Lissabon Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von ute161
Lissabon - eine virtuelle Städtereise
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Die meisten Besucher Lissabons lernen die schöne Stadt am Tejo während einer Städtereise kennen. Vom Flughafen geht es direkt ins Hotel, dann folgt eine Stadtrundfahrt und das übliche Kurzprogramm.
Bei unserem Besuch im Oktober 2000 war alles ganz anders, und an dieser Städtereise möchte ich euch virtuell teilhaben lassen.
Nachdem wir eine Woche auf einem kleinen Landgut in der Nähe von Palmela verbracht haben, sind wir mit unserem Mietwagen Richtung Lissabon aufgebrochen, um dort zum Abschluss noch weitere vier Tage zu verweilen.
Der letzte Morgen auf unserer Quinta Novesium war von Hektik geprägt. Die Koffer mussten noch gepackt und im Mietwagen verstaut werden und beim Abschied von unseren Gastgebern war eine gehörige Portion Wehmut im Spiel. Doch am späten Vormittag war es dann soweit. Wir saßen im Auto und fuhren auf der Autobahn gen Lissabon. Sofort war klar, dass wir Touristen waren: wir waren die einzigen Autofahrer, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten! Doch da wir nicht in Eile waren und auch kein Knöllchen "made in Portugal" einheimsen wollten, ließen wir Auto um Auto an uns vorbeiziehen.
Bei unserer Ankunft in Portugal haben wir von Lissabon aus die Brücke Vasco da Gama benutzt, die mit 17 km Länge natürlich ziemlich imposant erscheint. Doch an diesem Tage fuhren wir über die Ponte 25 de Abril. Die imposante Hängebrücke mit ihrem roten Anstrich erinnert stark an die Golden Gate Bridge in San Francisco, und die Fahrt über diese Brücke war schon sehr beeindruckend, schließlich liegt die Fahrbahnhöhe 70 Meter über der Wasseroberfläche. Am südlichen Tejo-Ufer lässt die Statue Christo Rei brasilianische Gefühle wach werden, ist das insgesamt 110 m hohe Monument doch ein Ebenbild der Christus-Statue von Rio de Janeiro. Kaum hatten wir die Brücke passiert, waren wir auch schon mitten in der lärmenden, pulsierenden Metropole Portugals. Unser Hotel lag in einer Seitenstraße zum Praca do Marques de Pombal, war also relativ leicht zu finden.
Nachdem wir im Hotel eingecheckt und unsere Koffer ausgepackt hatten, haben wir unseren Mietwagen zurückgegeben und mit der Erkundung Lissabons begonnen. Als Ausgangspunkt bot sich der Parque Eduardo VII an, der im Norden an den Pombal-Platz anschließt und einen wunderschönen Ausblick bis hinunter zum Tejo bietet. Im oberen Teil des Parks befindet sich das "Kalte Gewächshaus", Estufa Fria. Für einen Eintritt von umgerechnet € 1,05 (für Inhaber der Lisboa Card gratis) kann man Pflanzen aus aller Herren Länder bewundern. Errichtet wurde die Estufa Fria zu Beginn des 20. Jahrhunderts und umfasst mittlerweile eine Fläche von 16.000 m². Im großen und ganzen ist die Estufa Fria mit unseren botanischen Gärten zu vergleichen, doch leider haben Touristen aus aller Welt ihre Namen und das Datum ihres Besuchs in Baumstämme oder auch Blätter der tropischen Pflanzen geritzt.
Der Besuch des kalten Gewächshauses war eine willkommene Abkühlung, denn auch im Oktober waren die Temperaturen noch relativ hoch, und so setzten wir unseren Erkundungsspaziergang fort, die Avenida da Liberdade, Prachtstraße Lissabons, entlang bis hinunter zum Rossio, wo normalerweise das Leben pulsiert (so der Reiseführer), wir aber eine gewaltige Baustelle vorfanden. Bretterzäune, Bauschutt, Presslufthammer, so erlebten wir den Rossio. Auch das Cafe Nicola, von unseren Gastgebern auf dem Lande wärmstens empfohlen, hatte kapituliert und keine Tische und Stühle draußen gelassen. So liefen wir weiter und standen plötzlich in der Baixa.
Die Baixa, Unterstadt genannt, weicht erheblich vom übrigen Stadtbild Lissabons ab. So verwinkelt und verwunschen die meisten Stadtviertel auch sind, in der Baixa ist alles schachbrettförmig angeordnet. Nach dem großen Erdbeben von 1755 ließ Marques de Pombal das zerstörte Stadtviertel neu anlegen und bevorzugte eben klare Linien. Damals noch das Viertel der Goldschmiede und Tuchhändler, ist die Baixa heute das Bankenviertel Lissabons.
Begrenzt wird die Baixa zum Tejo hin durch die Praca do Comercio, wo bis zum Erdbeben der Königliche Palast stand. Rund um den Platz befinden sich von Arkaden gesäumte Häuser. In einem dieser Häuser befindet sich das Restaurant "Martinho da Arcada", das zu unserem absoluten Geheimtipp wurde. Gegründet 1782, ließ es sich dort schon Portugals Poet Fernando Pessoa gut gehen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall "Espadarte", Schwertfisch. Die Atmosphäre des Restaurants ist kaum zu beschreiben. Portraits der alten Dichter und Denker Portugals, Abzüge von alten Manuskripten und die Architektur des Hauses mit seinen gewölbeähnlichen Decken haben ein ganz gewisses Flair, das die Besucher um einhundert Jahre zurückversetzt.
