Macht Liebe - Rosenstolz Testbericht
ab 5,92 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von Joebln
ich kündige!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Was ist bloß passiert??
Zwei Jahre lang haben die treuen Rosenstolz Fans auf ein neues Album gelauert.
Und wir waren geduldig. Denn der Vorgänger \"Kassengift\" war doch ein echter Hammer. Und in der konsequenten Weiterentwicklung und Verbesserung versprach ich mir ein neues hammerhartes Hitalbum. Die zwischen geschobene Single \"Es könnt\' ein Anfang sein\" war für mich dann auch ein wirklicher Knaller. Auf dem Album ist sie nicht zu finden.
Klar stürzte ich am 9.9.02 in den Musikladen meines Vertrauens und schnappte die \"normale\" Ausgabe des neuen Albums. Etwas ernüchtert war ich ja schon, nach dem ich die Single \"Sternraketen\" gehört hatte. Das war schließlich nicht der gewohnte und vertraute Stil. Das war mitschwimmen auf der derzeitigen Geschmackswelle.
Was ist denn zur Zeit los in der Musikszene? Grönemeyer ist wieder da. 80s Covers im Dancefloorbereich sind häufiger zu finden als neue Ideen. Und dann war da doch noch der durchschlagende Erfolg von uralten Utensilien wie Bluna, Africola, alte Trainingsjacken (auf dem vollkommen schwarzen Cover tragen Anna und Peter eben diese Jacken und dazu noch in knalligem BSR Orange – wenn das kein Revival ist) und elektronischer Musik.
\"2raumwohnung\" hat es vorgemacht. Elektropop wollen die Leute hören und dabei offensichtlich den Bogen der 70er in die Moderne schlagen. Eine gewisse Frau Humpe hat sich da ja mit besagter Band besonders hervor getan und ihre fruchtbare Saat auch schon auf einigen Rosenstolzsingles, die ihre Specials enthielten, gesät.
Aber wofür liebe ich Rosenstolz? Ich mag ihren Mondänpop, der keine Angst vor Bombast und Schmalz hatte, da er sich nie so ernst nahm. Ich mag ihre flotten Lieder, die sofort in die Beine gingen. Ich mag die frechen und manchmal bissigen Texte, in denen man sich so schön wieder finden konnte. Und ich mag (manchmal) die beeindruckenden Balladen, die einem selbst aus guter Laune auf den Selbstmordgedankentrip bringen konnten.
Doch am meisten liebte ich diesen geraden Weg. Rosenstolz hatte einen Stil gefunden, der zeitlos war. Die früheren Alben kann man immer wieder hören, ohne an längst vergangene Trends erinnert zu werden.
Doch nichts davon ist mehr da!
Ok eine Band will sich auch verändern und nach 12 Jahren kann man mal den Stil wechseln. Aber muss es denn ausgerechnet so ein radikaler Schnitt sein?
Von Melodiösität, von intelligenten Texten und ironischen Songs ist nichts mehr übrig.
Das Album baut im schnelleren Bereich auf den derzeitigen Diskoelektropop Trend. Belangloser Text wird mit Guter Laune Musik unterlegt und superfröhlich präsentiert.
Im langsamen Bereich, der diesmal wieder überrepräsentiert ist, fehlen dagegen die Ideen und die bisherige Tiefe.
Fast kommt es mir so vor als wäre das Album mit Songs aus zwei verschiedenen Schaffensphasen zusammen gestückelt. Und als Tribut an den Erscheinungstermin hat man schnell noch bei Frau Humpe ein paar Zeitgeiststücke bestellt.
Doch macht Euch selbst ein Bild. Hier die Songs im Einzelnen:
1. \"Sternraketen\" ist die erste Single. Und als Hörer wird man sofort auf den neuen Stil eingestellt. Elektronische Geräusche und digital verzerrte Stimmen sowie ein eingängiger Drum bestimmen das Bild. Der Text bleibt etwas mystisch. Dafür sprüht der Song vor Tanzbarkeit und guter Laune.
