Das Böse (Taschenbuch) / Alex Kava Testbericht

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Erfahrungsbericht von vampire-lady

FIES

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So dann versuche ich das mal auf die Reihe zu bekommen. Habe den Debütroman von Alex Kava „Das Böse“ vor gut 14 Tagen gelesen und muß mich jetzt schon wieder zusammennehmen, damit ich dazu überhaupt noch was auf die Reihe bekomme, zumal ich das Buch (2002 beim Mira-Verlag, € 7,95, Taschenbuchausgabe 412 Seiten) nicht mehr hier habe.

Das Buch ist nicht nur ein Debütroman, sondern auch der erste einer Thrillerreihe, in der die FBI-Profilerin Maggie O’ Dell ermitteln wird. Eigentlich ist es ja schon ein kleines Phänomen, wie viele Autoren ihren allerersten Roman sofort auf Serienproduktion auslegen. Kava gefällt mir übrigens auf dem Autorenfoto auf der Buchrückseite ganz gut. Nix außergewöhnliches, aber sie hat so ein verschmitztes Lächeln.

Die Story führt uns in Amerikas plattes Land, in ein kleines Kuhdorf in Nebraska. Kava selbst ist dort aufgewachsen und ihr gelingt daher eine recht authentische Schilderung. Wir hören, daß ein Serienmörder kleine Jungs entführt und meuchelt. Ein Täter wurde gefunden und beichtet in der Todeszelle – einen Mord. Zwei andere hat er nicht begangen.

Einige Zeit später wird Sheriff Nick Morelli beim Flachlegen seiner neuesten Eroberung gestört: eine neue Jungenleiche wurde gefunden und soll nicht die einzige bleiben. Schnell stellt man fest, daß der Sheriff mit den Ermittlungen überfordert ist, und er lässt sich die FBI-Expertin Maggie O’Dell zur Unterstützung kommen. Sehr schnell erkennt sie, daß es nicht reicht einfach ein Profil zu erstellen, Morelli braucht entschieden Unterstützung bei der Leitung der Ermittlung.

In der Folge beackert auch Kava die üblichen Äcker der Krimiklischees. Genau genommen weiß ich nicht wie sie es aber trotzdem macht, daß ihr Buch für meinen Geschmack etwas aus dem üblichen herausragt.

Nick Morelli ist der typische Sunnyboy, eine Landei-Type wie Clark Kent. Erstaunlicherweise hat er ein abgeschlossenes Harvard-Studium und hockt nun am Ende der Welt als Sheriff, um die Familientradition fortzusetzen und damit seinem überidealisierten Vater einen Gefallen zu tun bzw. ihn zu beeindrucken. Bald muß er erkennen, daß er die Nachfolge seines Vaters antreten sollte, damit dieser ihn weiterhin unter Beobachtung halten kann. Für den Verlauf des Krimis praktisch, hat Nick übrigens einen Neffen, der zufällig ins Opferschemas unseres Killers passt. Neben Nicks Problemen im eigenen Büro, wo immer noch der Geist seines Vaters der wahre Boss in den Köpfen der Mitarbeiter ist, muß er sich auch noch mit der Presse herumschlagen. Und die nervt – in Form seiner eigenen erfolgsgeilen Schwester.

Dieser Killer ist eigentlich nach 50-70 Seiten bekannt, ebenso seine Motivation – auch wenn sich Details erst im Buchverlauf enthüllen. Es kann kein anderer sein. Daher wird es im letzten Drittel des Buches einfach lachhaft, als Kava versucht noch mal eben kurz ein Ablenkungsmanöver zu starten und einen zweiten Verdächtigen zu installieren. Das funktioniert nicht und verwirrt nur. Statt Spannung kommt die Frage auf: was soll der Mist jetzt? Da man den Killer kennt, ist man geneigt ihn mit Figuren wie Hannibal Lector zu vergleichen. Allerdings spielt Kavas Killer nicht ganz in dieser Liga. Dazu fehlt noch einiges an Charisma, trotzdem hat man gewisse Sympathien für ihn. Das Böse liegt halt nicht an der Oberfläche. Der letzte Satz des Buches ist aber in Hinsicht auf den Killer gut gelungen.

Erst im Laufe des Buches wird klar, daß nicht Morelli der zukünftige zentrale Punkt in Kavas Büchern sein wird, sondern O’Dell. Sie gliedert sich in die Reihe der modernen toughen Krimiermittlerinnen ein, wirkt aber zerbrechlicher als einige ihrer Kolleginnen. Was nicht fehlen darf, ist aber auch bei ihr ein gehöriger psychischer Knacks. In ihrem vorherigen Fall musste sie mit ansehen, wie zwei Frauen geschlachtet wurden und trug selbst einige Verletzungen davon. Auch bei ihrem Ehemann, dem Bonzenanwalt Greg erhält sie wenig Rückhalt.

Oh Wunder aber auch, es funkt zwischen ihr und Morelli – und das Buch erhält so einen kriegen-sie-sich-oder-auch-nicht-Plot. Immer wieder muß man sich nun diesbezüglich seitenweise mit der Gedankenwelt dieser beiden Charaktere beschäftigen. Musste ich nicht wirklich haben, hält sich aber soweit in Grenzen, daß man nicht zwangsläufig sagen muß: ist ein Mädchenthriller. Nebenbei wird man Zeuge, wie sich Morelli und O’Dell von den Personen abnabeln, von denen sie bisher stark beeinflusst wurden. Irgendwo an diesem Punkt erkennt man, daß Kava in Serie gehen wird und daß O’Dell für diesen Zweck die wesentlich geeigenetere Hauptfigur sein wird. Sie hat einfach mehr Potential als ein gemeiner Feld-Wald-und-Wiesen-Sheriff.

Übrigens stelle ich mal wieder italien- bzw. irischstämmigen Nachnamen bei den Hauptfiguren fest. Wieso gibt es die eigentlich sooft in Ami-Thrillern? Möglicherweise weil diese Landsleute gern mal einen katholischen Hintergrund haben und die Kirche eine gewisse Nebenrolle spielt?

„Das Böse“ ist für mich kein Buch, daß ich zwingend in einem Rutsch durchlesen musste. Gefesselt war ich lediglich von den letzten 120/150 Seiten, besonders nachdem der eigentliche Showdown bereits beendet war. Während dieser Seiten kippt einiges um – im Krimi- wie im Privatplot. Und der Killer sorgt dabei tatsächlich für die größte Überraschung. Auch wenn das Ende für den ein oder anderen Leser ziemlich unbefriedigend sein dürfte – ich mag es halt ein wenig böse.

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