Mittlerweile ist es Abend geworden, unmöglich, ganz Lissabon an einem Tag zu entdecken. So sind wir am nächsten Morgen mit der U-Bahn zum Park der Nationen hinausgefahren, wo 1998 die Expo stattgefunden hat, um dem Oceanario einen Besuch abzustatten. Für 1700 Escudos (€8,48), ermäßigter Preis für Inhaber der Lisboa Card, wurde uns der Zutritt gewährt in diesem aquaristischen Wunderwerk. Das Ozeanarium hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch seine Konstruktion und die Art der Präsentation zu verdeutlichen, dass die Ozeane und Meere der Erde einen einzigen globalen Ozean bilden. Herzstück ist das "offene Meer", ein 5000 Kubikmeter großer Salzwassertank, der sich in der Mitte des Ozeanariums über beide Ebenen erstreckt und in dem der Besucher Haie bewundern kann und Rochen regelrecht durch das Wasser schweben sieht. Umgeben wird der große Tank von insgesamt 25 kleineren Einzeltanks, die weitere spezifische Lebensräume abdecken. Großformatige Wandtafeln geben Erläuterungen zu verschiedenen Umweltaspekten, und der Besucher ist eingeladen, diverse Schaltpulte zu bedienen und zu beobachten, welche Auswirkungen menschliches Handeln für die Meere haben kann. Auch können die Gesänge von mehreren Wal-Arten vom Tonband abgerufen werden.
Nach dem Besuch des Ozeanariums, in dem wir mehrere Stunden verbrachten, ohne uns dessen bewusst zu sein, brauchten wir dringend eine Stärkung. Auch auf dem Expo-Gelände gelegen ist das Einkaufszentrum "Vasco da Gama". Hier erinnert alles an das Meer, getreu dem Motto der Expo 98. Bodenmosaike in verschiedenen Blautönen, sanft geschwungen wie eine sich leicht kräuselnde Wasseroberfläche sind ein Beispiel. Taucherpuppen und Pappmaché-Fische, die wie ein riesiges Mobile an der Decke hängen und sich mit Hilfe eines Schienensystems über unseren Köpfen hin und her bewegen, ergänzen das Bild. Das gesamte Center ist sehr sauber und übersichtlich gestaltet. Neben mehr als 160 Geschäften beheimatet es auch einen Kino-Komplex mit 10 Sälen und 1700 Sitzplätzen. Wer also während seines Lissabon-Aufenthaltes nicht auf einen Kinobesuch verzichten möchte, dem sei dieses Kino ans Herz gelegt. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist und seine Shopping-Tour in Ruhe und ohne quengelnde Kinder absolvieren möchte, kann seine Kinder (sofern diese im Alter zwischen 2 und 12 sind) im betreuten Spielplatz abgeben. Doch wir waren weder für einen Kinobesuch gekommen, noch hatten wir Kinder im Schlepptau. Unser einziges Ziel war es, unsere mittlerweile sehr laut knurrenden Mägen ruhigzustellen. Wir hatten die Qual der Wahl: sollten wir ins Restaurant mit Blick auf den Tejo oder uns eine Kleinigkeit aus einer der Restaurantketten mitnehmen. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für einen Besuch bei Pizza-Hut entschieden, denn im Restaurant war kein Platz mehr frei, McDonalds schied von vornherein aus, Fast-Food-Suppen waren auch nicht unbedingt unser Geschmack, und bei Pizza-Hut wussten wir wenigstens, was uns erwartet, und wir wurden nicht enttäuscht.
So gestärkt, waren wir wieder guter Dinge und bereit für den Rückweg zum Hotel. Mit der Metro ging es zurück zu unserem Hotel, vorbei an unzähligen wunderschön gestalteten U-Bahn-Stationen. Jede für sich ein kleines Kunstwerk, gestaltet von zeitgenössischen Malern und Designern, die jeder Station ein bestimmtes Motiv gaben und danach gestalteten.
Am nächsten Morgen waren wir schon früh auf den Beinen, und nach einem ausgiebigen Frühstück mit Blick auf den Praca do Marques de Pombal, dessen Kreisverkehr beinahe am Verkehrsinfarkt erstickte, machten wir uns auf den Weg zum Castelo de Sao Jorge. Der Aufstieg war relativ anstrengend. Enge Gassen, steile Treppen und ein Stadtplan, der leider im Hotelzimmer auf dem Tisch lag, erschwerten das ganze noch ein wenig, da das Labyrinth aus engen kurvenreichen Gassen die Orientierung nicht gerade leichter machte. Doch getreu dem Motto "die Burg ist auf dem Berg, also müssen wir einfach nach oben" und der ständig wachsenden Anzahl von Touristenbussen, die sich den Weg durch die extrem schmalen Gassen bahnten, fanden wir schließlich den Weg zum Kastell. Die Aussicht war atemberaubend. Die Sonne stand noch relativ tief am Himmel und ließ die Stadt in einem diffusen Licht erscheinen. Auf der einen Seite konnten wir über die Dächer der Alfama hinwegblicken, auf der anderen Seite erkannten wir das Schachbrettmuster der Baixa, und weit entfernt am Horizont sahen wir die rote Hängebrücke im Licht der Morgensonne schimmern und glänzen. Geöffnet ist das Kastell täglich von 9 bis 19 Uhr (im Sommer bis 21 Uhr). Die ältesten Teile stammen aus dem 6. Jahrhundert, im 12. Jahrhundert wurde die Burg zum Königspalast umgebaut und diente bis ins 16. Jahrhundert als königliche Residenz. Durch das große Erdbeben von 1755 wurde der Großteil zerstört, doch die Ruinen sind noch immer bemerkenswerte Zeitzeugen der Maurenzeit.