2. \"Macht Liebe\" ist der Titelsong des Albums und gefällt mir auch noch ganz gut. Anna glänzt mit flüsterndem Sprechgesang im Korpus und kräftig tiefem, fast beschwörendem Gesang, im Refrain. Musikalisch ist das Lied eher eintönig, aber auch tanzbar und eingängig.
3. \"Paradies\" ist vom Gesang her eine reinrassige Ballade. Musikalisch hat Peter aber flotte Boings, Zacks und sonstige Geräusche untergemischt, die für mich den schwebenden Gesang von Anna karikieren. Der Refrain ist musikalisch wieder sehr eingängig und gefällig. Der Text sagt mir nichts.
4. \"Es tut immer noch weh\" nach all den Geräuschen kann man nun aufatmen. Die schnodderige Ballade wird vorwiegend vom Klavier begleitet. Anna begeistert einmal mehr mit ihrem variablen Gesang, der diesmal fast an eine Berliner Schnauze erinnert.
5. \"Komm doch mit\" ist ein belangloses Liedchen, das mich extrem an Songs von \"2raumwohnung\" erinnert. Neuer Elektropop nach bester Machart. Nachdenklicher Text, der in diesem Trallala unter geht.
6. \"Heiss\" ist überhaupt nicht heiß. Es ist laut, nervig, langweilig, belanglos. Wo ist nur die Bissigkeit und die Frechheit der früheren Texte??
7. \"Ich verbrauche mich\" ist das widerlichste Stück des Albums. Der langsame Gesang hört sich an wie von einem Junkie und lässt einem die Zehnägel hochklappen. Dazu gibt’s eine Gitarre und später auch Drums und eine Heimorgel.
8. \"Unsterblich\" schon wieder eine Ballade. Na ja, mehr oder weniger. Das Tempo ist etwas flotter, aber sicher nicht tanzbar. Hört sich auch eher an wie so eine \"Club\" Zigaretten Werbung.
9. \"Raubtier\" Zack, Boing, Bum. Auch das herrscht in dem mittelschnellen Track vor. Geräusche, Drums und verzerrte Stimmen. Er ist relativ gefällig, aber reißt nicht mit. Auch die Hoffnung auf intelligente und freche Texte kann man getrost sausen lassen.
10. \"48 Stunden\" ist das Highlight der CD! Obwohl ich sonst nicht so der Balladen Fan bin, geht mir der Song in seiner Einfachheit (Klavier und Gitarrenbegleitung) und dem wirklich schönen Text tief ans Herz. Hier erkennt man noch mal die alten Qualitäten.
11. \"Prinzessin auf dem Abstellgleis\" ist eine weitere Ballade mit herzerweichendem Text. Hier gibt es sogar nur noch Klavierbegleitung. Aber der raue Gesang sagt mir nicht zu. Und zu viele Balladen hinter einander machen mich depressiv.
12. \"Tag in Berlin\" (November) Und schon wieder eine Ballade. Klassisch mit Klavier und Geige. Aber ich habe mittlerweile schon aufgegeben und höre nur noch mit halben und abgenervtem Ohr hin. Das sind nicht meine Rosenstolz!
Fazit: Ich bin fast durchweg enttäuscht. OK. Sicher will man sich als Musiker auch bewegen und es gibt garantiert tausende Käufer und echte Hardcorefans, die den neuen Stil lieben werden. In meinen CD Spieler passt er nicht. Und das macht mich nach so vielen Jahren richtig traurig.
PS: die CD ist kopiergeschützt – aber verbraucherfreundlich. Die CD kann optisch auf MD überspielt werden und am PC über einen mitgebrachten Player gehört werden, der nach einer kurzen Einlesezeit von allein startet.
PPS: in Sachen Fanbindung sind Rosenstolz jedenfalls mittlerweile Meister: Von der Single gibt es zwei unterschiedliche Versionen mit jeweils anderen unveröffentlichten Tracks sowie eine DVD Version.
Und auch das Album ist in einer DVD Version erhältlich.
Dazu wurde die Homepage http://www.rosenstolz.de völlig umgebaut und ständig mit Häppchen aus dem privaten Leben der Beiden versorgt.
