten ein hohes Ziel vor Augen – das 2758 m hohe Stilfser Joch sozusagen unser persönlicher Höhepunkt an diesem Wochenende.

Dieser Pass ist etwas besonderes. Die dritthöchste Paßstraße der Alpen überhaupt, die kurvenreichste Straße der Ostalpen und für mich einer der Pässe mit besonders schönen Ausblicken. Wir verlassen Bormio auf breiter Straße durch ein paar Tunnels , dann schlängelt sich die Straße bergauf ohne besonderen Anspruch, aber nach einigen Kilometern wurde die Strecke gleich interessanter. In 31 Kehren windet sich die Straße bis zur Paßhöhe und wir holten das Letzte aus unseren Rollern heraus. Vollgas, Gas weg, Kurve und Gaaaas. Je höher wir hinauf kommen, desto schwerer tun sich die kleinen Motoörchen mit unserem Übergewicht – vielleicht sollte ich doch wieder abnehmen?! Plötzlich stellte ich fest, dass die Kühlwassertemperatur ungewöhnlich hoch war - Zeit für eine Rast. Wir saßen am Strassenrand und beobachteten die Motorradfahrer, die mal gemütlich ums Eck tuckerten oder auch mit sortlichem Ehrgeiz, schrammenden Rasten und ausgestellten Knien ihre Reifen vernichteten und kauten an unseren Pannini. So genossen wir die atemberaubende Berglandschaft und ließen uns vom Motorenlärm der vielen Fahrzeuge nicht stören. Aber die Zeit war fortgeschritten und wir mußten weiter, denn wir hatten schon noch einen weiten Weg vor uns.

In dieser Höhe haben wir vor dem Weiterfahren auch gern die Lederjacken wieder richtig zugemacht, denn wir befanden uns schon fast in Reichweite der Schneefelder, die neben der Strasse so vor sich hinschmolzen. Die Geraden zwischen den Kehren wurden immer kürzer und wir mußten uns konzentrieren, denn auch der Straßenbelag forderte besondere Aufmerksamkeit. Die Kurven waren nicht so ganz einfach anzufahren und durch die manchmal stark geneigte Fahrbahn schafften wir es sogar mit den Rollern hin und wieder funkensprühend um die Kehre zu schrammen.

Auf der Passhöhe angkommen erwartete uns ein überraschende Bild. Parkplatznot auf dem Stilfser Joch. Da standen rund 500 Motorräder fast wie auf einem Bikertreffen. Unsere beiden Roller nahmen sich in dieser Umgebung ziemlich exotisch aus und wir konnten manch mitleidiges Lächeln erkennen. Schnell ein paar Fotos gemacht, ein bißchen die Beine vertreten und dann stürzten wir uns den Paß 48 Kehren das Trafoier Tal hinunter nach Spondinig. Jetzt liefen unsere fahrbaren Untersätze zur Höchstform auf, denn bei Gefälle gefällt auch die Beschleunigung von 10 und 17 PS „Boliden“. Trotzdem hielten wir noch einge Male an um in Ruhe zurückzuschauen auf das beeidruckende Massiv des Ortler und die Vertain-Spitze mit ihren Gletscherhängen und Geröllfeldern.

Die Schatten waren schon sehr lange, als wir am Reschensee vorbei den Reschenpaß hinaufrauschten. Mich zog es nach hause und ich freute mich auf eine Dusche. Plötzlich war Helmut in meinem Rückspiegel weg. Rechts ran und warten. Als er kam war das Problem schon zu hören. Die Geräuschkulisse ließ auf größere mechanische Probleme schließen. Was also tun, am Samstag abend. Unsere Laune war weit entfernt von Saturday Night Fever. Mit der Zeltleine wurde abgeschleppt bis hinein nach Pfunds. Dort konnten wir unser Gepäck in einem Hotel deponieren, den Roller abstellen und mein alter Helix mußte uns zu zweit bis nach Kempten tragen.

Das waren 856 Kilometer rund durch die Alpen mit 125 ccm bzw. 250 ccm in 2 Tagen, 1000 Kurven, hunderten von Kehren, gigantischen Ausblicken, herrlichen Panoramen und nicht zu vergessen einem tollen gemeinsamen Erlebnis. Den Roller haben wir am nächsten Morgen mit dem Anhänger geholt und nun steht er in der Garage und scharrt mit den Vorderhufen - pardon mit dem Vorderrad vor lauter Freude auf die kommende Saison und unsere nächste Wochenendtour.

Ich werde Euch berichten.

Fazit: Hochalpine Touren mit schwachen Motorrädern oder Rollern sind zwar etwas ganz Anderes aber genauso attraktiv wie mit dem Superbike.

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