Lissabon Testbericht

Lissabon
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Erfahrungsbericht von P.Nibel

Lisboa - pérola bonita

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Lissabon, die Stadt an der Küste des Flusses Tejo, sieht, schmeckt, riecht und fühlt der Besucher so intensiv. Brodelndes Leben ergießt sich dem Touristen. Und doch zeigt sich Lisboa, die Hauptstadt Portugals, in harmonischer Gelassenheit.

Lissabon ist, wie Rom, auf sieben Hügeln erbaut. Nur sind diese viel steiler, was den Vorzug mit sich bringt, an vielen Stellen der Stadt einen wunderbaren Blick auf zwei Meere zu erhaschen: das Dächermeer der reizvollen Metropole und das \"Strohmeer\" - so nennt man den Tejo, weil seine Wasseroberfläche oft in gelblich-goldenem Licht glitzert. Das Wort Meer ist auch nur ein wenig übertrieben, da sich der Fluss doch an seiner Mündung an den Atlantik zu einer Bucht von Meeresbreite weitet.

Hätten die Hauptstädter nicht im vergangenen Jahrhundert mehrere Elevadores erbaut, so wären die steilen Hügel noch immer beschwerlich zu erkunden. Elevadores ist die Bezeichnung der kleinen, mit einem Seil nach oben gehievten, Straßenbahnwagen als auch des Aufzuges de Santa Justa. p.nibel Dieser eiserne Turm, im eleganten Jugendstil errichtet, verbindet an seiner oberen Station über eine kleine Brücke den Stadtteil Bairro Alto - \"Hohes Viertel\" - mit der Prachtstraße im Herzen der Stadt, der Praca dos Restauradores. Und über der Stadt, im alten maurischen Viertel namens Alfama, thront sodann das Castelo de Sao Jorge, eine romantisch restaurierte Burgruine, von deren Mauern sich der wohl schönste Blick auf Lisboa bietet.

Doch nun auf ins Gewühl. Wege ins pulsierende Leben der Hauptstadt gibt es viele. Aber am besten lässt man sich mit der zuckelnden Straßenbahn durch die engen Gassen schaukeln um die Umgebung zu erkunden. Oder Freunde der modernen Zivilisation wählen die Metro, um in entferntere Stadtteile zu brausen. Zumindest sollte man seine Schritte in die grünen Parks und berühmten Museen lenken um sich später aus gutem Grunde, geschwächt von soviel Kultur und Geschichte, beim Flanieren in eleganten Einkaufsvierteln und auf historischen Plätzen zu erholen. Das man dabei Restaurants und Cafés nicht links liegen lässt versteht sich von selbst. Wie wäre es mit einem Besuch des berühmtesten Bierlokals Lissabons? Die \"Cerveiaria da Trindade\" im Stadtteil Chiado ist ein heißer Tipp mit viel Abkühlung. Die azulejo-geschmückte Cerveiaria, ein ehemaliges Kloster, ist aus kulinarischer und touristischer Sicht ein vorzügliches Ziel. p.nibel Wer eher dezentere Lokalitäten mit etwas mehr Intellekt und mediterranem Flair bevorzugt, der kann sich in einem der berühmtestenm Künstlercafés Lisboas, dem Café \"A Brasileria\", niederlassen, das wundervolle Leben genießen und zu wohlschmeckendem Kaffee portugiesische Süßspeisen aus Creme, Eiern und Mandeln probieren.

Alsbald geht es weiter zu Denkmälern und Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Es ist gut möglich, dass man beim Gang durch Lisboa die melancholische und schwermütige Melodie des \"Fado\" der urtraditionellen Musik der Portugiesen - ein mit einer klassischen zwölfsaitigen Gitarre begleiteter Gesang voller Sehnsucht und Leidenschaft- vernimmt, wie angewurzelt stehen bleibt und staunend lauscht. Immerhin sind die Bewohner von Lissabon davon überzeugt, dass der echte \"Fado\" aus Lissabon kommt. Und so findet man dann auch schnell - vor allem in den Stadtvierteln Chiado und Alfama - wunderschöne Fado-Lokale mit faszinierenden Charme.

