Jura Testbericht

Jura
ab 103,57
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Summe aller Bewertungen
  • Gesamteindruck:  gut
  • Betreuung durch Lehrstühle:  gut
  • Technische Ausstattung:  gut
  • Lehrniveau:  hoch
  • Qualität der Lehrkräfte:  gut
  • Mensa:  gute Alternative zum selber kochen
  • Chancen für Auslandssemester:  schlecht
  • Hochschulleben:  jede Woche ein Event
  • Jahr der Immatrikulation:  1997

Erfahrungsbericht von Koelner1973

Jura - trocken, überlaufen, viel zu schwer, nur etwas für arrogante Anwaltssprö&szlig

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Eine Meinung in diesem Forum über Jura im Allgemeinen kann nur sehr oberflächlich die vielfältigen Vorzüge und Nachteile dieses Studienganges schildern. Dieser Beitrag richtet sich daher insbesondere an solche Abiturientinnen und Abiturienten, die sich über alle in Frage kommenden Studienfächer informieren möchten.

Der Beitrag soll einige der gängigsten Vorurteile im Positiven wie im Negativen ausräumen. Ich selbst habe Jura studiert und arbeite nun an einer westdeutschen Universität - Einblicke habe ich daher sowohl von Studierenden- als auch von Mitarbeiter-Seite.

1. Jura ist trocken.
Das stimmt nur bedingt. Natürlich gibt es Fächer, in denen man mehr praktische Dinge tun kann. Allerdings durchziehen juristische Fragestellungen wirklich ALLE Bereiche des menschlichen Zusammenlebens. Wer sich also etwa für Internet und Medien interessiert, kann sich im Informationsrecht spezialisieren, wer für Börsen, Aktien und Unternehmen entflammt, kann das Wirtschafts- und Wertpapierrecht vertiefen. Die Ausbildung ist zwar zumindest grundsätzlich darauf ausgerichtet, einen Einheitsjuristen hervorzubringen, der auf allen Rechtsgebieten (Schwerpunktgebiete: Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht) etwas auf dem Kasten hat. Die meisten Universitäten bieten aber mittlerweile vielfältige Ergänzungsveranstaltungen und -abschlüsse an, so dass man schon sehr frühzeitig seine Ausbildung akzentuieren und die ersten Weichen für sein späteres Berufsleben setzen kann.

Wer allerdings nicht gern liest, nicht gern diskutiert und argumentiert und nicht gern mit Texten arbeitet, dem wird Jura wahrscheinlich schnell langweilig werden. Dann studiert man besser irgendetwas Ingenieurwissenschaftliches !

2. Für Jura muss man nur auswendig lernen.
Auch nicht ganz richtig. Vieles steht schlichtweg in den Gesetzen, andere Dinge muss man einfach wissen, so etwa bestimmte Meinungen und Entscheidungen von Gerichten oder schlauen Wissenschaftlern. Viel wichtiger ist es aber, dass man vernünftig argumentiert und jeweils pro und contra für eine bestimmte Entscheidung gegeneinander abwägt. Bei den Gerichten und bei den Kanzleien braucht man keine wandelnden Lexika, sondern engagierte, kreative und kompetente Mitarbeiter. In den ersten Semestern lernt man allerdings zunächst die juristische Arbeitstechnik, den sog. \"Gutachtenstil\", der vielen Erst- und Zweitsemestern große Probleme bereitet. Wenn man den aber erst einmal \"drauf\" hat, erschließen sich einem die wirklich interessanten Seiten des Studiums. Für das Erste Staatsexamen muss man dann natürlich wieder vergleichsweise viel lernen, aber eben nicht nur auswendig !

3. Mit Jura kann man alles machen.
Das mag früher gegolten haben. Heutzutage kann man mit Jura nur noch dann wirklich beruflich wählen, was man möchte, wenn man sog. \"Prädikatsexamina\" gemacht hat, also die Note \"vollbefriedigend\" (das \"vb\")oder besser erreicht. Die Noten vollbefriedigend, gut und sehr gut machen zusammen etwa 15 % der Examensnoten aus, gut und sehr gut zusammen allenfalls 2-3 %. Wer von der Schule aus mit Einsern und Zweien verwöhnt ist, kann da schnell an sich zweifeln. Keine Sorge: Auch ein \"befriedigend\" ist während des Studiums eine durchaus ordentliche Note.