Da wir mit festem Schuhwerk ausgestattet waren, wagten wir das Abenteuer und ließen uns durch die Alfama treiben durch enge Gassen, steile Treppen und versteckt gelegene Hinterhöfe. Von den Hauswänden abblätternde Farbe, schmiedeeiserne Balkone, Topfpflanzen, die etwas Farbe in die Tristesse bringen, sind Bilder, die uns durch alle Gassen begleiten. Ein Hund liegt in der Sonne, mitten auf einem kleinen Fußballplatz zwischen den alten Häusern. Kanarienvögel zwitschern aus ihren Käfigen heraus, als ob sie ein Wettsingen veranstalten mit den Stimmen der Fadosänger, die aus kleinen Fadolokalen erklingen.
Am Fuße der Alfama angekommen, fiel unser Blick auf ein altes Schiff, das am Kai der Doca de Alcantara liegt und auch besichtigt werden kann. Der Eintritt, 300 Escudos, wird für die Instandhaltung der Fregatte "D. Fernando II e Gloria" verwendet. Jeder Besucher bekommt ein Hifi-Gerät, über das per Tastendruck Informationen zu bestimmten Stellen oder Einrichtungen auf der Fregatte Informationen vermittelt werden (auch in deutscher Sprache möglich). Die Fregatte wurde am 22. Oktober 1843 zu Wasser gelassen und segelte von Portugal zu den portugiesischen Kolonien in Indien, nach Mozambique und Angola. Im Laufe von 33 Jahren legte sie über 100.000 Seemeilen zurück. Bei einer Länge von knapp 87 Metern und einer Breite von knapp 13 Metern ist es kaum vorstellbar, dass auf manchen Reisen über 600 Menschen an Bord waren, Mannschaft und Passagiere. Der Rundgang führt über das Oberdeck und drei Unterdecks, die immer enger und dunkler wurden und die Treppen bzw. Leitern, die die einzelnen Decks miteinander verbanden, wurden auch immer steiler und schmaler. Insgesamt haben wir ca. 2 Stunden auf dieser Fregatte verbracht, und ich kann jedem Besucher Lissabons nur empfehlen, dieses Schiff zu besichtigen.
Die vielbefahrene Uferstraße entlang Richtung Praca do Comercio, das hatten wir uns vorgenommen, da das der kürzeste Weg zurück zur Baixa war. Doch hatten wir nicht mit den Baumaßnahmen gerechnet, die in diesem Bereich zu Gange waren und uns zu einem kleinen Umweg zwangen. Diesen Umweg mussten nicht nur wir nehmen, sondern auch alle Kraftfahrzeuge, und so standen wir plötzlich an einer roten Ampel zwischen alten Omnibussen, LKWs und Kleinwagen, die allesamt ohne Katalysator, dicke schwarze Rußwolken ausstießen und uns erahnen ließen, wie Smog entsteht. Wir waren nur eine Viertelstunde zwischen den rußenden Wagen gefangen, doch reichte das schon, um eine gewisse Übelkeit zu verspüren. So waren wir dann mehr als froh, ein kleines Restaurant zu entdecken, wo wir uns vom Lärm der Innenstadt erholen und eine Paella probieren konnten. Später im Hotel machten sich dann die Folgen bemerkbar, die eine Kombination aus Autoabgasen und Paella hinterließen: Ich musste mich mehrmals übergeben, hatte leichte Vergiftungserscheinungen in Folge der ganzen Abgase, die ich eingeatmet hatte. An der Paella konnte es nicht gelegen haben, denn meinem Freund ging es soweit ganz gut. Jedenfalls war der Abend gelaufen. Ich lag im Bett, rannte ab und zu zur Toilette, und mein Freund stand hilflos daneben und wusste nicht so recht, was er tun sollte.