Genug verweilt; nun aber zurück zur Geschichte Portugals und deren Zeugnisse in Lissabon: Dank der Entwicklung des wendigen Schiffstyps Karavelle durch die Portugiesen konnten diese schnell die Weltmeere und gewinnträchtige Kolonien erobern. p.nibel Das 15. Jahrhundert stand im Zeichen dieser Schiffe und der damit verbundenen vielen Entdeckungen. So floss alsbald reichlich Gold aus brasilianischen Landen an die Atlantikküste und das erste Drittel des 16. Jahrhunderts, das so genannte \"Goldene Zeitalter\" Portugals, wurde eingeläutet. Dieser goldenen Epoche verdankt Lissabon einige Vermächtnisse.

So zum Beispiel den Torre de Belem. Der exotisch anmutende Turm am Ufer des Tejo gilt als eines der Wahrzeichen Lissabons und wurde 1514 als Verteidigungsanlage an der Stelle erbaut, wo die Seefahrer ihre Siegesreisen begannen und für ihre glückliche Heimreise beteten. So auch der weltberühmte Entdecker des Seeweges nach Indien, Vasco da Gama. Nur wenige Meter entfernt, erinnert das Padrao dos Descobrimentos an die Entdeckungen und Entdecker der Seefahrernation. Der Diktator Salazar ließ 1960 dieses imposante Denkmal mit unübersehbar nationalem Pathos sieben Meter höher als den benachbarten Torre de Belem erbauen. Auf dem steinernen Bug einer Karavelle drängen sich jene Männer, die Portugals Aufstieg zur Weltmacht beeinflussten.

Einen berauschend Pflichtbesuch sollte der Besucher der portugiesischen Hauptstadt auf jeden Fall dem Stadtteil Baixa abstatten. Hier lässt sich noch heute erkennen, was in später Barockzeit als echtes städtebauliches Know-how galt: Rasterförmige Straßenzüge in groszügiger Breite, fein geometrisch gegliedert. Gleichmäßig erbaute, wegen der Erdbebengefahr nur zweistöckige Häuser mit schlichten Fassaden. Nummerierte Straßen, die jeweils Handwerker verschiedener Gewerke aufnahmen. So findet man bei einem Spaziergang durch die Baixa viel besuchte Fußgänger-Boulevards mit niveauvollen und dem entsprechend teuren Geschäften. p.nibel Umso größer ist die Überraschung, wenn der Abend hereinbricht: Das Viertel ist zu dieser Zeit im Prinzip tot, da Restaurants, Cafés und Wohnungen fehlen. Eine besonders amüsanter städtebaulicher Fehler der Vergangenheit.

Um einiges interessanter und aufregender ist die aufgrund der Expo 1998 erbauten Vasco-da-Gama-Brücke. Dieses 17 km lange bauliche Meisterwerk verbindet nunmehr seit 4 Jahren Lissabon mit den südöstlich des Tejo gelegenen Wohnvierteln.

Etwas gänzlich anderes und gegensätzliches ist das wohl prächtigste Bauwerk Lisboas: das Mosteiro do Jerónimos. So verzaubern den Besucher des 500 Jahre alten Klosters, welches übrigens zum Weltkulturerbe gehört, unter anderem atemberaubende Kreuzgänge, dekorübersäte Gewölbe, elegante Pfeiler und von Elefanten getragene Königssärge. Der Besuch dieses Monuments wird unvergesslich sein.

Zuletzt noch ein Tipp an alle angehenden Lissabon-Besucher: An Bahnhöfen, am Flughafen und in Tourist-Informationen kann man zum Beispiel für schlappe 10,97 € eine 24-Stunden-Lisboa-Card erwerben. Mit dieser Card kann man alle öffentlichen Verkehrsmittel frei benutzen und erhält in vielen Museen freien bzw. stark ermäßigten Eintritt. Natürlich gibt es auch 1- 2- oder 3-Tages-Karten. Wer also viel vor hat, dem sei der Kauf der Lisboa-Card ans Herz gelegt.

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