Lawrence von Arabien (DVD) Testbericht




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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Sternstunde des Films auf einer 5 Sterne-DVD
Pro:
Bild und Ton sind 1A.
Kontra:
Die Ausstattung der DVD macht mich leider nicht wunschlos glücklich.
Empfehlung:
Ja
Ein kluger Mensch hat einmal behauptet, aus jedem einzelnen Filmbild von „Lawrence von Arabien“ ließe sich problemlos ein tolles Poster machen. Ich stimme zu: „Lawrence von Arabien“ ist großes Kino, und das fängt mit großen Bildern an. Offensichtlich hat Regisseur David Lean ein gutes und unbestechliches Auge für große Bilder gehabt, und das sieht mensch dem Film in jedem Augenblick seiner 222 Minuten Laufzeit (harr, harrr!) an.
Erst in dieser Woche hat das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Leans Blick wieder gewürdigt. In einem lesenswerten Artikel über die gähnende Langeweile, die computeranimierte Sequenzen in Realfilmen mittlerweile bei einem immer größeren Teil des Publikums bewirken, erwähnt der Autor unter anderem jene denkwürdige Szene in „Lawrnece von Arabien“, in der sich aus einer Luftspiegelung langsam die Figur herauslöst, die Omar Sharif im Film spielt. Das ist beileibe nicht die einzige denkwürdige Szene des Films, aber schon im ersten Drittel des Werks ist Lean und seinem Kameramann Freddie Jones damit eines der denkwürdigsten Entrees der Filmgeschichte gelungen – solche Momente sind von jeher selten im Kino, und manchem Regisseur gelingt es im Laufe seiner gesamten Karriere nicht, auch nur einen einzigen solchen Moment zu erschaffen.
Die Bildfolge, in der Lawrence (Peter O’Toole) zunächst ein Streichholz ausbläst und in der dann, nach einem Schnitt, die Sonne über der Wüste aufgeht, ist auch einer dieser Momente ungeheurer Bildgewalt – um wie viel wirkungsvoller der harte Schnitt zwischen beiden Szenen gewesen sein muss in einer Zeit, in der weiche Überblendungen als das allein selig machende Stilmittel zur Überleitung zwischen Szenen galten, lässt sich nur erahnen.
Ganz nebenbei wird in dieser Szene auch sehr schön deutlich, dass „Lawrence von Arabien“ nicht nur visuell ein Meisterwerk ist: Wie Komponist Maurice Jarre da musikalisch die Sonne immer heißer brennen lässt, ist ebenfalls ganz, ganz groß. Sein Soundtrack für „Lawrence von Arabien“ zählt sicher nicht nur für mich zum Besten, was Jarre im Laufe seiner langen Karriere hervorgebracht hat. Was fehlt noch, um aus einem Film einen wirklich großen Film zu machen?
Großartige Schauspieler und ein hoffentlich nicht minder großartiges Drehbuch. „Lawrence von Arabien“ hat beides. Der junge Peter O’Toole verkörpert die Figur des großspurigen T.E. Lawrence perfekt, und das Drehbuch von Bühnenautor Robert Bolt legt ihm eine Reihe wunderbarer Sätze in den Mund. Drei kleine Wörtchen genügen Lawrence zum Beispiel, um die vor Ort herrschende Weltordnung auf den Kopf zu stellen. Als beim nächtlichen Ritt durch einen besonders berüchtigten Todesstreifen der Wüste einer der Mitstreiter aus dem Lawrence’schen Kommandounternehmen unbemerkt von seinen arabischen Waffenbrüdern zurückbleibt, ist für die nämlich alles sonnenklar: Dass der übermüdete Kamerad vom Kamel gefallen ist, war genauso Allahs Wille wie der einsame Tod in der Wüste, der ihn nun erwartet – Schicksal eben, vorausbestimmt und unabänderlich: “It is written“, heißt es achselzuckend.
Gegen solchen Defätismus stemmt sich nur einer: “Nothing is written!“, ruft Lawrence aus, lenkt sein Reittier zurück in die soeben mit Müh und Not durchquerte Todeszone und trotzt dem Schicksal und der Wüste den Gefährten ab, der von seinen Landsleuten längst aufgegeben worden war. Das tragische Ende kommt viel später, als Lawrence das Todesurteil mit eigener Hand vollstreckt: Ausgerechnet der Gerettete sorgt für Blutvergießen und beschwört damit eine unheilvolle Fehde heraus – die sich nur durch finalen Schuss aus Lawrences Pistole abwenden lässt. Und natürlich fühlen sich die, die alles schon immer gewusst haben, bestätigt: Es stand eben doch geschrieben, dass Gasims Zeit gekommen war.
