La Gomera Testbericht

La-gomera
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Erfahrungsbericht von Schlingel62

TRAUMHAFTE WANDERMÖGLICHKEITEN AUF GOMERA

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

VORWORT
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Das Palmeneiland Gomera bietet einfach traumfhafte Möglichkeiten zum Wandern. Ich war davon ganz begeistert und hier ist ein Bericht über eine zweiwöchige Wandertour:

Was passierte?
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An Deck der Fähre von Teneriffa hinüber zum Palmeneiland La Gomera
können wir uns kaum vorstellen was in den nächsten zwei Wochen auf der zweitkleinsten kanarischen Insel beim Trekking durch fruchtbare Täler, Plantagen, und schmale Bergpfade auf uns zukommt. Einigermaßen Kondition, im Tagesrucksack genügend Wasser und eine Kopfbedeckung sind von Vorteil, denn Gomera ist eine Insel der Gegensätze: Mitunter kann man in den Bergen einen Urwaldspaziergang im Nebel unternehmen, während in den Badebuchten am Meer schon wieder die Sonne scheint.

Auf der Busfahrt nach Hermigua, das Bananental, bekommen wir gleich den richtigen Eindruck. Der vulkanische Ursprung bestimmt die Inselgeographie: Steile Höhen, riesige rouques und pitones (spitze und abgerundete Felskegel), sind charakteristisch für Gomera. Beim superb gewürzten Abendessen von Carmen in Hermigua - Fisch, Pasta, Kressesuppe - stärkt uns der Vino tinto für die Tageswanderungen. Fünf bis sieben Stunden - maximal - stehen an reiner Gehzeit bevor; Rast je nach Zustand, bloß kein Stress ist die Devise. Ein Bus den wir gemietet haben, bringt uns jeweils an die Ausgangspunkte der Wanderungen.

Es geht früh in Hermigua los in Richtung Vallhermoso. Hier wird auch der "Miel de palma" verkauft, eine Art Honig, der aus dem Saft der Palme hergestellt wird. Auf den gut ausgebauten Wegen geht es vorbei an Kanonenpalmen und Erikabäumen. Auf luftigeren Gratspuren genügt Trittsicherheit - auch für Wanderrückständige. Unsere Lungen genießen die sanfte Meeresluft. Hier fühlt man sich nicht wie im Brutkasten, denn im Süden spendet der Passat eine angenehme Brise. Im Norden kommt mit den Wolken feuchte Luft hervor. Der Lorbeersilberwald saugt im Inselzentrum wie ein Schwamm die Feuchtigkeit an, die auf die Flora rieselt und ihr so die Grundlage zum prächtigen Gedeihen gibt. Am "Rock Agando" in 1250 Metern Höhe kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Kein Wunder, denn wir sind nur 400 Kilometer von Südmarokko entfernt, stellen wir beim Wandern fest. Vorbei an Sträuchern und Blumen geht es durch ein Flußtal hinunter nach Santiago, ein kleiner verträumter Fischerort, bei dem der Tourismus noch nicht ausgebrochen ist. Zur typischen Inselflora gehören die von Januar bis April blühende Baumheide, die langnadelige Kanarenkiefer, der immergrüne Lorbeerbaum, sowie der selten gewordene Drachenbaum. Es geht durch Kakteenwälder, die etwas Geschick verlangen, dann sehen wir Ihn: "El Drago", der einzige Drachenbaum auf Gomera. Der Baum ist einige hundert Jahre alt und steht in einem schönen Tal. Tiefgrüne Linden und Heidesträucher, Buchen und Erbeersträucher gibt es zu hauf. Auf und ab geht es in happigen Geländeschleifen. Das Wetter ist gut, hier auf dem 28. nördlichen Breitengrad. Wir vagabundieren durch fruchtbare Terrassenfelder, über agaven- und kakteenbewachsene Felssteige, bis dann der Gänsemarsch über Gestrüpp und durch Distelfelder, die plötzlich in kühle, schattige Bachgründe, wie in Oberbayern einfädelt. Das ist nicht übertrieben, Gomera hat mit seinen 17000 Einwohnern für Natur- und Wanderfreunde wie für Sonnenhungrige gleichermaßen viel zu bieten.