2002 erschienen bei Polydor/Universal
Zwei Jahre lang haben die treuen Rosenstolz Fans auf ein neues Album gelauert.
Und wir waren geduldig. Denn der Vorgänger \"Kassengift\" war doch ein echter Hammer. Und in der konsequenten Weiterentwicklung und Verbesserung versprach ich mir ein neues hammerhartes Hitalbum. Die zwischen geschobene Single \"Es könnt\' ein Anfang sein\" war für mich dann auch ein wirklicher Knaller. Auf dem Album ist sie nicht zu finden.
Klar stürzte ich am 9.9.02 in den Musikladen meines Vertrauens und schnappte die \"normale\" Ausgabe des neuen Albums. Etwas ernüchtert war ich ja schon, nach dem ich die Single \"Sternraketen\" gehört hatte. Das war schließlich nicht der gewohnte und vertraute Stil. Das war mitschwimmen auf der derzeitigen Geschmackswelle.
Was ist denn zur Zeit los in der Musikszene? Grönemeyer ist wieder da. 80s Covers im Dancefloorbereich sind häufiger zu finden als neue Ideen. Und dann war da doch noch der durchschlagende Erfolg von uralten Utensilien wie Bluna, Africola, alte Trainingsjacken (auf dem vollkommen schwarzen Cover tragen Anna und Peter eben diese Jacken und dazu noch in knalligem BSR Orange – wenn das kein Revival ist) und elektronischer Musik.
\"2raumwohnung\" hat es vorgemacht. Elektropop wollen die Leute hören und dabei offensichtlich den Bogen der 70er in die Moderne schlagen. Eine gewisse Frau Humpe hat sich da ja mit besagter Band besonders hervor getan und ihre fruchtbare Saat auch schon auf einigen Rosenstolzsingles, die ihre Specials enthielten, gesät.
Aber wofür liebe ich Rosenstolz? Ich mag ihren Mondänpop, der keine Angst vor Bombast und Schmalz hatte, da er sich nie so ernst nahm. Ich mag ihre flotten Lieder, die sofort in die Beine gingen. Ich mag die frechen und manchmal bissigen Texte, in denen man sich so schön wieder finden konnte. Und ich mag (manchmal) die beeindruckenden Balladen, die einem selbst aus guter Laune auf den Selbstmordgedankentrip bringen konnten.
Doch am meisten liebte ich diesen geraden Weg. Rosenstolz hatte einen Stil gefunden, der zeitlos war. Die früheren Alben kann man immer wieder hören, ohne an längst vergangene Trends erinnert zu werden.
Doch nichts davon ist mehr da!
Ok eine Band will sich auch verändern und nach 12 Jahren kann man mal den Stil wechseln. Aber muss es denn ausgerechnet so ein radikaler Schnitt sein?
Von Melodiösität, von intelligenten Texten und ironischen Songs ist nichts mehr übrig.
Das Album baut im schnelleren Bereich auf den derzeitigen Diskoelektropop Trend. Belangloser Text wird mit Guter Laune Musik unterlegt und superfröhlich präsentiert.
Im langsamen Bereich, der diesmal wieder überrepräsentiert ist, fehlen dagegen die Ideen und die bisherige Tiefe.
Fast kommt es mir so vor als wäre das Album mit Songs aus zwei verschiedenen Schaffensphasen zusammen gestückelt. Und als Tribut an den Erscheinungstermin hat man schnell noch bei Frau Humpe ein paar Zeitgeiststücke bestellt.
Doch macht Euch selbst ein Bild. Hier die Songs im Einzelnen:
1. \"Sternraketen\" ist die erste Single. Und als Hörer wird man sofort auf den neuen Stil eingestellt. Elektronische Geräusche und digital verzerrte Stimmen sowie ein eingängiger Drum bestimmen das Bild. Der Text bleibt etwas mystisch. Dafür sprüht der Song vor Tanzbarkeit und guter Laune.
