Die Augen des Drachen (Taschenbuch) / Stephen King Testbericht

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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Es war einmal...

Pro:

Phantastische und spannende Märchengeschichte von Stephen King

Kontra:

Nicht viel

Empfehlung:

Ja

Für die Bücher-Welt eines Stephen King scheint es schon lange keine Grenzen mehr zu geben. Je mehr man sich mit diesen - in langen Jahren vom Meister des neuzeitlichen Horrors angehäuften - Verzahnungen seiner Bücher und Geschichten beschäftigt, desto undurchschaubarer wird dieses Netz, mit dem fast sein gesamtes Werk durchzogen ist. Handlungsorte, Personen, und auch schon mal ganze Themen begegnen dem aufmerksamen Leser immer wieder von neuem.
Eine der markantesten Figuren, die sich immer wieder in die Romane von King einschleicht ist zweifelsohne Randall Flagg. Flagg ist ein Zauberer der schwarzen Magie, der sich in Gestalt der unterschiedlichsten Individuen manifestieren kann, um seine undurchsichtigen Ränke zu schmieden. Er ist aber auch der vermeintlich alterslose Wanderer zwischen den (King) Welten, der seinen furchteinflößenden Einflussnahme jederzeit geltend machen kann.

Seinen eindrucksvollsten Auftritt hatte dieser Teufel in Menschengestalt sicher in „Das letzte Gefecht“, - in dem Flagg quasi den jüngsten Tag der Menschheit ausruft. Ein weiteres fast unüberschaubares Terrain bieten sich ihm natürlich in den „Dunklen Turm-Büchern“, wo er auch schon mal unter falschem Namen agiert. Doch in dem am Ende auf 7 Romane sich erstreckenden Turm-Epos, war er im Grunde eigentlich auch nur ein Handlanger des Schreckens, für noch um einigeres mächtigere Wesen, die sich anschicken ganze Welten aus dem Gleichgewicht zu werfen.
Eine weitere Hauptrolle – und jetzt komme ich zum Punkt - hatte Flagg auch noch in Kings „Die Augen des Drachen“, hier gewinnt der Leser den wohl genauesten Einblick in die tiefsten Abgründe der rabenschwarzen Seele dieses Parade-Bösewichts.



Handlung


An Roland, der von seinen Untertanen respektierte, erstmals starker Herrscher über die Ländereien von Delain, der in der Blüte seiner Jahre so manchen Drachen zur Strecke brachte, ist die Zeit nicht spurlos vorrübergegangen. Alt und kränklich ist er bereit die Verantwortung für das Königreich an seinen ältesten Sohn Peter weiterzugeben.
Doch Flagg, der mächtige Hof-Magier des Königs hat ganz andere Pläne. Er ermordet König Roland hinterlistig und lässt es so aussehen, als ob dessen Sohn - der 16 Jährige Peter dahinterstecken würde. Peter wird - nachdem er die Schuld im Interesse seines Volkes auf sich geladen hat – verurteilt, für den Rest seines Lebens in der Nadel, einem Kerkerturm hoch über der Stadt dahinzuvegetieren.

Thomas, der jüngste Sohn des Königs wird - nachdem Flagg für ihn den Weg geebnet hat - zum neuen Thronfolger bestimmt. Der sehr junge, unerfahrene und weniger intelligente der beiden Brüder, der die Wahrheit darüber kennt, wer seinen Vater tatsächlich auf dem Gewissen hat, ist aber der Beeinflussung des teuflischen Zauberers willenlos ausgeliefert, und lässt seinen Bruder im Gefängnis schmoren.
Doch Peter hat noch andere treue Freunde, die nicht an die Schuld des rechtmäßigen Erben des Throns glauben. Mit Hilfe dieser Gefährten plant Peter ein Befreiungsversuch, der alles andere als vielversprechend erscheint. Doch in einer bitterkalten Winternacht ist es dann soweit, Peter wagt die Flucht, die so lange Vorbereitungszeit in Anspruch nahm, und die im wahrsten Sinne an einem winzig dünnen Faden hängt...



Kritik


Stephen Kings Tochter Naomi und dem Sohn seines Schriftstellerkollegen Peter Straub (mit dem er zusammen die beiden Bücher „Der Talisman“ und den Nachfolger „Das schwarze Haus“ schrieb) Ben gewidmeten Geschichte, ist ganz in der Tradition der „Dunklen Turm Bücher“, sehr fantasie- und märchenhaft zu Papier gebracht worden. Schon die Einleitung versetzt den Freund phantastischer Literatur in ein Fabelland, ganz ähnlich wie sie sie einem aus den Büchern der Gebrüder Grimm schon oft aufgezeigt wurden. Die Handlungsorte und Protagonisten erinnern aber vor allem auch an Kings eigene Fantasy-Saga, bei dem ein gewisser mystischer Held namens Roland aufbricht, um den „Dunklen Turm“ zu finden.