Auf geht´s, am nächsten Tag wird ein neuer Augenschmaus serviert: es geht in den Parque Nacional de Garajonay. 1986 wurde seine einzigartige Flora von der UNESCO zum schutzwürdigen Erbe der Menschheit erklärt. Die höchste Erhebung des Parks (und der Insel) ist der Pico de Garajonay mit 1487 Metern. Hier erfahren wir, daß das klassische Liebespaar der altkanarischen Mythologie nicht Romeo und Julia heißt, sondern Gara und Jonay. Da sie nicht heiraten durften, töteten sie sich auf dem höchsten Punkt der Insel. Durch den nebeligen Lorbeerwald, der in dieser Form und Üppigkeit nur noch auf Neuseeland zu finden ist, laufen wir zum heute fast verlassenen Ort El Cedro. Ein weiteres, kleines Abenteuer wartet hier auf uns: die Durchquerung des 450 Meter langen, engen und dunklen Tunnels unter dem 1040 m hohen Berg La Montaneta. Ursprünglich wurde der Tunnel als Wasserstollen gebaut und dient den Ortsbewohnern als Abkürzung vom heißen, trockenen San Sebastian zur üppig feuchten Vegetation von Hermigua . Ausgerüstet mit einer Taschenlampe machen wir uns mit Badelatschen auf den Weg durch das 30 Zentimeter hohe eiskalte Bergwasser. Auf nach Chipude war am nächsten Tag die Devise. Vom Ort im Hochland der Inselmitte geht es hinunter nach La Montanza. Vor allem beim Abstieg an der Wasserleitung entlang verstummt unser Flachsen auf dem spitzsteinigen Steig ins Tal des Königs. Valle Gran Rey - großer König, großer Schlauch. Die "gebückte Ziegenhaltung" erwies sich für uns als gliederschonend und ungefährlich. Wir krochen förmlich den steinigen Hang hinunter nach Valle Grany Rey. "Valle", Teffpunkt der Alternativtouristen ist mit seinen einzigartigen Terrassenhängen und tiefen Schluchten ein guter Ausgangspunkt zu faszinierenden Wanderwegen. Der harte Kern von uns läßt sich bei strahlendblauem Himmel ein kühles Bad in den Fluten des Atlantik nicht entgehen.

Zum Wochenende steigt noch eine freiwillige Tour über den " Leche Pfad ". Der Rundwanderweg führt uns von Valle Gran Rey ins 670 Meter hohe "Las Pilas". Die alten Gehöfte auf dem Hochplateau sind schon längst verfallen. Getreide wurde hier in luftiger Höhe nur einmal angebaut. Bei der schwierigen Tour, die eigentlich nur für erfahrene Berggeher mit Trittsicherheit geeignet ist, wird von uns alles abverlangt. Schwindelfreiheit ist unbedingt notwendig, wenn es den steilen Felsenweg hinunter geht. Klettern, Überhänge, Erosionen sorgen für ein herausforderndes Naturerlebnis, ich mutiere selbst fast zur Ziege, als uns eine Herde über den Weg läuft.

Die legendäre "rote Wand" von Agulo erweist sich dagegen als fast harmlos aus. 600 Höhenmeter schlurfen wir andertags über rote, vulkanische Sandwellen. Die teppichartige Dünenregion bietet einen neuen Landschaftskontrast. Über eine Mondlandschaft geht es bis zur Cartare del Norte hinunter nach Agulo, das pittoresk direkt im Tal zwischen den großen Bergen liegt.

Wer jetzt noch weitere sportliche Ambitionen hat, der kann sich ein Mountain - Bike ausleihen und bei einer ausgetüfelten Panorama Rundfahrt vom 1260 Meter hohen Laguna Grande auf Waldwegen und kleinen Nebenstraßen durch die traumhafte Landschaft der Berge Gomeras fahren. Gute Bremsen benötigt man allerdings bei der zwölf Kilometer langen Abfahrt hinunter nach Hermigua. Auf dem buckligen Gomera fanden wir trotz aller Anstrengungen aktive Erholung. Obwohl es bei unserer lustigen Gruppe einige "Kniegeschädigte" gab, die offenbar die steilen Abstiege nicht verkrafteten, dachte keiner ans Aufgeben im Kreis der Amateurwanderer. Die wunderschönen Eindrücke ließen das gar nicht zu - im hohen Schilf an Wasserfällen, Felsbastionen , wo Bewässerungsröhren in luftiger Höhe für Bananenhaine sorgen, Sonnenbrand und Blasen an den Füßen. Jetzt hieß es Abschied nehmen von der "Isla Columbia". Der Sage nach soll es ein todkranker Gomero gewesen sein, der acht Jahre vor der Entdeckung Amerikas Kolumbus den Seeweg zur "neuen Welt" gezeigt hat. Jedenfalls nahm der Entdecker Amerikas Pferde, Kühe, Schweine und Hühner von der Insel "Gomera" mit, um die "neue Welt" zu besiedeln. Kein Wunder daß die Bewohner Gomeras auf ihrer 373 Quadratkilometer große Insel stolz sind. Unberührtheit und Ursprünglichkeit stehen im Mittelpunkt dieses "Pünktchens im Weltmeer".

So das war´s in Gomera. Ich komme wieder und wünsche allen viel Spass...

Liebe Grüsse

Schlingel62

veröffentlicht auch für CIAO und dooyoo

17 Bewertungen, 2 Kommentare

  • abutilon

    28.06.2002, 00:40 Uhr von abutilon
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich liebe diese Insel! Liebe Grüße Claudia

  • RIPwolf

    27.05.2002, 18:19 Uhr von RIPwolf
    Bewertung: sehr hilfreich

    das war traumhaft zu lesen! Echt guter Beitrag!