Am nächsten Morgen ging es mir zwar noch nicht hundertprozentig, aber ich war doch wieder so weit auf der Höhe, dass wir den nächsten Ausflug in Angriff nehmen konnten. Den Abgasen wollten wir ausweichen, also haben wir uns zwei Tickets gekauft für eine Bootsfahrt auf dem Tejo. Der Preis von 2.400 Escudos (€12) ist zwar ziemlich happig, lohnt sich aber, wenn man bedenkt, dass die Tour zwei Stunden dauert und die Strecke bis hinauf zum Park der Nationen bis hinunter nach Belem umfasst. Wir haben das Ausflugsboot betreten und uns in die letzte Reihe gesetzt. Als das Boot ablegte, war der Himmel stark bewölkt, und der Wind pfiff nur so um unsere Ohren. Der Weg hinauf zum Expo-Gelände führte uns vorbei an der Fregatte, die wir tags zuvor besichtigt hatten. Direkt neben diesem alten, hölzernen Schiff lag ein Kreuzfahrtschiff, das so natürlich noch imposanter wirkte. Mitten auf dem Tejo waren ein paar Fischer in ihren kleinen Fischerbooten bei der Arbeit. Beim Blick auf die Fischer mit dem gegenüberliegenden Tejoufer im Hintergrund konnte man fast vergessen, dass man sich in einer Großstadt befand. Auf der Höhe des Ozeanariums drehte das Boot, und begann mit der Fahrt am Zentrum vorbei Richtung Belem. Auf der Höhe der Alfama brach die Sonne durch die Wolkendecke und warf ihr Licht auf das Burggelände und die Kuppeln der Kirchen und Kathedralen dieses Viertels. Wir nähern uns der Ponte 25 de Abril, die aus dieser Nähe noch imposanter wirkt als bei unserer Anreise. Was uns bei der Fahrt über die Brücke verborgen blieb, entdecken wir nun vom Schiff aus: die Brücke hat unter der Fahrbahn noch eine zweite Ebene, die für den Zugverkehr reserviert ist. Auch in Belem gibt es viele Motive, die unsere Aufmerksamkeit wecken. Das Hieronymuskloster, das Entdeckungsdenkmal und der Turm von Belem sind wirklich bemerkenswert, und wir beschließen sogleich, nach dem Ende der Bootstour mit dem Zug nach Belem hinauszufahren und diesem Stadtteil einen Besuch abzustatten.
In Belem angekommen, besichtigten wir zunächst das Hieronymuskloster. Nach der Überlieferung stand an seiner Stelle früher eine kleine Kapelle, in der Vasco da Gama in der Nacht vor seinem Aufbruch nach Indien im Jahre 1497 betete. Als er 1499 zurückkehrte und mit allen Ehren empfangen wurde, ordnete König Manuel I zum Dank für die Entdeckung des Seeweges nach Indien den Bau des Seemannsklosters an. Genau 500 Jahre vor unserem Besuch wurde der Grundstein des Klosters gelegt, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Besonders fasziniert hat uns der Kreuzgang mit seinen filigran verzierten Säulen. Restauriert wird anscheinend ständig, als wir dort waren, war die Hälfte des Kreuzgangs fertig und glänzte in strahlendem Weiß, während die andere Hälfte noch den Dreck der vergangenen Jahre trug. Wenn man bedenkt, wie umständlich und langwierig die Säuberung der filigranen Ornamente ist, kann man sich schon vorstellen, was für eine Sisyphusarbeit die Restauratoren leisten.
Die nächste Station unseres Tagesausfluges war der Turm von Belem, der zwischen 1514 und 1520 als Verteidigungspunkt an der Tejomündung errichtet wurde und ebenfalls heute zum Weltkulturerbe zählt. An den Zinnen ist das Christusritterkreuz zu sehen, die kleinen Türmchen scheinen ihren Ursprung in Indien gefunden zu haben. Als Inhaber der Lisboa Card konnten wir den Turm gratis besteigen und hatten eine wunderschöne Aussicht über den Stadtteil und den Tejo.
Wir wollten als nächstes das Entdeckerdenkmal besuchen, doch leider war es schon geschlossen, als wir dort ankamen. So blieb uns nur noch, das einzigartige Bodenmosaik zu Füßen des Denkmals zu bewundern. Wer einmal in Lissabon war, wird sich sofort an die zahlreichen Bodenmosaike erinnern, die das gesamte Stadtbild prägen. Entstanden sind diese Mosaike aus der Not. Nach dem Erdbeben von 1755 kamen die Lissabonner auf die Idee, aus den Trümmern kleine Pflastersteine herzustellen und so die Gehwege und Plätze zu befestigen. Die schwarzen Steine sind aus vulkanischem Basalt, die weißen aus Kalksandstein. Seit 1883 lässt Lissabon seine Fußgängerweg von Künstlern gestalten, und so entstanden die unterschiedlichsten Motive, vor dem Entdeckerdenkmal beispielsweise eine Windrose, die eine Landkarte der Welt umschließt.
Da mittlerweile die Nacht Einzug gehalten hat und unser Lissabonaufenthalt sich dem Ende zuneigte, fuhren wir zurück zum Hotel, packten unsere Koffer und verließen am nächsten Morgen das Hotel in Richtung Flughafen. Der Rückflug führte uns über einen kleinen Umweg über Faro zurück nach Düsseldorf, und schon als der Flieger in Lissabon abhob, waren wir uns sicher, das dies nicht der letzte Besuch in dieser wundervollen Stadt war. So vieles hatten wir noch nicht gesehen, so vieles wollten wir noch einmal besuchen. Vier Tage Lissabon waren gerade mal der Aperitif, für den Genuss der Hauptspeise kommen wir wieder!
Bei unserem Besuch im Oktober 2000 war alles ganz anders, und an dieser Städtereise möchte ich euch virtuell teilhaben lassen.