Hier stellen sich natürlich für den Eingeweihten zur Romanreihe einige Fragen, auf die ich gleich zu Anfang kommen- und für den Interessierten kurz ansprechen will: Spielt die Geschichte von „Die Augen des Drachen“ nach den Ereignissen des Letzten Romans um den „Dunklen Turm“, da auch angedeutet wird, dass Roland ein König ist und demnach wäre er ja der Vater von Peter und Thomas. Oder spielt sich die Geschichte gar in einer Art Parallelwelt ab, in der Roland sich niemals auf die Suche nach dem DT machen musste, sondern ein eher beschauliches Leben als König fristet, bis er schließlich von Flagg ermordet wird? Alles Fragen, die wohl erst nach dem Erscheinen der letzten Kapitel der Saga beantwortet werden können. Natürlich alles unter der Voraussetzung, dass sich Mr. King in seinem so komplex erschaffenen Universum noch einigermaßen auszukennen vermag. Was ich doch im Sinne der noch drei ausstehenden Büchern natürlich sehr hoffe.

Allen anderen denen diese ganzen Zusammenhänge sowieso entgehen werden, dürfen sich nichtsdestotrotz auf eine Märchenstunde freuen wie sie sein sollte, und bei der die Fronten ganz klar abgesteckt sind. Es fängt alles in bester Märchentradition an. Ein gutherziger Königssohn schickt sich an die Thronfolge anzutreten. Das Volk steht geschlossen hinter dem Herrscherhaus. Doch dann kommt halt der unweigerliche Bösewicht ins Spiel. Der Charismatische Widersacher, der nun mal das Salz in der Suppe einer jeden solch gestrickten Erzählung ist, und macht seinen diabolischen Einfluss geltend.
Einen Großteil der Handlung beschreibt Peters Schicksal im Gefängnisturm und wie er trotz der aussichtslosen Situation (bis auf die fantastische Aussicht natürlich) den einen Funken Hoffnung nie verliert, der in schließlich so lange am Leben erhält. Außerdem kommen seine treuen Freunde ins Spiel - die von King sehr gut herausgearbeitet wurden - die alles Menschenmögliche dafür tun um zu helfen. Trotz aller der für sie möglicher Weise sich ergebender Konsequenzen.

So rufen zum Beispiel die Szenen der Befreiung aus dem Turm Erinnerungen an berühmte Fluchtgeschichten wach, wie etwa „Der Graf von Monte Christo“, oder wenn man vielleicht etwas genauer hinschaut an Kings eigene Fluchtgeschichte „Frühlingserwachen - Pin up“ aus der Sammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“, wo die Hoffnung bekanntlich ja auch erst ganz am Ende stirbt.
King hat außerordentlich viel Atmosphäre in diese phantastische Welt gepackt, die natürlich in groben Zügen auch etwas an das unserige Mittelalter angelegt ist. Man kann geradezu den eisigen Wind um den Gefängnisturm toben sehen, der durch das schutzlose Fenster dringt, um den geschundenen Gefangenen Peter zum zittern zu bringen.

King erzählt diese Geschichte plastisch und sehr geradlinig, in dem er den Leser immer wieder direkt anzusprechen pflegt, und so scheinbar ganz persönlich einige wichtige Fragen an ihn zu richten hat. Dieser raffinierte Schreibstil gibt dem Leser den verblüffenden Eindruck sehr unvermittelt am Geschehen beteiligt zu sein, und weckt unbewusst noch mehr Interesse, für all diese dramatischen Geschehnisse. King hat außerdem einen Roman entworfen in dem immer wiederkehrende Motive wie Freundschaft, Mut und Treue enthalten sind, die in seinen Werken auch schon oft eine maßgebliche Rolle spielen.



Fazit


Wer die Reihe um den „Dunklen Turm“ mit Begeisterung aufgenommen hat, der ist sicher auch von dieser märchenhaften Erzählung fasziniert, die sich vor ganz ähnlichen Kulissen abspielt. Gut gegen Böse – also ein bedingungsloses Schwarz-Weiß-Zeichnen der Charaktere, sind ebenso selbstverständliche Zutaten wie Heldenmut, schöne Frauen, ein fieser Schurke, Treue, Verrat, oder sonstiges klassisches Beiwerk, dass dem Ganzen diese anschauliche phantastische Komponente verleiht. Alles in allem ein Märchen halt, dass ich mir als kleiner Junge viel lieber am Bett als Gutenachtgeschichte erzählen lassen hätte, als zum Beispiel Rumpelstilzchen, oder das öde Rapunzel – obwohl sich Stephen King von letzterer Geschichte wohl selber ein klein wenig inspirieren ließ.

© winterspiegel für Ciao & Yopi





Stephen King

Die Augen des Drachen

Roman

Wilhelm Heyne Verlag

Preis: ca. 8 Euro

30 Bewertungen, 2 Kommentare

  • kleenerknuffi

    16.08.2004, 18:50 Uhr von kleenerknuffi
    Bewertung: sehr hilfreich

    eines meiner Lieblingsbücher von Stephen King. Wenn ich endlich mal die noch ungelesenen Bücher alle gelesen habe, werde ich mir dieses mal wieder vornehmen. Liebe Grüße Bine

  • Brita2905

    14.08.2004, 15:44 Uhr von Brita2905
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich gebe zu, dass ich kein einizges Buch von ihm wissentlich in meinem sehr reich bestückten Bücherschrank stehen habe, aber u.a. Filme wie "Friedhof der Kuscheltiere" aber auch "She" oder "Es" beeindruckten mich seh