Ich könnte, wie gesagt, noch lange schwelgen und schwärmen, wie sehenswert und immer wieder sehenswert dieser Meilenstein der Filmgeschichte aus dem Jahre 1962 ist – aber das gehört ebenso wenig hierher wie eine ausufernde Inhaltsangabe, Schauspieler-Filmographien oder eine Auflistung von Preisen und/oder Bezugsquellen.
D i e _ D V D
Was sehr wohl an diese Stelle gehört, sind ein paar lobende Worte für die Bild- und Tonqualität, die der DVD-Transfer von „Lawrence von Arabien“ bietet.
Wenige Filme kenne ich so gut in- und auswendig wie diesen, dessen Dialoge ich mittlerweile über weite Strecken mitsprechen kann. Bereits 1992, als der Film anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums die längst überfällige Restauration erfahren durfte, habe ich frohlockt. Es hat dann zwar noch geraume Zeit gedauert, bis ich die restaurierte Fassung endlich mal auf einer großen Kinoleinwand zu sehen bekam, aber schon damals war ich sehr angetan von den Ergebnissen des Restaurationsprozesses.
Den Film zum ersten Mal auf DVD zu sehen war, und das sage ich nicht leichtfertig, allerdings schlicht überwältigend.
Die Hoheitsabzeichen auf den Tragflächen-Unterseiten der türkischen Doppeldecker-Flugzeuge, die das Camp des Fürsten Feisal bombardieren, waren mir Jahrzehnte lang nie ins Auge gefallen. Dass der Wüstensand in einigen Szenen glitzert, war mir neu. Und wie ungemein farbig die Zeltstadt des Auda Abu Tayi in Wadi Rumm ist, wusste ich bis dato auch nicht. Mit anderen Worten: Das Bild der DVD enthüllt einen ungeahnten Detailreichtum. Auch der Ton hat profitiert und mir das eine oder andere Aha-Erlebnis beschert – ich liebe zum Beispiel das Geräusch des Windes, der um die Düne zischt, auf der Lawrence die Nacht zubringt, im Laufe derer er seinen Aquaba-Plan schmiedet. Was mir lange Zeit nicht klar war: Offensichtlich sind für die restaurierte Fassung sämtliche Dialoge neu eingesprochen worden, und für manche Teile, die erst in diesem Director’s Cut wieder zu sehen sind, wurde der Ton so nachbearbeitet, dass die Stimmen der Schauspieler tunlichst so klingen wie dreißig Jahre zuvor – auch hier wurde ganze Arbeit geleistet.
Hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist hingegen das Bonusmaterial – hier vermisse ich schmerzlich einen filmhistorischen Kommentar, dessen Fehlen auch das Making of und sieben kurze Filmchen nicht wettmachen. Otto Normalverbraucher wird das, was vorleigt, sicher genügen; bekennende Fans des Films werden sich sicher ebenso wundern wie ich, dass ausgerechnet Hauptdarsteller Peter O’Toole in den filmbegleitenden Beiträgen auf der Bonus-DVD so gut wie keine Rolle spielt, ja fast überhaupt nicht auftaucht – von einem Interview jüngeren Datums ganz zu schweigen.
R e s ü m e e
Der Film ist ein Meilenstein, Bild- und Tonqualität der DVD sind atemberaubend gut. Die Ausstattung lässt, finde ich, zu wünschen übrig; das Covermotiv finde ich ebenfalls nicht sonderlich gelungen. Trotzdem: 5 Sterne für eine Veröffentlichung, die im Regal eines jeden Liebhabers anspruchsvoller Spielfilme nicht fehlen darf.
24 Bewertungen, 11 Kommentare
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01.09.2007, 02:12 Uhr von Kjeldi
Bewertung: sehr hilfreichder war der erste Film den ich mir auf DVD gekauft habe, grandios
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26.08.2007, 21:49 Uhr von Wegeno
Bewertung: sehr hilfreich...::: Gruß Werner :::...
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26.08.2007, 17:01 Uhr von Meyerhoffsche
Bewertung: sehr hilfreichSonnige Sonntags-Grüße von Meyerhoffsche :)
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24.08.2007, 21:51 Uhr von Dr_Ed
Bewertung: sehr hilfreichDer Film ist in der Tat gigantisch!
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24.08.2007, 20:19 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichLG Pet
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24.08.2007, 00:23 Uhr von gerrhosaurus1978
Bewertung: sehr hilfreichLG, Daniela
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23.08.2007, 20:13 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichschön beschrieben
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23.08.2007, 19:03 Uhr von _knuddelmonster88_
Bewertung: sehr hilfreichEinen sonnigen Tag wünscht Sara
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23.08.2007, 18:47 Uhr von firestorm1105
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht über einen klasse Film. LG, Romy
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23.08.2007, 17:25 Uhr von Janet
Bewertung: sehr hilfreichund Pete O'Toole in einer Glanzrolle
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23.08.2007, 16:53 Uhr von mloidl
Bewertung: sehr hilfreichlg mloidl
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