Nachdem wir eine Woche auf einem kleinen Landgut in der Nähe von Palmela verbracht haben, sind wir mit unserem Mietwagen Richtung Lissabon aufgebrochen, um dort zum Abschluss noch weitere vier Tage zu verweilen.
Der letzte Morgen auf unserer Quinta Novesium war von Hektik geprägt. Die Koffer mussten noch gepackt und im Mietwagen verstaut werden und beim Abschied von unseren Gastgebern war eine gehörige Portion Wehmut im Spiel. Doch am späten Vormittag war es dann soweit. Wir saßen im Auto und fuhren auf der Autobahn gen Lissabon. Sofort war klar, dass wir Touristen waren: wir waren die einzigen Autofahrer, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten! Doch da wir nicht in Eile waren und auch kein Knöllchen "made in Portugal" einheimsen wollten, ließen wir Auto um Auto an uns vorbeiziehen.
Bei unserer Ankunft in Portugal haben wir von Lissabon aus die Brücke Vasco da Gama benutzt, die mit 17 km Länge natürlich ziemlich imposant erscheint. Doch an diesem Tage fuhren wir über die Ponte 25 de Abril. Die imposante Hängebrücke mit ihrem roten Anstrich erinnert stark an die Golden Gate Bridge in San Francisco, und die Fahrt über diese Brücke war schon sehr beeindruckend, schließlich liegt die Fahrbahnhöhe 70 Meter über der Wasseroberfläche. Am südlichen Tejo-Ufer lässt die Statue Christo Rei brasilianische Gefühle wach werden, ist das insgesamt 110 m hohe Monument doch ein Ebenbild der Christus-Statue von Rio de Janeiro. Kaum hatten wir die Brücke passiert, waren wir auch schon mitten in der lärmenden, pulsierenden Metropole Portugals. Unser Hotel lag in einer Seitenstraße zum Praca do Marques de Pombal, war also relativ leicht zu finden.
Nachdem wir im Hotel eingecheckt und unsere Koffer ausgepackt hatten, haben wir unseren Mietwagen zurückgegeben und mit der Erkundung Lissabons begonnen. Als Ausgangspunkt bot sich der Parque Eduardo VII an, der im Norden an den Pombal-Platz anschließt und einen wunderschönen Ausblick bis hinunter zum Tejo bietet. Im oberen Teil des Parks befindet sich das "Kalte Gewächshaus", Estufa Fria. Für einen Eintritt von umgerechnet € 1,05 (für Inhaber der Lisboa Card gratis) kann man Pflanzen aus aller Herren Länder bewundern. Errichtet wurde die Estufa Fria zu Beginn des 20. Jahrhunderts und umfasst mittlerweile eine Fläche von 16.000 m². Im großen und ganzen ist die Estufa Fria mit unseren botanischen Gärten zu vergleichen, doch leider haben Touristen aus aller Welt ihre Namen und das Datum ihres Besuchs in Baumstämme oder auch Blätter der tropischen Pflanzen geritzt.
Der Besuch des kalten Gewächshauses war eine willkommene Abkühlung, denn auch im Oktober waren die Temperaturen noch relativ hoch, und so setzten wir unseren Erkundungsspaziergang fort, die Avenida da Liberdade, Prachtstraße Lissabons, entlang bis hinunter zum Rossio, wo normalerweise das Leben pulsiert (so der Reiseführer), wir aber eine gewaltige Baustelle vorfanden. Bretterzäune, Bauschutt, Presslufthammer, so erlebten wir den Rossio. Auch das Cafe Nicola, von unseren Gastgebern auf dem Lande wärmstens empfohlen, hatte kapituliert und keine Tische und Stühle draußen gelassen. So liefen wir weiter und standen plötzlich in der Baixa.
Die Baixa, Unterstadt genannt, weicht erheblich vom übrigen Stadtbild Lissabons ab. So verwinkelt und verwunschen die meisten Stadtviertel auch sind, in der Baixa ist alles schachbrettförmig angeordnet. Nach dem großen Erdbeben von 1755 ließ Marques de Pombal das zerstörte Stadtviertel neu anlegen und bevorzugte eben klare Linien. Damals noch das Viertel der Goldschmiede und Tuchhändler, ist die Baixa heute das Bankenviertel Lissabons.
Begrenzt wird die Baixa zum Tejo hin durch die Praca do Comercio, wo bis zum Erdbeben der Königliche Palast stand. Rund um den Platz befinden sich von Arkaden gesäumte Häuser. In einem dieser Häuser befindet sich das Restaurant "Martinho da Arcada", das zu unserem absoluten Geheimtipp wurde. Gegründet 1782, ließ es sich dort schon Portugals Poet Fernando Pessoa gut gehen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall "Espadarte", Schwertfisch. Die Atmosphäre des Restaurants ist kaum zu beschreiben. Portraits der alten Dichter und Denker Portugals, Abzüge von alten Manuskripten und die Architektur des Hauses mit seinen gewölbeähnlichen Decken haben ein ganz gewisses Flair, das die Besucher um einhundert Jahre zurückversetzt.
