Kanarienvogel Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Futterkosten:  gering
  • Pflegeaufwand:  durchschnittlich
  • Spielbereitschaft:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von teddy1978

Bei mir piept`s

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Mit dieser Meinung möchte ich mich bei yopi zurückmelden. Wer mich von früher oder von ciao kennt, weiss, dass ich einen Haustiertick habe. Hund, Hase, Meerschweinchen, Schildkröte, 2 Wellensittiche und eben ein Kanarienvogel leben in meiner Wohnung und sind fester Bestandteil meines Lebens. Ich werde jetzt nach und nach alle vorstellen und jetzt mal mit meinem Kanarienvogel "Max" anfangen.

Kanarien sind Schwarmvögel und gehören zur Familie der echten Finken und zur Gattung der Girlitze. Beheimatet sind sie, wie der Name verrät, auf den kanarischen Inseln, wo sie den Raum von der Meeresküste bis in Höhen von ca. 2000 Metern bevölkern. Mit ihrem grüngelbem Gefieder sind sie in den Baumwipfeln bestens getarnt und gut geschützt vor Fressfeinden. So leben sie in grossen, zwitschernden Schwärmen mit 50 und mehr Tieren zusammen und ziehen in ihrem schnellen, welligen Flug quer durchs Land auf der Suche nach Fressbarem. Sie scheuen sich dabei auch nicht, zur Obsterntezeit in Gärten und Plantagen einzufallen, denn Obst aller Art gehört für Kanarien zu den Leckerbissen schlechthin.

Vor über 500 Jahren kamen so die Spanier nun mit etwas ganz besonderem von ihrem erfolgreichen Eroberungsfeldzug auf den Kanarischen Inseln und Madeira zurück. Die kleinen grün-gelben Girlitze, die so wunderschön sangen, wurden in Europa schnell zum Symbol für Luxus, so dass sich nur die Reichen dieser alten Welt einen solchen Sänger halten konnten. So kam es auch, dass zunächst spanische Mönche mit der Zucht der Vögel begannen und einen einträglichen Handel mit ihnen betrieben.

Später nahmen sich auch Tiroler Bergarbeiter der kleinen Sänger an. Die Kanarienzucht wurde so für viele ein lohnender Nebenerwerb und nicht selten sogar zur Haupteinnahmequelle. Wer kennt ihn nicht, den berühmten „Vogelhändler“ in der Tiroler Tracht?

Die Bergleute legten bei der Zucht ganz besonderen Wert auf intensive Farben und wunderschönen Gesang. So wurden aus den grün-gelben wilden Girlitzen gelbe, rote, gescheckte und sogar weisse Kanarien. Um den Gesang zu verbessern, setzte man ihnen sogar Nachtigallen als Vorsänger vor, von denen die gewitzten kleinen Kerlchen viele „Strophen“ ihrer Lieder einfach kopierten.

Später als dann auch im Harz der Bergbau ansässig wurde, kamen viele der Tiroler Bergleute in den Harz und natürlich war für sie auch hier die Kanarienzucht ein guter Nebenerwerb. Man legte nun immer mehr Wert auf den Gesang der Vögel, der möglichst viele Roll-Passagen mit o und u im Lied enthalten sollte. Das war besonders gefragt und brachte natürlich auch die besseren Preise für die Tiere ein. So entstand zum Beispiel der berühmte „Harzer Roller“.

Wie schon gesagt, spielte auch die Farbe bei der Zucht eine grosse Rolle. Obwohl mir persönlich die Originalfarbe am besten gefällt, erzielte man auch hier mit möglichst auffälligen Farben die höchsten Preise. Heute gibt es deshalb Kanarien in mehr als 500 verschiedenen Farbvarianten und Rassen. Sie messen etwa 11-23 cm, sind hervorragende Flieger und werden bei guter Pflege zwischen 10 und 15 Jahren alt. Dazu sollte man aber einiges wissen, um richtig auf das Wesen und die Bedürfnisse der Piepser eingehen zu können.

Zunächst einmal sind Kanarien eben Schwarmvögel und fühlen sich alleingelassen nicht wohl. Deshalb sollte man sie immer mindestens zu zweit halten. Natürlich gewöhnen sich die Tiere am schnellsten an Artgenossen, am besten Tiere des anderen Geschlechts, aber auch eine Gruppe anderer Exoten, wie Zebrafinken oder ähnliche Piepser sind gute Kameraden für den Kanarienvogel.

Wellensittiche sind nicht unbedingt die günstigsten Freunde für Kanarien, da diese sich gegen die wesentlich grösseren und kräftigeren Sittiche mit den kräftigen Schnäbeln nur schwerlich verteidigen können. Sie sind eben reine Fluchttiere, die auch Auseinandersetzungen untereinander nur mit heftigen Drohgebärden lösen.

