Christine (Taschenbuch) / Stephen King Testbericht


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Auf yopi.de gelistet seit 02/2005
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Erfahrungsbericht von winterspiegel
Stephen King ohne Tempolimit
Pro:
Mitreißende, fantastische Geschichte
Kontra:
Nicht viel
Empfehlung:
Ja
Dieser Bericht ist all jenen gewidmet, die sich dem samstäglichen Ritual der mehr oder weniger exzessiven Autopflege hingeben, sobald die Morgensonne ihre ersten zaghaften Strahlen vor ihr Garagentor geworfen hat, in dem ihr „Heilix-Blechle“ ungeduldig darauf wartet, mit Felgenreiniger, Autoshampoo und möglicherweise einer abschließenden Wachs-Kur geradezu verwöhnt zu werden.
Aber auch all den Spoilerfreaks, Hobbybastlern und Freunden des Altöls, deren Leidenschaft für den Außenstehenden manchmal mit einem mitleidigen Kopfschütteln quittiert wird, aber auch nicht selten unverhohlene Bewunderung auf sich zieht.
Handlung des Buches
Die beiden siebzehnjährigen Dennis Guilder und Arnie Cunningham, die sich schon seit frühsten Kindertagen kennen sind die dicksten Freunde, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennis ist der unumstrittene Mädchenschwarm und Star des Footballteams der örtlichen High-School.
Arnie ist fast schon das genaue Gegenteil davon, schüchtern und pickelgesichtig macht er nicht nur keinen Stich beim weiblichen Geschlecht, sondern ist auch schon mal des öfteren Anlass für Spott und Gängelei bei den etwas härteren Jungs an der Lehranstalt.
Eines Tages verliert Arnie ganz gegen seine sonstige Art seine Fassung, indem er Dennis abrupt zum Anhalten auffordert, als die beiden Freunde wieder mal ziellos durch die Gegend kutschieren. Als Dennis sieht warum Arnie sich so ausgelassen aufführt, reagiert er mit Verständnislosigkeit. Der sonst so zurückhaltende Teenager hat in der Auffahrt vor einem Haus einen ziemlich verwahrlosten Wagen entdeckt und ist auch schon dabei wie ein überdrehtes Kind um den, in Dennis Augen Schrotthaufen auf vier Rädern zu tanzen.
Arnie beginnt mit dem Besitzer, der sich inzwischen eingefunden hat und kein Stück weit besser aussieht als sein heruntergekommenes Fahrzeug über den Preis zu verhandeln. Dennis stellt bestürzt fest, dass sein Freund geradezu bereit ist dem Fremden jede Summe für die arg mitgenommene Karre zu bezahlen. Auch ein guter Rat von ihm, das Geschäft doch lieber bleiben zu lassen ignoriert Arnie rigoros.
So kommt es, dass der 58er Plymouth Fury der auf den Namen Christine hört, in der Do-it-yourself-Werkstatt vom skrupellosen Will Darnell unterkommt und Arnie jede freie Minute mit der Restaurierung des Oldtimers verbringt. Dennis merkt als erster, dass sich sein Kamerad langsam zu verändern beginnt. Aus der grauen Maus der er einst war, entwickelt sich ein gewitzter Draufgänger. Und in dem Maße wie Christine mit der Zeit in neuen Glanz erstrahlt, beginnt sich bei Arnie seine Akne zu verabschieden. Auch hat er das Herz des schönsten Mädchens an der Schule, Leigh Cabot für sich gewinnen können.
Doch als Arnie sich mit dem bekannten Schläger Buddy Repperton in die Wolle kriegt und der wegen diesem Vorfall von der Schule fliegt, eskaliert die Situation zunehmend.
Buddy und seine Gang schleichen sich eines Nachts auf Christines Abstellplatz um sich zu rächen. Mit einer ans pedantisch grenzenden Zerstörungskraft nehmen sie sich Arnies Wagen zur Brust, und demolieren ihn systematisch. Als Arnie mit seiner neuen Liebe Leigh am nächsten Tag vor den Trümmern seiner aufopferungsreichen Arbeit steht, geschieht etwas mit ihm, das er in seinem ganzen Ausmaß noch nicht begreifen kann.