Mittlerweile ist es Abend geworden, unmöglich, ganz Lissabon an einem Tag zu entdecken. So sind wir am nächsten Morgen mit der U-Bahn zum Park der Nationen hinausgefahren, wo 1998 die Expo stattgefunden hat, um dem Oceanario einen Besuch abzustatten. Für 1700 Escudos (€8,48), ermäßigter Preis für Inhaber der Lisboa Card, wurde uns der Zutritt gewährt in diesem aquaristischen Wunderwerk. Das Ozeanarium hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch seine Konstruktion und die Art der Präsentation zu verdeutlichen, dass die Ozeane und Meere der Erde einen einzigen globalen Ozean bilden. Herzstück ist das "offene Meer", ein 5000 Kubikmeter großer Salzwassertank, der sich in der Mitte des Ozeanariums über beide Ebenen erstreckt und in dem der Besucher Haie bewundern kann und Rochen regelrecht durch das Wasser schweben sieht. Umgeben wird der große Tank von insgesamt 25 kleineren Einzeltanks, die weitere spezifische Lebensräume abdecken. Großformatige Wandtafeln geben Erläuterungen zu verschiedenen Umweltaspekten, und der Besucher ist eingeladen, diverse Schaltpulte zu bedienen und zu beobachten, welche Auswirkungen menschliches Handeln für die Meere haben kann. Auch können die Gesänge von mehreren Wal-Arten vom Tonband abgerufen werden.
Nach dem Besuch des Ozeanariums, in dem wir mehrere Stunden verbrachten, ohne uns dessen bewusst zu sein, brauchten wir dringend eine Stärkung. Auch auf dem Expo-Gelände gelegen ist das Einkaufszentrum "Vasco da Gama". Hier erinnert alles an das Meer, getreu dem Motto der Expo 98. Bodenmosaike in verschiedenen Blautönen, sanft geschwungen wie eine sich leicht kräuselnde Wasseroberfläche sind ein Beispiel. Taucherpuppen und Pappmaché-Fische, die wie ein riesiges Mobile an der Decke hängen und sich mit Hilfe eines Schienensystems über unseren Köpfen hin und her bewegen, ergänzen das Bild. Das gesamte Center ist sehr sauber und übersichtlich gestaltet. Neben mehr als 160 Geschäften beheimatet es auch einen Kino-Komplex mit 10 Sälen und 1700 Sitzplätzen. Wer also während seines Lissabon-Aufenthaltes nicht auf einen Kinobesuch verzichten möchte, dem sei dieses Kino ans Herz gelegt. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist und seine Shopping-Tour in Ruhe und ohne quengelnde Kinder absolvieren möchte, kann seine Kinder (sofern diese im Alter zwischen 2 und 12 sind) im betreuten Spielplatz abgeben. Doch wir waren weder für einen Kinobesuch gekommen, noch hatten wir Kinder im Schlepptau. Unser einziges Ziel war es, unsere mittlerweile sehr laut knurrenden Mägen ruhigzustellen. Wir hatten die Qual der Wahl: sollten wir ins Restaurant mit Blick auf den Tejo oder uns eine Kleinigkeit aus einer der Restaurantketten mitnehmen. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für einen Besuch bei Pizza-Hut entschieden, denn im Restaurant war kein Platz mehr frei, McDonalds schied von vornherein aus, Fast-Food-Suppen waren auch nicht unbedingt unser Geschmack, und bei Pizza-Hut wussten wir wenigstens, was uns erwartet, und wir wurden nicht enttäuscht.
So gestärkt, waren wir wieder guter Dinge und bereit für den Rückweg zum Hotel. Mit der Metro ging es zurück zu unserem Hotel, vorbei an unzähligen wunderschön gestalteten U-Bahn-Stationen. Jede für sich ein kleines Kunstwerk, gestaltet von zeitgenössischen Malern und Designern, die jeder Station ein bestimmtes Motiv gaben und danach gestalteten.
Am nächsten Morgen waren wir schon früh auf den Beinen, und nach einem ausgiebigen Frühstück mit Blick auf den Praca do Marques de Pombal, dessen Kreisverkehr beinahe am Verkehrsinfarkt erstickte, machten wir uns auf den Weg zum Castelo de Sao Jorge. Der Aufstieg war relativ anstrengend. Enge Gassen, steile Treppen und ein Stadtplan, der leider im Hotelzimmer auf dem Tisch lag, erschwerten das ganze noch ein wenig, da das Labyrinth aus engen kurvenreichen Gassen die Orientierung nicht gerade leichter machte. Doch getreu dem Motto "die Burg ist auf dem Berg, also müssen wir einfach nach oben" und der ständig wachsenden Anzahl von Touristenbussen, die sich den Weg durch die extrem schmalen Gassen bahnten, fanden wir schließlich den Weg zum Kastell. Die Aussicht war atemberaubend. Die Sonne stand noch relativ tief am Himmel und ließ die Stadt in einem diffusen Licht erscheinen. Auf der einen Seite konnten wir über die Dächer der Alfama hinwegblicken, auf der anderen Seite erkannten wir das Schachbrettmuster der Baixa, und weit entfernt am Horizont sahen wir die rote Hängebrücke im Licht der Morgensonne schimmern und glänzen. Geöffnet ist das Kastell täglich von 9 bis 19 Uhr (im Sommer bis 21 Uhr). Die ältesten Teile stammen aus dem 6. Jahrhundert, im 12. Jahrhundert wurde die Burg zum Königspalast umgebaut und diente bis ins 16. Jahrhundert als königliche Residenz. Durch das große Erdbeben von 1755 wurde der Großteil zerstört, doch die Ruinen sind noch immer bemerkenswerte Zeitzeugen der Maurenzeit.
