Jüdisches Museum Berlin Testbericht

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Erfahrungsbericht von legendre

Beeindruckender Bau, aber ...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Kaum ein anderes Museum hat schon vor seiner Eröffnung so viel Aufmerksamkeit erregt, wie das Jüdische Museum in Berlin. Und auch ich war bei einer Führung durch den Bau vor zwei Jahren schon ohne musealen Inhalt schwer beeindruckt. Deshalb stand das Jüdische Museum bei meinem letzten Besuch in Berlin ganz oben auf der Tagesordnung

Man betrtitt das Museum über ein altes Nebengebäude und wenn man zu den Stoßzeiten kommt, sollte man etwas Geduld mitbringen. Der Eintritt beträgt, 2,50 bzw. 5 Euro, was ich für angemessen halte. da auch eine kostenlose Garderobe im Eintrittspreis enthalten ist. Die eigentliche Ausstellung beginnt dann im Keller des spektakulären Gebäudes. Hier befinden sich drei lange Korridore, die sogenannten Achsen der Kontinuität, des Exils und des Holocausts. Das besondere an diesen Korridoren ist, dass sie ungleichmäßig konstruiert sind; die Decken und Böden sind nicht eben und auch die Wände wirken leicht schief. Dadurch wird erreicht, dass der Bau auch ohne viele Exponate - die im Untergeschoss wirklich selten sind und zudem in dezenten Vitrinen in den Wänden ausgestellt werden - seine Wirkung nicht verfehlt. Als Besucher fühlt man sich etwas verunsichert und die Orientierung und Wahrnehmung ist nicht ganz einfach. Ist das Untergeschoss zu den Hauptzeiten überfüllt, leidet dieser Effekt allerdings ziemlich unter den Menschenmassen. Am Ende der Achse des Exils befindet sich zusätzlich der ETA-Hoffmann-Garten, eine schräge Fläche mit 49 Betonstelzen. In diesem “Garten” kann man sich kaum orientieren, was die Orientierungslosigkeit der jüdischen Auswanderer sehr deutlich und direkt vermittelt. Am Ende der Achse
des Holocaust befindet sich eines der sogennanten Voids - das sind nackte Hohlräume -, die im ganzen Gebäude verteilt sind und die den Verlust durch den Holocaust symbolisieren. Den größten Void oder Turm des Holocausts kann man betreten. Ein Mitarbeiter lässt jeweils eine kleine Zahl von Besuchern herein und ich muss sagen, dass die Stimmung in diesen Raum wirklich sehr bedrückend und beängstigend ist. Auch hier macht die Architektur des Baus vieles deutlicher, als Exponate es vermögen. Schließlich gelangt man durch die Achse der Kontinuität und eine Treppe in die eigentliche Ausstellung.

Als erstes fällt auf, dass man es tatsächlich mit einem “Museum der jüdischen Geschichte in Deutschland” zu tun hat und nicht mit einem reinen Holocaust-Museum. Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit der Einwanderung der ersten Juden im Gefolge der römischen Legionen und begleitet das Judentum auf seinem langen Weg durch die deutsche Geschichte bis heute. Dabei spielt der Holocaust zwar eine wichtige, aber eben nur eine Rolle unter vielen, Zum Teil habe ich vorab gehört, das Museum sei etwas mitleidsheischend augelegt, mein Besuch kann diesen Vorwurf auf keinen Fall bestätigen. Realistisch und ohne Pathos haben die Museumsmacher Höhen und Tiefen des jüdisch-deutschen Gemeinschaftslebens chronologisch dokumentiert. Allerdings hatte man im Vorfeld versprochen, die Ausstellung auf eine relativ kleine Zahl von Exponaten zu beschränken. Dieses Konzept wurde aber letzlich kaum berücksichtigt. Vielmehr wird man überschwemmt von Gegenständen, so dass man ohne eine Führung schnell verloren ist. Zudem muss man oft rechts und links vom vorgegebenen Rundgang abweichen und wird so vom eigentlichen Thema abgelenkt. Schnell verliert man die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und bedingt durch die Reizüberflutung lässt die Konzentration bald nach. Auch ohne Führung sollte man aber auf alle Fälle zwei bis zweieinhalb Stunden Zeit mitbringen. Vorbildlich ist im Jüdischen Museum dafür die Kinderbetreuung gelöst. Es gibt spezielle Kinderführungen, die - ich habe ein bißchen gelauscht - wirklich gut aufbereitet sind und von sehr
freundlichem und verständlichem Personal durchgeführt werden. Selten habe ich Kinder mit so viel Freude und Motivation durch ein Museum rennen sehen, und das obwohl das jüdische Leben in Deutschland nicht gerade ein klassisches Kinderthema ist. Desweiteren gibt es über das Museum verteilt mehrere Spielecken und einige Ecken und Räume sind nur für Kinder zugänglich
konzipiert. Hierfür ein großes Lob an die Mueseumsmacher.

Insgesamt ist das Jüdische Museum auf alle Fälle einen Besuch wert. Man sollte aber nicht auf eine Führung verzichten, da man nur so den Überblick wahren kann.

10 Bewertungen, 3 Kommentare

  • langevolker

    20.04.2002, 15:34 Uhr von langevolker
    Bewertung: sehr hilfreich

    muss ich wohl auch mal hin.

  • zicke001

    24.02.2002, 16:21 Uhr von zicke001
    Bewertung: sehr hilfreich

    kann man gut lesen

  • Dorkan

    24.02.2002, 16:05 Uhr von Dorkan
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht.