Karneval Testbericht

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Erfahrungsbericht von YetiChris

Muss nicht sein

Pro:

Die \"heiße Phase\" dauert nicht lange

Kontra:

Meist ziemlich niveaulos!

Empfehlung:

Nein

Bald ist es wieder soweit. Unschuldige Passanten werden von maskierten Stimmungsterroristen mit steinharten Billig-Bonbons bombadiert. Verkleidete Zwerge blagen sich um Führerscheinhüllen und Kugelschreiber und die Gehörgänge bekennender Musikliebhaber werden mit sogenannter \"Stimmungsmusik\" gequält: Die sogenannte 5. Jahreszeit steht vor der Tür.

Die Einleitung sagt es: Ich kann mit dieser Verordneten Fröhlichkeit nichts anfangen. Vielleicht bin ich dafür am falschen Tag geboren (Standartsatz: \"Am 11.11. bis du geboren? Na, da bist du doch eine Karneval-Kanone!\" NEIN, BITTE NICHT!), aber ich gehe dem Trubel soweit es nur irgendwie geht aus dem Weg. Ich wohne zwar nicht in unmittelbarer Nähe zu den Hochburgen entsprechender Veranstalltungen, aber auch bei uns in der Umgebung gibt man sich dem Treiben (hemmungslos? Manchmal schon...) hin. Ab und an werde ich doch von Freunden und Bekannten überredet, \"doch mal mitzukommen\", denn das wäre doch \"ein riesen Spaß\".

Ein toller Spaß, fürwahr! Zunächst kommt die Fahrt zur Veranstaltung, die letzten 500m bestehen aus einem wilden, riskanten Slalom um die ersten Bierleichen, die sich (so gegen 21 Uhr) kriechend und wankend nach Hause aufmachen. Nach dem Parken, am Eingang des Festes, erahnt man schon die musikalischen Abgründe, die sich im Inneren auftun. Im Inneren dann kann man dann kaum Atmen, man steht ewig nach Getränken an, wird schief angesehen, wenn man eine Cola bestellt, und auf der Heimfahrt ist man dann noch ein gefundenes Fressen für die obligatorischen Polizeikontrollen (Die natürliche Auslese von Führerschein ist zu dieser Zeit besonders hoch).

Was haben die Leute denn davon, sich ein paar Tage im Jahr so zu verhalten, als ob sie noch nicht endgültig von den Bäumen geklettert sind... Spaß??? Für mich scheint das ganze nur noch eine Ausrede für Spießer zu sein, sich hemmungslos zu besaufen und dann unanständige Lieder zu grölen. Gefastet wird ab Aschermittwoch doch eh\' nur noch selten. Und den Mächtigen mal ungestraft die Meinung zu geigen, hat sich in einer Demokratie auch überholt, außerdem nützt es eh\' nur wenig.

Ein bisschen Spaß habe ich allerdings auch manchmal: wenn ich mir eben diese enthemmten Spießer betrachte und mir vorstelle, wie sie am Aschermittwoch entweder mit Todessehnsucht im Bett liegen oder sich krampfhaft bemühen, den furchtbarsten Arbeitstag des Jahres hinter sich zu bekommen.

\"Morgens, halb Zehn in Deutschland: Das Aspirin versagt...\"

DAS könnte ich stundenlang machen, diese Vorstellung bereitet mir diebische Freude. Wenn man allerdings ständig damit zu kämpfen hat, Polonaisen auszuweichen oder sich wegen einer furchtbaren Coverversion des ohnehin schon furchtbaren Wolfgang-Petry-Songs \"Wahnsinn\" die Ohren zuhalten muß, vergeht mir sogar dieser Spaß. Wenn man dann schmollend und leidend in einer Ecke steht und in einem langsam der drängende Wunsch entsteht, woanders zu sein, ist es der Gipfel, wenn dann so eine Bierleiche angewankt kommt und den Standartsatz lallt \"Warummmm bisssde dennnnn nnnnet llllusdisch???\", bleibt einem nur das Heil in der Flucht. Gut das ich nichts getrunken habe, so überlebt mein Führerschein wenigstens das Prinzip Darwins.

Man kann doch das ganze Jahr lustig sein, ab und zu auch mal besoffen oder sonst irgendwie enthemmt. Warum brauchen wir dafür einen Termin? Weil dann die Ausrede leichter fällt?

(P.S.: Für alle Fakerjäger: Dieser Bericht stammt von meine Homepage www.dark-kurt.de und befindet sich in ähnlich er Form seit 2 JAhren, in dieser Form seit einer Woche Online. Trotz allem bin und bleibe ich Urheber davon.)

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