Da wir mit festem Schuhwerk ausgestattet waren, wagten wir das Abenteuer und ließen uns durch die Alfama treiben durch enge Gassen, steile Treppen und versteckt gelegene Hinterhöfe. Von den Hauswänden abblätternde Farbe, schmiedeeiserne Balkone, Topfpflanzen, die etwas Farbe in die Tristesse bringen, sind Bilder, die uns durch alle Gassen begleiten. Ein Hund liegt in der Sonne, mitten auf einem kleinen Fußballplatz zwischen den alten Häusern. Kanarienvögel zwitschern aus ihren Käfigen heraus, als ob sie ein Wettsingen veranstalten mit den Stimmen der Fadosänger, die aus kleinen Fadolokalen erklingen.
Am Fuße der Alfama angekommen, fiel unser Blick auf ein altes Schiff, das am Kai der Doca de Alcantara liegt und auch besichtigt werden kann. Der Eintritt, 300 Escudos, wird für die Instandhaltung der Fregatte "D. Fernando II e Gloria" verwendet. Jeder Besucher bekommt ein Hifi-Gerät, über das per Tastendruck Informationen zu bestimmten Stellen oder Einrichtungen auf der Fregatte Informationen vermittelt werden (auch in deutscher Sprache möglich). Die Fregatte wurde am 22. Oktober 1843 zu Wasser gelassen und segelte von Portugal zu den portugiesischen Kolonien in Indien, nach Mozambique und Angola. Im Laufe von 33 Jahren legte sie über 100.000 Seemeilen zurück. Bei einer Länge von knapp 87 Metern und einer Breite von knapp 13 Metern ist es kaum vorstellbar, dass auf manchen Reisen über 600 Menschen an Bord waren, Mannschaft und Passagiere. Der Rundgang führt über das Oberdeck und drei Unterdecks, die immer enger und dunkler wurden und die Treppen bzw. Leitern, die die einzelnen Decks miteinander verbanden, wurden auch immer steiler und schmaler. Insgesamt haben wir ca. 2 Stunden auf dieser Fregatte verbracht, und ich kann jedem Besucher Lissabons nur empfehlen, dieses Schiff zu besichtigen.
Die vielbefahrene Uferstraße entlang Richtung Praca do Comercio, das hatten wir uns vorgenommen, da das der kürzeste Weg zurück zur Baixa war. Doch hatten wir nicht mit den Baumaßnahmen gerechnet, die in diesem Bereich zu Gange waren und uns zu einem kleinen Umweg zwangen. Diesen Umweg mussten nicht nur wir nehmen, sondern auch alle Kraftfahrzeuge, und so standen wir plötzlich an einer roten Ampel zwischen alten Omnibussen, LKWs und Kleinwagen, die allesamt ohne Katalysator, dicke schwarze Rußwolken ausstießen und uns erahnen ließen, wie Smog entsteht. Wir waren nur eine Viertelstunde zwischen den rußenden Wagen gefangen, doch reichte das schon, um eine gewisse Übelkeit zu verspüren. So waren wir dann mehr als froh, ein kleines Restaurant zu entdecken, wo wir uns vom Lärm der Innenstadt erholen und eine Paella probieren konnten. Später im Hotel machten sich dann die Folgen bemerkbar, die eine Kombination aus Autoabgasen und Paella hinterließen: Ich musste mich mehrmals übergeben, hatte leichte Vergiftungserscheinungen in Folge der ganzen Abgase, die ich eingeatmet hatte. An der Paella konnte es nicht gelegen haben, denn meinem Freund ging es soweit ganz gut. Jedenfalls war der Abend gelaufen. Ich lag im Bett, rannte ab und zu zur Toilette, und mein Freund stand hilflos daneben und wusste nicht so recht, was er tun sollte.
Am nächsten Morgen ging es mir zwar noch nicht hundertprozentig, aber ich war doch wieder so weit auf der Höhe, dass wir den nächsten Ausflug in Angriff nehmen konnten. Den Abgasen wollten wir ausweichen, also haben wir uns zwei Tickets gekauft für eine Bootsfahrt auf dem Tejo. Der Preis von 2.400 Escudos (€12) ist zwar ziemlich happig, lohnt sich aber, wenn man bedenkt, dass die Tour zwei Stunden dauert und die Strecke bis hinauf zum Park der Nationen bis hinunter nach Belem umfasst. Wir haben das Ausflugsboot betreten und uns in die letzte Reihe gesetzt. Als das Boot ablegte, war der Himmel stark bewölkt, und der Wind pfiff nur so um unsere Ohren. Der Weg hinauf zum Expo-Gelände führte uns vorbei an der Fregatte, die wir tags zuvor besichtigt hatten. Direkt neben diesem alten, hölzernen Schiff lag ein Kreuzfahrtschiff, das so natürlich noch imposanter wirkte. Mitten auf dem Tejo waren ein paar Fischer in ihren kleinen Fischerbooten bei der Arbeit. Beim Blick auf die Fischer mit dem gegenüberliegenden Tejoufer im Hintergrund konnte man fast vergessen, dass man sich in einer Großstadt befand. Auf der Höhe des Ozeanariums drehte das Boot, und begann mit der Fahrt am Zentrum vorbei Richtung Belem. Auf der Höhe der Alfama brach die Sonne durch die Wolkendecke und warf ihr Licht auf das Burggelände und die Kuppeln der Kirchen und Kathedralen dieses Viertels. Wir nähern uns der Ponte 25 de Abril, die aus dieser Nähe noch imposanter wirkt als bei unserer Anreise. Was uns bei der Fahrt über die Brücke verborgen blieb, entdecken wir nun vom Schiff aus: die Brücke hat unter der Fahrbahn noch eine zweite Ebene, die für den Zugverkehr reserviert ist. Auch in Belem gibt es viele Motive, die unsere Aufmerksamkeit wecken. Das Hieronymuskloster, das Entdeckungsdenkmal und der Turm von Belem sind wirklich bemerkenswert, und wir beschließen sogleich, nach dem Ende der Bootstour mit dem Zug nach Belem hinauszufahren und diesem Stadtteil einen Besuch abzustatten.
