Leben und Lieben im "Alter" Testbericht

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Erfahrungsbericht von ditho

Älter werden ist nicht schwer, jung bei bleiben auch nicht sehr

Pro:

Lebenserfahrung

Kontra:

Vergesslichkeit

Empfehlung:

Ja

Mehr durch Zufall gelangte ich zu diesem Thema. Aber da es mich als Jahrgang 1944 betrifft, wollte ich nicht so einfach dran vorbeigehen. Obwohl, als Skorpion geboren und nichts dazugelernt. Es heißt, daß der Skorpion eisern schweigen kann und sich nicht gerne hineinschauen lässt. Also, was über sich erzählen und dann gar noch übers älter werden? Aber da ich gerade nichts besseres vorhabe.

Kindheitserinnerungen

Als ich in einem kleinen Dorf in Sachsen geboren wurde, in Leipzig durfte ich nicht, denn da war ja Krieg, war Vater in ebendiesem und kam so schnell nicht wieder nach Hause. Als er dann endlich kam, wollte er seine Familie ordentlich ernähren und machte sich selbständig; und das in der damaligen DDR. Anfangs ging es ja noch gut, da war er ja fast allein. Als ich aber die Grundschule absolviert hatte, nicht einmal schlecht, und nach dem Abitur schielte, gabs das erste mal was aufs Auge. Ich war kein Arbeiterkind. Zum Glück gab es einen Lehrer, der das nicht ganz so sah und einen Ausweg fand. Aber die Freude währte nicht lang. Das Abitur war reichlich gut genug für einen Studienplatz, ich aber nicht. Der Grund - siehe vorn. Ich lernte also den Beruf eines Fernmeldemechanikers, sogar mit Freude, arbeitete im Bereich Forschung und Entwicklung und sollte auf einmal studieren. Ich war ja inzwischen berufstätig und damit selbst so etwas wie ein Arbeiter. Auf einmal wolte der Staat sein bisher ungeliebtes Kind. Nur ich wollte nicht mehr so richtig.

Bildung, Bildung und Beruf

Vater überredete mich natürlich zum Studium, er hoffte , daß ich den Betrieb, der inzwischen ein klein wenig gewachsen war, einmal übernehme. Ich studierte an der TU Dresden mit dem Ziel, einmal Diplom-Ingenieurökonom für Elektrotechnik zu werden. Das andere Ziel, Vaters Wunschtraum, zerrann über Nacht.. Die Gier des Staates schlug zu. Aus Vaters Betrieb wurde Vaters ehemaliger Betrieb, kurz VEB. Vater durfte zwar weiterarbeiten, doch das Geld verdienten andere - verdienten?

Meinem Studium in Dresden folgte ein Spezialstudium des Rechnungswesens in Berlin. Dann ein Arbeitsplatz in einem großen Spezialbaukombinat der damaligen DDR, das am wenigsten für die DDR baute. Im Laufe der Jahre stieg ich vom Mitarbeiter für Kostenrechnung über mehrere Phasen als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei verschiedenen Herren zum Hauptbuchhalter des Kombinates auf. Bis dahin ohne Partei. Zwischendurch fand ich auch noch ein wenig Zeit, meine Frau kennenzulernen, sie zu heiraten, zwei Söhne zu zeugen, ein Haus zu bauen und mehr als einen Baum zu pflanzen.

Die Wende - auch in meinem Leben

Lang war ich nicht in der Partei. In meiner damaligen Heimatstadt Leipzig gingen die Menschen auf die Straße und ich aus der Partei. Wir freuten uns gemeinsam über den Fall der Mauer, die gewonnene Freiheit und waren plötzlich auch frei von unserem Arbeitsplatz. Wir wurden nicht mehr gebraucht, hatten viel Zeit zum Verreisen, aber kein Geld dafür. Das Begrüßungsgeld war lange alle.

Während der Abwicklung unseres Betriebes lernte ich einen Unternehmer aus Süddeutschland kennen, der mir eine neue Chance bot. In seinem EDV-Unternehmen fing ich als Vertriebsmitarbeiter an, wurde dann Vertriebsleiter Ost und schließlich Geschäftsführer. Meine Frau hatte auch bei einer Niederlassung einer westdeutschen Firma Arbeit gefunden, die Kinder wuchsen heran, das Häuschen wurde etwas modernisiert- kurz es ging uns gut und wir waren eine glückliche Familie. Dann ging es der Firma meiner Frau nicht mehr so gut. Die Arbeitsplätze im Osten bestanden noch nicht solange, da war es billiger, diese aufzulösen. Auch meine Firma, die für mehrere große deutsche Banken gearbeitet hatte, wurde von diesen plötzlich nicht mehr gebraucht. Da war plötzlich nicht nur meine Frau arbeitslos.

Wie nun weiter?

All diese Ereignisse hatten natürlich etwas Zeit gebraucht. Die Söhne waren groß, ich war inzwischen 62 und durfte die Firma noch ein Jahr abwickeln und arbeitslosenversichert war ich auch. Ich hätte zwar lieber noch wenigstens bis zur Rente gearbeitet, aber wer nimmt so einen alten Kerl noch? Nach einigem Überlegen war die Richtung klar: das ALG I reicht bis kurz vor die Rente und die muß es dann halt mit Abschlag tun. Das hieß zwar, nicht nur einen Pflock gegenüber früher zurückstecken, aber es war auch kein Grund, Tag und Nacht zu barmen. Das wichtigste war, den Umstieg vom bisherigen 14-16-Stunden-Tag auf einen 24-Stunden-Tag ohne Pflichten zu schaffen. Doch auch hier zeigte der Kopf, daß er noch zu mehr als zum Haareschneiden zu gebrauchen war. Pflichten sind doch nicht nur die, die man von Anderen auferlegt bekommt. Wenn es daran fehlt, muß man sich halt selbst welche schaffen.