Buddy Repperton und seine Kumpane sind auf ausgedehnter Spritztour unterwegs, als wie aus dem Nichts im Rückspiegel von Buddys Camaro zwei Scheinwerferpaare auftauchen. Als das Verfolgerfahrzeug mit einem höllischen Tempo aufzuholen beginnt und Buddy es schließlich erkennt, scheint im vor Überraschung das Herz in die Hose zu rutschen und in unmittelbarer Nachbarschaft davon, seine Hoden auf erbsengroße zusammenzuschrumpfen...
Kritik
Die meisten kennen Kings Gruselstory von 1983, vom mordgierigen Monstermobil Christine wohl aus der John Carpenter Verfilmung, die im gleichen Jahr noch in Angriff genommen und auffällig effektvoll umgesetzt wurde. Bei dem damals auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft angelangten Carpenter, drehte sich beinahe alles um dieses zur Furie werdenden Automobil, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte, die Story war fast schon nebensächlich.
Bei Kings Roman stehen die Nebenschauplätze natürlich viel mehr im Rampenlicht, denn schließlich wird hier ja die ausufernde Geschichte eines Teenagers erzählt, der sich absondert und langsam immer mehr in sein Verderben rennt, als er seine Seele sozusagen an dieses Geisterhaus auf vier weißwandigen Rädern zu verhökern beginnt.
So vergehen zum Auftakt schon etliche Seiten, bis man dem - gerade zu der Zeit charakteristischen King-Horror über den Weg läuft. Doch wenn diese Maschinerie erst mal in Bewegung gekommen ist, zieht der Autor den Leser unweigerlich mit seinem sehr anschaulichen Schreibstil mit sich fort.
Das Schicksal des Arnie Cunningham ist es sicherlich in erster Linie, das einem über die ganzen 651 Seiten am Ball bleiben lässt. Wie er langsam den Bezug zu seinen Eltern, seinem einzigen Freund, selbst seiner Freundin zu verlieren beginnt und in ein Loch fällt, dessen abgründige Tiefe sich erst noch in seinem vollen Ausmaß herausstellen wird.
Natürlich überzeugen die sehr ausführlich beschriebenen Gewalttaten, die King - wie könnte es wohl auch anders möglich sein, sehr anschaulich-schauderhaft geglückt sind und in ihrem Horror die Leinwandversion um ein mehrfaches ganz locker übertreffen.
Aber der erbarmungslose Strudel in den Arnie wie von einer unsichtbaren Hand gerissen wird und gegen die er vollkommen wehrlos ankämpft, ist das vielleicht wirklich faszinierende an Kings Buch, wenn es auch auf den ersten Blick nicht immer so aussieht, denn ein wenig Einlesezeit sollte man schon mitbringen bis die Spannung richtig zündet.
Fazit
Dem Schriftsteller aus Main gelang es ein eindruckvolles Kleinstadtszenario aufzubauen, in dem sich die Bedrohung nicht zum ersten Mal in seiner Fantasiewelt in Gestalt eines vierrädrigen Vehikels herauszukristallisieren beginnt. Schon in seiner Kurzgeschichte „Trucks“ (Lastwagen) aus Nachtschicht, spielte King mit dem Gedanken, was wäre wenn diese in der industriellen Gesellschaft nicht mehr wegzudenkenden Transportmittel eine eigene, wie auch immer geartete Intelligenz besäßen.
Mit seinem Buch „Der Buick“ kam der Meister der Angst im Jahr 2002, wenn auch in ganz anderer Form noch einmal auf dieses Thema zurück. Nämlich im Gewand eines wandelbaren Oldtimers, der sich in der Folge schließlich als bizarre Zeitreisemaschine entpuppte.
Christine wird von mir nicht nur was die Optik des Fahrzeugs anbelangt leicht favorisiert, sondern auch wegen dem umfangreicheren Unterhaltungswert der Erzählung – so es überhaupt einen direkten Vergleich der gut 20 Jahre auseinanderliegenden Geschichten geben kann und geben sollte.
Ein absoluter Klassiker der Horror-Literatur ist „Christine“ ohne Zweifel, ein Stück Hochspannung, dem die Zeit ebenso wenig etwas anhaben konnte, wie dem darin beschriebenen – sich immer wieder von neuem regenerierenden 58er Plymouth Fury, der in seiner schicken Zweifarbenlackierung und seiner zu einem Dauergrinsen geformten Stoßstange, seinen Teil dazu zu Denken scheint.