In Belem angekommen, besichtigten wir zunächst das Hieronymuskloster. Nach der Überlieferung stand an seiner Stelle früher eine kleine Kapelle, in der Vasco da Gama in der Nacht vor seinem Aufbruch nach Indien im Jahre 1497 betete. Als er 1499 zurückkehrte und mit allen Ehren empfangen wurde, ordnete König Manuel I zum Dank für die Entdeckung des Seeweges nach Indien den Bau des Seemannsklosters an. Genau 500 Jahre vor unserem Besuch wurde der Grundstein des Klosters gelegt, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Besonders fasziniert hat uns der Kreuzgang mit seinen filigran verzierten Säulen. Restauriert wird anscheinend ständig, als wir dort waren, war die Hälfte des Kreuzgangs fertig und glänzte in strahlendem Weiß, während die andere Hälfte noch den Dreck der vergangenen Jahre trug. Wenn man bedenkt, wie umständlich und langwierig die Säuberung der filigranen Ornamente ist, kann man sich schon vorstellen, was für eine Sisyphusarbeit die Restauratoren leisten.
Die nächste Station unseres Tagesausfluges war der Turm von Belem, der zwischen 1514 und 1520 als Verteidigungspunkt an der Tejomündung errichtet wurde und ebenfalls heute zum Weltkulturerbe zählt. An den Zinnen ist das Christusritterkreuz zu sehen, die kleinen Türmchen scheinen ihren Ursprung in Indien gefunden zu haben. Als Inhaber der Lisboa Card konnten wir den Turm gratis besteigen und hatten eine wunderschöne Aussicht über den Stadtteil und den Tejo.
Wir wollten als nächstes das Entdeckerdenkmal besuchen, doch leider war es schon geschlossen, als wir dort ankamen. So blieb uns nur noch, das einzigartige Bodenmosaik zu Füßen des Denkmals zu bewundern. Wer einmal in Lissabon war, wird sich sofort an die zahlreichen Bodenmosaike erinnern, die das gesamte Stadtbild prägen. Entstanden sind diese Mosaike aus der Not. Nach dem Erdbeben von 1755 kamen die Lissabonner auf die Idee, aus den Trümmern kleine Pflastersteine herzustellen und so die Gehwege und Plätze zu befestigen. Die schwarzen Steine sind aus vulkanischem Basalt, die weißen aus Kalksandstein. Seit 1883 lässt Lissabon seine Fußgängerweg von Künstlern gestalten, und so entstanden die unterschiedlichsten Motive, vor dem Entdeckerdenkmal beispielsweise eine Windrose, die eine Landkarte der Welt umschließt.
Da mittlerweile die Nacht Einzug gehalten hat und unser Lissabonaufenthalt sich dem Ende zuneigte, fuhren wir zurück zum Hotel, packten unsere Koffer und verließen am nächsten Morgen das Hotel in Richtung Flughafen. Der Rückflug führte uns über einen kleinen Umweg über Faro zurück nach Düsseldorf, und schon als der Flieger in Lissabon abhob, waren wir uns sicher, das dies nicht der letzte Besuch in dieser wundervollen Stadt war. So vieles hatten wir noch nicht gesehen, so vieles wollten wir noch einmal besuchen. Vier Tage Lissabon waren gerade mal der Aperitif, für den Genuss der Hauptspeise kommen wir wieder!
14 Bewertungen, 4 Kommentare
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02.08.2005, 17:32 Uhr von hermine
Bewertung: sehr hilfreichHat mir sehr gut gefallen, ich freue mich schon auf November, dann geht es für 4 Tage nach Lissabon. Gefehlt haben mir nur Infos zum Hotel ( Name, gut oder schlecht, Preis). War die U-Bahn überfüllt?
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23.03.2002, 22:46 Uhr von silke-silke
Bewertung: sehr hilfreichSehr interessanter Bericht. Gruß Silke
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26.02.2002, 09:42 Uhr von Raileigh
Bewertung: sehr hilfreichAch ja, Lissabon. Seufz.
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13.02.2002, 21:51 Uhr von Psycho2081
Bewertung: sehr hilfreichWow! Das ist echt ausführlich! cu
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