Älter werden ist nicht schwer

Zuerst wurde der Bequemlichkeit der Kampf angesagt. Wozu haben wir gleich hinter dem Haus einen Wald? Montags bis Freitags gehe ich seitdem am Stock, d.h. ich "walke" eine Stunde durch den Wald. Das ist gut für die Gelenke und den Kreislauf und vor allem gut gegen Bauch und Langeweile. Daher wird auch früh um 5:30 Uhr aufgestanden und in den Wald marschiert, wenn einen die Rehe noch freundlich grüßen. Danach geduscht, gefrühstückt und etwas für die Familie getan. Während meine Frau die Enkelin in die Schule bringt und nachmittags wieder abholt, damit die lieben Kinder schön arbeiten können, pflege ich deren und unser Grundstück. Der jüngere der beiden Söhne war so schlau, sich gleich um die Ecke anzusiedeln. Da haben es Oma und Opa nicht so weit. Der ältere liebt die Ferne. Erst studierte er 500 km von daheim im Norden, jetzt arbeitet er 600 km entfernt im Süden. Da er noch unbeweibt ist, dürfen Mama und Papa ihn hin und wieder am Bodensee besuchen, um mal nach dem Rechten zu sehen, d.h. Mama bügelt mal wieder die Hemden und Papa prüft die Qualität des badischen Weines. So hat halt jeder seine Aufgaben. Papa nimmt dann auch ein paar Flaschen nach Hause mit, damit die Berichte für yopi nicht so trocken werden.
Der Computer ist immer noch mein liebstes Spielzeug. Die ganze Familie ist inzwischen mit Internet versorgt. Es ist aber auch gut, wenn man sich für viele Fälle des Lebens Rat holen kann. Und damit meine ich nicht nur Gartentips oder Kochrezepte. Da ich mich mit dem grünen und dem grauen Star herumschlagen muß und auch mit B12-Mangel und Thrombozytopenie meine Probleme habe, ist es hilfreich, sich mit Gleichgesinnten in entsprechenden Foren auszutauschen und sich ein wenig zu helfen. Da betrachtet man die Krankeit nicht mehr so als Krankheit, sondern als Beschäftigungsphilosophie. Nur nicht unterkriegen lassen!

Ich denke, Ihr habt nun mitbekommen, daß das Älterwerden nichts besonderes ist. Man hat genau so wenig Zeit wie vorher und wenn man sich nicht gehen läßt, sondern ein wenig geht, fühlt man sich auch nicht alt, nur ein wenig älter. Und das ist ja beispielsweise bei den Weinen absolut kein Mangel. Ich genieße mein Leben mit meiner Familie jeden Tag, den ich noch gesund erlebe und ab und zu schreibe ich Euch auch einmal darüber, wie letztens vom Bodensee. In diesem Sinne, auf gute Tage.

32 Bewertungen, 18 Kommentare

  • MasterSirTobi

    13.10.2008, 23:55 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Bericht gefällt mir wirklich gut. SH LG MasterSirTobi

  • Zzaldo

    17.09.2008, 22:10 Uhr von Zzaldo
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße sendet dir Stephan

  • Baby1

    14.09.2008, 12:59 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • ingoa09

    14.09.2008, 01:43 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr aufschlussreicher Bericht! Liebe Grüße, Ingo

  • morla

    14.09.2008, 00:53 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen abend noch lg. petra

  • Yvettte

    14.09.2008, 00:01 Uhr von Yvettte
    Bewertung: besonders wertvoll

    Für soviel Offenheit geb ich gern ein bw !

  • Elfenfrau

    14.09.2008, 00:00 Uhr von Elfenfrau
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ich bin zwar 4 Jahre jünger, aber ohne Arbeit lebt es sich toll. Nach 40 Jahren Arbeit habe ich alles geschmissen. Jetzt lebe ich mein Leben wie Du, viel Sport und nie Zeit, weil bei Yopi u.a. Toller Bericht von Dir. Lg Elfi

  • tk7722

    13.09.2008, 21:16 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr interessanter Bericht, liebe Grüße

  • Bunny84

    13.09.2008, 20:35 Uhr von Bunny84
    Bewertung: besonders wertvoll

    Klasse Bericht. lg Anja

  • blackangel63

    13.09.2008, 19:30 Uhr von blackangel63
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG ANJA........................

  • Mondlicht1957

    13.09.2008, 18:06 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: besonders wertvoll

    Auch für uns "Alten" gibt es ja Programme, so wie das 50Plus, ich hoffe du verstehst, dass ich das ironisch meine, bin ja auch betroffen :O)

  • Jerry525

    13.09.2008, 17:07 Uhr von Jerry525
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr interessant lg Jerry

  • money_leon

    13.09.2008, 16:48 Uhr von money_leon
    Bewertung: besonders wertvoll

    super bericht, ein BW von mir

  • doelau

    13.09.2008, 16:45 Uhr von doelau
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht, Gruß doelau

  • Tuffi2106

    13.09.2008, 15:39 Uhr von Tuffi2106
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, lieben Gruß und ein schönes Wochenende! Tuffi

  • anonym

    13.09.2008, 15:19 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Samstag wünsche ich

  • campino

    13.09.2008, 14:49 Uhr von campino
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ich wünsche Dir auch weiterhin Gute Tage! Liebe Grüße, Andrea

  • Kleinnightwish

    13.09.2008, 14:15 Uhr von Kleinnightwish
    Bewertung: sehr hilfreich

    ganz liebe grüße von der angi ;)