Ich muss aber aus eigener Erfahrung sagen, dass mein Mäxchen sich so gut auf das Drohen versteht, dass er sich einen gehörigen Respekt bei meinen zwei Wellis erkämpft hat. So vertragen sie sich hervorragend und wenn Max mal Appetit auf Wellensittichfutter hat, dann flattert er eben einfach in deren Käfig (ja, Max hat sicherheitshalber einen Käfig für sich, der aber genau wie der Wellensittichkäfig von früh bis abends offen steht), faucht und flattert wild herum und nimmt sich dort, was er will, während die anderen zuschauen müssen.

An einen Hund in der Familie kann sich der Kanarienvogel auch gut gewöhnen, dauert aber einige Zeit und man sollte diese Beziehung immer im Auge behalten. Kaninchen und Meerschweinchen sind dem Vogel genauso schnuppe, wie umgekehrt, aber von allen anderen Tieren, besonders Katzen, Ratten oder Grossvögeln als Kameraden für den Kanarienvogel sollte man besser absehen.

Natürlich braucht der Vogel auch einiges an Zubehör, damit er sich in seinem Zuhause wohlfühlen kann. Das sollte man alles natürlich bereits fertig zu Hause haben, wenn der Vogel gekauft wird, damit er nicht länger als nötig in der kleinen Transportbox hocken muss.

Zur Grundausstattung gehört natürlich ein geräumiger Käfig, der dem Tier genügend Bewegungsfreiheit auch im geschlossenen Käfig einräumt. Bei einem Käfig für zwei Vögel geht man dabei von etwa 100 cm Breite, 60 cm Tiefe und 80 cm Höhe aus. Der Käfig sollte unbedingt rechteckig und keinesfalls rund sein, da der Vogel sonst leicht die Orientierung verliert. Gleiches gilt für weisse Gitterstäbe. Sie sind ungünstig, da der Vogel sie oft schwer wahrnimmt und sich so schwerer orientieren kann. Der Käfig sollte nun noch an einen ruhigen, hellen Ort ohne Zugluft oder pralle Sonne gestellt werden.

Als Einstreu im Käfig verwendet man am besten Vogelsand. (Aber Achtung: Der Sand kann unter Umständen genau wie auch die Federn des Vogels zu Allergien führen! Bitte prüft das vor dem Kauf des Vogels ab, damit der neue Hausgenosse dann nicht gleich wieder ausziehen muss!) Den Sand wechselt man dann 1 bis 2-mal pro Woche und schon ist auch der Hygiene im Käfig grösstenteils Rechnung getragen.

Als Sitzstangen verwendet man am besten Naturholzäste (natürlich ungiftig, am besten von Obstbäumen oder Birke) mit verschiedenen Durchmessern. Diese bringt man dann möglichst etwas federnd und auch schräg im Käfig an. Das dient dem Vogel als Training und auch zur gesunden Fussmassage. Ausserdem sind die Zweige (und eventuell auch frische Blätter daran) ein interessantes Beschäftigungsobjekt für den Kanarienvogel, an dem er wunderbar herumbasteln, schnitzen und knabbern kann.

Kanarien baden unheimlich gerne, so dass natürlich auch eine Badegelegenheit ein absolutes Muss ist. Am besten ist, man besorgt sich ein handelsübliches geschlossenes Badehäuschen, da zumindest mein Mäxchen beim Baden alle guten Manieren vergisst und einfach ungehemmt planscht. Danach ist im Umkreis von einem Meter trotz des geschlossenen Badehäuschens alles nassgespritzt.

Auch brauchen die Tiere eine Gelegenheit, um ihren Schnabel zu wetzen. Dafür bieten die Zoogeschäfte vielfältige Wetzsteine mit wichtigen Mineralien an.

Trinkwasser und Futter wären dann der letzte Punkt und wir wären schon am Ende der Ausstattungsliste. Trinkwasser sollte man dem Tier immer ganz frisch anbieten, am besten aus einem Trinkwasserautomaten (mindestens einmal täglich wechseln unbedingt erforderlich!).

Kraftfuttermischungen für Kanarienvögel gibt es auch in verschiedenen Mengen und in allen möglichen Preisklassen im Zoofachhandel. Im Normalfall sind das Mischungen verschiedener Körner, die manchmal auch mit getrocknetem Obst, einigen Mineralien und Vitaminen versetzt sind. Das Futter aus dem Futternapf ist zwar etwas schönes, aber noch schöner ist es, wenn der Vogel an mehreren Stellen Futter findet. Auch das dient der Beschäftigung. So habe ich zwei Näpfchen mit handelsüblichem Kraftfutter am Käfig. An einer Wäscheklammer am Gitter findet Max immer etwas Obst und ein Zweig Petersilie, in einer Sitzstange befestigt, fordert dann sein ganzes Geschick.