(c) winterspiegel
Stephen King
Christine
Roman
Wilhelm Heyne Verlag
Preis ca.10 Euro
Aber auch all den Spoilerfreaks, Hobbybastlern und Freunden des Altöls, deren Leidenschaft für den Außenstehenden manchmal mit einem mitleidigen Kopfschütteln quittiert wird, aber auch nicht selten unverhohlene Bewunderung auf sich zieht.
Handlung des Buches
Die beiden siebzehnjährigen Dennis Guilder und Arnie Cunningham, die sich schon seit frühsten Kindertagen kennen sind die dicksten Freunde, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennis ist der unumstrittene Mädchenschwarm und Star des Footballteams der örtlichen High-School.
Arnie ist fast schon das genaue Gegenteil davon, schüchtern und pickelgesichtig macht er nicht nur keinen Stich beim weiblichen Geschlecht, sondern ist auch schon mal des öfteren Anlass für Spott und Gängelei bei den etwas härteren Jungs an der Lehranstalt.
Eines Tages verliert Arnie ganz gegen seine sonstige Art seine Fassung, indem er Dennis abrupt zum Anhalten auffordert, als die beiden Freunde wieder mal ziellos durch die Gegend kutschieren. Als Dennis sieht warum Arnie sich so ausgelassen aufführt, reagiert er mit Verständnislosigkeit. Der sonst so zurückhaltende Teenager hat in der Auffahrt vor einem Haus einen ziemlich verwahrlosten Wagen entdeckt und ist auch schon dabei wie ein überdrehtes Kind um den, in Dennis Augen Schrotthaufen auf vier Rädern zu tanzen.
Arnie beginnt mit dem Besitzer, der sich inzwischen eingefunden hat und kein Stück weit besser aussieht als sein heruntergekommenes Fahrzeug über den Preis zu verhandeln. Dennis stellt bestürzt fest, dass sein Freund geradezu bereit ist dem Fremden jede Summe für die arg mitgenommene Karre zu bezahlen. Auch ein guter Rat von ihm, das Geschäft doch lieber bleiben zu lassen ignoriert Arnie rigoros.
So kommt es, dass der 58er Plymouth Fury der auf den Namen Christine hört, in der Do-it-yourself-Werkstatt vom skrupellosen Will Darnell unterkommt und Arnie jede freie Minute mit der Restaurierung des Oldtimers verbringt. Dennis merkt als erster, dass sich sein Kamerad langsam zu verändern beginnt. Aus der grauen Maus der er einst war, entwickelt sich ein gewitzter Draufgänger. Und in dem Maße wie Christine mit der Zeit in neuen Glanz erstrahlt, beginnt sich bei Arnie seine Akne zu verabschieden. Auch hat er das Herz des schönsten Mädchens an der Schule, Leigh Cabot für sich gewinnen können.
Doch als Arnie sich mit dem bekannten Schläger Buddy Repperton in die Wolle kriegt und der wegen diesem Vorfall von der Schule fliegt, eskaliert die Situation zunehmend.
Buddy und seine Gang schleichen sich eines Nachts auf Christines Abstellplatz um sich zu rächen. Mit einer ans pedantisch grenzenden Zerstörungskraft nehmen sie sich Arnies Wagen zur Brust, und demolieren ihn systematisch. Als Arnie mit seiner neuen Liebe Leigh am nächsten Tag vor den Trümmern seiner aufopferungsreichen Arbeit steht, geschieht etwas mit ihm, das er in seinem ganzen Ausmaß noch nicht begreifen kann.
Buddy Repperton und seine Kumpane sind auf ausgedehnter Spritztour unterwegs, als wie aus dem Nichts im Rückspiegel von Buddys Camaro zwei Scheinwerferpaare auftauchen. Als das Verfolgerfahrzeug mit einem höllischen Tempo aufzuholen beginnt und Buddy es schließlich erkennt, scheint im vor Überraschung das Herz in die Hose zu rutschen und in unmittelbarer Nachbarschaft davon, seine Hoden auf erbsengroße zusammenzuschrumpfen...