Das Erste Staatsexamen erreicht man nach ca. 8 bis 10 Semestern. Die meisten Universitäten erlauben einen \"Freischuss\" nach dem 8. Semester, also einen zusätzlichen Versuch mit der Option einer Notenverbesserung. Danach schließen sich die Referendarzeit (2 Jahre) und das Zweite Staatsexamen an (Einzelheiten sollen hier nicht vertieft dargestellt werden; die Anforderungen sind von Land zu Land und von Uni zu Uni verschieden).

Berufliche Perspektiven bieten sich für den Prädikatsjuristen dann aber reichlich: Wer beide Examina mit \"vb\" gemacht hat, kann entweder in eine der großen Anwaltskanzleien einsteigen, verdient gutes Geld und hat viel - freilich meist sehr interessante - Arbeit, oder man geht etwa in den Staatsdienst und wird Beamter bei Stadt, Land oder Bund. Auch die Wirtschaft hält viele Stellen für gute Juristen bereit. Hier zahlt es sich aus, wenn man sich bereits in eine bestimmte Richtung qualifiziert hat.

4. Jura studieren nur arrogante Anwaltskinder.
Klar - in jedem Studium gibt es Deppen, die sich etwas auf ihren Studentenausweis einbilden. Aber die meisten Juristen sind nette, normale Leute, mit denen man viel Spaß haben kann !

5. Jura ist überlaufen.
An einigen Universitäten gibt es sehr große juristische Fakultäten. Das hat natürlich den Vorteil, dass viele verschiedene Veranstaltungen angeboten werden können. Nicht immer aber ist das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden günstig. Wenn man sich für Seminare anmeldet, die man dringend zur Examensmeldung benötigt, und die Plätze dann verlost werden, ist das nicht wirklich witzig. Große Fakultäten haben zudem den Nachteil, dass die Bibliotheken nicht ausreichend mit sog. "Kommentaren" und Lehrbüchern ausgestattet sind (Kommentare sind Erläuterungswerke zu allen denkbaren Gesetzen, sortiert nach Paragraphen, in denen etwa die einschlägige Rechtsprechung dargestellt wird). Wenn man dann ein bestimmtes wichtiges Buch sucht, ist es meistens schon in den Händen eines Kommilitonen.

6. Für Jura braucht man ein Abi mit 1,0.
Insgesamt studieren vergleichsweise viele junge Leute Jura. Erfolgreich werden nur diejenigen sein, die ein halbwegs brauchbares Examen ablegen (s. o. unter 3.). Ein Indiz sollen angeblich die Schulnoten in Mathematik, Deutsch und ggf. Latein sein. Im Prinzip ist von solchen Behauptungen nicht viel zu halten. Was aber zutrifft, ist: Für Jura braucht man eine gewisse Befähigung zum logischen Denken sowie ein gutes Sprachgefühl. Juristische Vorschriften funktionieren (grob gesagt) ein wenig wie Computerprogramme und sind aus verschiedenen "Bausteinen" zusammengesetzt (Tatbestandsmerkmale), die man im Hinblick auf den konkret vorliegenden Fall überprüfen muss. Etwa wie bei dem alten Spruch der Griechen:

"Alle Kreter lügen."
"A ist Kreter."
"Also lügt A."

Ganz so einfach ist es nicht immer, aber das Prinzip gilt für alle Rechtsmaterien gleichermaßen. Ein Überflieger-Abi braucht man also nicht, aber eine schnelle Auffassungsgabe, man sollte nicht auf den Mund gefallen sein und ein gewisses Gespür für logische Zusammenhänge haben.

Hoffentlich hat dieser Beitrag ein wenig geholfen. Viel Erfolg !

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • gamzef

    24.11.2008, 17:13 Uhr von gamzef
    Bewertung: besonders wertvoll

    Danke, toller Bericht. War mir eine große Hilfe.