Soweit ist der Kanarienvogel eigentlich voll ausgestattet. Der Preis für die komplette Erstausstattung liegt bei ca. 100 bis 150 EURO. Die Vögel selbst kann man ab etwa 10 EURO das Stück im Zoohandel oder beim Züchter kaufen. Wie schon früher wird der Preis durch Farbe und Gesang bestimmt. So sind z.B. die selteneren roten Kanarienvögel schon mal teurer als grüne oder gelbe und die Hähne sind wegen ihres grösseren Gesangstalents ebenfalls teurer als Hennen. Ich habe aber gehört, dass es auch unter den Hennen recht gute Sänger geben soll.

Mein Mäxchen ist ein ziemlich grosser Geselle, der gern und laut singt und wegen seiner Grösse auch recht eindrucksvoll aussieht. So musste ich stolze 54 DM für ihn berappen. Übrigens sollte man beim Kauf nicht nur auf Preis, Farbe, Geschlecht und Stimme achten. Der Auserwählte sollte einen munteren, nicht allzu schüchternen Eindruck machen und klare Augen und gesundes Gefieder haben. Aufgeplustert in der Ecke am Käfigboden hockende, schüchterne Vögel könnten krank sein! Jedenfalls sind das oft erste Symptome für Krankheiten.

Nun sollte man dem neuen Hausgenossen einfach ein paar Tage Zeit lassen, von seinem Käfig aus den Raum kennen zu lernen, bevor er zum ersten Freiflug aus dem Käfig darf. Dabei sollte man das Tier weitgehend in Ruhe lassen, damit es seinen Käfig als absolut sicheren Ort empfindet und auch später nach dem Freiflug gern dahin zurückkehren wird. Beim Füttern sollte man jede schnelle Bewegung vermeiden und dem Vogel immer die Möglichkeit lassen, der Hand auszuweichen. So wird er bald lernen, dass die Hand ihm nichts tut. Spricht man dabei immer ruhig mit ihm und bietet man ihm regelmässig vorsichtig besondere Leckerbissen aus der Hand an, wird die Gier danach und die Neugierde ihn auch recht schnell zutraulich werden lassen.

Später braucht der Vogel dann täglich möglichst viel Ausflug im Zimmer. Mein Mäxchen kann es früh kaum erwarten. Schon wenn wir aufstehen, hüpft er wie wild im Käfig umher, flattert immer wieder mit den Flügeln und schimpft wie ein Rohrspatz, wenn nicht sofort der Käfig geöffnet wird und er zu den Wellensittichen darf. Er darf dann den ganzen Tag mit ihnen herumfliegen (Vorsicht: Fenster zu!) bis er abends wieder in seinen Käfig zurückkehrt. Sobald es duster wird fühlt er sich da am sichersten.

Übrigens scheint Mäxchen ein Country-Fan zu sein. Wenn ich meine CD`s höre, dann beginnt er, heftig mitzuzwitschern. Ich hoffe mal, dass ich das nicht falsch verstehe und er versucht, die Musik zu übertönen, weil er sie nicht mag *g*. Aber eigentlich singen Kanarien ja, wenn sie sich wohl fühlen. Wenn ihm was nicht passt, dann piept oder meckert er eigentlich!

Wenn man all das beachtet, steht einer Freundschaft zwischen Mensch und Vogel nichts im Wege und man kann sich schnell an dem schönen Gesang des Vogels freuen. Allerdings muss ich zugeben, dass es den Rahmen hier sprengen würde, alles aufzuschreiben, was es zu beachten gibt. Deshalb empfehle ich an dieser Stelle wie immer, dass man sich vor dem Kauf eines Kanarienvogels (oder auch jedes anderen Tieres) in einem Buch näher informiert. Auch zu Kanarienvögeln gibt es diverse Bücher aus dem G/U – Verlag oder aus dem Falken-Verlag, die allesamt recht empfehlenswert sind.

Ciao – Euer Teddy

11 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Maeuschen21

    27.03.2002, 21:19 Uhr von Maeuschen21
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich habe keinen Vogel nagut im Kopf ab und zu schon mal *lol* ***F*R*O*H*E***O*S*T*E*R*N*** ***W*Ü*N*S*C*H*T***D*I*R***M*A*N*D*Y**