Kritik
Die meisten kennen Kings Gruselstory von 1983, vom mordgierigen Monstermobil Christine wohl aus der John Carpenter Verfilmung, die im gleichen Jahr noch in Angriff genommen und auffällig effektvoll umgesetzt wurde. Bei dem damals auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft angelangten Carpenter, drehte sich beinahe alles um dieses zur Furie werdenden Automobil, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte, die Story war fast schon nebensächlich.
Bei Kings Roman stehen die Nebenschauplätze natürlich viel mehr im Rampenlicht, denn schließlich wird hier ja die ausufernde Geschichte eines Teenagers erzählt, der sich absondert und langsam immer mehr in sein Verderben rennt, als er seine Seele sozusagen an dieses Geisterhaus auf vier weißwandigen Rädern zu verhökern beginnt.
So vergehen zum Auftakt schon etliche Seiten, bis man dem - gerade zu der Zeit charakteristischen King-Horror über den Weg läuft. Doch wenn diese Maschinerie erst mal in Bewegung gekommen ist, zieht der Autor den Leser unweigerlich mit seinem sehr anschaulichen Schreibstil mit sich fort.
Das Schicksal des Arnie Cunningham ist es sicherlich in erster Linie, das einem über die ganzen 651 Seiten am Ball bleiben lässt. Wie er langsam den Bezug zu seinen Eltern, seinem einzigen Freund, selbst seiner Freundin zu verlieren beginnt und in ein Loch fällt, dessen abgründige Tiefe sich erst noch in seinem vollen Ausmaß herausstellen wird.
Natürlich überzeugen die sehr ausführlich beschriebenen Gewalttaten, die King - wie könnte es wohl auch anders möglich sein, sehr anschaulich-schauderhaft geglückt sind und in ihrem Horror die Leinwandversion um ein mehrfaches ganz locker übertreffen.
Aber der erbarmungslose Strudel in den Arnie wie von einer unsichtbaren Hand gerissen wird und gegen die er vollkommen wehrlos ankämpft, ist das vielleicht wirklich faszinierende an Kings Buch, wenn es auch auf den ersten Blick nicht immer so aussieht, denn ein wenig Einlesezeit sollte man schon mitbringen bis die Spannung richtig zündet.
Fazit
Dem Schriftsteller aus Main gelang es ein eindruckvolles Kleinstadtszenario aufzubauen, in dem sich die Bedrohung nicht zum ersten Mal in seiner Fantasiewelt in Gestalt eines vierrädrigen Vehikels herauszukristallisieren beginnt. Schon in seiner Kurzgeschichte „Trucks“ (Lastwagen) aus Nachtschicht, spielte King mit dem Gedanken, was wäre wenn diese in der industriellen Gesellschaft nicht mehr wegzudenkenden Transportmittel eine eigene, wie auch immer geartete Intelligenz besäßen.
Mit seinem Buch „Der Buick“ kam der Meister der Angst im Jahr 2002, wenn auch in ganz anderer Form noch einmal auf dieses Thema zurück. Nämlich im Gewand eines wandelbaren Oldtimers, der sich in der Folge schließlich als bizarre Zeitreisemaschine entpuppte.
Christine wird von mir nicht nur was die Optik des Fahrzeugs anbelangt leicht favorisiert, sondern auch wegen dem umfangreicheren Unterhaltungswert der Erzählung – so es überhaupt einen direkten Vergleich der gut 20 Jahre auseinanderliegenden Geschichten geben kann und geben sollte.
Ein absoluter Klassiker der Horror-Literatur ist „Christine“ ohne Zweifel, ein Stück Hochspannung, dem die Zeit ebenso wenig etwas anhaben konnte, wie dem darin beschriebenen – sich immer wieder von neuem regenerierenden 58er Plymouth Fury, der in seiner schicken Zweifarbenlackierung und seiner zu einem Dauergrinsen geformten Stoßstange, seinen Teil dazu zu Denken scheint.
(c) winterspiegel
Stephen King
Christine
Roman
Wilhelm Heyne Verlag
Preis ca.10 Euro
40 Bewertungen, 1 Kommentar
-
18.07.2006, 16:05 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichDas hat mir auch sehr gut gefallen. Auch der Film ist gut gelungen. ;O) LG Sabrina
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