2. \"Macht Liebe\" ist der Titelsong des Albums und gefällt mir auch noch ganz gut. Anna glänzt mit flüsterndem Sprechgesang im Korpus und kräftig tiefem, fast beschwörendem Gesang, im Refrain. Musikalisch ist das Lied eher eintönig, aber auch tanzbar und eingängig.
3. \"Paradies\" ist vom Gesang her eine reinrassige Ballade. Musikalisch hat Peter aber flotte Boings, Zacks und sonstige Geräusche untergemischt, die für mich den schwebenden Gesang von Anna karikieren. Der Refrain ist musikalisch wieder sehr eingängig und gefällig. Der Text sagt mir nichts.
4. \"Es tut immer noch weh\" nach all den Geräuschen kann man nun aufatmen. Die schnodderige Ballade wird vorwiegend vom Klavier begleitet. Anna begeistert einmal mehr mit ihrem variablen Gesang, der diesmal fast an eine Berliner Schnauze erinnert.
5. \"Komm doch mit\" ist ein belangloses Liedchen, das mich extrem an Songs von \"2raumwohnung\" erinnert. Neuer Elektropop nach bester Machart. Nachdenklicher Text, der in diesem Trallala unter geht.
6. \"Heiss\" ist überhaupt nicht heiß. Es ist laut, nervig, langweilig, belanglos. Wo ist nur die Bissigkeit und die Frechheit der früheren Texte??
7. \"Ich verbrauche mich\" ist das widerlichste Stück des Albums. Der langsame Gesang hört sich an wie von einem Junkie und lässt einem die Zehnägel hochklappen. Dazu gibt’s eine Gitarre und später auch Drums und eine Heimorgel.
8. \"Unsterblich\" schon wieder eine Ballade. Na ja, mehr oder weniger. Das Tempo ist etwas flotter, aber sicher nicht tanzbar. Hört sich auch eher an wie so eine \"Club\" Zigaretten Werbung.
9. \"Raubtier\" Zack, Boing, Bum. Auch das herrscht in dem mittelschnellen Track vor. Geräusche, Drums und verzerrte Stimmen. Er ist relativ gefällig, aber reißt nicht mit. Auch die Hoffnung auf intelligente und freche Texte kann man getrost sausen lassen.
10. \"48 Stunden\" ist das Highlight der CD! Obwohl ich sonst nicht so der Balladen Fan bin, geht mir der Song in seiner Einfachheit (Klavier und Gitarrenbegleitung) und dem wirklich schönen Text tief ans Herz. Hier erkennt man noch mal die alten Qualitäten.
11. \"Prinzessin auf dem Abstellgleis\" ist eine weitere Ballade mit herzerweichendem Text. Hier gibt es sogar nur noch Klavierbegleitung. Aber der raue Gesang sagt mir nicht zu. Und zu viele Balladen hinter einander machen mich depressiv.
12. \"Tag in Berlin\" (November) Und schon wieder eine Ballade. Klassisch mit Klavier und Geige. Aber ich habe mittlerweile schon aufgegeben und höre nur noch mit halben und abgenervtem Ohr hin. Das sind nicht meine Rosenstolz!
Fazit: Ich bin fast durchweg enttäuscht. OK. Sicher will man sich als Musiker auch bewegen und es gibt garantiert tausende Käufer und echte Hardcorefans, die den neuen Stil lieben werden. In meinen CD Spieler passt er nicht. Und das macht mich nach so vielen Jahren richtig traurig.
PS: die CD ist kopiergeschützt – aber verbraucherfreundlich. Die CD kann optisch auf MD überspielt werden und am PC über einen mitgebrachten Player gehört werden, der nach einer kurzen Einlesezeit von allein startet.
PPS: in Sachen Fanbindung sind Rosenstolz jedenfalls mittlerweile Meister: Von der Single gibt es zwei unterschiedliche Versionen mit jeweils anderen unveröffentlichten Tracks sowie eine DVD Version.
Und auch das Album ist in einer DVD Version erhältlich.
Dazu wurde die Homepage http://www.rosenstolz.de völlig umgebaut und ständig mit Häppchen aus dem privaten Leben der Beiden versorgt.
2002 erschienen bei Polydor/Universal
Bewerten / Kommentar schreiben